Mit „wenn + aber“ auf die Bühne

Die hal­li­sche Theaterlandschaft hat Zuwachs bekom­men.Ab dem 22. August prä­sen­tiert das neue Ensemble „wenn + aber“ihr ers­tes Stück „brand­stif­ten“ auf dem Gelände des WUK Theater Quartiers.

Schon von der Genzmer Brücke aus sieht man zwei Menschen auf dem alten Schiffswrack im Vorgarten des WUK Theaters her­um­lau­fen. Was genau sie ein­an­der zuru­fen, lässt sich nicht ver­ste­hen. Vorbeifahrende Autos über­tö­nen ihre Stimmen. Immer wie­der blei­ben Fußgänger:innen ste­hen, um den Proben des neu­en Ensembles „wenn + aber“ zuzu­schau­en. An die­sem Tag probt die Gruppe bereits seit 10:30 Uhr, denn die Premiere ihres ers­ten Stücks „brand­stif­ten“ rückt immer näher.

Erst im November letz­ten Jahres grün­det sich das Ensemble, bestehend aus Anja Barnert, Magdi Meißner, Carla Mildner, Jakob Möhring, Anton Rundel und Renée Marie Russo. Die sechs Ensemblemitglieder ken­nen sich aus vor­an­ge­gan­ge­nen Produktionen des Studierendentheaters der MLU und des WUK. Sich selbst beschrei­ben sie als „pro­fes­sio­nel­les Laientheater“. Über die Jahre hin­weg habe sich bei allen eine gro­ße Leidenschaft für das Theater ent­wi­ckelt. Anfänglich neh­men sich die Sechs beson­ders viel Zeit, um aus­zu­lo­ten, wie sie sich künst­le­risch ein­brin­gen und wel­che Stücke sie bear­bei­ten wol­len. „Wir wol­len evi­denz­ba­sier­tes Theater machen und Themen wirk­lich durch­drin­gen“, erklärt Anja.

Die Gesichter hin­ter dem Ensemble “wenn + aber”
Foto: “wenn + aber”

Theater mit Haltung

Diese Haltung spie­gelt sich auch in dem Namen des Ensembles wider. Nach lan­gem Brainstorming ent­schei­den sie sich schließ­lich für „wenn + aber“ – Inspiration bot der Züricher Verlag „Kein & Aber“. „Wenn und Aber passt gut, weil es uns wich­tig war, dif­fe­ren­ziert an Dinge her­an­zu­ge­hen, Fragen zu stel­len und kei­ne Fakten zu mani­fes­tie­ren“, so Anja. Die Wahl des ers­ten Theaterstücks fällt deut­lich leich­ter. Als Renée im letz­ten Sommer in einer Buchhandlung arbei­tet, stößt sie auf „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch und ver­liebt sich sofort in das Stück. „Ich fand das ein­fach so lus­tig. Und ich hat­te gro­ße Lust das zu spie­len“, erin­nert sie sich.

Erste Ideen für die Besetzung der Rollen sind schnell gefun­den. Für die Rolle des musi­ka­li­schen Chorführers hat Renée sofort Anton im Blick. Jakob hin­ge­gen ist für sie „der per­fek­te Biedermann“. Eine kla­re Rollenverteilung abseits der Bühne gibt es nicht. „Wir haben einen Probenplan geschrie­ben, in dem drin­steht, wer wann Regie macht“, erzählt Renée. Regie zu füh­ren, die ande­ren beim Spielen zu beob­ach­ten und sich selbst auf der Bühne mit­zu­den­ken, sei dabei eine gro­ße Herausforderung gewe­sen. „Letztendlich hat das aber so viel Spaß gemacht. Es ist, als wür­de man etwas zeich­nen und am Ende ist etwas da“, ergänzt Magdi.

Von wip­pen­den Hüften und Benzingeruch

An die­sem Abend steht die drit­te Szene des Stücks auf dem Probenplan. Biedermann, der zuvor zwei Hausierern Unterschlupf auf sei­nem Dachboden ange­bo­ten hat, muss sich den kri­ti­schen Ermittlungen des Chors stel­len. Ganz arg­los gibt er zu beden­ken, dass man nicht jedem Menschen schlech­te Taten unter­stel­len dür­fe. Der Chor gibt sich wenig über­zeugt, weist ihn auf den ste­chen­den Benzingeruch hin, von dem Biedermann jedoch nichts wis­sen will.

Während Magdi, Jakob, Anton und Renée auf der Bühne ste­hen, über­nimmt Anja die Regie. Konzentriert beob­ach­tet sie die Szene, lässt ihre Kolleg:innen spie­len und Dinge aus­tes­ten. Erst am Ende der Szene wer­tet sie aus. Schlägt Madgi und Renée ver­schie­de­ne Gesichtsausdrücke vor und pro­biert gemein­sam mit ihnen Bewegungen aus, um das Stück dyna­mi­scher zu machen. Immer wie­der fragt sie, wie sich die ande­ren mit den Änderungen füh­len. Kurzerhand wer­den die Rollen getauscht. Anja schlüpft in ihre Rolle des Chors, wippt gemein­sam mit Magdi und Renée die Hüften und übt die neu ent­wi­ckel­te Chorografie ein. Anton hat wäh­rend­des­sen die Bühne ver­las­sen und die Rolle des Regissuers ein­ge­nom­men. Es ist ein kon­ti­nu­ier­li­ches Experimentieren. Ganz nach dem Motto: Ausprobieren kos­tet nichts, wird sich mal spon­tan auf den Boden gewor­fen, wird mal thea­tra­lisch gesun­gen. Wenn eine Idee nicht sofort über­zeugt, wird wei­ter an ihr her­um­ge­tüf­telt, bis sie am Ende viel­leicht doch ver­wor­fen wird. 

Trotz des fort­lau­fen­den Ausprobierens hält das Ensemble am Originaltext fest. Chorgesänge und schnel­le Dialoge blei­ben dem Stück erhal­ten. Neben stil­len Momenten, in denen gut ein­ge­setz­te Blicke mehr als tau­send Worte sagen, ste­hen auch lau­te Töne, die die Bühne erfül­len. Beim Bühnenbild geht es hin­ge­gen weni­ger klas­sisch zu. „Das ist schon abs­trakt gehal­ten an vie­len Stellen und trägt unse­re Handschrift“, erzählt Renée. Das zeigt sich auch im drit­ten Akt, in dem sich Teile des Ensembles an einer Feuerwehrstange in unter­schied­li­cher Manier auf die Bühne her­un­ter­glei­ten las­sen. „Wir sind halt Leute, die ein­fach auch Bock haben, Sachen aus­zu­pro­bie­ren und rum­zu­ex­pe­ri­men­tie­ren“, gibt Anja lachend zu. „Es gibt auch ver­rück­te Ideen und Bilder, die beim Spielen ein­fach Spaß machen.“ Und auch beim Zuschauen macht das Stück Spaß, besticht es doch mit einer Dynamik und dem Mut, neue Dinge auszuprobieren.

Termine:

Sa. 22.08.26 | 20:30 Uhr *Premiere*
So. 23.08.26 | 20:30 Uhr
Mi. 26.08. | 20:30 Uhr

Tickets gibt es ab 9 Euro im Vorverkauf:  https://www.wuk-theater.de/programm/karten/

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