Leere Plätze, nur knapp erreichÂte Beschlussfähigkeiten, verÂschoÂbeÂne Anträge â keiÂne Ausnahme im halÂliÂschen Stura. Durchschnittlich waren bei den Sitzungen seiÂner letzÂten Legislatur ledigÂlich 57 Prozent der Mitglieder anweÂsend. Zwischen den einÂzelÂnen Hochschulgruppen und Listen herrschÂten dabei groÂĂe Diskrepanzen. Wir baten sie um Stellungnahmen und bekaÂmen zusätzÂlich noch einiÂge interÂesÂsanÂte Informationen und Erklärungsansätze mit dazu.
Seit Beginn des Wintersemesters tagt an der MLU der 30. Studierendenrat und bemĂźht sich, die Interessen der Studierendenschaft zu verÂtreÂten. Ob dies jedoch immer gut mĂśgÂlich ist, bleibt anzuÂzweiÂfeln; das zeigt ein Blick auf die Anwesenheit in seiÂner verÂganÂgeÂnen einÂjähÂriÂgen Legislaturperiode. Denn bei der Auswertung der Anwesenheitslisten ergibt sich ein ernĂźchÂternÂdes Bild: Durchschnittlich waren ledigÂlich 21 der 37 Plätze besetzt. Die besÂte Anwesenheit konnÂte der 29. Stura noch bei seiÂner konÂstiÂtuÂieÂrenÂden Sitzung verÂzeichÂnen, bei der die Posten der Sprecher:innen neu verÂgeÂben wurÂden. Allgemein ist zu beobÂachÂten, dass die Motivation der einÂzelÂnen Mitglieder offenÂbar sehr unterÂschiedÂlich ausÂgeÂprägt war. Manche erschieÂnen so gut wie immer zu den Sitzungen, andeÂre nur geleÂgentÂlich oder quaÂsi nie; Tendenz sinkend.
Nach der Einschätzung des vorÂsitÂzenÂden Sprechers Lukas Wanke, der bereits seit vier Jahren dem Rat der Studierendenschaft beiÂwohnt, besteht die Anwesenheitsproblematik schon immer, doch: âIch glauÂbe, die letzÂte Legislaturperiode war besonÂders schlecht, aber das ist natĂźrÂlich subjektiv.â

Bei der Berechnung der allÂgeÂmeiÂnen Anwesenheitsquote kann die konÂstiÂtuÂieÂrenÂde Sitzung noch mit einÂbeÂzoÂgen werÂden, da die Anzahl der anweÂsenÂden Sturamitglieder im Protokoll verÂmerkt ist. Die namentÂliÂche Anwesenheitsliste ist jedoch verÂscholÂlen, wesÂweÂgen die Sitzung in allen weiÂteÂren Berechnungen verÂnachÂläsÂsigt werÂden muss.
Das Bangen um die Beschlussfähigkeit â Alltagsrealität im Gremium
Damit eine Sturasitzung fĂźr beschlussÂfäÂhig erklärt und erĂśffÂnet werÂden kann, muss minÂdesÂtens die Hälfte seiÂner stimmÂbeÂrechÂtigÂten Mitglieder anweÂsend sein, also 19. Man beachÂte, dass nur zur ErĂśffnung der Sitzungen dieÂse Anzahl erreicht werÂden muss. Gehen Leute zwiÂschenÂdrin â was keiÂne Seltenheit ist â bleibt das Gremium beschlussÂfäÂhig, bis die Zahl der Anwesenden unter ein Viertel der satÂzungsÂgeÂmäÂĂen Mitglieder fällt. Vier der insÂgeÂsamt 19 ordentÂliÂchen Sitzungen der letzÂten Sturalegislatur fanÂden auch zu ihrem Beginn keiÂne Beschlussfähigkeit. Um dadurch aufÂgeÂschoÂbeÂne Anträge aufÂhoÂlen zu kĂśnÂnen, wurÂden zusätzÂlich zwei auĂerÂorÂdentÂliÂche Sitzungen einÂbeÂruÂfen, die in jedem Fall beschlussÂfäÂhig sind, egal wie vieÂle Leute ihnen beiwohnen.
