Die Beteiligung an den Hochschulwahlen vom 26. Mai bis 3. Juni war respekÂtaÂbel, der Umgangston im Wahlkampf nicht immer. Und so starÂtet der Studierendenrat mit wenig Elan in die neue Periode.

Das Aufregerthema des Wahlkampfs waren die Semesterbeiträge – vielÂleicht weil die Programme der Rot-Grünen und Linken kaum andeÂre Reibungspunkte boten: „16,50 Euro und Schluss!“ plaÂkaÂtierÂte die Rot-Grüne Liste. In einem Instagram-Post erläuÂterÂte die Juso-Hochschulgruppe: „Während Mieten steiÂgen, Bafög hinÂten und vorÂne nicht reicht und die Inflation uns aufÂfrisst, wolÂlen einiÂge im StuRa den Beitrag fast verÂdopÂpeln.“ Auf ihren Wahlkampfflyer hatÂte es dieÂser Streitpunkt noch nicht geschafft. Ebenfalls auf Instagram kriÂtiÂsierÂte die Liberale Hochschulgruppe: „Dein Semesterbeitrag soll steiÂgen, damit sich andeÂre eigeÂne Lieblingsprojekte finanÂzieÂren könÂnen […] Schluss mit Beitragserhöhungen“.
Noch stärÂker vom Leder gezoÂgen wurÂde in eheÂmaÂliÂgen Erstsemester-Gruppenchats auf Whatsapp. Ein Post, der sich keiÂner Hochschulgruppe zuordÂnen ließ, behaupÂteÂte: „Die Linken (Olli) und Gewerkschafter (TvStud) wolÂlen unseÂren Semesterbeitrag von 12 auf 25 Euro anheÂben. […] Das ist nicht links. Das ist asoÂziÂal.“ Einige Mitglieder der kriÂtiÂsierÂten Hochschulgruppen bestritÂten dieÂse Darstellungen. Tage späÂter, so ihre Schilderungen gegenÂüber der hasÂtuÂzeit, habe ein Juso-Mitglied sie aus den Gruppenchats entfernt.
In einer monaÂteÂlang verÂschleppÂten Debatte um den Semesterbeitrag der Studierendenschaft hatÂten die Finanzsprecher zunächst 19,55 EuÂro als Diskussionsgrundlage in den Raum gestellt. Kurz vor der Wahl lagen OLLi und Jusos geraÂde noch 40 Cent auseinander.
Eine weiÂteÂre Öffentlichkeit erreichÂte die Kontroverse, als die vier Angestellten des Studierendenrats noch im Zeitraum der Wahl einen Brief an den Studierendenrat schrieÂben, über den auch die hasÂtuÂzeit online berichÂteÂte.
Darin beklagÂten sie unter andeÂrem, dass der Wahlkampf um die Beitragshöhe auf ihre Kosten und mit einem geringÂschätÂziÂgen Umgangston geführt werÂde. Letztlich konnÂte sich der Studierendenrat nach der Wahl, aber noch in alter Zusammensetzung auf den erhöhÂten Beitrag von 16,50 Euro pro Semester verÂstänÂdiÂgen. Dieser gilt ab Sommersemester 2026.
Holpriger Start
Das Porzellan ist indes zerÂschlaÂgen. Hatten vor einem Jahr die Vertreter verÂschieÂdeÂner HochÂschulgruppen verÂsproÂchen, die StreiteÂreiÂen hinÂter sich zu lasÂsen und sachÂoriÂenÂtiert zuÂsammenzuarbeiten, verÂlief diesÂmal bereits die konÂstiÂtuÂieÂrenÂde Sitzung recht zäh. Einige Sprecherämter, insÂbeÂsonÂdeÂre die Stellvertreterposten, blieÂben trotz wieÂderÂholÂter Aufrufe unbeÂsetzt. Damit könÂnen schon einÂzelÂne Ausfälle oder gar Rücktritte die Arbeit des Studierendenrats deutÂlich aufhalten.
Gegenüber der hasÂtuÂzeit zeigÂten sich vieÂle Mitglieder des Gremiums weniÂger auskunftsÂfreuÂdig als im verÂganÂgeÂnen Jahr. Nico GebÂhardt von der Gewerkschaftsliste TVSTUD beschränkÂte sich darÂauf, die besonÂdeÂre Verantwortung des Studierendenrats als Arbeitgeber seiÂner Angestellten zu betoÂnen. Johanna Heegewaldt, die als Kandidatin der Liberalen Hochschulgruppe die meisÂten Stimmen für den Studierendenrat holÂte, nun aber das Amt doch nicht annehÂmen konnÂte, bezeichÂneÂte den Wahlkampf als „engaÂgiert und fair“.
