„Der Astronaut – Project Hail Mary“ ist vieÂles, was Sci-Fi-Streifen schon lanÂge nicht mehr waren: farÂbenÂfroh, verÂletzÂlich und vor allem: optiÂmisÂtisch. In einer immer mehr dem Nihilismus verÂfalÂlenÂden Gesellschaft bilÂdet der Film einen Gegenpol, der einen wieÂder hofÂfen lässt. Eine Filmrezension.
Vorbei ist die Ära der dysÂtoÂpisch-grauÂen Weltraumfilme, bis zum Rand gefüllt mit draÂmaÂtiÂschen Katastrophen und stoÂisch-forÂmelÂlen Wissenschaftler:innen, denen jegÂliÂcher Humor schon vorm Masterstudium ausÂgeÂtrieÂben wurÂde. „Der Astronaut – Project Hail Mary“ (Originaltitel: Project Hail Mary) scheint bei genaueÂrem Hinsehen nur im Setting Science-Fiction zu sein: im Kern gleicht der Film eher einer Buddykomödie. Die Leitmotive von Vertrauen und Kooperation trotz kulÂtuÂrelÂler Differenzen komÂmen hier mulÂtiÂdiÂmenÂsioÂnal zum Einsatz, und am Ende verÂlässt man den Kinosaal vor allem mit zweiÂerÂlei Gefühlen: Optimismus und Hoffnung.
Basierend auf dem gleichÂnaÂmiÂgen 2021 von Andy Weir verÂöfÂfentÂlichÂten Roman erzählt der Film die Geschichte von Ryland Grace und einem allerÂletzÂten verÂzweiÂfelÂten Versuch, die Erde vor der Auskühlung zu bewahÂren. Wenn Grace nur von seiÂner Mission wüssÂte. Zum Glück erhält er Hilfe einer mehr als ungeÂwöhnÂliÂchen Art. In den 157 Minuten Laufzeit erlebt das Publikum an der Seite von Grace mehr als einen Horrortrip, herzÂerÂwärÂmenÂde und ‑zerÂreiÂßenÂde Momente und lernt, was pasÂsiert, wenn man sich seiÂnen Ängsten stellt und außerÂirÂdiÂsche Spinnensteine in sein Raumschiff lässt – Spoiler: man bekommt einen neuÂen Freund und retÂtet nebenÂbei mit Glück vielÂleicht sogar ein paar Sonnensysteme.
Von alleingelassenen Astronauten mit Amnesie
„Project Hail Mary“ öffÂnet mit dem Erwachen Ryland Grace’ (Ryan Gosling) aus einem künstÂliÂchen Koma. Das Problem: Er leiÂdet an Amnesie und hat daher keiÂne Ahnung, wo, geschweiÂge denn wer er ist. In seiÂnen Versuchen, dieÂse Informationen zu erlanÂgen, lernt er folÂgenÂdes: Er befinÂdet sich zurÂzeit im Weltraum, seiÂne Crewkameraden haben das Koma nicht überÂlebt, und er hat unser heiÂmiÂsches Sonnensystem um Lichtjahre hinÂter sich gelasÂsen. Whoops.

ist ein 2026 erschieÂneÂner, US-ameÂriÂkaÂniÂscher Science-Fiction-Film von Phil Lord und Chris Miller mit Ryan Gosling, Sandra Hüller und James Ortiz in den Hauptrollen.
Er basiert auf dem gleichÂnaÂmiÂgen Buch von Andy Weir, hat eine Laufzeit von cirÂca 157 Minuten und in Deutschland die Altersbeschränkung FSK 12.
Foto: Amazon MGM Studios
Erzählerisch spielt „Project Hail Mary“ auf zwei Ebenen, in der Gegenwart im Weltraum und in der Vergangenheit auf der Erde. Im Laufe des Filmes wird Grace immer wieÂder von Flashbacks geplagt, die ihm und dem Publikum mehr Kontext zu seiÂner Situation lieÂfern: Er befinÂdet sich an Bord der „Hail Mary“, so heißt das Raumschiff, um eine Lösung zum sogeÂnannÂten Astrophagenproblem zu finÂden. Astrophagen, das sind kleinsÂte Mikroorganismen, die sich von der Sonnenenergie zu ernähÂren scheiÂnen. Dadurch und weil sie sich expoÂnenÂtiÂell verÂmehÂren, droht eine Verdunklung der Sonne, die in den folÂgenÂden drei Jahrzehnten eine kataÂstroÂphaÂle Abkühlung der Erde herÂbeiÂfühÂren würde.