Im Extremfall werÂden so auch mal Anträge mit weniÂger als 10 Leuten abgeÂstimmt, erzählt Imke MaaĂ, die der Stura im Oktober das dritÂte Mal in Folge zu einer von zwei sitÂzungsÂleiÂtenÂden Sprecher:innen wählÂte. Als Sitzungsleiterin gehĂśrt es unter andeÂrem zu ihren Aufgaben, die Vertretungen der Sturamitglieder zu konÂtakÂtieÂren, sollÂten dieÂse einÂmal nicht zu einer Sitzung erscheiÂnen kĂśnÂnen; vorÂausÂgeÂsetzt natĂźrÂlich, sie sagen davor ab. Es ist nämÂlich durchÂaus mĂśgÂlich, sich im Stura verÂtreÂten zu lasÂsen oder sein Mandat ganz abzuÂleÂgen, sollÂte man doch keiÂne Zeit finÂden, dieÂses auszufĂźllen.

Foto: Martin Lohmann
Dies klappÂte im 29. Stura laut Imke âeher semi; meisÂtens sagen die Leute gar nicht ab.â Wenn jemand in drei aufÂeinÂanÂderÂfolÂgenÂden Sitzungen ĂźberÂhaupt nicht erscheiÂne und sich auch nicht abmelÂde, kĂśnÂne das Mandat stillÂgeÂlegt werÂden, erklärt sie weiÂter. Dann werÂde der nachÂrĂźÂckenÂden Person Bescheid gegeÂben, bei der das ganÂze Prozedere von vorÂne beginÂne. Im Idealfall kĂśnÂne am Ende ein Platz gestriÂchen werÂden, was sich posiÂtiv auf die Beschlussfähigkeit ausÂwirÂke. Im 29. Stura wurÂde kein Mandat stillÂgeÂlegt, doch Imke meint: âIch habe aus dem letzÂten Mal gelernt und bin nun viel mehr hinÂterÂher mit den Abwesenheiten und Konsequenzen, die sich darÂaus ergeÂben.â Allgemein seiÂen sie in der letzÂten Legislatur als Sitzungsleitung bezĂźgÂlich der Vertretungen und NachrĂźckenden â die ĂźbriÂgens immer die Personen mit den nächstÂmeisten erhalÂteÂnen Stimmen sind â oft an ihre Grenzen gestoÂĂen: âTeilweise meinÂten die Leute, sie wĂźrÂden gar nicht mehr in Halle wohÂnen. Irgendwann wussÂten wir bei manÂchen Listen nicht mehr, wen wir ĂźberÂhaupt noch fraÂgen sollen.â
Doch nicht nur in Sachen Beschlussfähigkeit ergeÂben sich aus der manÂgelnÂden Anwesenheit Probleme. Um SatÂzungs- oder Finanzordnungsänderungen abstimÂmen zu kĂśnÂnen, wird nämÂlich eine Zweidrittelmehrheit der satÂzungsgemäĂen Sturamitglieder benĂśÂtigt. Im 29. Stura waren bei ledigÂlich vier Sitzungen ĂźberÂhaupt genug Leute anweÂsend, um dieÂse Mehrheit erreiÂchen zu kĂśnÂnen. Das sei besonÂders ärgerÂlich, wenn man Ordnungen ausÂbĂźÂgeln mĂśchÂte, viel Arbeit in die Formulierung von Ănderungsanträgen gesteckt habe und sich die Abstimmung dann ewig verÂzĂśÂgeÂre, erzählt der Finanzer Carl-Jonas Mader: âInsbesondere, wenn dann Probleme aufÂtreÂten, die es nicht mehr geben wĂźrÂde, wenn die Ordnung schon durch wäre.â AuĂerdem fehÂlen bei Events wie der Immatrikulationsfeier oder der Erstsemesterparty immer Freiwillige zur UnterstĂźtzung.
