Das neue Semester beginnt, und für viele stellt sich die Frage der Studienfinanzierung. Hier erfahrt Ihr, was Ihr beim BAföG beachten müsst und welche Alternativen in Frage kommen könnten.

Zahlreiche Student:innen müssen sich neben dem Studium durch Nebenjobs noch etwas hinzuverdienen. Wenn Ihr nicht mehr als 450 Euro verdient, lässt sich das Einkommen gut mit anderen Finanzierungsmöglichkeiten, wie etwa dem BAföG, kombinieren. Die Palette der Jobs reicht dabei von Tätigkeiten an der Hochschule selbst über Arbeit in Büros bis hin zum Kellnern.

Die Hälfte bekommt Ihr geschenkt

Ein Klassiker der Finanzierungsmöglichkeiten geht auf Willy Brandt zurück, soll für mehr Chancengleichheit sorgen und heißt Bundesausbildungsförderungsgesetz, kurz BAföG. Ziel ist es, auch jenen ein Studium zu ermöglichen, die wenig bis keine Unterstützung von ihren Eltern bekommen. Dabei ist die Vergabe der Gelder an bestimmte Voraussetzungen gebunden und vom eigenen, aber auch vom elterlichen Einkommen abhängig. Das heißt, eine bestimmte Grenze darf nicht überschritten werden, da ansonsten eine Anrechnung des Mehreinkommens auf die Bezüge erfolgt. In die Beurteilung des Förderbedarfs fließen unterschiedliche Faktoren ein, unter anderem die Anzahl der Geschwister, die Wohnsituation, also ob Ihr bei Euren Eltern wohnt oder eine eigene Wohnung bezieht, und die Höhe der Studienkosten. Die Rückzahlungssumme ist auf maximal 10 000 Euro gedeckelt, wobei Ihr 50 Prozent der ausgezahlten Gesamtsumme vom Staat in Form eines Darlehens geschenkt bekommt. Momentan beträgt der Höchstsatz 861 Euro.

Illustration: Ellen Neugebauer

Bedenkt, dass der Antrag auf Förderung mit einem gewissen bürokratischen Aufwand verbunden ist, da Ihr verschiedene Nachweise vorlegen müsst, unter anderem den Einkommensteuernachweis der Eltern, der zwei Jahre zurückliegt. Das BAföG-Amt im Studentenwerk hilft Euch beim Ausfüllen des Antrags. In schwierigen Fällen bietet der Studierendenrat eine Beratung mit dem ehemaligen Leiter des BAföG-Amts an.

Bedingt durch die COVID-19-Pandemie gibt es natürlich auch hinsichtlich des BAföG-Bezugs einige Besonderheiten, die beachtet werden müssen. Grundsätzlich gilt, dass corona­bedingte Beschränkungen des Lehrangebots im Sinne des BAföG wie vorlesungsfreie Zeiten behandelt werden. Die BAföG-Förderung fließt also weiter und kann auch normal beantragt werden. BAföG-Bezieher:innen sind allerdings verpflichtet, angebotene Online-Veranstaltungen zu nutzen, wenn reguläre Lehrveranstaltungen nicht abgehalten werden können. Zurzeit wird im Landtag von Sachsen-Anhalt außerdem über ein Gesetz zur Verlängerung der Regelstudienzeit um ein Semester diskutiert, damit das „Corona-
Semester“ nicht die Zeit, in der man BAföG-Förderung bekommen kann, beeinträchtigt. Wie das im Wintersemester aussehen wird, ist zurzeit noch unklar.

Cash for free

Stipendien gehören wohl zu den interessantesten Möglichkeiten der Studienfinanzierung, da, anders als beim BAföG, kein einziger Cent zurückgezahlt werden muss. Denn neben einem positiven Eindruck im Lebenslauf bedeuten Stipendien unter anderem eine ideale Förderung für Studierende. Außerdem haben die Empfänger:innen Kontaktmöglichkeiten zu ehemaligen Stipendiat:innen, sogenannten Alumni, des Trägers der Stiftung beziehungsweise des Stipendiums. Die Vergabe von Stipendien ist dabei nicht nur von den schulischen und akademischen Leistungen abhängig, sondern zusätzlich werden unter anderem auch das soziale Engagement, die eigene Motivation sowie persönliche Eigenschaften von den Stiftungsträgern in die Vergabe mit einbezogen. Was damit genau gemeint ist, hängt von den jeweiligen Stiftungen ab.

