Ende Juli hat der Stura nach lanÂgem Hin und Her eine Erhöhung des MitgliedsÂbeitrags von 12,35 Euro auf 16,50 Euro beschlosÂsen. Weniger in den Taschen, aber vielÂleicht doch mehr für Studis?
Der Mitgliedsbeitrag für die StudierendenÂschaft setzt sich im WesentÂlichen aus einem Anteil für den Stura und desÂsen Arbeitskreise und Projekte, sowie den FachschaftsÂräten zusamÂmen. Die letzÂte Erhöhung gab es zum SommerÂsemester 2024 mit der VollÂmitgliedÂschaft im freiÂen ZusammenÂschluss von Student*innenschaften (fzs) – einem deutschlandÂweiten DachÂverband von StudierendenÂvertretungen. Die neue Anhebung des Mitgliedsbeitrags für die Studierendenschaft wird zum SommerÂsemester 2026 in Kraft treten.
Der MitgliedsÂbeitrag ist im SemesterÂbeitrag mit inbeÂgrifÂfen – neben den 90 Euro für das StudentenÂwerk und dem D‑SemesterÂticket, was den LöwenÂanteil mit zuletzt 208,80 Euro beansprucht.
Zäher Kompromiss
Die Frage zur BeitragsÂerhöhung stand seit der HaushaltsÂdebatte im November 2024 im Raum. Trotzdem kam es erst kurz vor den HochschulÂwahlen zu konÂkreÂteÂren AusÂeinanderÂsetzungen. Zwar haben im Vorfeld verÂeinÂzelÂte Gespräche stattÂgeÂfunÂden, dieÂse wären allerÂdings nicht gut koorÂdiÂniert geweÂsen, wie mehÂreÂre FachschaftsÂräte (FSRs) berichÂteÂten. Einige beklagÂten sogar, bei der Debatte überÂganÂgen worÂden zu sein.
Die Forderungen und Kritik der FSRs finÂdet Ihr hier: https://hastuzeit.de/fsrs-zwischen-stura-und-inflation/
Auf der 18. Sitzung des 35. Sturas – mitÂten im HochÂschulÂwahlkampf – stand schließÂlich ein Entwurf der Offenen Linken Liste (OLLi). Die Juso-HochÂschulÂgruppe (Juso-HSG) planÂte zu dem Zeitpunkt schon mit einer Endsumme von 16,50 Euro, wie aus dem SitzungsÂprotokoll herÂvorÂgeht. Allerdings ohne dass ein konÂkreÂter Plan festÂstand, wie dieÂser Beitrag aufÂgeÂteilt würÂde. Im Betrag trennÂten die Vorschläge letztÂlich nur weniÂge Cent. Anwesend waren auch ein paar FSR-Mitglieder, die an den Stura appelÂlierÂten, einen KomÂpromiss zu finÂden. Allerdings zeichÂneÂte sich ab, dass zu dieÂsem ZeitÂpunkt keiÂne Einigung zu Stande komÂmen werÂde. So kam es auch an dieÂsem Abend zu keiÂner Beitragsänderung.
Einen Monat späÂter mussÂte aufÂgrund der WahlÂwiederholung der 35. Stura ein allerÂletztes Mal zusammenÂgerufen werÂden. Jetzt, am Ende des WahlÂkampfs, kam es nun doch zu einer Einigung, die genau die von den Jusos zuvor geforÂderÂte MaximalÂgrenze von 16,50 Euro ausreizte.
Was ist drin?
Zum einen haben die FSRs ihre Erhöhung bekomÂmen. Anstelle von 2,75 Euro pro Studi gibt es jetzt 3,90 Euro. Für den allÂgeÂmeiÂnen Haushalt des Stura wurÂden 1,50 Euro mehr verÂanÂschlagt – also 7,70 Euro. Ebenfalls gibt es deutÂlich mehr Geld für den SozialÂfonds – 1,40 Euro anstatt 40 Cent. Außerdem nehÂmen die Mittel für AufwandsÂentschäÂdiÂgungen um 50 Cent zu und lieÂgen damit nun bei 1,80 Euro.