âIch glauÂbe, die Leute cheÂcken nicht, dass sie mit ihrer Abwesenheit wirkÂlich unseÂre Arbeit erschweÂrenâ, sagt Imke. AuĂerdem erwähnt sie, wie unanÂgeÂnehm es sei, Antragsteller:innen wieÂder wegÂschiÂcken zu mĂźsÂsen, wenn eine Sitzung die Beschlussfähigkeit nicht erreiÂche: âAlle, die das kenÂnen, stelÂlen sich in den Semesterferien darÂauf ein, dass wir vielÂleicht nicht beschlussÂfäÂhig sind, aber die Antragsteller:innen wisÂsen das nicht und stelÂlen trotzÂdem frĂśhÂlich ihre Anträge.â Vor einiÂgen Jahren wurÂde ĂźbriÂgens die Regel einÂgeÂfĂźhrt, dass nur noch 20 Minuten gewarÂtet werÂden muss, bis eine Sitzung als nicht beschlussÂfäÂhig abgeÂsagt werÂden kann. Davor warÂteÂten die Anwesenden teilÂweiÂse stunÂdenÂlang auf evenÂtuÂell doch noch erscheiÂnenÂde stimmÂbeÂrechÂtigÂte Mitglieder.
Die Rangliste der Anwesenheits-Vorbildlichkeit
Zum Interview erklärÂten sich ausÂschlieĂÂlich Vertreter:innen des Gremiums bereit, die zu jeder oder zuminÂdest so gut wie jeder Sitzung anweÂsend waren. Sie alle hatÂten im 29. Stura Sprecher:innenposten inne, was ĂźbriÂgens auch bedeuÂtet, dass ihnen â je nach Zeitaufwand ihres jeweiÂliÂgen Postens â monatÂliÂche Aufwandsentschädigungen zwiÂschen 78 und 467 Euro gezahlt wurÂden. Die Auswertung der Anwesenheitslisten zeigÂte jedoch: Die Anwesenheitsquoten ihrer jeweiÂliÂgen Hochschulgruppe oder Liste unterÂschieÂden sich teilÂweiÂse masÂsiv vonÂeinÂanÂder. Einige lagen deutÂlich Ăźber dem Durchschnitt von 56,6 Prozent, andeÂre deutÂlich darunter.

Anwesenheitsquoten
der einÂzelÂnen Listen
Erreichte Plätze
(Zur Wahl Angetretene)
Den ersÂten Platz in der Rangliste der Anwesenheits-Vorbildlichkeit belegÂte der HochschulÂableger der FDP, die Liberale Hochschulgruppe (LHG). Sie gewann bei der Wahl 2018 zwar nur einen Platz, doch dieÂser war in 100 Prozent der Fälle besetzt. Ihr Mandatsträger Robin Rolnik konnÂte zwar zwei Mal nicht anÂwesend sein, wurÂde jedoch durch einen andeÂren LHGler verÂtreÂten. Er meint, er freue sich, dass es ihnen gelunÂgen sei, so viel wie mĂśgÂlich aus dem Mandat zu machen. Angetreten sei er, um etwas zu bewirÂken und sich einÂzuÂbrinÂgen; desÂweÂgen habe er auch das Amt eines der beiÂden vorÂsitÂzenÂden Sprecher:innen ĂźberÂnomÂmen. Sich an den Sitzungen zu beteiÂliÂgen, sei fĂźr ihn wichÂtig und selbstÂverÂständÂlich; als Funktionsträger sei er auĂerÂdem auch zur Anwesenheit verpflichtet.
Mit einer 88,1âprozentigen Anwesenheit kann der zweiÂte Platz der poliÂtisch unabÂhänÂgiÂgen Liste EURE Liste (EULi) zugeÂrechÂnet werÂden. Der momenÂtaÂne Sprecher fĂźr Fachschaftskoordination Benjamin Bost hat die Liste vor etwa andertÂhalb Jahren gegrĂźnÂdet, um der starÂken Politisierung entÂgeÂgenÂzuÂtreÂten, die er im Stura beobÂachÂteÂte. Die Grundsätze seiÂner grĂśĂÂtenÂteils aus Studierenden der Wirtschaftswissenschaften bestehenÂden Liste sind, stuÂdenÂtiÂsches Engagement zu stärÂken und dafĂźr zu sorÂgen, dass der Stura sich wieÂder mehr mit Hochschulpolitik anstatt Allgemeinpolitik beschäfÂtigt. Das Ergebnis der Anwesenheit von EULi im 29. Stura finÂde Benjamin âausbauÂfähigâ, aber eigentÂlich âgutâ. Bei der Sitzung im Februar, wo ihre beiÂden Plätze unbeÂsetzt waren, habe die Sitzungsleitung nicht ordÂnungsÂgeÂmäà zu der Sitzung einÂgeÂlaÂden; allÂgeÂmein wĂźrÂden sie jedoch immer verÂsuÂchen, Vertretungen zu engagieren.