Um dem entÂgeÂgenÂzuÂwirÂken, wurÂde eine interÂnaÂtioÂnaÂle Taskforce einÂgeÂrichÂtet, geführt von der ostÂdeutÂschen ESA-Mitarbeiterin Eva Stratt (Sandra Hüller). Schnell stellt sich herÂaus, dass fast alle Sternsysteme in der Milchstraße betrofÂfen sind – alle außer dem Sternensystem Tau Ceti, das knapÂpe zwölf Lichtjahre entÂfernt liegt. Um zu unterÂsuÂchen, was dieÂsen Stern so besonÂders macht, und um dadurch eine Lösung für die eigeÂne Sonne zu finÂden, wird das Projekt „Hail Mary“ gestarÂtet – eine interÂnaÂtioÂnal geförÂderÂte Weltraummission mit dem Ziel, die Sonne zu retten.
Ryland Grace, sich nun wieÂder bewusst, dass er ja ein von der wisÂsenÂschaftÂliÂchen Gemeinschaft verÂstoÂßeÂner Molekularbiologe und Mittelstufenlehrer ist, macht genau das Gegenteil von dem, was man eigentÂlich von Sci-Fi-Protagonisten erwarÂten würÂde: anstatt sich in seiÂne aufÂgeÂtraÂgeÂne Arbeit zu stürÂzen, verÂweiÂgert Grace seiÂne Pflichten. Allgemein ist die inÂstinkÂtive Reaktion der Figur bei allem Unbekannten, sich aus der Situation zu entÂferÂnen und sich erst mal vor ihr zu verstecken.

Foto: Amazon MGM Studios
Dass er aber nicht allem davonÂrenÂnen kann, merkt er späÂtesÂtens bei seiÂner Ankunft im Tau-Ceti-System, wo sich herÂausÂstellt, dass Menschen nicht die einÂziÂge Spezies sind, die Experten auf eine Reise durchs All schickÂten, um ihr eigeÂnes Sternenproblem zu lösen. Nach einiÂgem Hin und Her – und Grace’ Kampf gegen sein eigeÂnes Unterbewusstsein, das im Angesicht von allem Neuen dieÂsem am liebsÂten den Rücken kehÂren und Opossum spieÂlen möchÂte – entÂsteÂhen ersÂte Kommunikationsversuche. Schnell wird klar, dass Rocky, so nennt Grace seiÂnen neuÂen außerÂirÂdiÂschen Freund, und er ihre jeweiÂliÂgen Sterne nur durch Zusammenarbeit retÂten könÂnen. Trotz anfängÂliÂcher Sprachbarrieren und dem Hindernis, dass beiÂde in der Atmosphäre des jeweils andeÂren nicht überÂleÂben könÂnen, floÂriert schnell eine inniÂge Freundschaft zwiÂschen den beiÂden, deren Dynamik für den Großteil des Humors im Film verÂantÂwortÂlich ist.
Weirs Buch wird komÂplett aus der Ich-Perspektive von Ryland Grace erzählt, und dies wurÂde, so gut es ging, ins Drehbuch überÂnomÂmen: es gibt so gut wie keiÂne Szene im Film, in der Grace nicht vorÂkommt, wodurch er zur unanÂgeÂfochÂteÂnen Hauptfigur wird. Rocky und Eva Stratt sind auf ihren jeweiÂliÂgen Erzählebenen die zweitÂwichÂtigsÂten Figuren, der Rest des Ensembles rückt meist in den Hintergrund. Ryan Gosling hat daher eine enorÂme schauÂspieÂleÂriÂsche Last zu traÂgen – ohne eine minÂdesÂtens respekÂtaÂble Leistung seiÂnerÂseits würÂde der gesamÂte Film in sich zusamÂmenÂbreÂchen. Ein Glück also, dass Gosling exzelÂlenÂte Arbeit geleisÂtet hat. Sein Ryland Grace ist symÂpaÂthisch und auf eine reaÂlisÂtiÂsche Art verÂletzÂlich, dass man quaÂsi nicht anders kann, als mit ihm zu symÂpaÂthiÂsieÂren. Sowohl Sandra Hüllers Eva Stratt als auch James Ortiz’ Rocky sind in ihren Szenen die perÂfekÂten Gegenspieler – auch weil sie mit Ryland in sehr unterÂschiedÂliÂchen Figurendynamiken steÂhen und so die Dreidimensionalität des Charakters hervorheben.
