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Artikel aus dem Heft

Okt 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 68 0

Freizeit und Engagement

Uni-Leben besteht aus mehr als nur Vorlesungen, Bibliotheken und Hausarbeiten – es bietet Studierenden auch genügend Freiraum, um sich im sozialen, künstlerischen und wissenschaftlichen Bereich zu engagieren und betätigen.

Illustration: Katja Elena Karras

Illustration: Katja Elena Karras

Angebote der MLU

Mit dem Collegium Musicum, dem Sprachenzentrum und dem Universitätssportzentrum bietet die Uni Halle ihren Angehörigen verschiedene Möglichkeiten, sich in ihrer Freizeit zu betätigen.

Universitätschor
Studierende und MitarbeiterInnen aller Fakultäten singen im Universitätschor Halle »Johann Friedrich Reichardt« Werke von der Renaissance bis zur Moderne. Für Interessenten gibt es feste Aufnahmetermine (der nächste am 13. Oktober); Tenöre sind aber Mangelware und daher jederzeit willkommen. Mehr, mehr, mehr

Okt 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 68 0

Softskills im Vorbeigehen

Sich ehrenamtlich an der Uni zu engagieren, ist anstrengend, zeitaufwändig und oft frustrierend. Es lohnt sich trotzdem. Ein Rückblick.

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Illustration: Katja Elena Karras

Fast hätte es diesen Text nicht gegeben. Es ist wieder einer dieser Momente, wo einfach die eine, bestimmte Frage ins Zentrum rückt: Warum und für wen mache ich das hier eigentlich? Der Auslöser für diese Frage ist eine Sitzung des Studierendenrates. Es geht um die Einrichtung eines Aufsichtsrates für die hastuzeit. Der Konflikt ist aufgrund von gegenseitigen Missverständnissen und falschen Grundannahmen entstanden und nun eskaliert. Es geht langsam auf Mitternacht zu, die sachlichen Argumente sind ausgetauscht, es wird unangenehmer, und es werden Vorwürfe ausgesprochen, die das jahrelange Engagement der gesamten Redaktion der Studierendenschaftszeitschrift pauschal entwerten und negieren. Auf die Spitze getrieben von der Aussage: »Eure Illustrationen sind amateurhaft und es gibt ständig Rechtschreibfehler. Ich kenne keinen, der eure Zeitung liest.« Es sind solche Momente, in denen man sich fast ungläubig selbst fragt: Warum und für wen habe ich mich drei Jahre engagiert? Zeit für eine Suche nach dem Warum. Mehr, mehr, mehr

Okt 2016 hastuUNI Heft Nr. 68 0

Studiengeflüster

261 Studiengänge an 10 Fakultäten bietet die MLU; eine beinahe unübersichtliche Anzahl. In unserer Rubrik »Studiengeflüster« stellen unsere Autoren kurz und knapp interessante Aspekte ihres eigenen Studiums vor. Teil 11: Ein kleiner Exkurs in die faszinierende Welt des Fremdsprachenlernens.

Illustration: Katja Elena Karras

Illustration: Katja Elena Karras

Wir alle haben es schon mindestens einmal getan und häufig ruft es sehr unterschiedliche Reaktionen hervor: Das Erlernen einer Fremdsprache. Wer mehr als zwei Sprachen spricht, dem wird häufig ein Sprachtalent attestiert, während andere gern die Ausrede parat haben, Sprachen seien »einfach nicht so ihr Ding«. Schuld daran sind manchmal traumatisierende Erinnerungen an den fremdsprachlichen Schulunterricht. Die Schule scheint so manchem den Enthusiasmus am Sprachenlernen verdorben zu haben.
Ein Problem könnte sein, dass ein hohes Maß an Ausdauer gefragt ist: Wer nicht über Jahre hinweg am Ball bleibt, wird nichts Neues mehr hinzulernen, bereits Gelerntes wieder vergessen und seine Kenntnisse nicht erweitern. Die Vergessenskurve nach Ebbinghaus besagt, dass ohne systematische Wiederholung innerhalb kurzer Zeit der Großteil des Gelernten vergessen wird und nur ein kleiner Rest noch über längere Zeit hinweg stabil bleibt. Das gilt ebenso für Sprachen. Mehr, mehr, mehr

Okt 2016 hastuUNI Heft Nr. 67 0

Die Bewegung »Kontrakultur« in Halle

Die Identitäre Bewegung ist seit 2012 in Deutschland aktiv und hat ihren Ursprung in Frankreich. Sie nutzt Medien wie Facebook gezielt für ihre Zwecke. Zwei Mitglieder des Studierendenrates klären über diese Bewegung auf.