Die mit elf bis zwĂślf Plätzen im Rat am stärksÂten verÂtreÂteÂne Offene Linke Liste (OLLi) erreichÂte mit 71,4 Prozent die drittÂbesÂte Anwesenheit. Ab der zwĂślfÂten Sitzung hatÂte sie einen Sitz mehr, da eine Kandidatin der Juso-Hochschulgruppe, die Ăźber den Wahlkreis Medizin in den Stura gekomÂmen war, zurĂźckÂtrat und eine Person von der OLLi fĂźr sie nachÂrĂźckÂte. Lukas, der seit Oktober schon zum dritÂten Mal den Posten eines vorÂsitÂzenÂden Sprechers ĂźberÂnahm, finÂdet wie Benjamin das Ergebnis seiÂner Liste âausÂbauÂfäÂhigâ. Er betont jedoch auch, dass es bei mehr Plätzen natĂźrÂlich schwieÂriÂger sei, Vertretungen zu finÂden. Doch warÂum ist dies so schwieÂrig? Immerhin traÂten fĂźr die OLLi 28 Leute an.
Nahezu alle interÂviewÂten Vertreter:innen erzähÂlen, dass es der Realität des Listenaufstellens entÂspreÂche, so vieÂle Leute wie mĂśgÂlich darÂaufÂzuÂschreiÂben, damit das bestÂmĂśgÂliÂche Ergebnis erzielt werÂden kĂśnÂne. Auch Lukas meint, es wäre albern zu leugÂnen, dass dies bei der OLLi auch vorÂkomÂme: âWobei man faiÂrerÂweiÂse sagen muss, dass sich manÂche auch nicht sicher sind, ob sie in den Stura wolÂlen.â Einige wĂźrÂden stattÂdesÂsen beiÂspielsÂweiÂse in den Senat gehen. Allgemein sei die Motivation in der OLLi denÂnoch recht hoch, was sich auch dadurch zeiÂge, dass sie vieÂle Posten besetÂzen und auf den Sitzungen sehr oft Anträge stelÂlen: âWir von der OLLi disÂkuÂtieÂren gerne.â
Auf Platz vier folgÂte mit exakt 50 Prozent der HochschulÂableger von Die PARTEI, Die LISTE. Imke finÂdet es âbedauÂerÂlichâ, dass ihr zweiÂter Mandatsträger sich kaum bliÂcken lieĂ. AuĂerdem haben âvieÂle von uns, die auch auf der Liste stanÂden, dann recht schnell viel ihrer Kapazitäten ihres Engagements fĂźr Die PARTEI ausÂgeÂschĂśpft.â Doch: âJa mei, immerÂhin ich war da!â Die Liste habe ĂźbriÂgens auch die Konsequenz gezoÂgen, nicht mehr als Die LISTE anzuÂtreÂten. Imke selbst stellÂte sich fĂźr den 30. Stura auf ihrer eigeÂnen Liste als âLast Girl Standingâ auf.
Unter âAndereâ werÂden hier parÂteiÂunÂabÂhänÂgiÂge Ein- und Zweipersonenlisten sowie komÂplett ohne Kennung angeÂtreÂteÂne Leute aufÂgeÂfĂźhrt. Zwei von ihnen hatÂten sich nicht einÂmal aufÂgeÂstellt, sonÂdern wurÂden in ihren jeweiÂliÂgen Wahlkreisen aus Ermangelung an zu wähÂlenÂden Kandidat:innen auf die Wahlzettel geschrieÂben â demÂentspreÂchend gering war auch ihre Anwesenheit. Melissa Andes trat unter dem Listennamen âPharmaWählenâ zur Wahl an und hob den Schnitt der âAnderenâ von 47,3 Prozent deutÂlich an, indem sie bei jeder einÂzelÂnen Sturasitzung anweÂsend war. Sie bekleiÂdeÂte gemeinÂsam mit Carl das Amt der Finanzer:innen und ist die einÂziÂge interÂviewÂte Person, die sich nicht fĂźr den aktuÂelÂlen Stura aufÂstellÂte. Sie finÂdet es trauÂrig, dass so vieÂle Leute sich wähÂlen lasÂsen und dann nicht komÂmen. Das sei in gewisÂser Weise eine âVerarscheâ der Wähler:innen. Ihre Motivation seiÂen neben Verantwortungsbewusstsein die spanÂnenÂden Diskussionen und die Leute, mit denen sie gut klarÂkomÂme, gewesen.

