Zu Besuch im Stura-Kosmos

Jedes Semester aufs Neue bie­tet die has­tu­zeit ein ASQ an. Auf dem Aufgabenzettel steht unter ande­rem auch der Besuch einer Stura-Sitzung. Was sind wohl die Ersteindrücke der Studis?

Selten ver­ir­ren sich Leute auf eine Sitzung des Studierendenrates, wenn sie selbst kein Anliegen haben – was in den meis­ten Fällen bedeu­tet, Geld vom Stura zu wol­len. Umso inter­es­san­ter ist wahr­schein­lich, was Studis den­ken, die zum ers­ten Mal mit dem Gremium, das sie ver­tritt, kon­fron­tiert werden.

Stura-Einmaleins
Falls Ihr nicht wisst, was der Stura ist, dann fin­det Ihr hier einen klei­nen Überblick: 

Zeit zur Anwesenheit

Jede Stura-Sitzung ist anders. Manchmal ist nach einer hal­ben Stunde Schluss und ein ande­res Mal sitzt man fast bis Mitternacht im Hallischen Saal, weil lang und aus­gie­big über den Haushalt für das nächs­te Jahr dis­ku­tiert wird. Es kommt auch vor, dass zu weni­ge Mitglieder auf­tau­chen und eine Sitzung dann ein­fach nicht statt­fin­den kann.

Sitzungen des Sturas fin­den in der Vorlesungszeit alle zwei Wochen statt und star­ten offi­zi­ell um 18.30 Uhr. Dabei fiel einer ASQlerin der has­tu­zeit auf, dass der „ein­ge­hal­te­ne Zeitplan und die Anwesenheit der AKs [Arbeitskreise] und Referent:innen […] zum Teil eher optio­nal [war].“ In den letz­ten zwei Jahren konn­te man tat­säch­lich nicht ein­mal erle­ben, dass eine Sitzung pünkt­lich begon­nen hat. Das liegt dar­an, dass die Sitzung erst eröff­net wer­den kann, wenn mehr als die Hälfte der Mitglieder anwe­send sind. Es ist dabei aber immer fas­zi­nie­rend, wie (wenn auch nicht oft) das Gremium es schafft, zunächst durch ergie­bi­ges Diskutieren zwei Stunden in Verzug zu gera­ten, um dann wie­der den Zeitplan genau ein­zu­hal­ten – die Bahn könn­te sich da eine Scheibe abschneiden.

Zum Bauklötze stau­nen?
Illustration: Johannes Wingert

chao­tisch und unkoordiniert 

– ASQli

Die Anwesenheit der Referent:innen schwank­te manch­mal etwas, aber momen­tan ist der Stura an die­ser Front deut­lich bes­ser auf­ge­stellt. Arbeitskreise müs­sen nur zur Arbeitskreissprechstunde anwe­send sein und ansons­ten Berichte ein­schi­cken. Wobei die AKs gera­de letz­te­res auch nicht kon­se­quent beach­te­ten, obwohl sie eigent­lich dazu ver­pflich­tet sind. Schließlich erwar­ten die Arbeitskreise, wenn es dar­auf ankommt, auch mone­tä­re Unterstützung vom Stura.

„Durch die gan­zen Verspätungen – Leute, die zu spät kom­men, und das Nebenheressen – wirkt das Ganze eher wie eine AG, bei der man mit­ma­chen kann, aber nicht muss“, merkt ein ASQler an. Bei sol­chen Beobachtungen merkt man schnell, dass es sich eben um ein stu­den­ti­sches Gremium han­delt. So ist von Studis, die neben­bei zu Abend essen, Hausarbeiten schrei­ben bis hin zu Mobile Games spie­len, alles dabei. Wobei das immer nur weni­ge Mitglieder betrifft.

Holpriger Einstieg

Der Einstieg in Hochschulpolitik und beson­ders in den Stura-Kosmos wird kei­nem Studi leicht gemacht. Sei es gene­rell die Überforderung mit neu­en Kürzeln, Namen und Abläufen. Aber auch die rein akus­tisch schlech­te Verständlichkeit von man­chen Redebeiträgen macht es nicht ein­fa­cher, dem Geschehen zu fol­gen. Eine ASQlerin hat zum Beispiel gestört, dass man­che Mitglieder neben­bei etwas lau­ter mit­ein­an­der „geschwatzt“ haben, was nicht zu sel­ten vor­kommt. Wird so etwas zu viel, ist es die Aufgabe der Sitzungsleitung, für Ruhe zu sorgen.

Alles wirk­te fest­ge­fah­ren und starr.

– ASQli

Eine ange­neh­me und rela­tiv locke­re Stimmung

– ASQli

Mehrere Studis fan­den, dass manch­mal zu viel über bestimm­te Themen dis­ku­tiert wird und eben manch­mal auch zu wenig. Besonders bei eini­gen Finanzanträgen ist einer ASQ­lerin auf­ge­fal­len, dass die­se „jedes Mal ohne gro­ße Nachfragen ein­stim­mig ange­nom­men wur­den.“ Es kommt dabei immer dar­auf an, um wie viel Geld es geht, für was es bestimmt ist und wie vie­le finan­zi­el­le Mittel eigent­lich noch für Projektförderung übrig sind. Denn wird das Geld knapp, wird etwas aus­gie­bi­ger dar­über diskutiert.

Ein wei­te­rer ASQler bemerk­te, „wie wenig Zeit bleibt, um über Entscheidungen wirk­lich nach­zu­den­ken.“ Zwar wer­den die Unterlagen im Vorhinein an alle Mitglieder ver­schickt, doch auf den Sitzungen ent­steht oft der Eindruck, dass meh­re­re sich damit erst gar nicht beschäf­tigt hät­ten. Darüber hin­aus wirk­te es für eine ASQlerin so, „als hät­ten man­che Mitglieder mehr Interesse und wür­den den Stura mehr als Priorität set­zen als ande­re.“ Eine gene­rel­le Krankheit von Ehrenämtern.

Ein Licht am Ende des Tunnels

Die meis­ten ASQler:innen fan­den es inter­es­sant, die Abläufe auf einer Stura-Sitzung ein­mal ken­nen­zu­ler­nen. Eine ASQlerin emp­fand die Sitzung zwar als wenig pro­fes­sio­nell, aber bemerk­te, dass beim Ganzen „erstaun­lich enga­gier­te Menschen“ mit­ma­chen. Eine ande­re mein­te: „Ich war auf jeden Fall beein­druckt, wie viel zu bespre­chen und zu erle­di­gen war, was mei­nen Respekt für die Mitglieder gestei­gert hat.“ Ein ande­rer ASQler sieht das ähn­lich: „Meinen tiefs­ten Respekt dafür, dass sich jemand die­ser gan­zen Themen annimmt. Es wer­den ja auch sehr gute Projekte auf die Beine gestellt.“

Was bleibt, sind sehr unter­schied­li­che Eindrücke vom Stura je nach Besetzung und Tagesordnung. Bei all dem soll­te man nicht ver­ges­sen: Die Leute, die sich so etwas anschau­en und mit­re­den, sei es als Mitglied oder Gast, machen das alles freiwillig.

Scroll to Top