An den Machtverhältnissen im Studierendenrat konnÂten die Reibereien jedenÂfalls nichts ändern. Nach wie vor domiÂnieÂren die Offene Linke Liste (OLLi) und die Jusos das Gremium auf Augenhöhe. Die Liberalen konnÂten ihre fünf Sitze halten.
Mit lanÂgen Listen punkÂten die Linken im Studierendenrat, die Jusos im Senat.
Wie die NAWI-Liste einÂzuÂordÂnen ist, die in den drei Wahlkreisen der Naturwissenschaftlichen Fakultäten anstelÂle der OLLi angeÂtreÂten ist, wird sich zeiÂgen. Anfragen dazu blieÂben ebenÂfalls unbeÂantÂworÂtet. Zählt man ihre gewonÂneÂnen Sitze dazu, hat die OLLi deutÂlich zugeÂlegt. Einige Stimmen hat sie wohl auch ihrer rekordÂverÂdächÂtiÂgen Wahlvorschlagsliste zu verÂdanÂken: Mit 32 Personen konnÂten die Linken mehr als dopÂpelt so vieÂle Kandidaten für die uniÂverÂsiÂtätsÂweit wählÂbaÂren Plätze aufÂbieÂten wie im Vorjahr. Dagegen fiel die Senatsliste der OLLi mit geraÂde einÂmal sechs Leuten recht kurz aus.

Für den Studierendenrat traÂten die Jusos gemeinÂsam mit der Grünen Hochschulgruppe als Rot-Grüne Liste an, wobei die Grüne Hochschulgruppe als ihren Kandidaten ausÂschließÂlich Paul Lieb vorÂstellÂte. Zum Senat ginÂgen Jusos und Grüne dageÂgen getrennÂte Wege. Das lohnÂte sich für die Jusos, auf deren Senatsliste 20 Personen stanÂden und die damit zwei von vier stuÂdenÂtiÂschen Sitzen holen konnÂten, wähÂrend der grüÂne Einzelkandidat Paul leer ausÂging, obwohl er die meisÂten Stimmen erhielt. Denn im Verhältniswahlrecht sind länÂgeÂre Listen im Vorteil, weil jeweils die GesamtÂstimmenÂzahl über die Sitzverteilung entÂscheiÂdet. Zwar konnÂten die Wähler ihre beiÂden Senatsstimmen auch einer einÂziÂgen Person geben, aber erfahÂrungsÂgeÂmäß samÂmeln länÂgeÂre Listen mehr Stimmen ein.
Mehr und weniger Auswahl
In den Wochen vor der Wahl hatÂte es vielÂverÂspreÂchend ausÂgeÂseÂhen. Auf einiÂgen Listen stanÂden mehr Bewerber als im Vorjahr, und abgeÂseÂhen vom Studienkolleg hatÂten sich für alle Wahlkreise Kandidaten gefunÂden. Andererseits traÂten erneut weniÂger verÂschieÂdeÂne Hochschulgruppen und Listen an; die proÂgramÂmaÂtiÂsche Vielfalt nahm damit ab. Besonders das starÂke Ergebnis im Senat haben die Jusos womögÂlich der schwinÂdenÂden Konkurrenz zu verÂdanÂken: Kämpften 2023 noch sieÂben Wahlvorschläge für den Senat um die Gunst der Studenten, waren 2024 sechs und dieÂses Jahr geraÂde noch vier verÂschieÂdeÂne Hochschulgruppen übrig. Der CDU-nahe RCDS trat nicht mehr an, und auch die Gewerkschaftsliste TVSTUD, letzÂtes Jahr noch aus dem Stand erfolgÂreich, verÂzichÂteÂte auf eine Senatsliste und kanÂdiÂdierÂte nur noch stark geschrumpft für den Studierendenrat. Beide Gruppen konnÂten offenÂbar keiÂnen Nachwuchs für sich gewinnen.