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Die Juso-Hochschulgruppe war mit sieÂben bis sechs Sitzen zwar theoÂreÂtisch die zweitÂstärksÂte Kraft im 29. Stura, doch sie erreichÂte ledigÂlich eine Anwesenheit von 46,7 Prozent. Der Finanzer Carl erzählt, dass die der SPD naheÂsteÂhenÂde Hochschulgruppe in der verÂganÂgeÂnen Legislaturperiode etwas von den vieÂlen erhalÂteÂnen Plätzen ĂźberÂrascht wurÂde; in der Regel bekäÂmen sie deutÂlich weniÂger. Zusätzlich fiel dies dann noch in âeine Zeit des Personalumbruchsâ. Sie hätÂten also weder die Leute noch die Strukturen gehabt, um eine gute Anwesenheit zu gewährÂleisÂten. Auch Kommunikationsprobleme scheiÂnen dabei eine entÂscheiÂdenÂde Rolle gespielt zu haben. Carl bestäÂtigt ebenÂfalls, dass es Ăźblich sei, einiÂge Leute als âStimmenfängerâ aufÂzuÂstelÂlen; âwir fraÂgen nun jedoch als Konsequenz immer genau nach, ob die Leute wirkÂlich in den Stura wolÂlen und Zeit dafĂźr haben.â AbschlieĂend hebt er noch herÂvor, dass dieÂjeÂniÂgen von der Juso-HSG, die regelÂmäÂĂig da waren, sich sehr proÂdukÂtiv beteiÂligÂten: âDarauf kĂśnÂnen wir auch stolz sein, weil es bedeuÂtet, dass wir trotz allem konÂstrukÂtiv mitÂarÂbeiÂten konnten.â
Den siebÂten Platz belegÂte mit 38,1 Prozent das Hochschuläquivalent der AfD, die Campus Alternative (CA). Von ihren drei Mitgliedern, von denen eines einen Platz im 29. Stura bekam, melÂdeÂte sich nieÂmand auf die Interviewanfrage. Daher kann nur verÂmuÂtet werÂden, warÂum sie sich seit der 15. Sitzung des letzÂten Stura nicht mehr auf den Sitzungen bliÂcken lieÂĂen. Robin erzählt, dass er glauÂbe, die CA sei mit dem Anspruch an die Sache herÂanÂgeÂganÂgen, den Stura zu revoÂluÂtioÂnieÂren, habe dann aber gemerkt, âdass sie mit einem Mandat nicht viel reiÂĂen kĂśnnen.â
Am wenigsÂten nutzÂte der mit fĂźnf Plätzen gesegÂneÂte Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) seiÂne MĂśglichkeiten. Er stellÂte mit 22 Leuten zwar die zweitÂgrĂśĂÂte Liste, schaffÂte es jedoch ledigÂlich zu 36,2 Prozent bei den Sitzungen des Stura anweÂsend zu sein. Selbst Robin, der als LHGler dem CDU-Ableger von Natur aus recht naheÂsteÂhen sollÂte, meint, er habe den RCDS in der verÂganÂgeÂnen Legislatur âals nicht gut vorÂbeÂreiÂtet und wenig bei der Sacheâ erlebt. Da der Vorstand der Hochschulgruppe danÂkend ablehnÂte, sich zu der Anwesenheitsproblematik zu äuĂern, kann auch hier Ăźber die GrĂźnde nur gemutÂmaĂt werÂden. Lukas denkt, sie seiÂen ihrer Oppositionsrolle einÂfach ĂźberÂdrĂźsÂsig geworden.
Die GrĂźne Hochschulgruppe (GHG), fĂźr die sechs Personen angeÂtreÂten waren, fand offenÂbar keiÂne Person, die Zeit fĂźr ein Interview hatÂte. Dies verÂwunÂdert angeÂsichts der Anwesenheitsquote ihrer vier gewählÂten Vertreter:innen von ledigÂlich 32,8 Prozent jedoch kaum.Sie scheiÂnen fĂźr die Wahl im Mai 2019 aus ihren perÂsoÂnelÂlen Engpässen jedoch zuminÂdest die Konsequenz gezoÂgen zu haben, nicht mehr einÂzeln als GHG anzuÂtreÂten, sonÂdern auf einer gemeinÂsaÂmen Liste mit der Veganen Hochschulgruppe.
