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Artikel aus dem Heft

Okt 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 67 0

Zwischen Halle und Kiew

Der ukrainische Student Kirill studiert seit einem halben Jahr Betriebswirtschaft an der Martin-Luther-Universität. Er hat viel zu erzählen von seinem Studium in der Ukraine und in Deutschland und natürlich über den Majdan.

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Foto: Bert Kaufmann (CC BY-NC 2.0)

Als er nach Halle gekommen ist, war die Sprache für ihn das größte Problem. Alltägliche Dinge, die für hallische Studierende selbstverständlich sind, musste ein Ukrainer erst einmal verstehen, so wie beispielsweise die Ansagen in den Straßenbahnen. Oder dass am Sonntag die Geschäfte geschlossen haben. In der Ukraine ist das nämlich der Tag, an dem am meisten eingekauft wird. Er selbst bezeichnet Russisch als seine Muttersprache, spricht Ukrainisch aber genauso fließend und will mit seinen Kindern Ukrainisch reden. »Ich hatte das Glück, in einer unabhängigen Ukraine geboren zu sein«, sagt er.

Immer mehr Majdans
Kirill erzählt, dass auch er auf dem Majdan war. Dies ist der zentrale Platz in Kiew, auf dem 2014 hunderttausende Ukrainer demonstrierten, als der damalige Präsident Janukowitsch die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der EU verweigert hatte. Kirill schildert seine Erfahrungen am Anfang des Protests: »Ich stand mit den anderen da, wir tranken Tee und redeten. Plötzlich stürmten auf uns die Polizisten. Wenn du siehst, wie diese Masse auf dich losgeht, kriegst du wirklich Angst. Mein ganzer Rücken war danach blau.« Seiner Einschätzung nach wird es in der Ukraine regelmäßig zu solchen Majdans kommen. »Sie werden immer härter sein«, fügt er hinzu. Mehr, mehr, mehr

Okt 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 66 0

Zur Genealogie der Propheten

Mit der Erinnerung ist es wie mit dem Eisessen: Bevor es den Magen erreicht hat, ist es bereits geschmolzen. Und was als Nachgeschmack auf der Zunge zurückbleibt, die Künstlergruppierungen der Nabis und der Fauves, sie gossen es am Scheitelpunkt von 18. und 19. Jahrhundert in Farbe. Konkreter? Abstraktion!

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Malerei: Odilon Redon

Zugegeben, sie schimmert etwas widerspenstig durch den mauvegedeckten Schleier der erleuchteten Post-Impressionisten, die irisierende Farbgewalt der satten Bouquets und der erträumten Horizonte: Die enigmatische Bildwelt des endlich Kolorist gewordenen Odilon Redon, an deren Rändern sich die Wirklichkeit zum Phantasma verklärt, sie will sich nicht recht fügen zwischen die Flüchtigkeit der Bonnard«schen Augenblicke und die kompositorische Strenge eines Félix Vallotton. Im Clair-obscur von Omen und Ekstase nimmt sie Reißaus von den Fesseln der bloßen Gegenständlichkeit und flüchtet sich in Mythen und Symbole – daneben noch Matisse und seine Odaliske? Ein Mund zwischen zwei Ohren!
Und doch: den Kreis der Nabis, die frühen Fauvisten und den Symbolisten katexochen, sie alle eint mehr als ihre Sammler. Am Ausgang des 19. Jahrhunderts formen ihre unterschiedlichen Stile grosso modo die gemäßigte Opposition zu einem Impressionismus, dessen Kampf gegen die Dominanz der Linie um die Jahrhundertwende längst in Formalismus erstarrt ist. Mehr, mehr, mehr

Okt 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 66 0

Die Dinge, die wir hassen

Es sind diese Tage, in denen Melancholie ein unaufhaltsamer Begleiter ist. Ein Einblick in den unverhofft deprimierenden Alltag eines Studierenden, der ab und an in schwarzen Farben malt.

