Wahlbeobachter gesucht

Noch bis zum 19. Juni 2026 kön­nen sich Interessierte zu einer orga­ni­sier­ten Beobachtung der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt anmel­den. Darüber infor­mier­te die „Plattform Wahlen“ am 10. Juni in einer Veranstaltung des Instituts für Politikwissenschaft der Uni Halle.

Wer den Ablauf in den Wahllokalen beob­ach­ten und in einem Bericht für die Plattform fest­hal­ten möch­te, soll­te am Wahltag zwi­schen 7.00 Uhr und 20.00 Uhr Zeit haben und an zwei Online-Trainings am 20. und 27. August teil­neh­men. Ein wei­te­res Feld, für das eben­falls Freiwillige gesucht wer­den, betrifft die Vorbereitung der Wahl. In teil­struk­tu­rier­ten Interviews sol­len die Wahlbehörden mög­lichst vie­ler Kommunen befragt wer­den. Dazu fin­det eine Online-Fortbildung am 2. Juli statt. Die Wahlbeobachter müs­sen unab­hän­gig sein, ver­pflich­ten sich zur Neutralität und sol­len sich auch in ver­meint­lich pro­ble­ma­ti­sche Situationen nicht ein­mi­schen – etwa falls nach ihrer Ansicht die Wähler beein­flusst wer­den, das Wahlgeheimnis nicht gewähr­leis­tet ist oder die Auszählung nicht kor­rekt abläuft. Verstöße der Beobachter gegen die Neutralitätspflicht wer­den sehr ernst genom­men. Interessierte kön­nen sich online anmel­den.

Wahlen fin­den öffent­lich statt, daher hat grund­sätz­lich jeder das Recht, ohne An­mel­dung oder Re­gis­tri­erung die Ab­gabe und Aus­zäh­lung der Stim­men in den Wahl­loka­len zu be­ob­ach­ten – so­fern die Räu­me da­durch nicht über­füllt wer­den und die Be­ob­ach­ter den Ab­lauf nicht stö­ren oder be­ein­flus­sen. Wenn die Be­ob­ach­tungen sys­te­ma­tisch bei der „Platt­form Wah­len“ er­fasst wer­den, kann sie da­raus ein lan­des­wei­tes Bild ge­win­nen und an in­ter­na­tio­na­len Kri­te­ri­en für freie, fai­re und trans­pa­ren­te Wah­len mes­sen. Die Platt­form ist ei­ne Ini­tia­ti­ve des Eu­ro­päi­schen Aus­tausch gGmbH und der Eu­ro­päi­schen Platt­form für Demo­krati­sche Wah­len (EPDE) zur För­de­rung un­ab­hängi­ger zi­vil­ge­sell­schaft­licher Wahl­beob­ach­tung europaweit. 

Zeitgleich fand eine wei­te­re Veranstaltung der Politikwissenschaft in der Reihe „Verteidigung der Demokratie“ statt. Vielleicht des­halb war der Vortrag der „Plattform Wahlen“ nur spär­lich besucht.

In ihrem Vortrag unter dem Titel „Wahl­beob­achtung nicht den Anti-Demokraten über­lassen“ stell­ten Wahlanalyst Thomas Leszke und Kommunikationsleiter Matthias Meier zunächst das Konzept der Wahl­­beob­­achtung durch inter­na­tio­na­le Or­ga­­ni­­sa­­tio­nen vor. Leszke hat seit 2018 an meh­re­ren Beob­ach­tungs­­mis­sio­nen der OSZE und der EU teil­genommen. Dabei geht es nicht nur um die Stimm­abgabe in den Wahl­lokalen, son­dern auch um Re­geln der Wahl­kampf­finan­zie­rung, den Ein­fluss von Des­infor­ma­tion und vie­le an­dere mög­liche Schwach­stellen eines fai­ren Wahl­ablaufs. Be­rich­te stel­len die vor­gefun­dene Situa­tion mög­lichst neu­tral dar und geben Em­pfeh­lungen ab. Da die inter­­natio­nalen Mis­sio­nen auf das Wohl­wollen der je­wei­li­gen Staa­ten an­ge­wie­sen sind, wird Kritik oft nur ab­ge­schwächt und diplo­ma­tisch for­mu­liert. Einige Staa­ten la­den je­doch auch ge­zielt ver­meint­liche Be­ob­achter ein, die ih­nen ei­nen ein­wand­freien Wahl­pro­zess be­schei­ni­gen sollen.

Auch in Deutschland hat die OSZE schon Wah­len be­ob­achtet und Em­pfeh­lungen ab­gegeben. Aber auch rechts­radi­kale Ini­tia­ti­ven wie „Ein Pro­zent“ ver­suchen sich in or­ga­ni­sier­ter Wahl­beob­achtung. Nicht zu­letzt um par­tei­ischen Aktio­nen etwas ent­gegen­halten zu kön­nen, möch­te die „Platt­form Wah­len“ aus­sage­kräf­tige Da­ten nach seriö­sen Kri­te­rien er­heben. Dabei hat sie durch­aus einen kri­ti­schen An­spruch und will den Ver­ant­wort­li­chen zei­gen, wo Ver­bes­se­rungs­bedarf be­steht. Zu den Kom­mu­nal­wah­len 2025 in Nord­rhein-West­falen und zur Land­tags­wahl 2026 in Ba­den-Würt­tem­berg hat die Platt­form bereits Berichte vor­gelegt. Ein wesent­li­ches Ziel der Wahl­beob­achtung ist, dass die Wäh­ler den Ab­läu­fen nicht blind ver­trauen müs­sen, son­dern sich ein kla­res Bild von einem mög­lichst trans­pa­ren­ten Ver­fah­ren ma­chen können.

Text und Foto: Konrad Dieterich

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