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Über die Hälfte unse­rer Studierenden ist regel­mä­ßig mit ihrer Regelblutung kon­fron­tiert. Dennoch fin­det das Thema bis­her wenig Aufmerksamkeit im Universitätsleben. Wie ein Projekt zum Thema Menstruationsprodukte Abhilfe schaf­fen soll und was, aus Erfahrung, beson­ders in Prüfungsphasen hel­fen kann.

Der Morgen der Prüfung. Extra früh auf­ste­hen, um sich nicht stres­sen zu müs­sen. Die Gedanken krei­sen um die Klausur, mög­li­che Fragen und den dicken Stapel an Karteikarten, der ges­tern Abend noch ein­mal wie­der­holt wur­de. Und dann sind sie da: Bauchkrämpfe. Na großartig.

Die Mehrheit der Studierenden an unse­rer Universität men­stru­iert im Durchschnitt ein­mal im Monat und muss nicht nur im Uni­alltag, son­dern auch wäh­rend der Klausurenphasen oder ande­ren Studienleistungen mit den Nebenwirkungen der Periode umge­hen. Neben der Blutung kön­nen die­se weit­rei­chend sein. Von den eben erwähn­ten Bauchkrämpfen über Kopf- und Rückenschmerzen, Übelkeit und Schwindel, Müdigkeit und Stimmungsschwankungen. Der Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Während man­che fast sym­ptom­frei durch ihre Menstruation kom­men, berich­ten bis zu 90 Prozent von Beschwerden, 10 bis 15 Prozent von ihnen lei­den sogar unter Endometriose. Außerdem erfah­ren die meis­ten Menstruierenden schon vor ihrer Periode psy­chi­sche und kör­per­li­che Veränderungen, die den Nebenwirkungen der Periode glei­chen. PMS, das Prämenstruelle Syndrom, wird von 20 bis 40 Prozent der men­stru­ie­ren­den Menschen als so stark emp­fun­den, dass es sie in ihrem Alltag ein­schränkt. In beson­ders schwe­ren Fällen kann es sich sogar um PMDS han­deln, die Prämenstruelle Dysphorische Störung, bei der es von Depressionen bis hin zu Suizidgedanken kom­men kann.

Ein Spender für Menstruationsartikel
Foto: Franziska Ripke
Endometriose ist eine der häu­figs­ten Erkrankungen des Unterleibs. Uterusgewebe sie­delt sich außer­halb der Gebärmutter an, was hef­ti­ge Schmerzen wäh­rend der Periode und nach dem Geschlechtsverkehr ver­ur­sa­chen kann. In extre­men Fällen kann sie sogar zu Unfruchtbarkeit füh­ren. Für mehr Informationen zu dem Thema gibt es bereits einen Artikel in Heft 97!

Der Spender soll retten

Die Menstruation wird, obwohl sie über die Hälfte der Studierenden betrifft, kaum zum Thema in Unipolitik- und ‑all­tag. Ein ers­tes Projekt soll das jetzt ändern.

Wahrscheinlich haben Studis, die sich regel­mä­ßig in Bibliotheken auf­hal­ten, unse­ren Retter schon gese­hen. Ein klei­ner roter Spender mit Tampons und Binden wur­de durch die Universität in ver­schie­de­nen Frauen- und All-Gender-Toiletten der Campi montiert.

Die Kosten des Pilotprojektes, wel­ches seit Dezember 2024 läuft, wer­den durch das Rektorat sowie den Stura getra­gen. Das Konzept soll die Chancengleichheit an der Universität för­dern. Seit Dezember 2025 wird die Notwendigkeit der Spender geprüft. Über die Webseite des Stura kann an einer Evaluation teil­ge­nom­men werden.

Das im Grunde hilf­rei­che Konzept weist, wie jedes Pilotprojekt, klei­ne und grö­ße­re Fehler auf. So sind die Spender mehr leer als auf­ge­füllt vor­zu­fin­den und teil­wei­se nur an einem Standort auf dem Campus vor­han­den. Da kann der Weg zur Rettung und zurück in den Vorlesungssaal schon mal eine Viertelstunde dauern.

In einer Welt, in der die Tante immer noch von der „Erdbeerwoche“ spricht, geht die Uni trotz die­ser Probleme mit der Aktion einen Schritt in Richtung Gleichberechtigung.

