Ob Bundespolitik oder auch kleiÂneÂre Instanzen wie der Studierendenrat der MLU– Haushaltspolitik scheint der Endgegner schlechtÂhin zu sein. Spätestens dann, wenn die Haushaltsdebatte einÂmal Fahrt aufÂnimmt, ist Schluss mit Geigen und Gelassenheit.
Wer interÂesÂsiert sich schon für Hochschulpolitik? Der Wahlbeteiligung der letzÂten Hochschulwahl mit 19,7 Prozent nach nicht sehr vieÂle. Und doch kann es nicht schaÂden, einÂmal den Blick schweiÂfen zu lasÂsen. Schließlich sind wir es, die Studis, die über unseÂren Semesterbeitrag mit 12,35 Euro auch den Studierendenrat der MLU und desÂsen Projekte finanÂzieÂren. Dabei verÂfügt der StuRa jährÂlich über eine knapÂpe Millionen Euro, welÂche verÂteilt werÂden wolÂlen. Dazu braucht es wieÂderÂum, jedes Jahr aufs Neue, einen Haushaltsplan für das komÂmenÂde Kalenderjahr.
Lage der Studierendenschaft
Nun sind die finanÂziÂelÂlen Mittel des StuRas abhänÂgig von der Größe der Studierendenschaft, welÂche über die Jahre hin flukÂtuÂiert. Zurzeit sinÂken die Studierendenzahlen an der MLU und damit einÂherÂgeÂhend auch die Einnahmen über die Studienbeiträge. Hinzu komÂmen Inflation sowie steiÂgenÂde Kosten und schon sind finanÂziÂelÂle Fragestellungen unausÂweichÂlich. Wie kann der StuRa sich selbst, desÂsen Projekte und Arbeitskreise weiÂterÂhin ausÂreiÂchend finanÂzieÂren? Kann irgendÂwo gespart werÂden? Kürzungen sind kurzÂfrisÂtig mit der Hauptfinanzierung über die Studierendenschaft unverÂmeidÂbar, aber wo soll der Rotstift angeÂsetzt werden?