In der neuÂen FinanzÂordnung ist dazu vorÂgeÂseÂhen, den StundenÂsatz der AufwandsÂentÂschädiÂgungen für Sprecher:innen und Referent:innen von 8,06 Euro auf 7,50 Euro zu reduÂzieÂren. Über die letzÂten Jahre hatÂte sich der StundenÂsatz – gekopÂpelt ans BAföG – immer weiÂter erhöht, ohne dass der Anteil für AufwandsÂentschädiÂgungen angeÂhoÂben wurÂde. Dadurch kommt jetzt trotz Kürzung die geneÂrelÂle Erhöhung der AufwandsÂentschädiÂgungen im MitgliedsÂbeitrag zustande.
Kritische Worte
Natürlich macht der MitgliedsÂbeitrag nur einen Bruchteil des gesamÂten SemesterÂbeitrages aus. Die Erhöhung des Deutschland-Tickets schlägt da viel tieÂfeÂre Kerben. Trotzdem lohnt es sich, genauÂer hinÂzuÂschauÂen, wohin unser Geld fließt.
Mehr Mittel für die SozialÂfonds solÂlen dem Stura ermögÂliÂchen, mehr StudieÂrenden ausÂzuÂhelÂfen, die in finanÂziÂelÂle Not geraÂten. Die Darlehen könÂnen maxiÂmal 1500 Euro pro Studi betraÂgen und müsÂsen unverÂzinst zurückÂgeÂzahlt werÂden. Zu einer Rückzahlung kommt es jedoch nicht immer und die StudieÂrendenÂschaft bleibt in einiÂgen Fällen auf den Kosten sitÂzen. Hinzu kommt, dass die im Sinne richÂtiÂgen und wichÂtiÂgen SoziaÂldarlehen nur Symptome bekämpÂfen. Ein Beispiel: Wenn man auf BAföG-Zahlungen angeÂwieÂsen ist, dieÂse aber nicht komÂmen und trotzÂdem die Miete mit allem Drum und Dran fälÂlig wird, dann kann ein SozialÂdarlehen die Rettung in der Not sein. Trotzdem liegt hier die Schuld beim maroÂden BAföG-System.
Einige FachschaftsÂräte hatÂten bereits die AufwandsÂentschädiÂgungen im Stura kriÂtiÂsiert. Nun werÂden die Mittel dafür erhöht, jedoch soll der StundenÂsatz runterÂgesetzt werÂden. Auf eine Anfrage der hasÂtuÂzeit, auf die nur die Liberale HochschulÂgruppe (LHG) geantÂworÂtet hatÂte, schreibt sie: „[Die Erhöhung der AufwandsÂentschädiÂgungen] steht völÂlig außer Verhältnis dazu, was die StudieÂrenden tatÂsächÂlich vom Stura zurückÂbeÂkomÂmen“, die wenigsÂten wüssÂten, was der StudieÂrendenÂrat macht und wo dieÂser das Leben von Studis verÂbesÂseÂre. Es bleibt also das langÂwährende SichtÂbarÂkeitsÂproblem, das allerÂdings die AufwandsÂentschädiÂgung für sich nicht deÂlegiÂtimiert. Zudem werÂden für Sprecher:innen auch nur 50 Prozent der ArbeitsÂstunden vergütet.

Mehr Geld für den allÂgeÂmeiÂnen HausÂhalt heißt auch mehr für die UnterÂstützung von exterÂnen Projekten. Mit dem aktuÂelÂlen Budget kam der Stura allerÂdings schon früh an den Punkt, dass die für das ersÂte Halbjahr vorÂgeÂseÂheÂnen Mittel zur allÂgeÂmeiÂnen ProjektÂförderung fast ausÂgeÂschöpft waren. Später einÂgeÂreichÂte Projekte bekaÂmen daher vielÂfach wesentÂlich weniÂger Geld, als sie ursprüngÂlich beanÂtragt hatÂten. Auffällig war dabei eine Tendenz: Zu Beginn der Periode – mit volÂlem ProjektÂtopf – wurÂde teils weniÂger genau auf Anträge geschaut und wie viel dieÂse Projekte der StudieÂrendenÂschaft brinÂgen beziehungsÂweise wie vieÂle Studis damit erreicht werÂden könÂnen. Ist dann das Geld knapp, wird die Lupe ausÂgeÂpackt, um zu gucken, wo gespart werÂden kann. Gleiche Standards und Ansprüche für AntragsÂsteller:innen lagen somit nicht vor. Auch ein etwas gröÂßeÂrer ProjektÂtopf wird darÂan nichts ändern. Allerdings wurÂde sich bemüht, trotz knapÂpen Mitteln, mögÂlichst vieÂle Projekte zu fördern.
Die LHG sieht bei der ganÂzen Debatte eher grundÂlegende Probleme. Sie pläÂdierÂte konÂseÂquent dafür, „dass der Stura zuerst bei sich selbst spaÂren muss“. Die LibeÂrale HochÂschulÂgruppe sehe so Einsparpotential bei der Mehrheit der 14 Arbeitskreise, die „fakÂtisch kaum bis gar keiÂnen Mehrwert für die StuÂdieÂrenÂdenÂschaft“ bieÂten, was dadurch unterÂstriÂchen werÂde, dass Mittel nicht ausÂgeschöpft würÂden und der Berichts- und AnÂwesenÂheitsÂpflicht auf den Sitzungen nur unÂzureichend nachÂgekommen werÂde. Außerdem kriÂtiÂsiert die LHG, „dass sich die Offene Linke Liste sowie die GewerkÂschaftsÂliste jegÂliÂchen VorÂschlägen verÂweiÂgert haben, um die BeitragsÂerhöhung verÂmeiÂden zu könÂnen oder so gering wie mögÂlich zu halten.“

Kommende Stressprobe
Nun wird es nicht das letzÂte Mal sein, dass der SemesterÂbeitrag ansteigt. Denn die PreisÂsicherheit des Deutschland-Tickets ist keinesÂwegs gewährÂleistet. Allerdings steht bereits eine neue HerausÂforderung vor der Tür. Die MitgliedÂschaft im fzs beanÂsprucht zurÂzeit 40 Cent vom MitgliedsÂbeitrag. Nun steht jedoch eine Erhöhung im Raum, auf die reagiert werÂden muss: in einem der mögÂlichen Fälle mit einer weiÂteÂren SteiÂgerung des MitgliedsÂbeitrags über die 16,50 Euro hinÂaus. Schließlich hatÂte sich zuletzt eine MehrÂheit im Stura für den Verbleib im fzs und gegen den AustrittsÂantrag der LHG ausÂgeÂsproÂchen. Es bleibt jedoch eine weiÂteÂre StressÂprobe für den Stura.