Standorte der Spender

1 Uniklinikum, Funktionsgebäude 6 – Hörsäle, Ernst-Grube-Str. 40
2 Bibliothek Heide-Süd, All-Gender-WC (1. OG), Damen-WC (1. OG), Von-Danckelmann-Platz 1
3 Chemie, Damen-WC (EG), Kurt-Mothes-Str. 2
4 studiFIT Lührmann, Damen-WC (1. OG), Mansfelder Str. 15
5 Steintor-Bibliothek, All-Gender-WC (EG), Damen-WC (EG), Emil-Abderhalden-Str. 23
6 Anatomie und Zellbiologie, Große Steinstr. 52
7 Dekanat Medizin, Magdeburger Str. 8
8 Zahn‑, Mund- und Kieferheilkunde, Magdeburger Str. 16
9 Bibliothek Juridicum, Damen-WC (EG), Universitätsplatz 5
10 Audimax, All-Gender-WC (EG), Universitätsplatz 1
11 Bibliothek Haus 31, All-Gender-WC (EG), Damen-WC (EG), Franckeplatz 1

Grafik: Konrad Dieterich
Kartengrundlage: OpenStreetMap (openstreetmap.org/copyright),
erstellt mit MapOSMatic/OCitysMap auf print.get-map.org, bearbeitet

Tipps: Klausuren trotz Krämpfen

Falls Euch die Periode mal wie­der in der Klausurenphase erei­len soll­te, sind hier eini­ge klei­ne Tipps:

Die Wochen vor der Prüfung: Für lan­ge Tage und Nächte in der Bib und eine unan­ge­kün­dig­te Periode oder nicht aus­rei­chen­de Menstruationsartikel könnt Ihr es mit den oben genann­ten Spendern pro­bie­ren. Außerdem: Versucht, Euren Lernplan ein wenig anzu­pas­sen. Nicht jeder Tag wird gleich pro­duk­tiv sein. Plant not­wen­di­ge Ruhetage ein.

Direkt vor der Prüfung: Für den Fall, dass Ihr die Toilette ein­mal öfter auf­su­chen müsst, kann es hilf­reich sein, mit den Prüfenden ins Gespräch zu gehen, sofern Ihr Euch damit wohl­fühlt. Besonders in Studiengängen, in denen die Klausuren auch mal drei Stunden oder län­ger dau­ern kön­nen, ist ein Toilettengang mehr meist unaus­weich­lich. Auch ein Notfall-Kit mit Menstruationsprodukten könnt Ihr nach Absprache mit den Prüfenden für alle auf der Toilette lagern.

In der Prüfung: Alternative Menstruationsartikel hal­ten oft län­ger durch. Insbesondere Produkte wie die Menstruationstasse oder die ‑disk neh­men mehr Blut auf und müs­sen sel­te­ner gewech­selt wer­den. Denkt dar­an, genug Trinken in Reichweite ste­hen zu haben. Ausreichend Flüssigkeit kann nach­weis­lich Probleme wie Kopfschmerzen und sogar Krämpfe mil­dern. Auch ein umleg­ba­res Wärmepad oder Wärmepflaster könn­ten eine klei­ne Erlösung bie­ten. Für den Notfall könnt Ihr auch die alt­be­währ­ten Schmerzmittel ein­neh­men. Wenn Ihr Euch dies­be­züg­lich unsi­cher seid, hilft immer der Weg in die Apotheke.

Bei Endometriose: Solltet Ihr mit Endometriose dia­gnos­ti­ziert sein, ist es mög­lich, eine Krankschreibung für Klausuren ein­zu­ho­len. Auch ohne Endometriose kann unter Umständen eine Prüfungsunfähigkeit durch eine Ärztin oder einen Arzt fest­ge­stellt werden.

Am Ende bleibt vor allem eins zu sagen: Der men­stru­ie­ren­de Körper ist, trotz aller Widrigkeiten, ein beein­dru­cken­des System, das neben der Prüfungsphase noch ganz ande­re Dinge leis­tet. Wenn also zwi­schen den Lernplänen, Prüfungen und To-do-Listen plötz­lich eine Pause gemacht wer­den muss, dann ist das kein Versagen, son­dern ein Tag, an dem das eige­ne Wohlbefinden prio­ri­siert wur­de. Und ganz ehr­lich: Wenn man es schafft, mit Krämpfen, Müdigkeit und Stimmungsschwankungen trotz­dem durch die­se Phase zu kom­men, dann soll­te es dafür eigent­lich Extrapunkte geben. Mindestens.

Die Menstruation ist immer noch ein Tabuthema, über das wenig gespro­chen wird. Dabei kann der kom­ple­xe Vorgang von Person zu Person sehr unter­schied­lich ver­lau­fen. Was dabei nor­mal ist und was nicht hat Melissa für uns bereits im Heft 98 genau­er unter­sucht!
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