Seit 2022 sinÂken die Studierendenzahlen an der MLU wieÂder und sind seitÂdem unter die 20.000-Marke gefalÂlen. Im Rest des Landes gehen die Zahlen schon seit 2014 nach und nach zurück. Insgesamt stuÂdieÂren in Sachsen-Anhalt zurÂzeit rund 50.000 Menschen.
Zur Debatte
Mitte November begann die öffentÂliÂche Debatte über den Haushaltsplan 2025. Bereits im Vorfeld schien es Unstimmigkeiten über desÂsen Ausführung gegeÂben zu haben, zumal verÂschieÂdeÂne Pläne parÂalÂlel erarÂbeiÂtet wurÂden und intern kurÂsierÂten. Der Öffentlichkeit wurÂde nur der Vorschlag der Finanzer:innen präÂsenÂtiert. Da aufÂgrund der sinÂkenÂden Studi-Zahlen vorÂab bekannt war, dass für 2025 weniÂger Gelder zur Verfügung steÂhen würÂden, war klar: Es müsÂsen Mittel einÂgeÂspart werden.
Besonders die Finanzierung in Bezug auf Sozialdarlehen war vieÂlen StuRa-Mitgliedern ein Anliegen. Studiendarlehen kann jede:r Studierende der MLU beanÂtraÂgen, sollÂte finanÂziÂelÂle Unterstützung benöÂtigt werÂden, zum Beispiel, wenn das BAföG mal wieÂder auf sich warÂten lässt. Eine Einzelperson kann auf dieÂse Weise maxiÂmal 1.500 Euro erhalÂten, welÂche zinsÂfrei zurückÂgeÂzahlt werÂden müsÂsen. In der ersÂten Version des Haushaltsplans waren dafür nur 33.000 Euro vorÂgeÂseÂhen, ergo maxiÂmal 22 volÂle Darlehen für das gesamÂte Jahr, was eine Kürzung um 24.000 Euro (42 %), oder umgeÂrechÂnet 16 volÂle Darlehen, im Vergleich zum Vorjahresplan darÂgeÂstellt hätÂte. Nach vieÂlem hin und her, Streit über Kürzungen von Arbeitskreisen wogeÂgen es innerÂhalb des StuRas als auch von einiÂgen AKs selbst Kritik gab – kamen letztÂlich doch 55.000 Euro (36 Volldarlehen) für die Sozialdarlehen zusammen.
Das Geld hat der StuRa unter andeÂrem durch Kürzungen bei interÂnen Ausgaben (wie zum Beispiel Bürobedarf, Klausurtagung, et ceteÂra) zusamÂmenÂgeÂkratzt. Allerdings wurÂden zunächst auch die finanÂziÂelÂlen Mittel für ein nächsÂtes Campus Open Air und eigeÂne Erstibags komÂplett gestriÂchen. Damit bleibt erst einÂmal offen, ob der StuRa sich in dieÂsem Jahr in verÂgleichÂbaÂrer Form beteiÂliÂgen wird.
Trotz anfängÂliÂcher Uneinigkeit und lanÂgen Diskussionen wurÂde der angeÂpassÂte Haushaltsplan pünktÂlich vor Jahresende zweiÂmal einÂstimÂmig angeÂnomÂmen. Damit ist die Studierendenschaft der MLU mit einem funkÂtioÂnieÂrenÂden Haushalt ins neue Jahr gestarÂtet und eine mögÂliÂche Einschränkung der finanÂziÂelÂlen Mittel für Arbeitskreise und andeÂre stuÂdenÂtiÂsche Organe, welÂche ohne Plan gedroht hätÂten, wurÂde vermieden.
| In eigeÂner Sache Während der Haushaltsdebatte kam auch die Idee auf, die Rücklagen der hasÂtuÂzeit anzuÂtasÂten, um Haushaltsdefizite ausÂzuÂgleiÂchen. Allerdings ist das nicht so ohne weiÂteÂres mögÂlich, denn der StuRa kann nicht direkt über unseÂre Finanzen verÂfüÂgen, was auch seiÂne Berechtigung hat. Schließlich sehen wir uns als vom Wohlwollen des StuRas unabÂhänÂgiÂges Medium. Für das komÂmenÂde Jahr 2026 sieht die Lage etwas anders aus. Der Anteil am Semesterbeitrag, welÂcher für die hasÂtuÂzeit vorÂgeÂseÂhen ist, könnÂte gekürzt werÂden, um dadurch die bestehenÂden Rücklagen temÂpoÂrär aufÂzuÂbrauÂchen. Dabei müsÂsen wir jedoch betoÂnen, dass der hasÂtuÂzeit,seit ihrer Gründung 2005, stets 50 Cent des Beitrags zu Gute kamen. Im Gegensatz zum StuRa und andeÂren uniÂverÂsiÂtäÂren Instanzen gab es für uns in den letzÂten 20 Jahren keiÂnerÂlei Erhöhung des Budgets. Natürlich machen Inflation und steiÂgenÂde Kosten auch vor uns nicht halt. Deswegen opeÂriert die Studizeitschrift heuÂte schon auf einem Defizit, welÂches die Rücklagen steÂtig abbaut. Darauf müsÂsen wir reagieÂren; sei es durch eine weiÂteÂre Verkleinerung unseÂrer Auflagenzahl oder durch eine Reduktion der Anzahl und Länge der Ausgaben. Eine temÂpoÂräÂre Kürzung des Beitrags für die hasÂtuÂzeit würÂde unseÂrer Meinung nach jede Menge Risiken für die Qualität unseÂrer Arbeit berÂgen und auf lanÂge Sicht die finanÂziÂelÂle Unabhängigkeit der Zeitschrift gefährden. |
Beitragserhöhungen
Weniger Geld in den Kassen des StuRas bedeuÂtet in letzÂter Konsequenz: Entweder es wird noch mehr gekürzt und umverÂteilt werÂden müsÂsen, oder der Anteil im Semesterbeitrag selbst muss erhöht werÂden, um den neuÂen finanÂziÂelÂlen Anforderungen gerecht zu werÂden. Der StuRa schien sich, was dieÂsen Punkt betrifft, keiÂnesÂwegs einig zu sein. Die Debatte hat dahinÂgeÂhend schon ersÂte Anstöße bekomÂmen, allerÂdings steckt sie noch in den Kinderschuhen. Deswegen bleibt es zunächst abzuÂwarÂten, wie sich das Ganze entÂwiÂckelt und ob die Studierendenschaft zum Sommersemester 26 eine mögÂliÂche Beitragserhöhung zu stemÂmen hat.
Hinzu kommt, dass der Fortbestand als auch die Preisstabilität des Deutschlandtickets nicht gewährÂleisÂtet sind. Die Preiserhöhung des Deutschlandtickets zum Jahresbeginn wird erst mit Anbruch des nächsÂten Wintersemesters zu spüÂren sein. Dann steiÂgen die Kosten für das verÂgünsÂtigÂte Ticket für Studierende von 29,60 Euro pro Monat auf 34,80 Euro. Damit würÂde der Anteil am Semesterbeitrag von 176,40 Euro auf 208,80 Euro ansteiÂgen, sofern sich die Mehrheit der Studierenden für die Fortführung des Tickets bei der nächsÂten Hochschulwahl im Sommer entÂscheiÂden sollte.
Die Verteuerung des Deutschlandtickets wäre dabei mit Sicherheit der draÂmaÂtiÂscheÂre Einschnitt in die Taschen der Studierendenschaft als eine mögÂliÂche Erhöhung auf Seiten des StuRas im nächsÂten Jahr.

Über die Jahre ist der Semesterbeitrag in der Regel immer weiÂter angeÂstieÂgen. Dieses Jahr wird er, dank der Erhöhung des Deutschlandtickets, vorÂausÂsichtÂlich die 300 Euro knaÂcken. Der Mitgliedsbeitrag für die Studierendenschaft wurÂde zuletzt im letzÂten Sommersemester von 11,95 Euro um 40 Cent erhöht, da die Studierendenschaft der MLU dem freiÂen Zusammenschluss von Student:innenschaften (FZS) beiÂgetreÂten ist.

Zwar mag der Mitgliedsbeitrag für die Studierendenschaft im Vergleich klein erscheiÂnen und doch sorgt er dafür, dass neben StuRa, Arbeitskreisen und Fachschaftsräten (FSRs) auch andeÂre stuÂdenÂtiÂsche Medien finanÂziert werÂden könÂnen, wie Radio Corax und die hasÂtuÂzeit.
Text und Diagramme: Johannes Wingert
Datengrundlage: Hochschulstatistik des Landes Sachsen-Anhalt und Historie Semesterbeitrag (MLU)
