Studierende des Modedesigns präsentieren ihre Werke auf dem Catwalk. Eine Revue der „Werkschau“ aus dem letzten Jahr.
Die Burg als Kunsthochschule ist der zweite große Anziehungspunkt für Studierende in Halle neben der MLU. Kunst und Design sind dabei mehr als Pinsel und Leinwand. Ein weiterer Studiengang, den man belegen kann, ist Modedesign. Während andere Studierende um Punkte in Klausuren und Hausarbeiten kämpfen, stellen dort die Absolvent:innen außerdem ihre Kreationen jährlich in einer Werkschau vor. 2025 wurde der Laufsteg im Neubau Kunst im Giebichensteinviertel errichtet.
Von außen durch wehende weiße Stoffbahnen verhangen, ist das Innere der Halle gut gefüllt: von Beginn an sind alle Plätze besetzt. Die Eintrittskarten sind begrenzt und begehrt, während der Show sieht man noch die platten Nasen weiterer Interessierter an der Glasscheibe der Eingangstür – auf den Stühlen sitzen neben Angehörigen der Burg vor allem auch Vertreter:innen der Presse, verschiedener Magazine und Label. U‑förmig führt der Laufsteg zwischen den Stuhlreihen hindurch, an der Kopfseite sorgt ein Ensemble für die musikalische Untermalung, während darüber in Neonfarben auf dem LED-Panel bereits „Werkschau 2025“ prangt.
Jede:r der Absolvent:innen wird folgend die eigenen Entwürfe präsentieren. Zur Werkschau sind sie in reale Kleidung umgesetzt, von Models getragen und nicht mehr nur Skizze auf Papier. Jede:r verwirklicht ein eigenes Thema, dem die Kollektion folgt. Nicht nur die Outfits an sich, sondern auch das Auftreten der Models und deren Performance auf dem Catwalk fließen dabei mit ein.
Dass Mode, wie sie dort auf dem Laufsteg getragen wird, nicht für den Alltag, ja, nicht einmal für einen Abend in der Oper geeignet ist, wird schnell klar. Die Stücke nehmen unheimlich viel Raum ein – wörtlich und metaphorisch. Sie erinnern eher an Plastiken, die an Menschen befestigt sind, als an Kleidung. Eben diese Art der Darstellung macht Mode als Kunst besonders vieldimensional. Wer die Kollektion designt, gibt nicht nur mit dem eigentlichen Entwurf seiner Vorstellung Form. Ebenso sorgsam wird Material und Farbe, wie sich Texturen und Strukturen kombinieren, ausgewählt.
Doch der Stoff kann nicht einfach fixiert und ausgestellt werden – er muss auch der Schwerkraft und Bewegung während des Walks trotzen. Zudem muss das Model mit dem Stück harmonieren oder auch bewusst kontrastieren. All das kommt dann auf dem Laufsteg zusammen, wobei natürlich nicht nur einmal vor und zurück spaziert wird, sondern Geschwindigkeit, Körpersprache und Mimik noch mal den letzten Akzent setzen. Mit jedem neuen Model, das den Laufsteg überquert, bringen die Studierenden ein weiteres Stück ihrer Persönlichkeit in die Wahrnehmung des Publikums. Ihre Emotionen und Vorstellungen sind mit dem Stoff verwoben und entfalten sich in den Interpretationen der Betrachtenden.
Jegliche Kunst lebt davon, betrachtet zu werden – täglich kann man dafür die Museen und Ausstellungen besuchen, die in Halle kuratiert werden. Doch eine Performance wie bei der Werkschau existiert nur für einen Moment und macht die Erfahrung damit umso wertvoller. Die Kreativität, Energie und Mühe der ausstellenden Studierenden kulminieren in diesem ephemeren kleinen Raum.
So bleibt einem auf den Publikumsplätzen nichts anderes übrig, als diesen Augenblick auf sich wirken zu lassen, bevor er vorbeigezogen ist und wieder hinter dem Vorhang verschwindet. Von jedem Stuhl aus eröffnet sich eine andere Perspektive. Nicht jedes Design muss gefallen, nicht jedes muss man verstehen.
Es endet, wie es angefangen hat: mit einem leeren Laufsteg, Stuhlreihen ringsherum und das Ensemble an der Kopfseite. Menschen strömen durch die Tür der Veranstaltungshalle. Nun sammeln sie sich auf dem Außengelände und diskutieren ihre Eindrücke. Womöglich hat man sich für den nächsten eigenen Look inspirieren lassen oder gerade eine:n neue:n Kandidat:in für das eigene Label gescoutet. Jede:r nimmt etwas anderes aus der Veranstaltung mit und spiegelt so erneut die Vieldimensionalität des Ganzen wider.
| Burg-Jahresausstellung Die Jahresausstellung „Take-off 2026 – Meisterschüler*innen der BURG“ wird am Freitag, den 17. Juli eröffnet. Teil des Programms ist auch die diesjährige Werkschau der Mode. Mehr Informationen dazu findet ihr hier. |
Text: Stefan Kranz
Fotos: Tom Roeloffzen