Wer wagt, gewinnt
Auch auf der Produktionsebene zeigt „Project Hail Mary“, dass es nicht so ist wie die andeÂren Weltraumfilme der letzÂten Jahre: wähÂrend Blockbuster wie „Interstellar“ mit einer Farbpalette von Blaugrautönen und dem ein oder andeÂren Greige arbeiÂteÂten, um die Kälte und Hoffnungslosigkeit des Alls zu emuÂlieÂren, so entÂschieÂden sich die Macher von „Project Hail Mary“ für das Gegenteil. Das Weltall wird als farÂbenÂfroÂher Ort darÂgeÂstellt, bei dem Assoziationen mit der Technicolor-Farbpalette aufÂkomÂmen. Das vielÂverÂwenÂdeÂte entÂsätÂtigt-dysÂtoÂpiÂsche Color Grading fand ausÂschließÂlich für eine Handvoll Szenen auf der Erde Verwendung. Der ganÂze Film strotzt nur so vor Farben, die im Science-Fiction-Genre seit Jahren als verÂalÂtet gelÂten, und ebnet einen neuÂen Pfad abseits des Sci-Fi-Trends der letzÂten Jahrzehnte. Es bleibt zu hofÂfen, dass nachÂfolÂgenÂde Produktionen den gleiÂchen Mut beweiÂsen und dass Hollywood in Zukunft wieÂder mehr Farbe wagt.

Foto: Amazon MGM Studios
Auch ein zu lobenÂdes Novum ist die Rückbesinnung auf prakÂtiÂsche Effekte. CGI wird zwar auch in dieÂsem Film einÂgeÂsetzt, vieÂles, was in früÂheÂren Filmen vor Green Screens stattÂfand, hat hier aber ein gebauÂtes Set bekomÂmen: die Regisseure Lord und Miller betoÂnen in Interviews regelÂmäÂßig, dass wähÂrend des Drehs nicht ein einÂziÂger Blue oder Green Screen einÂgeÂsetzt wurÂde. Selbst Szenen, die für geübÂte Augen so wirkÂten, als wären sie nur durch CGI reaÂliÂsierÂbar, entÂstanÂden hauptÂsächÂlich durch die Verwendung prakÂtiÂscher Effekte. Wer den Film bereits geseÂhen hat, wird überÂrascht sein zu lerÂnen, dass Grace’ Aufeinandertreffen mit den Astrophagen bei der „Angelaktion“ durch verÂschieÂdensÂte filÂmiÂsche Tricks umgeÂsetzt wurÂde – CGI spielÂte hier allerÂhöchsÂtens eine unterÂgeÂordÂneÂte Rolle.
Auch Rocky ist nicht komÂplett comÂpuÂterÂgeÂneÂriert – er exisÂtiert vor allem als Puppe. Diese kam in 90 Prozent des Drehs zum Einsatz, nur in weniÂgen Szenen konnÂten sie und ihr Puppenspieler James Ortiz – der Rocky auch spricht und so Improvisationen am Set ermögÂlichÂte – nicht einÂgeÂsetzt werden.
Shoot for the Stars, treffe den Mond?
Alles in allem funkÂtioÂniert sehr viel an dieÂsem Film: die wechÂselnÂden Bildverhältnisse zwiÂschen den Erzählebenen Weltraum und Erde, die wirkÂlich runÂde Filmmusik – die sehr gut verÂsteht, wann sie laut, aber besonÂders auch wenn sie leiÂse zu sein hat –, das Design von Rocky und so viel mehr. Was „Project Hail Mary“ aber in der jetÂziÂgen Zeit fast revoÂluÂtioÂnär wirÂken lässt, ist das optiÂmisÂtiÂsche Kernmotiv. Die Idee, dass selbst apoÂkaÂlypÂtisch anmuÂtenÂde Situationen sich lösen lasÂsen, solanÂge die Menschheit zusamÂmen an der Lösung arbeiÂtet, schöpft Hoffnung und entÂfacht Tatendrang, auch wenn es das wahrÂscheinÂlich unreaÂlisÂtischsÂte Element des gesamÂten Films darÂstellt – und wir reden hier von einem Film, in dem außerÂirÂdiÂsche Zellorganismen als Raketenantrieb verÂwenÂdet werden.