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Illustration: Katja Elena Karras

Acht Uhr. Der unausstehliche Ton des Weckers reißt einen aus dem Traum, an den man sich schon nicht mehr erinnert. Doch egal welcher Albtraum einen gefangen hielt, er war immer noch erträglicher als das traurige Abwerfen der warmen Decke. Kurz aufs Handy geschaut und sich dabei ertappt, gar nicht wirklich zu wissen, was man eigentlich erfahren wollte. Irgendwas mit Terrorismus und tobenden Kriegsschauplätzen. Kurz Trübsal geblasen und gedanklich schon wieder bei der Morgenroutine. Die Songs im Radio dutzende Male gehört. Die Milch ist leer – dabei war man doch gestern erst einkaufen und hat viel zu viel Geld für die falschen Dinge ausgegeben. Das heiße Wasser aus der Duschbrause lässt einen kurzen Augenblick der Entspannung erhoffen. Doch man muss sich beeilen. Am Abend zuvor wollte man doch früher ins Bett gehen und eine halbe Stunde eher aufstehen. Am Morgen herrschen andere Prioritäten. Es ist, als würde man einem besseren Ich nachjagen; einem Ideal, welches man nicht erreicht und in vielen kleinen Handlungen hintergeht. Mehr, mehr, mehr

Okt 2016 hastuUNI Heft Nr. 66 0

Im Elfenbeinturm?

Einige bezeichnen sie als weltfremd, andere als »Laberfach«. Von allen Geisteswissenschaften ist die Philosophie wohl die älteste – und komplizierteste. Wieso studiert man so etwas?

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Illustration: Joshua Stepputat

Wenn man sich einen Philosophen vorstellt, kommen einem meist altehrwürdige griechische Gelehrte in den Sinn, die über den Marktplatz von Athen wandeln und mit gerunzelter Stirn in Gespräche vertieft sind; oder aber man denkt an einen Nietzsche, der mit wirrem Bart und unstetem Blick in seinem Zimmer auf und ab geht, in Gedanken versunken, die wohl niemand außer ihm selbst verstehen kann. Allgemein scheint die griechische philosophía, die Liebe zur Weisheit, von der Welt entrückt zu sein, sich mit Problemen beschäftigend, die sonst eigentlich niemanden interessieren. Doch  was steckt  wirklich  hinterdiesen eher wenig schmeichelhaften Auffassungen? Erzählt man jemandem aus seinem Umfeld davon, dass man Philosophie studiert, erntet man ein breites Spektrum von Blicken; von kaum verschleierter Verständnislosigkeit bis hin zu mitleidiger Belustigung ist alles dabei. Besonders Naturwissenschaftler scheinen sich nicht ganz sicher zu sein, ob es sich bei der Philosophie nicht mehr um einen Freizeitvertreib als um eine Wissenschaft handelt.

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Aug 2016 hastuUNI Heft Nr. 66 0

Eine Frage des Gewissens?

Zu wenige Menschen spenden regelmäßig Blut, Krankenhäuser können ihren Bedarf nicht decken. Warum ist das so? Ein Besuch beim Blutspendedienst des Universitätsklinikums Halle.

Photo: Julia Plagentz

Photo: Julia Plagentz

Krankenhausflure sind keine ästhetischen Orte. Auch im vierten Stock des Universitätsklinikums (UKH) Halle riecht es typisch nach Desinfektionsmittel, alles wirkt gewollt kühl und steril. Rund um die Uhr versorgt das Klinikum Patienten, insgesamt mehr als 150 000 im Jahr. 2000 Medizinstudierende werden hier ausgebildet.
»Einrichtung für Transfusionsmedizin« steht auf einem Schild links neben einer Glastür auf halber Strecke des Korridors. Beim Eintreten ändert sich die Atmosphäre leicht. Noch immer steril, aber in warmen Gelbtönen gehalten und mit frühlingshafter Dekoration wirken Eingangs- und Wartebereich einladender. Rund 50 MitarbeiterInnen arbeiten für die Transfusionsmedizin, die eine Hälfte davon für den Blutspendedienst und die andere für die anschließende Verarbeitung der Blutkonserven. Täglich werden zur Versorgung der Patienten des UKH etwa 80 Blutkonserven eingesetzt. An guten Tagen, besonders während der langen Öffnungszeiten am Dienstag und Donnerstag, kann dieser Bedarf gedeckt werden. Mehr, mehr, mehr

Aug 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 66 0

Integration? Läuft

Nach wie vor wird in Deutschland viel über Möglichkeiten zur Integration von Geflüchteten gesprochen. Eine Familie aus Halle hat Ende 2015 die Gründung einer regelmäßigen Laufgemeinschaft beschlossen, in der sich Geflüchtete, Studierende oder andere Interessierte kennenlernen und austauschen können – und sich nebenbei fit halten.