Politische GrĂźnde, fehlender Anschluss, zu wenig Zeit oder doch die Lieblingsserie?

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Dazu, dass die Plätze der CA und des RCDS häuÂfig unbeÂsetzt blieÂben, passt auch Carls Hypothese, die GrĂźnde fĂźr das Fehlen bei Sitzungen seiÂen neben perÂsĂśnÂliÂchen Problemen oft auch âideoÂloÂgiÂscher Naturâ geweÂsen: âEs ist immer schaÂde, wenn Leute nicht komÂmen, aber wenn es aus poliÂtiÂschen GrĂźnden ist, ist es noch krasÂser â wenn die Leute also aus einer aktiÂven Entscheidung herÂaus nicht zu den Sitzungen gehen.â Benjamin sieht eine mĂśgÂliÂche Ursache auch in der Parteinähe einiÂger Listen: âVielleicht fĂźhlt man sich genĂśÂtigt, in der Hochschulgruppe zu kanÂdiÂdieÂren, wenn man eine poliÂtiÂsche Karriere in der dazuÂgeÂhĂśÂriÂgen Partei anstrebt, und sollÂte es mit der poliÂtiÂschen Karriere dann doch schnelÂler vorÂanÂgeÂhen, dann ist das Mandat im Stura zweitrangig.â
Ein weiÂteÂrer Grund kĂśnnÂte laut Robin die bei vieÂlen fehÂlenÂde Identifikation mit dem Stura sein. âEs ist ein ganz wichÂtiÂger Faktor, das GefĂźhl zu haben, Anschluss zu finÂdenâ, meint er. FĂźr ihn als einÂzelÂnen Mandatsträger seiÂner Hochschulgruppe sei das am Anfang nicht leicht geweÂsen, âwobei ich auch behaupÂten kann, dass ich mich sehr bemĂźht habe mitzuwirkenâ.
Melissa beobÂachÂtet zusätzÂlich, dass es vieÂlen an Zeit fehÂle. Auch Lukas meint, dass die Studierenden âgestresst sind von dieÂsem ganÂzen Bachelor-Master-System.â Neben den strafÂfen Modulplänen bleiÂbe oft wenig Zeit fĂźr stuÂdenÂtiÂsches Engagement; auĂerÂdem gehe vieÂlen auch irgendÂwann das Geld dafĂźr aus. Doch vielÂleicht ist der Grund ja auch ganz banal? Imke zuminÂdest sieht die Schuld einÂdeuÂtig bei RTL, denn: âMontagabend läuft Bauer sucht Frau!â FĂźr sie selbst sei das kein Ausschlusskriterium, da sie einen proÂgramÂmierÂbaÂren Receiver besitze.
Welche vielÂfälÂtiÂgen Ursachen es auch immer geben mag: Alles in allem bleibt es sehr bedenkÂlich, dass sich unter den etwa 20â000 an der Uni Halle immaÂtriÂkuÂlierÂten Studierenden nicht genĂźÂgend Leute finÂden, um eine 37-kĂśpÂfiÂge Interessenvertretung angeÂmesÂsen zu fĂźlÂlen. Es bleibt abzuÂwarÂten, wie die Anwesenheit im neuÂen Stura insÂgeÂsamt ausÂfalÂlen wird. Bei seiÂnen ersÂten fĂźnf Sitzungen waren zuminÂdest durchÂschnittÂlich 28 stimmÂbeÂrechÂtigÂte Personen anweÂsend, doch erfahÂrungsÂgeÂmäà sinkt mit fortÂschreiÂtenÂder Legislatur auch die Motivation.
- Dieser Artikel wirft bei Dir mehr Fragen auf, als er beantÂworÂtet? Dann kĂśnnÂte unseÂre neue Folge von hastuGehĂśrt etwas fĂźr Dich sein. In der Podcastfolge erkläÂren wir, was der Stura ĂźberÂhaupt ist und wie er arbeiÂtet. Zusätzlich teiÂlen wir einiÂge EindrĂźcke und wagen uns an so manÂche Problemanalyse. Zu finÂden auf hastuzeit.de, Spotify und diverÂsen Podcast-Plattformen.