Rocky und Grace verÂbinÂdet nicht viel, allem vorÂan aber ihr Dasein als Wissenschaftler und der damit verÂbunÂdeÂne Wissensdurst. Mehr braucht es auch nicht, um ihre kulÂtuÂrelÂlen Barrieren hinÂter sich zu lasÂsen und zusamÂmen an einer Lösung für ihrer beiÂder Planeten zu arbeiÂten. Die sich dabei entÂwiÂckelnÂde Freundschaft und die darÂaus resulÂtieÂrenÂden Witzeleien zwiÂschen den beiÂden machen beim Zuschauen sehr viel Spaß. Auch wenn Grace und seiÂne Mission, die Erde zu retÂten, den Kern des Films ausÂmaÂchen, so ist Rocky als Figur auf jeden Fall das Herz. Man kann nicht anders, als ihn zu lieÂben, Arachnophobie zum Trotz.

Foto: Amazon MGM Studios
Allerdings scheiÂtert der Film, wenn es um das Ausgleichen der witÂziÂgen und ernstÂhafÂten Momente geht, auch wenn man merkt, dass im Drehbuch verÂsucht wurÂde, dieÂse Balance zu halÂten. Letztendlich werÂden einiÂge Storybeats nicht getrofÂfen, bezieÂhungsÂweiÂse sie werÂden zu schnell gelöst, wodurch das emoÂtioÂnaÂle Potenzial unerÂfüllt bleibt. Vermeintlich unüberÂwindÂbaÂre, komÂpleÂxe Hürden und Situationen, die den Charakteren unterÂbeÂwusst stark zusetÂzen, finÂden nach ersÂter Bewusstmachung oft zu schnelÂle, zu einÂfaÂche Lösungen. Auch ist Rocky für Grace in manÂchen Aspekten eine Art Deus ex Machina: ohne zu spoiÂlern, gibt es mehr als eine Schwachstelle, die Ryland auf der Handlungsebene unüberÂwindÂbaÂre Hindernisse in den Weg stellt und im Buch von beiÂden Figuren über länÂgeÂre Zeit gelöst werÂden muss. Im Film wird dieÂse Zeit teilÂweiÂse auf Halbsätze reduÂziert, was das anfängÂliÂche Gewicht dieÂser Hindernisse unglaubÂhaft macht.
Weiterhin werÂden Personen, die das Buch geleÂsen oder gehört haben, einiÂge Unterschiede bemerkt haben – und einiÂges verÂmisÂsen. Von der eigentÂliÂchen Persönlichkeit Eva Stratts bleibt außer ihrer Autoritätsposition nicht viel übrig. Und im Vergleich zum Buch ist selbst dieÂse eher weichÂgeÂzeichÂnet. Auch fehÂlen einiÂge Handlungsabschnitte, in denen kurzÂfrisÂtiÂgeÂre Lösungen als die längsÂte Weltraummission der Menschheit disÂkuÂtiert und ausÂgeÂführt werÂden. Die Wichtigkeit der Hail Mary als allerÂletzÂte Option kommt daher verÂgleichsÂweiÂse im Film narÂraÂtoÂloÂgisch eher aus dem Nichts.
Natürlich lässt sich dieÂse Unterschlagung einÂfach dadurch begrünÂden, dass der Film schon zweiÂeinÂhalb Stunden lang ist und dass eine Einbindung dieÂser Handlungsstränge den Rahmen endÂgülÂtig sprenÂgen würÂde. Dem möchÂte ich entÂgegÂnen, dass dies objekÂtiv geseÂhen zwar richÂtig ist, ich aber trotzÂdem gerÂne die Szenen geseÂhen hätÂte, in denen (BuchspoiÂler!) Stratt, Grace und Freund:innen nun im Namen der Menschheit den Klimawandel auf einÂmal vorÂanÂtreiÂben müsÂsen und als Lösung unter andeÂrem einen Großteil der Antarktis mit Atombomben sprenÂgen. Aber man kann ja nicht alles haben im Leben.