Dass Stiftungen nur Hochbegabte und Einser-Kandidat:innen aufnehmen, ist in heutigen Zeiten ein Mythos. Es stimmt zwar, dass verschiedene große Stiftungen, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt werden, hohe Ansprüche an die Bewerber:innen stellen, jedoch gibt es tausende kleinere Stiftungen, die auch andere Kandidat:innen fördern. Einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach zufolge sind ein Drittel aller Anträge erfolgreich. Dabei können die Stiftungen, welche die jeweilige Förderung geben, partei-, aber auch unternehmensnahe Institutionen ebenso wie Begabtenförderungswerke sein.

Money mit Klauseln

Die Bildungs- und Studienfonds ermöglichen die Finanzierung eines zielstrebigen, fokussierten und erfolgreichen Studiums für Begabte nach dem immer gleichen Prinzip der Zahlung von fixen Beiträgen an Studierende für einen bestimmten Zeitraum oder auf Wunsch bis zum Ende des Studiums. Die Gelder kommen dabei von verschiedenen Förderern wie Unternehmen, Stiftungen, Privatinvestoren und sogar von Hochschulen oder anderen Bildungseinrichtungen.

Die Studierenden verpflichten sich bei der Aufnahme der Förderung durch Fonds dazu, nach einem erfolgreichen Studienabschluss und Berufseinstieg Beiträge an den Förderer zu leisten. Dabei gibt es einen Unterschied zwischen verdienstabhängigen und verdienstunabhängigen Fonds, bei denen entweder vom Einkommen abhängige Zahlungen erfolgen oder nach erfolgtem Berufseinstieg „pauschal“ ein vereinbarter Betrag gezahlt werden muss.

Illustration: Ellen Neugebauer
Kohle mit Zinsen

Neben den eben dargestellten Möglichkeiten, das eigene Studium zu finanzieren, gibt es noch die Möglichkeit, vielfältige Studienkredite zu nutzen. Dabei unterscheiden sich die Kredite bezüglich des Zinssatzes, hinsichtlich des grundsätzlichen Modells und in den Kriterien für die Kreditaufnahme. Der Studienkredit ähnelt dabei den Konsumkrediten im Aufbau und Zinssatz, da die Darlehenssumme zeitlich begrenzt ist und die Auszahlung monatlich erfolgt. Ein Klassiker unter den Studienkrediten ist der KfW-Studienkredit, den Ihr bei fast allen Banken beantragen könnt. Der Zinssatz ist während der gesamten Laufzeit entweder fest oder flexibel. Die Rückzahlung der ausgezahlten Summe erfolgt entweder zu festen oder vom Einkommen abhängigen Raten, wobei zuzüglich noch ein Effektivzins berechnet wird, was die Rückzahlungsdauer im schlimmsten Fall verlängern kann, wenn die Rate aufgrund eines geringeren Einkommens niedriger ausfällt. Als Sondermaßnahme während der Pandemie sind KfW-Kredite bis März 2021 zinslos – allerdings wurde dies auch als ungenügend kritisiert. Mehr zu diesem Thema findet Ihr auf hastuzeit.de.

Knete mit hohen Anforderungen

Eine weitere Möglichkeit, einen Zuschuss für die Finanzierung des Studiums zu erhalten, ist die Beantragung von Wohngeld, die jedoch an einige Bedingungen geknüpft ist. Wohngeld
bekommt Ihr nur dann, wenn Ihr prinzipiell keinen Anspruch auf BAföG habt, also zum Beispiel älter als 30 Jahre seid, in Teilzeit studiert, ein Zweitstudium absolviert, das nicht als „weitere Ausbildung“ anerkannt ist, oder wenn Ihr die Regelstudienzeit überschritten habt. In der BAföG-Förderung ist bereits ein Wohngeldanteil enthalten. WG-Bewohner:innen haben ebenfalls keinen Anspruch. Wer mit seinem Partner, seiner Partnerin oder einem Familienmitglied zusammenwohnt, kann wiederum einen Zuschuss beantragen, wenn nicht die Einkommensgrenze in einem Zwei-Personen-Haushalt von 1170 Euro überschritten wird. Das Wohngeld für Auszubildende ist bei der Wohngeldstelle in Halle zu beantragen.

Letzter Strohhalm

Wenn alle Stricke reißen, gibt es – besonders in Zeiten der Pandemie – als monetären Ausweg auch noch das Sozialdarlehen des Studierendenrates. Dieser ist ein zinsloser Kredit in Höhe von 1000 Euro, der gegebenenfalls zusätzlich noch einmal verdoppelt werden kann – das allerdings nur bei einer kurzfristigen Bedürftigkeit. Die Rückzahlung erfolgt drei Monate nach Erhalt des Darlehens in Raten. Mehr Informationen zum Sozialdarlehen findet Ihr auf der Internetseite des Stura; die Sozialsprecher:innen helfen Euch ebenfalls weiter.

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