Photo: Alexander Kullick

Photo: Laufen verbindet

Alles begann im November letzten Jahres. Familie Schlereth saß gemeinsam beim Abendessen, als sich eine dieser in Deutschland wohl inzwischen jedem bekannten Diskussionen über das Thema »Flüchtlinge« entwickelte. Man machte sich Gedanken darüber, wie man den erst kurz in Halle lebenden Menschen einen Ausgleich zum manchmal tristen Alltag bieten könnte und wie eine schnelle und vor allem lockere Integration der Geflüchteten zu realisieren wäre. Dabei kam die Familie recht schnell auf einen gemeinsamen Nenner: Der Vater ist ein begeisterter Läufer, daher kam zügig die Idee einer Laufgruppe auf. Teilnehmen können soll jeder, der möchte, ganz gleich ob geflüchtet, studierend oder einfach nur interessiert an Sport und dem Kennenlernen neuer Leute.
Fehlten nur noch die Teilnehmer: In der »Goldenen Rose« ist jeden Montag ein Treff für Geflüchtete möglich, dort fand die Idee für das Projekt schnell Zustimmung, und die ersten Läufer konnten für die Sache gewonnen werden. Nur kurze Zeit später erklang für »Laufen verbindet« erstmals der Startschuss. Mehr, mehr, mehr

Aug 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 66 0

Angekommen in Halle

Kareem ist aus Syrien geflohen und zieht bald in eine WG, um der deutschen Kultur und Sprache im Alltag schneller näher zu kommen. Gleichzeitig werden ihm von der deutschen Bürokratie viele Steine in den Weg gelegt.

Man kann ihn gut verstehen, trotz der vielen grammatischen Fehler ist sein Wortschatz groß. »Englisch habe ich aus dem Fernsehen gelernt, in der Schule hatten wir das nicht.« Kareem sitzt in der kleinen Küche, die ihm eigentlich zu einem Drittel gehört. Zum April sollte er in die Dreier-WG im Paulusviertel ziehen, die zwei Minuten vom 24-Stunden-Edeka entfernt liegt. Jetzt ist es Mitte Mai, und Kareem ist noch nicht umgezogen. In seinem Zimmer stehen momentan die Wäscheständer seiner Mitbewohner und ein alter, völlig beklebter Kühlschrank, mittig im größten Raum der WG platziert, den Kareem vor einigen Wochen mit einem Freund dort abgeladen hat.
Kareem hat heute eine Einladung zu seinem ersten Geburtstag in Deutschland mitgebracht. »Bring your own beer« heißt es da, und es ist ein Foto von ihm mit drauf, auf dem er breit lächelt. Kareem wird 19 und ist seit Oktober in Deutschland, nachdem er allein aus Syrien geflohen ist.

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Aug 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 66 0

Der Hallische Zufall

Der »Hallische Zufall« ist die Kolumne der hastuzeit. Darin schildert Tobias regelmäßig Momente und Begebenheiten der hallischen Ab- und Besonderlichkeiten. Im Sommer gibt es nichts, was es mit der Saale aufnehmen könnte, findet zumindest der Hallische Zufall.

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

Wenig, da ist sich der Hallische Zufall sicher, kann so schnell eine magische, beruhigende und positive Stimmung erzeugen, wie eine sommerliche, langsam vor sich hin fließende, nicht zu schma­le, aber auch nicht zu breite – man muss das Ufer noch deutlich sehen können – Flussbiegung mit braunblauem Wasser. Spiegeln müssen sich darin Felsen und belaubte, grüne Bäume. Die Saaleschleife, nicht weit der Peißnitz flussabwärts, ist so ein Fleckchen Erde, an dem die Welt am besten in Adjektiven beschrieben wird. Die Kinder, die hier toben, würden wohl noch Wie-Wörter dazu sagen, während die Eltern erkannt haben, dass es eben Momente im Leben gibt, wo Thüringer Roster und Pils sich perfekt in die Szenerie einfügen und einfach genossen werden sollen. Es ist ein großes Glück, findet der Hallische Zufall, dass auch die Besitzer der Kioske am Rive-Ufer dies bemerkt haben. Nebenan kann sogar geklettert werden, traditionelle Spaziergänger und Jogger treffen hier auf neue Trendsportler. All das direkt am Fluss, an der Saale. Mehr, mehr, mehr