Illustration: Katja Elena Karras

Illustration: Katja Elena Karras

Neben Frankreich ist diese Gruppierung vor allem in Österreich vertreten. »Wien ist eines der Zentren der Identitären Bewegung, Halle mittlerweile auch. Ideologisch sind sie im völkischen Bereich anzusiedeln«, erläutert ein Mitglied des Studierendenrates der Martin-Luther-Universität. Die Identitäre Bewegung in Halle nennt sich »Kontrakultur« und hat eine öffentlich zugängliche Facebook-Seite. Dort kann man nachlesen: »Kontrakultur ist ein identitäres Projekt aus Halle an der Saale und Teil der am schnellsten wachsenden patriotischen Jugendbewegung Europas.«

Zum näheren Verständnis von Kontrakultur erklären die beiden Mitglieder des Studierendenrates den »großen Austausch« näher. Die Bewegung ist der Meinung, dass alle Ethnien voneinander getrennt sein sollen, und gibt vor, die Vielfalt der Kulturen zu unterstützen. Beispielsweise seien Syrer auch gute Menschen, nur müssten sie in Syrien bleiben. Im Klartext heißt das, dass der Syrer eine syrische Kultur in sich trägt, gegen die er nichts tun kann. Ein Sturamitglied klärt auf: »Das ist exakt dieselbe Form von ›Ich trage die syrische Rasse in mir.‹ Der Begriff ›Kultur‹ hat den Begriff ›Rasse‹ ersetzt, und so ist die Ideologie nicht wirklich von der NPD oder sonstigen Gruppen zu unterscheiden … Die denken, sie befinden sich im Kriegszustand. Manche machen Kampfsporttraining und posten das. Ich würde die in Halle fast wie eine Kameradschaft einschätzen. Es fällt auch auf, dass da sehr viele alte Kader dabei sind, die auch bei der Jugendorganisation der NPD dabei waren und Vorstrafen haben.« Der Wortführer der Identitären Bewegung in Halle hat vor einigen Jahren einer Antifaschistin mit einer Hantelmutter, die in einem Strumpf war, auf ihren Kopf geschlagen und dafür ein paar Jahre Bewährung wegen Körperverletzung erhalten. Mehr, mehr, mehr

Okt 2016 hastuUNI Heft Nr. 67 0

Lebe, um zu lernen; lerne, um zu leben

Dieses Motto beschreibt die Einstellung von Achim H. zum Lernen ganz gut. Er hat mit über fünfzig Jahren mit dem Beginn eines Studiums einen neuen Lebensweg eingeschlagen. Bei einem gemütlichen Plausch auf der Wiese beim Löwencampus erzählt er von seiner Geschichte und seinen Ansichten.

Foto: Paula Götze

Foto: Paula Götze

Ein leichter Schritt war es nicht für Achim, die Heimat und den gewohnten Alltag zu verlassen, um ein Studium an der MLU zu beginnen. Gewollt hat er es jedoch unbedingt: »Es war, als wäre ich ein Leben lang mit einem falschen Schuh herumgelaufen.« So hatte er immer das Gefühl, ihm fehle etwas Wichtiges im Leben. Als er im gewöhnlichen Alter eines Studenten war, arbeitete er bereits, um seiner Familie eine gute Bildung und auch das Studieren zu ermöglichen. Er übte 35 Jahre einen technischen Beruf aus, bevor er sich entschied, die »tief eingefahrenen beruflichen Gleise [zu] verlassen« und einen Bachelor in Geschichte und Kunstgeschichte zu machen. Um sich diesen Traum ermöglichen zu können, musste er jedoch erst noch sein Abitur auf einer Abendschule nachmachen. Achim erzählte, das wäre eine »ganz schön haarige Angelegenheit« gewesen. Von den anfänglich siebzehn Leuten hätten es lediglich sieben geschafft. Diesen Weg gewählt zu haben bereut Achim jedoch kein bisschen. Der Wissenszuwachs mache ihm großen Spaß. Er habe sich zwar immer schon für vieles interessiert, aber »vor dem Studium war alles nur wie ein Kratzen an der Oberfläche«. Bei Themen derart in die Tiefe zu gehen, wie man es beim Studieren zwangsläufig tut, sei sehr befriedigend.

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Okt 2016 hastuUNI Heft Nr. 67 0

Doch keine Aufsicht

Die Stura-Initiative, der hastuzeit einen Aufsichtsrat zu verordnen, ist wieder vom Tisch. Wir fassen die Debatte noch einmal zusammen.