Weniger gut lässt sich der Erfolg der Jusos im Senat mit ihrer aufÂwenÂdiÂgen Wahlkampagne erkläÂren. Denn der Wahlkampf war auf die gemeinÂsaÂme „Rot-Grüne Liste“ im Studierendenrat zugeÂschnitÂten, auch wenn das Logo der Juso-Hochschulgruppe mit auf den Plakaten zu sehen war. Im Studierendenrat konnÂten sie ihr gutes Ergebnis des verÂganÂgeÂnen Jahrs nicht weiÂter verÂbesÂsern. Trotz des poliÂtisch etwas einÂgeÂschränkÂten Spektrums lag die Wahlbeteiligung relaÂtiv hoch: Um die 20 Prozent sind deutÂlich über dem Durchschnitt der verÂganÂgeÂnen Jahre. Hierbei könnÂte nicht nur der Streit um den Semesterbeitrag, sonÂdern vor allem die Zukunft des Semestertickets einiÂge Wahlberechtigte angeÂlockt haben, denn an der parÂalÂleÂlen Urabstimmung beteiÂligÂten sich immerÂhin 38 Prozent der Studenten.
Zwar sind die Stimmzettel für den Studierendenrat und den Senat kürÂzer geworÂden, aber dafür sieht es bei den Fachschaftsräten etwas besÂser aus. Vielleicht haben sie das auch der Arbeit des Wahlteams gegen die Umstände zu verÂdanÂken. Denn um die Infrastruktur der Online-Wahl zu nutÂzen, mussÂte sich die Studierendenschaft nach den Vorgaben der Universität richÂten, die zeitÂgleich ihre Wahlen zum Senat und den Fakultätsräten abhielt. Daher lag der Bewerbungsschluss für Kandidaten wieÂder einÂmal nur drei Wochen nach Semesterbeginn. Doch diesÂmal schickÂte das Wahlteam des Studierendenrats bereits vor der offiÂziÂelÂlen Wahlbekanntmachung eine Ankündigung an alle Fachschaftsräte, damit sie schon einÂmal nach Interessenten Ausschau halÂten konnÂten. Zudem bot das Wahlteam kurzÂfrisÂtig zwei späÂteÂre Termine an, um Wahlvorschläge einzureichen.
Pragmatische Fachschaften

Während der Studierendenrat seit Jahren stark von poliÂtiÂschen Hochschulgruppen domiÂniert ist, zeigt sich in den Fachschaftsräten teilÂweiÂse ein andeÂres Bild. Hier treÂten oft gemeinÂsaÂme, offeÂne Listen an; mitÂunÂter traÂgen sie humorÂvolÂle Namen wie „Dinoland“ oder „Bis Baldrian“. Welche Ansichten haben Studenten, die für mehÂreÂre Gremien – etwa Fakultäts- und Fachschaftsrat – kanÂdiÂdiert haben, aber nicht für den Studierendenrat? Was hält sie von einer Kandidatur für das uniÂverÂsiÂtätsÂweiÂte Gremium ab, und wie bewerÂten sie die Dominanz der mehr oder weniÂger parÂteiÂnaÂhen Hochschulgruppen?
Bei allem Respekt vor der Arbeit im Studierendenrat hat Annemarie Weise vom Fachschaftsrat Mathe/Info den Eindruck, dass die Studenten am Heidecampus wenig davon mitÂbeÂkomÂmen. Für ihr Engagement im Fachschaftsrat bekommt sie hinÂgeÂgen direkÂtes FeedÂback: „Ich mag es, konÂkreÂte Dinge umzuÂsetÂzen, die das Studium für unseÂre Studierenden besÂser machen – seiÂen es Spieleabende, Sommerfeste, die Vermittlung bei Problemen mit Dozierenden oder einÂfach das Buchen von Räumen für Veranstaltungen von Studis für Studis.“ Paul Schneider, ebenÂfalls vom Fachschaftsrat Mathe/Info, fühlt sich mit der Arbeit vor Ort bereits ausÂgeÂlasÂtet und hat zudem keiÂnen guten Eindruck von der Arbeit im Studierendenrat bekomÂmen: „Ich war in zwei StuRa-Sitzungen anweÂsend und die Diskussionen haben mich honestÂly sehr genervt, weil beiÂde Seiten eher einÂfach nur Standpunkte von sich geben wollÂten, anstatt actualÂly Lösungen zu finÂden. In unseÂren Sitzungen gibt es auch Diskussionen, aber wenigsÂtens komÂmen die dann auch zu einem proÂdukÂtiÂven Ergebnis.“