Die Politik von Hoffnung
Trotzdem bleibt der Film weiÂtestÂgeÂhend eine gut gelunÂgeÂne Adaption des Originalwerks. Und besonÂders in den turÂbuÂlenÂten Zeiten, wie man sie graÂde erlebt – in denen US-Präsident Trump Kriege vom Zaun bricht und damit mal eben die Weltwirtschaft kolÂlaÂbiert, wo Demokratien so instaÂbil wirÂken wie schon lanÂge nicht mehr und in der der Großteil der junÂgen Generation in Sachen Zukunft eher schwarz sieht – stellt der optiÂmisÂtiÂsche Kern von „Project Hail Mary“ eine willÂkomÂmeÂne Abwechslung zur Gegenwart dar.

Foto: Amazon MGM Studios
Filme, deren Kernstatements Optimismus und Hoffnung beinhalÂten, sind durch ebenÂdieÂsen Fokus in letzÂter Zeit immer erfolgÂreiÂcher. Im letzÂten Jahr war es zum Beispiel James Gunns „Superman“, der mit satÂten Farben und einem posiÂtiÂven Grundton warb und Erfolg fand. Diese Filme leisÂten dem wachÂsenÂden Nihilismus in der Gesellschaft Widerstand und sind damit auf ihre Art auch poliÂtisch releÂvant: Die Hoffnung und der Optimismus, den sie verÂsprüÂhen, wirÂken ansteÂckend und haben das Potenzial, poliÂtikÂverÂdrosÂseÂne Menschen wieÂder von ihrer Veränderungskraft zu überzeugen.
Rebekka Makkai schreibt in ihrem 2018 erschieÂnen Artikel „The World’s on Fire. Can We Still Talk About Books?“ („Die Welt brennt. Dürfen wir noch über Bücher reden?“), dass das Spüren und Versprühen von Freude ein radiÂkaÂler Akt sei. Viele Kritiker:innen betiÂteln Clark Kents Aussage „Kindness is punk rock“ („Freundlichkeit ist Punkrock“) im 2025 erschieÂneÂnen „Superman“ als die Kernthese des Films. Die Rückbesinnung auf Freude und Freundlichkeit ist auch eine Rückbesinnung auf unseÂre Menschlichkeit. In einer von Angst gesteuÂerÂten Gesellschaft – in der das Hauptaugenmerk der Berichterstattung darÂauf liegt, zu defiÂnieÂren, was alles schief läuft und welÂche verÂmeintÂliÂchen Gefahren hinÂter jeder Ecke lauÂern – ist der Drang nach Isolation und Abkapselung als Schutzmechanismus groß. Die Gemeinschaft sei gefährÂlich, es lebe das Individuum!
Im Kontext dieÂser gesellÂschaftÂliÂchen Entwicklung stelÂlen die Aussagen Makkais und Kents Gegenpositionen zum Status Quo dar. Ihre Aussagen sind Plädoyers für Freundlichkeit, Freude und Offenheit, auch wenn dies Mut erforÂdert. Sie unterÂmaÂlen die Bedeutsamkeit dieÂser als Maßnahmen poliÂtiÂschen Widerstands im Kampf gegen den Nihilismus. Bessere Welten in Filmen und optiÂmisÂtiÂsche Ausblicke auf die Zukunft wirÂken motiÂvieÂrend und stelÂlen Vorbilder, die zeiÂgen, wie Veränderung funkÂtioÂnieÂren kann – dass eine Person schon reicht, um einen Unterschied zu machen. Sie bekämpÂfen die Idee der Machtlosigkeit des Einzelnen und schüÂren Hoffnung in Menschen, die Hoffnung drinÂgend nötig haben, die vielÂleicht schon aufÂgeÂgeÂben haben – oder kurz davor standen.
Deswegen ist ein Film wie „Project Hail Mary“, bei dem man den Kinosaal mit einem Lächeln und einem Gefühl von Hoffnung verÂlässt, zurÂzeit so wichÂtig. Es gab genug zynisch-pesÂsiÂmisÂtiÂsche Filme über die Zukunft, genüÂgend Ausschlachtungen des utiÂliÂtaÂrisÂtisch-egoÂisÂtiÂschen Geistes der Menschheit. Zeit für Optimismus, etwas andeÂres bleibt uns eh nicht übrig.
