Am heuÂtiÂgen Mittwoch wird das neue Rektorat gewählt. Schon Montag hat die amtieÂrenÂde Rektorin Claudia Becker ihre Pläne fĂĽr eine mögÂliÂche zweiÂte Amtszeit vorÂgeÂstellt. Weitere Kandidat:innen haben sich fĂĽr das Amt nicht gefunden.
Insgesamt sieÂben beruÂfeÂne Professor:innen habe die „Findungskommission fĂĽr das Amt des Rektors bezieÂhungsÂweiÂse der Rektorin“ angeÂfragt, so der Kommissionsleiter Markus Pietzsch. Sechs davon hätÂten die Anfrage abgeÂlehnt. Lediglich die amtieÂrenÂde Rektorin habe Interesse an dem Amt bekundet.
Eigentlich besagt das Landeshochschulgesetz, dass der Vorschlag der Findungskommission „in der Regel minÂdesÂtens zwei Namen entÂhalÂten soll.“ Dass dieÂses Jahr nur Becker zur Wahl steht, ist also durchÂaus unĂĽblich.
Auf einer uniÂverÂsiÂtätsÂofÂfeÂnen Veranstaltung legÂte sie nun ihre Pläne fĂĽr die komÂmenÂden vier Jahre dar, sollÂte sie wieÂderÂgeÂwählt werÂden. Dabei idenÂtiÂfiÂzierÂte sie insÂgeÂsamt drei anzuÂgeÂhenÂde Schwerpunkte fĂĽr die komÂmenÂde Amtszeit: die Forschungsexzellenz, die digiÂtaÂle Transformation sowie die poliÂtiÂschen Rahmenbedingungen.
So wolÂle sie sich fĂĽr ein zweiÂtes Exzellenzcluster „auf den Weg machen“. Die Förderung des ersÂten Clusters starÂteÂte bereits im Januar dieÂses Jahres. Die Universität hatÂte sich gemeinÂsam mit der Freien Universität Berlin, der Universität Regensburg und dem Max-Planck-Institut erfolgÂreich fĂĽr das Cluster Center for Chiral Electronics (CCE) beworÂben. Auch eine Bewerbung um den Titel als Exzellenzuniversität schloss Becker nicht aus. Diese Entscheidung mĂĽsÂse im Vorhinein jedoch grĂĽndÂlich abgeÂwoÂgen werÂden, mahnÂte sie an. Zudem solÂle die inhaltÂliÂche Vernetzung innerÂhalb der Universität, aber auch nach auĂźen gestärkt werÂden. Im Fokus stĂĽnÂden dabei besonÂders das „Zukunftszentrum fĂĽr Deutsche Einheit und Europäische Transformation“ sowie das „Center for the Transformation of Chemistry“ (CTC).
Die Uni im digiÂtaÂlen Zeitalter
Auch die Digitalisierung der Universität solÂle in der komÂmenÂden Legislaturperiode weiÂter vorÂanÂgeÂtrieÂben werÂden, so Becker. So plaÂne sie, die entÂspreÂchenÂden Projekte, die innerÂhalb der letzÂten vier Jahre begonÂnen wurÂden, zuminÂdest in Teilen abzuÂschlieÂĂźen. DafĂĽr sei mitÂtelÂfrisÂtig eine transÂpaÂrenÂte und nachÂhalÂtiÂge Planung notÂwenÂdig – das bedeuÂte zwar erst einÂmal einen höheÂren Aufwand, werÂde sich jedoch auf lanÂge Sicht rechnen.
Um dieÂse Zielsetzung zu erreiÂchen, kĂĽnÂdigÂte Becker die Schaffung eines Prorektorats fĂĽr digiÂtaÂle Transformation unter Leitung des Wirtschaftsinformatikers Stefan Sackmann an. Auch ein Prorektorat fĂĽr Forschung und Wissenschaftskultur sei geplant. Sie wĂĽrÂden die bisÂheÂriÂgen Prorektorate fĂĽr Forschung und Internationalisierung sowie fĂĽr Personal- und Organisationsentwicklung ersetÂzen. Auf Nachfrage teilÂte die amtieÂrenÂde Rektorin jedoch mit, dass die Aufgaben dieÂser Prorektorate nicht wegÂfalÂlen, sonÂdern in andeÂre Zuständigkeitsbereiche rutÂschen wĂĽrÂden. Das Prorektorat fĂĽr Studium und Lehre soll erhalÂten bleiÂben – weiÂterÂhin unter der Leitung des Pädagogen Pablo Pirnay-Dummer.
Eine demokraÂtiÂsche Universität
„Ich bin ĂĽberÂzeugt, dass Demokratie ein hoher Wert ist, zugleich aber auch eine tieÂfe Verpflichtung bedeuÂtet“, erklärÂte Becker zum Ende ihrer rund 20-minĂĽÂtiÂgen Rede. Die Martin-Luther-Universität mĂĽsÂse auch weiÂterÂhin ein attrakÂtiÂver Standort fĂĽr Student:innen und Wissenschaftler:innen bleiÂben. Um das zu gewährÂleisÂten, sei der Erhalt demoÂkraÂtiÂscher Strukturen in der Hochschulpolitik entÂscheiÂdend. Beispielhaft nannÂte sie etwa die Gleichstellung, die Inklusion sowie die Verfasste Studierendenschaft. Institutionen, die durch autoÂriÂtäÂre Kräfte zunehÂmend in Bedrängnis geraten.
Ăśberdies mĂĽssÂten Mitarbeiter:innen der Universität vor exterÂnen Angriffen aus Politik und Verwaltung geschĂĽtzt, der Kontakt zum Studierendenrat verÂbesÂsert und das Kuratorium gestärkt werden.
Wann wird gewählt?
Die Wahl der Rektorin finÂdet am heuÂtiÂgen Mittwoch um zehn Uhr durch die Senator:innen der Uni statt. Die vorÂgeÂschlaÂgeÂnen Prorektor:innen werÂden erst am 15. Juli durch den Hochschulsenat gewählt. Die Amtszeit beginnt wieÂderÂum ab dem 1. September dieÂses Jahres. Bis dahin bleibt das Rektorat in seiÂner aktuÂelÂlen Zusammensetzung bestehen.
FĂĽr die Wahl reicht laut Landeshochschulgesetz eine einÂfaÂche Mehrheit der Stimmen im Senat. Entscheidend dabei ist, dass auch die Mitgliedergruppe 1 mehrÂheitÂlich zustimmt. Die ersÂte Mitgliedergruppe umfasst Professor:innen. Daneben bilÂden auch Mitarbeiter:innen (Mitgliedergruppe 2), Student:innen (Mitgliedergruppe 3) und „wisÂsenÂschaftsÂunÂterÂstĂĽtÂzenÂde“ Mitarbeiter:innen (Mitgliedergruppe 4) eigeÂne Gruppen.