„Diskussionen komÂmen zu proÂdukÂtiÂvem Ergebnis“
Gerade die Beitragsdebatte hat Annemarie in schlechÂter Erinnerung behalÂten: „Haben wir wirkÂlich keiÂne gröÂßeÂren Probleme als 16,50 € verÂsus 16,90 €? Der Beitrag mussÂte nach fünf Jahren nun einÂmal angeÂpasst werÂden. Ob dieÂse 40 Cent die Schlammschlacht wert waren, die darÂaus entÂstanÂden ist, bezweifÂle ich stark. Wenn sich die StuRa-Gruppierungen gegenÂseiÂtig zerÂfleiÂschen, wie solÂlen dann unseÂre stuÂdenÂtiÂschen Interessen nach außen glaubÂhaft verÂtreÂten werden?“
Gegen parÂteiÂpoÂliÂtiÂsche Arbeit hat sie grundÂsätzÂlich nichts einÂzuÂwenÂden: „Was mich jedoch stört, ist, wenn dabei der Fokus auf die Studierenden verÂloÂren geht. Ein stuÂdenÂtiÂsches Gremium erfüllt so vieÂle wichÂtiÂge Aufgaben: Chancengleichheit förÂdern, Diskriminierung verÂhinÂdern, in Notlagen unterÂstütÂzen – all das sind Themen, die für mich einem grundÂleÂgenÂden humaÂnisÂtiÂschen Anspruch folÂgen, der keiÂner Parteizugehörigkeit bedarf. Auch unser FSR posiÂtioÂniert sich klar gegen Diskriminierung und Gewalt, ohne expliÂzit ‚poliÂtisch‘ zu sein.“ Paul erkennt gewisÂse „Vorteile bei der Wahl, weil man so evenÂtuÂell besÂser Kandidaten filÂtern kann, aber ‚im Betrieb‘ halÂte ich es vor allem bei Grassroots-Organisationen wie dem StuRa für sinnÂvoll, parÂteiÂlos anzuÂtreÂten.“ Denn durch Parteizugehörigkeiten neiÂge man eher zum Abblocken, statt das Gegenüber zu verstehen.
„Humanistischer Anspruch bedarf keiÂner Parteizugehörigkeit“
Auch der Medizinstudent Martin Würstlein schätzt den pragÂmaÂtiÂschen, sachÂbeÂzoÂgeÂnen Umgangston in seiÂnem Fachschaftsrat: „Selbst-
verÂständÂlich gibt es trotz der einÂheitÂliÂchen Liste auch im FSR Medizin stritÂtiÂge Punkte, jedoch haben wir meiÂner Einschätzung nach eine sehr gute Diskussionskultur und sind stets zu Kompromissen bereit – wohl wisÂsend, dass wir dadurch die Probleme der Studierenden meist besÂser und effiÂziÂenÂter zu lösen im Stande sind.“ Die Beitragsdebatte im Studierendenrat hat ihn nicht amüÂsiert: „Scheinbar war der Unterschied groß genug, dass eine Einigung zunächst kateÂgoÂrisch ausÂgeÂschlosÂsen schien – aus Angst, der jeweils andeÂren HSG zu viel zuzuÂgeÂsteÂhen und die eigeÂnen Wahlchancen zu verÂschlechÂtern. Das hat in meiÂnen Augen nur noch wenig bis gar nichts mehr mit einer Vertretung der Studierendenschaft zu tun und unterÂgräbt die hochÂschulÂpoÂliÂtiÂsche Debatte bis zu deren Zusammenbruch. Demokratie (und der Stura ist ein demoÂkraÂtisch gewählÂtes Gremium) lebt vom Kompromiss. Seine Verweigerung lähmt alle Prozesse bis zum komÂpletÂten Stillstand. Und davon proÂfiÂtiert am Ende niemand.“
„Demokratie lebt vom Kompromiss“
Noch mal!