Illustration: Katja Elena Karras

Illustration: Katja Elena Karras

Am 27. Juni 2016 stimmte der Studierendenrat der Martin-Luther-Universität mit 6 mal Ja, 5 mal Nein und 4 Enthaltungen für eine Änderung in seiner Geschäftsordnung, die uns betroffen hätte. Der neue Paragraph benannte die hastuzeit als »Studierendenschaftszeitung«, legte eine Wahl der Chefredakteure durch den Stura fest und führte vor allem einen Aufsichtsrat zur »Überwachung der Erfüllung der Aufgaben« ein.

Auf der Sitzung argumentierte unsere Redaktion gegen diese Neuregelungen der Stura-Geschäftsordnung, insbesondere den Aufsichtsrat, und gegen die Begründungen der Befürworterinnen und Befürworter. Als der Stura dennoch mit einfacher Mehrheit dafür war, gingen wir mit unseren Argumenten auf unserer Website und Facebook an die Öffentlichkeit. Mehr, mehr, mehr

Okt 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 67 0

»Ich bin schon ein Politik-Junkie«

Dr. Michael Kolkmann ist Dozent der Politikwissenschaft. Als Lehrkraft für besondere Aufgaben hält er Vorlesungen und bietet Übungen und Seminare in den Lehrbereichen »Regierungslehre und Policyforschung« und »Systemanalyse und vergleichende Politikwissenschaften« an. Von vielen Studierenden wird er wegen seines erfrischenden Lehrstils geschätzt.

Illustration: Katja Elena Karras

Illustration: Katja Elena Karras

Als Student der Politikwissenschaft kommt man an Kolkmann nicht vorbei. Die meisten Politikstudierenden sehen ihn das erste Mal im Wintersemester zu den Vorlesungen der Regierungslehre und Policy-forschung. Diese beginnen für Studierende zur unangenehmsten Zeit, Freitagvormittag, und werden auch noch auf Video aufgezeichnet. Sind Studierende da noch motiviert zu kommen? »Die Vorlesungen werden, glaube ich, schon ganz gut besucht. Der Raum wird schon seit Jahren für diese Vorlesung um dieselbe Zeit reserviert, und die Videoaufzeichnung soll als Service für die Studierenden dienen, was meinem Gefühl nach auch gut angenommen wird.« entgegnet Kolkmann. Die Teilnehmerzahlen sprechen für ihn.
Kolkmann kommt ohne großes Fachkauderwelsch aus und bringt gerne auch mal ein paar humorvolle Folien in die Vorlesung hinein, wie beispielsweise kurios platzierte Wahlwerbung von Parteien. Ebenso wird es von vielen Studierenden geschätzt, dass sie nicht nur reine Zuhörer sind, sondern jederzeit Fragen stellen können und interaktiv eingebunden werden. Beispielsweise durften sich einmal alle während einer Vorlesung über eine Online-Umfrage in das politische Links-Rechts-Schema einordnen. Mehr, mehr, mehr

Okt 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 67 0

Frauenzimmer mit Promotion

Vor über 250 Jahren gelang es Dorothea Erxleben, an der hallischen Universität erste deutsche Doktorin der Medizin zu werden

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Illustration: Katja Elena Karras

Halle, 1741. Die ehrwürdigen Professoren der medizinischen Fakultät der Friedrichs-Universität sind außer sich: Schon seit einiger Zeit versucht ein vorlautes Weib namens Dorothea Leporin, sich in die Reihen der Doktorenschaft zu drängen. Eine Frau, dazu noch unverheiratet und erst 26 Jahre alt – ungeheuerlich! Dieses Weibsbild, so sind sich die Herren Akademiker einig, ist wohl kaum in der Lage, die schwierige medizinische Materie zu durchdringen; ganz abgesehen davon, dass eine Frau sowieso nie der Würde des Arztberufes entsprechen kann! Und nun auch noch das: Nach einem Brief der Leporin hat der Landesherr, seine Majestät Friedrich II., König in Preußen höchstpersönlich angeordnet, sie zur Promotion zuzulassen. Da mögen die Mitglieder des Professorenkollegiums noch so sehr schäumen, am Befehl des absolutistischen und für seine Strenge berüchtigten Herrschers gibt es nichts zu rütteln. Was sie nicht ahnen können: Mit dieser wegweisenden Entscheidung ist der Weg frei für die langfristige akademische Emanzipation der Frau; den Grundstein dafür wird die zukünftige Dr. med. Dorothea Leporin, besser bekannt unter ihrem Ehenamen Erxleben, legen.

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