Seit 2012 entÂwiÂckelt und spielt das Amateurtheater malTHEanders jedes Semester ein andeÂres TheaterstĂĽck. Ab dem 6. Juni präÂsenÂtiert das Ensemble sein neuÂesÂtes Werk “Guns ’n’ Nuns – Eine Kriminalkomödie” von Kai Hinkelmann im Postkult e. V.

Foto: Julian Jakob StrauĂź
Ein lauÂtes BRRR ist in den Räumen des Postkult e. V. an einem Dienstagabend zu hören. Sechs Personen unterÂschiedÂliÂchen Alters steÂhen im Kreis und schauÂen vor allem Tristan an, der das Aufwärmprogramm an dieÂsem Abend vorÂbeÂreiÂtet hat. Nachdem sämtÂliÂche Muskeln im Gesicht geloÂckert und die Stimmbänder erwärmt sind, stimÂmen sich die Probenden psyÂchisch auf die Theaterprobe ein. HierfĂĽr stelÂlen sich die Ensemblemitglieder im Kreis auf, schauÂen sich tief in die Augen und wieÂderÂhoÂlen die Worte der vorÂheÂriÂgen Person mal kokett, mal ĂĽberÂtrieÂben. Das Ziel? Nicht zu lachen. „Wir mĂĽsÂsen ĂĽben, nicht zu lachen. Wir spieÂlen ja schlieĂźÂlich eine Komödie”, erklärt Nami aus dem Ensemble.
In der neuÂesÂten Produktion des malTHEanders finÂden drei erfolgÂloÂse Bankräuber, als Handwerker getarnt, Unterschlupf in einem Kloster. Als die Polizei beginnt, underÂcoÂver zu ermitÂteln, droht nicht nur ihre Tarnung aufÂzuÂflieÂgen — auch die Nonnen scheiÂnen es mit der Wahrheit und der Ehrlichkeit nicht allÂzu ernst zu nehÂmen. Wie in jedem Semester war die Wahl des neuÂen StĂĽcks eine demoÂkraÂtiÂsche. Jede Person aus dem Ensemble kann StĂĽcke vorÂschlaÂgen; ausÂgeÂwählt wird dann gemeinÂsam. Das malTHEanders sieht sich als demoÂkraÂtiÂsches Theater. Jede:r kann sich ĂĽberÂall einÂbrinÂgen. Eine kĂĽnstÂleÂriÂsche Leitung, die die groÂĂźen Entscheidungen alleiÂne trifft, gibt es nicht.
Genau dieÂse Offenheit begeisÂtert Nami bei einem Besuch des malTHEanders im verÂganÂgeÂnen Jahr. In dieÂsem Jahr erfolgt nun der ersÂte Einsatz auf der BĂĽhne. “Ich habe erstÂmal nur eine kleiÂne Rolle ĂĽberÂnomÂmen. Ich habe ungeÂfähr 15 Zeilen Text”, erzählt das neuÂesÂte Mitglied. Wer welÂche Rolle ĂĽberÂnimmt, wird im Kollektiv entÂschieÂden. Da das Ensemble an dieÂsem Probentag nicht vollÂstänÂdig ist, springt Nami immer wieÂder ein. Mal im KostĂĽm und mit gelernÂtem Text, mal in Alltagskleidung und mit Skript in den Händen.
Auf der BĂĽhne wird der zweiÂte Akt des StĂĽcks geprobt. Der als Nonne getarnÂte Kommissar teleÂfoÂniert aufÂgeÂregt mit seiÂnem Chef. Die Ermittlungen in Sachen Bankraub steÂhen still. Erkenntnisse? Fehlanzeige. Es sind eher BauchgefĂĽhl und Intuition statt echÂter Beweise. Der Druck steigt. So wird kurÂzerÂhand einer der verÂmeintÂliÂchen Handwerker ins Vertrauen gezoÂgen. Luigi, der eigentÂlich erfolgÂloÂser Bankräuber ist und sich nur als Handwerker ausÂgibt, soll zum Ermittlungserfolg beiÂtraÂgen. Doch der ist gedankÂlich ganz bei einer der Nonnen, die den Männern nicht ganz abgeÂschwoÂren hat. Situationskomik trifft hier auf ĂĽberÂdrehÂte Dialoge und zum Teil naiv-dĂĽmmÂliÂche Figuren.

Während auf der BĂĽhne geprobt wird, widÂmet sich Antje in der Zwischenzeit gemeinÂsam mit Sebastian, der sich vor allem um die Technik kĂĽmÂmert und selbst weniÂger auf der BĂĽhne steht, der Fertigstellung des selbstÂgeÂmachÂten Klosterfensters. Wie man ein solÂches ganz einÂfach zuhauÂse herÂstelÂlen kann, hat sich Antje auf YouTube beiÂbrinÂgen lasÂsen. „Windowcolor besteht quaÂsi nur aus UHU und Lebensmittelfarbe”, erzählt sie lachend. Damit das Fenster noch echÂter ausÂsieht, werÂden nun noch Steine aus Styropor an die AuĂźenseiten geklebt. Alles am BĂĽhnenbild ist selbstÂgeÂmacht. Die Steintapete an der Kulisse ist ganz fachÂmänÂnisch festÂgeÂtackert, damit sie fĂĽr die nächsÂte Produktion einÂfaÂcher entÂfernt werÂden kann. Manche Teile – etwa das GemĂĽse aus dem GemĂĽsebeet – stamÂmen aus alten AuffĂĽhrungen und werÂden nun recyÂcelt. Während im Hintergrund gewerÂkelt wird, lauÂfen die Proben auf der BĂĽhne weiÂter. Mittlerweile wurÂden Pistolen gezĂĽckt und Handschellen angeÂlegt. Letztere könnÂten gegen die Zahlung einer sechsÂstelÂliÂgen Summe auch wieÂder entÂfernt werÂden – doch das Geld ist weg. Wer das Geld entÂwenÂdet hat und welÂche Masken noch entÂhĂĽllt werÂden, kann an den fĂĽnf AuffĂĽhrungsterminen im Postkult e. V. herÂausÂgeÂfunÂden werÂden. Tickets fĂĽr die Vorstellungen könÂnen online fĂĽr 3 bezieÂhungsÂweiÂse 5 Euro erworÂben werÂden.
| Vorstellungen: Samstag, 06.06.2026, 19.30 – 22.00 Uhr (Premiere) Dienstag, 09.06.2026, 19.30 – 22.00 Uhr Sonntag, 14.06.2026, 16.00 – 18.30 Uhr Freitag, 19.06.2026, 19.30 – 22.00 Uhr Samstag, 20.06.2026, 19.30 – 22.00 Uhr (Derniere) |
Vorschaubild: Julian Jakob StrauĂź