Zwei Pannen machÂten sich im Zeitraum der Stimmabgabe bemerkÂbar: Die Informatikstudenten bekaÂmen einen falÂschen Stimmzettel und die Jurastudenten einen fehÂlerÂhafÂten. Zwar gehört die Informatik zur Naturwissenschaftlichen Fakultät III, aber der Studierendenrat ordÂnet sie dem Wahlkreis der Naturwissenschaftlichen Fakultät II zu. Denn die Informatik (NatFak III) bilÂdet mit der Mathematik (NatFak II) eine gemeinÂsaÂme Fachschaft. Weil auf dieÂse Besonderheit nicht geachÂtet wurÂde, erhielÂten die Informatiker irrÂtümÂlich den Stimmzettel für den Wahlkreis Agrar- und Ernährungswissenschaften, Geowissenschaften und Geographie.
Bei den Juristen war der Wahlzettel für den Fachschaftsrat betrofÂfen. Hier hatÂte sich ein Kandidat von der Liste zurückÂgeÂzoÂgen und ein andeÂrer neu gemelÂdet. Diese Änderungen hatÂte der Wahlausschuss zwar regisÂtriert: Auf der Bekanntmachung der zugeÂlasÂseÂnen Wahlvorschläge war die Liste korÂrekt darÂgeÂstellt. Der Stimmzettel bei der Wahl selbst war jedoch auf einem verÂalÂteÂten Stand.
Daher wurÂde die Wahl in den betrofÂfeÂnen Bereichen wieÂderÂholt. Vom 23. bis 30 Juni stand noch einÂmal der Fachschaftsrat Jura zur Abstimmung; im gleiÂchen Zeitraum wählÂten Studenten der NatFak II und III erneut ihre Wahlkreiskandidaten für den Studierendenrat. Es wäre nicht mögÂlich geweÂsen, ausÂschließÂlich die Informatikstudenten erneut zur Wahl aufÂzuÂruÂfen, denn wegen der techÂniÂschen Anonymisierung konnÂten sie nicht nachÂträgÂlich aus dem Wahlergebnis herÂausÂgeÂrechÂnet werÂden. Wie zu erwarÂten fiel die Wahlbeteiligung deutÂlich niedÂriÂger aus als im ursprüngÂliÂchen Wahlzeitraum; an der Sitzverteilung auf die Hochschulgruppen änderÂte sich jedoch nichts.
Teuerung akzeptiert

Bereits im letzÂten Jahr fand eine Urabstimmung zum D‑Semesterticket statt. Damals stand das MDV-Ticket als kaum günsÂtiÂgeÂrer Vorläufer des deutschÂlandÂweiÂten Tickets noch zur Auswahl, denn der fünfÂjähÂriÂge Vertrag zwiÂschen dem Studentenwerk und dem Mitteldeutschen Verkehrsverbund lief noch. Dass dieÂses Jahr schon wieÂder abgeÂstimmt werÂden sollÂte, lag an der Verteuerung des Deutschlandtickets um 9 Euro zum Jahresanfang. Daran gekopÂpelt wird das Deutschland-Semesterticket ab Oktober um 5,40 Euro teuÂrer; insÂgeÂsamt kosÂtet es dann 208,80 Euro pro Semester. Vor der ersÂten Urabstimmung hatÂte der Studierendenrat verÂsproÂchen, bei einer PreisÂerhöhung erneut alle Studenten zu befragen.
Mit 96,55 Prozent bei einer verÂdopÂpelÂten Wahlbeteiligung hätÂte die Zustimmung zum D‑Semesterticket kaum deutÂliÂcher ausÂfalÂlen könÂnen. Diesmal ging es quaÂsi um alles oder nichts, denn das neue Angebot des Mitteldeutschen Verkehrsverbunds hielt der Studierendenrat für uninÂterÂesÂsant: Das regioÂnaÂle MDV-Semesterticket hätÂte beiÂnaÂhe gleich viel gekosÂtet und wäre jährÂlich teuÂrer geworÂden. Falls die Mehrheit das D‑Semestertickets abgeÂlehnt hätÂte, wäre der Semesterbeitrag um 208,80 Euro gesunÂken. Dafür hätÂte sich dann jeder selbst um seiÂne Verkehrsmittel kümÂmern müsÂsen, beiÂspielsÂweiÂse durch ein Deutschlandticket-Abonnement zum volÂlen Preis von 58 Euro pro Monat. Doch offenÂbar ist das Semesterticket mit Studentenrabatt weiÂterÂhin sehr beliebt.
