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Alle Studis in Halle ken­nen die Palette, das Charles Bronson und vie­le waren bei min­des­tens einer Ersti-Clubtour. Doch das Konzept der „Silent Disco“ hat sicher noch nicht jede:r auf dem Schirm – und das soll­te sich ändern!

Als mei­ne Partnerin mich zum ers­ten Mal frag­te, ob ich sie und ihre Eltern in die Silent Disco beglei­ten möch­te, war ich über­aus skep­tisch. Ich hat­te die Befürchtung, das Ganze könn­te mir etwas zu ruhig sein. Richtige Partystimmung kam da bei mir zunächst nicht auf. Trotzdem ließ ich mich über­re­den, mitzukommen.

Sound of Silence

An einer Handvoll Tagen im Jahr öff­net das „Schaufenster“ am Neuen Theater in der Großen Ulrichstraße dafür von 22 Uhr bis etwa halb eins sei­ne Türen. Am Eingang wer­den alle mit Kopfhörern aus­ge­stat­tet, denn nur dar­über wird Musik gehört. An der gegen­über­lie­gen­den Seite befin­det sich noch eine Bar. Ansonsten wird der klei­ne Raum fast voll­stän­dig von der Tanzfläche ein­ge­nom­men. Links und rechts sind ins­ge­samt drei DJ-Pulte auf­ge­baut. Wenn die Party los­geht und die Headsets ein­ge­schal­tet wer­den, kann den gan­zen Abend zwi­schen den „Kanälen“ der drei Künstler:innen gewählt wer­den, die je nach Thema des Abends auch ganz unter­schied­li­che Musikstile lau­fen las­sen. Mit einem ver­stell­ba­ren Regler am Kopfhörer wech­selt man zwi­schen blau, rot und grün. Von Pop über Rap und Electronic Beats ist alles mög­lich, sogar abge­fah­re­ne „medi­eval remix“-Versionen bekann­ter Hits.

Ort des Geschehens: Das „Schaufenster“ am Neuen Theater
Foto: Julian Herold

Das Format, von dem ich auf­grund mei­ner eige­nen Unkenntnis dach­te, es sei noch recht neu, exis­tiert an ver­schie­de­nen Orten der Welt teil­wei­se bereits seit über 20 Jahren. Ob in London, Berlin oder Singapur, über­all wird in unter­schied­li­cher Größe bei Silent Discos gefeiert.

Rhythm is a Dancer

Es ist von außen betrach­tet schon etwas schräg, wenn sich fast vier Dutzend Menschen mit funk­tio­na­lem Kopfschmuck in unter­schied­li­chen Rhythmen bei nahe­zu völ­li­ger Stille umher­be­we­gen. Immer wie­der traut sich auch mal jemand, den Liedtext mit­zu­sin­gen – hört ja schließ­lich (fast) keine:r.

Julian in der Silent Disco
Foto: Julian Herold

Aber nach­dem ich mich dar­an gewöhnt hat­te, mun­ter zwi­schen den DJs zu wech­seln und ein­fach die Musik zu genie­ßen, als hör­te ich sie zuhau­se, kam ich mir auch nicht mehr komisch vor. Als pas­sio­nier­ter Clubgänger lie­be ich es, wenn wir als Gruppe tan­zen und uns gemein­sam bei bes­ter 2000er-Mucke die Stimmen rau schrei­en. Dieses Gefühl der Verbundenheit ver­mis­se ich in der Silent Disco aller­dings nicht. Denn obwohl hier in ers­ter Linie jede:r für sich genießt, ist man dabei mit ande­ren zusam­men. Wem gera­de mal ein Lied nicht gefällt, muss auch nicht zur Raucherecke flüch­ten, son­dern schal­tet ganz ent­spannt um. Wer aber gera­de ein beson­ders gutes Lied erwischt, braucht sich nur unter Blickkontakt mit den Freunden auf die Headphones zu tip­pen, damit die ande­ren sehen, zu wel­chem Channel sie am bes­ten mal wech­seln sollten.

Everyone’s A Star!

Ein Unterschied zum her­kömm­li­chen Feiern, der sich deut­lich bemerk­bar macht, ist das Durchschnittsalter der tan­zen­den Masse: von Studierenden über Werktätige aller Altersstufen bis hin zu fit­ten Rentner:innen, die Silent Disco kann und soll etwas für alle sein. Wenn um 0.30 Uhr die Lichter wie­der ange­hen, droht kei­nem Schlafmangel. Das Getränkeangebot ist völ­lig aus­rei­chend, ver­ur­sacht aber kei­ne Kater-Gefahr. Auch die über­schau­ba­re Größe von Floor und Menschenansammlung sor­gen für eine ange­neh­me Atmosphäre, ganz ohne Gedränge oder Schubsereien.

In Verbindung mit der im „Schaufenster“ zu fin­den­den Klientel sor­gen die­se Umstände auch dafür, dass weib­lich gele­se­ne und quee­re Menschen eine ent­spann­te Zeit haben kön­nen. Die Gefahr, von alko­ho­li­sier­ten Männern unan­ge­nehm ange­spro­chen oder grund­sätz­lich genervt zu wer­den, geht hier gegen null.

Ihr sucht eine gemüt­li­che, ent­spann­te Alternative mit „Afterwork“-Flair zur gän­gi­gen Clubszene in Halle? Dann ist die „Silent Disco“ viel­leicht auch was für Euch.

Die nächs­te Silent Disco könnt Ihr am Samstag, den 16.5.2026, ab 22.00 Uhr besu­chen. Eintritt 3 Euro (ermä­ßig­ter Preis für Studierende bis 27 Jahre)
Weitere Termine wer­den jeweils auf der Detailseite des Neuen Theaters angekündigt.


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