Der WELCOME-Treff ist ein Ort, an dem Menschen jeder Herkunft in Halle zusammenfinden können. Jana Hemming-Lange, Projektleiterin des Vereins, erzählt von der Bedeutung des Vereins für die Stadt und wie man das momentane politische Klima wahrnimmt.
Können Sie den WELCOME-Treff Halle kurz vorstellen?
Der WELCOME-Treff ist ein Begegnungsort für Eingewanderte und Engagierte in Halle mit Unterstützungs- und Freizeitangeboten, [gestützt durch die Freiwilligen-Agentur Halle]. Alles soll so unkompliziert wie möglich sein (ohne Anmeldung und Termine). Zum Beispiel gibt es Angebote zum Deutsch (oder auch andere Sprachen!) Lernen, Hilfe bei Formularen und Briefen, Sprachmittlung, einen Spieleabend oder Malkurs. Im Jahr kommen circa 5000 Menschen zu uns – wichtig ist dabei, dass alle je nach Stärken und Interessen mitmachen und das Angebot gestalten können. So können auch Nutzer:innen gleichzeitig Freiwillige sein.
Welche Themen und Sorgen begegnen Ihnen in letzter Zeit besonders häufig?
Der (gefühlte und reale) Druck auf Geflüchtete steigt kontinuierlich während die Rahmenbedingungen für die Menschen meist immer restriktiver werden. Das belastet sehr viele Menschen und stellt sie vor kaum schaffbare Anforderungen. Gewalt und Diskriminierung beziehungsweise die Angst davor belasten den Alltag darüber hinaus.
Hat sich die Stimmung unter den Menschen Ihres Vereins seit der Gründung verändert?
Der WELCOME-Treff wurde 2015 gegründet, aus dem unmittelbaren Bedarf an einem Begegnungsort für neu eingewanderte Menschen und schon länger in Halle lebende Menschen. [Seitdem] hat sich ganz viel getan: es geht nicht mehr nur um eine einseitige Helfer:innen und Hilfsempfänger:innen Beziehung. Die Rollen sind fluide, wir versuchen alle Menschen dort einzubinden, wo sie sich engagieren möchten. Wo ein Bedarf oder Interesse ist, können wir versuchen ein Angebot zu schaffen.

Illustration: Franziska Ripke
Welche Rahmenbedingungen wünschen Sie sich von der zukünftigen Landespolitik, damit Ihre Arbeit weiterhin gut möglich ist?
Achtung von Menschenwürde, eine klare Haltung gegen Diskriminierung und Rassismus sowie das Anerkennen von dem Wert jedes einzelnen Menschen – egal welcher Herkunft, Bildung und Zukunft schafft eine respektvolle Haltung auf institutioneller, struktureller und individueller Ebene. Das fördert den Zusammenhalt, die Offenheit und das zivilgesellschaftliche Miteinander, ohne das der WELCOME-Treff nicht funktioniert. Die Förderung einer sozialen und solidarischen Infrastruktur schafft Raum für Ideen und Miteinander und ist deshalb eine Voraussetzung für unsere Arbeit. Diesen Rahmen wünschen wir uns auch weiterhin.
Was wünschen Sie sich von Politik und Gesellschaft, unabhängig vom Wahlausgang?
Weiter respektvoll, umsichtig und offen gegenüber allen Menschen zu sein. Den Mut zu haben für andere einzustehen und Freude an Gemeinsamkeiten mehr als an Unterschieden. Alle Menschen sollen die Möglichkeit haben, an der Gesellschaft teilzuhaben und sie mitzugestalten.
Wo sehen Sie Hoffnung, trotz der angespannten politischen Lage?
Die Über Jahrzehnte aufgebauten sozialen und strukturellen Beziehungen von Menschen, Institutionen und Initiativen sind stark und die Solidarität untereinander ist hoch. Das macht Hoffnung auch in herausfordernden Zeiten. Die Bereitschaft für Engagement ist unglaublich hoch und es tut gut zu sehen, dass Menschen Haltung für Demokratie und Menschenwürde zeigen.
Wie können sich Studierende und Interessierte konkret beim Welcome-Treff engagieren? Braucht es Vorkenntnisse?
Im WELCOME-Treff können sich alle engagieren! Ob Deutschangebot, Fahrradkurs, Bewerbungen schreiben oder Formularhilfe. Meldet euch, wenn ihr Lust habt uns kennenzulernen und etwas auszuprobieren. Ihr habt ein Hobby oder eine Idee, die ihr gerne mit anderen teilen möchtet? Das kann auch ein neuer Teil des Programms werden.
Keine Zeit für ein regelmäßiges Engagement? Es ist auch toll, wenn ihr den Ort einfach nutzen wollt, um Menschen kennen zu lernen, ins Gespräch zu kommen oder an Angeboten teilzunehmen. Je mehr Menschen zum Spieleabend oder zum Nähtreff kommen, desto interessanter wird es.
Was möchten Sie den Menschen in Halle mit auf den Weg geben, die sich Sorgen bezüglich des Wahlausgangs machen?
Es gibt so viele Möglichkeiten und Orte sich in Halle vor der Wahl zu engagieren, das ist wichtig und wird auch darüber hinaus Bestand haben. Demokratie lebt von Engagement, Austausch und Interesse – das wird wichtig bleiben und ist nichts, was einfach genommen werden kann!
