Der Senat der Universität Kassel hat sich am 04.11.2026 mehrheitlich für eine Änderung der Zivilklausel entschieden. Als Zivilklauseln werden freiwillige Verpflichtungen von Universitäten – wie auch der MLU – bezeichnet, ausschließlich für zivile Zwecke zu forschen. Durch eine Umformulierng wird an der Universität Kassel nun nicht mehr rein „zu zivilen Zwecken“ geforscht, sondern zum Zweck von „friedlichen Zielen“. Kritiker:innen der Änderung sehen in der Neuformulierung eine Öffnung der Universität hin zu direkter Zusammenarbeit mit der Rüstungsindustrie. Denn unter anderem würden mit den neu eingeführten Begriffen auf der ganzen Welt immer wieder “(Angriffs-)Kriege und bewaffnete Konflikte” legitimiert.
Gegen diese Änderung hatten bereits über einen längeren Zeitraum Studierende der Universität selbst mobilisiert. So gab es im Anschluss an eine studentische Vollversammlung eine Abstimmung über die Zivilklausel. In dieser sprachen sich 82 Prozent der Studierenden gegen und 17 Prozent für eine Änderung aus. Die Fachgruppe Politikwissenschaft begrüßte dieses Engagement der Studierenden und appellierte an den Senat, dies in seiner Entscheidung zu berücksichtigen. Am Ende entschied sich der Senat für die Änderung der Zivilklausel.
Die besonders aktive Gruppe „zivilklauselbleibt_kassel“ hatte bereits vor der Abstimmung unter Beteiligung einiger anderer Gruppen, darunter auch Gewerkschaften, zu einer Kundgebung aufgerufen. An dieser nahmen nach Angaben der Studierenden ungefähr 300 Personen teil. Aus der Kundgebung wurde nach Bekanntwerden der Entscheidung ein Hörsaal der Universität besetzt. Beteiligte Studierende kritisierten die Entscheidung des Senats zudem als undemokratisch. Die Universitätsleitung zeigte sich zunächst nicht gesprächsbereit und lehnte wenig später in einem ersten Gespräch die Forderungen der Studierenden ab.
Zudem wurden Vorwürfe seitens der Studierenden geäußert, dass die Polizei den Besetzer:innen für mehr als sieben Stunden den Zugang zu Wasser oder Essen verwehrt hätte. Die Besetzung wurde schlussendlich in den frühen morgen Stunden des 05.11.2026 durch die Polizei unter Anwendung von körperlichen Zwang geräumt.