Vertragspartner des D‑Semestertickets ist nicht der Studierendenrat, sonÂdern das Studentenwerk Halle. Mit weniÂgen Ausnahmen (zum Beispiel Auslandsaufenthalt oder Schwerbehindertenausweis mit Wertmarke) bezahÂlen und bekomÂmen alle Studenten dieÂses Ticket, selbst wenn sie nicht Mitglied der Studierendenschaft sind.
| Nach Redaktionsschluss Laut Bundesregierung sollÂte das D‑Ticket bis 2029 nicht mehr teuÂrer werÂden. Am 18. September setzÂten die Länder jedoch durch, dass der Preis ab Januar 2026 um weiÂteÂre 5 Euro steigt. Damit wird das D‑Semesterticket ab Oktober 2026 um 3 Euro pro Monat teuÂrer. Dazu soll es wieÂder eine Urabstimmung geben, verÂspricht der Studierendenrat auf seiÂner Website. |
Hello, goodbye
Am Studienkolleg lag die Wahlbeteiligung erstÂmals seit 2019 ein wenig über null. 5 von 221 Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab, dabei bekaÂmen vier wählÂbaÂre Kollegiaten, deren Name in das leeÂre Feld einÂgeÂtraÂgen wurÂde, jeweils eine gülÂtiÂge Stimme. Auf die jahÂreÂlanÂge Abstinenz am Studienkolleg und mögÂliÂche Lösungen angeÂsproÂchen, hatÂte sich das Wahlteam nicht geäuÂßert. Womöglich erwachÂte das Interesse der Wähler, nachÂdem die hasÂtuÂzeit einiÂge Studienkollegiaten angeÂsproÂchen hatÂte, um herÂausÂzuÂfinÂden, ob ihnen im Löwenportal überÂhaupt ein Link zu den Online-Wahlen angeÂzeigt wird.
Zur konÂstiÂtuÂieÂrenÂden Sitzung des 36. Studierendenrats war indes nieÂmand aus dem StuÂdienkolleg erschieÂnen. Sollte dieÂser Sitz in den komÂmenÂden Monaten frei bleiÂben, liegt das wohl an einer Regel, die sich der Studierendenrat selbst in die Ordnung der Studierendenschaft geschrieÂben hat.
In Köthen und Halle bieÂtet das Landesstudienkolleg Vorbereitungskurse für interÂnaÂtioÂnaÂle Studenten an; die Abteilung Halle ist orgaÂniÂsaÂtoÂrisch an die Martin-Luther-Universität angeÂbunÂden. Allerdings erlaubt die Universität den Kollegiaten nicht, an den Gremienwahlen zum Senat teilÂzuÂnehÂmen; ein Fakultätsrat exisÂtiert am Studienkolleg ohneÂhin nicht. Der Studierendenrat hat jedoch bereits 2002 beschlosÂsen, die Studienkollegiaten als Teil der Studierendenschaft zu betrachÂten und ihnen damit eine Mitbestimmung zu ermöglichen.
Den Studienkollegiaten steht die Satzung im Weg
Seit 2017 bilÂdet das Studienkolleg eine gemeinÂsaÂme Fachschaft mit den Neuphilologien; im Studierendenrat ist weiÂterÂhin einer von 37 Sitzen für einen Vertreter des Kollegs reserÂviert. Eine Bestimmung in der Satzung der Studierendenschaft macht es gewählÂten Kollegiaten jedoch fast unmögÂlich, ihren Sitz einÂzuÂnehÂmen. Laut § 6 Absatz 4 verÂlieÂren sie ihr Amt, wenn sie die Fachschaft wechÂseln. Mit dem Ende des Sommersemesters verÂlasÂsen die interÂnaÂtioÂnaÂlen Studenten in der Regel das Kolleg, um in Halle oder andersÂwo ein reguÂläÂres Studium aufÂzuÂnehÂmen. Sollte also minÂdesÂtens einer der vier gewählÂten Kollegiaten nicht ausÂgeÂrechÂnet in der Anglistik/Amerikanistik, Germanistik, Romanistik oder Slawistik in Halle unterÂkomÂmen, ist es ihm schon forÂmal nicht mögÂlich, im Studierendenrat die Interessen der nächsÂten Generation am StudienÂkolleg zu vertreten.
Text und Grafiken: Konrad Dieterich
Foto: Johannes Wingert
Smileys: Liz Bravo, Emily Jäger, Mariella Steeb [OpenMoji 16.0 (CC BY-SA 4.0), bearbeitet]
