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Artikel aus dem Heft

Jan 2016 hastuUNI Heft Nr. 63 0

Der Unbequeme

Bei seinen Zeitgenossen umstritten, ist der Philosoph Anton Wilhelm Amo heute weitgehend unbekannt. Dabei zählt seine Lebensgeschichte zu den wohl erstaunlichsten des 18. Jahrhunderts. Besonders die MLU ist eng mit dem Namen von Europas erstem afrikanischem Akademiker verbunden.

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Illustration: Katja Elena Karras

Der Mann, der 1747 an Bord eines Schiffes Richtung Ghana geht, ist kein gewöhnlicher Reisender. Seine Schriften und Äußerungen verursachen bei Gelehrten und Philosophen in ganz Europa manch besorgtes Stirnrunzeln, seine weitere Anwesenheit auf dem fortschrittlichsten aller Kontinente ist unerwünscht. Denn allein schon seine bloße Existenz droht das von Überlegenheitsgefühl und Rassismus dominierte Weltbild der Europäer aus den Angeln zu heben.
Geboren um das Jahr 1703 im ghanaischen Dorf Nkubeam wird der junge Amo von Niederländern versklavt und an den Adeligen Anton Ulrich von Braunschweig und Lüneburg-Wolfenbüttel verschenkt. Unter seinem neuen, eingedeutschten Taufnamen dient »Anton Wilhelm« dem welfischen Herzog und seinem Sohn August Wilhelm als »Kammermohr«, damals eine übliche Dienstbotenposition an den meisten Fürstenhöfen. Dank der modernen Einstellung des Fürsten erhält er Zugang zu humanistischer Bildung und erlernt insgesamt sechs Sprachen, darunter Altgriechisch, Althebräisch und Latein.
Weiterhin von Fürst August Wilhelm gefördert, absolviert er schließlich ab 1727 in Halle ein Jura- und Philosophiestudium, später wechselt er nach Wittenberg, wo er 1734 auch promoviert.

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Jan 2016 hastuUNI Heft Nr. 63 0

Eine Katastrophe mit großen Chancen

Nach fünf Jahren ist der neue Campus am Steintor fertig. Am 17. Oktober präsentierten sich die Institute am Tag der offenen Tür. Doch vor allem die Studierenden sind nicht vollauf zufrieden.

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Foto: Katja Elena Karras

Bei leichtem Nieselregen tummelt sich eine überschaubare Menge an Besuchern mit sehr wenigen Studierenden darunter auf der großflächigen Anlage. Im Zentrum steht eine Bühne, auf der es Live-Musik, Schauspiel und Poetry Slam zu sehen und zu hören gibt. In unmittelbarer Nähe informieren die Hochschulgruppen, das International Office und das Universitätssportzentrum an Ständen über ihre Programme. Sammelpunkte sind aber vor allem der vorweihnachtliche Glühwein- und der Bratwurststand sowie die neu eröffnete Cafeteria. »Schick« sähe sie ja aus, sagt eine Studentin im Vorbeigehen. Eine Kommilitonin wiederum findet sie zu »nackig« und »aufpoliert«. Ein Blick ins Innere verrät: Hier gibt es belegte Brötchen, süße Backwaren, Kaffee und kalte Getränke. Ein Student möchte mit seinem Studierendenausweis bezahlen, hat aber nicht mehr genügend Guthaben. »Ein Kartenaufladegerät haben wir hier leider nicht«, sagt eine Mitarbeiterin. Im großen Aufenthaltsraum herrscht reges Treiben. Die Cafeteria scheint Fluchtort vor dem Niederschlag zu sein.

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Jan 2016 English hastuUNI Heft Nr. 63 0

Studiengeflüster

261 Studiengänge an 10 Fakultäten bietet die MLU, eine beinahe unübersichtliche Anzahl. In unserer Rubrik »Studiengeflüster« stellen unsere Autoren kurz und knapp interessante Aspekte ihres eigenen Studiums vor. Teil 7: “The March Continues”- For MLU student Isabel Neumerkel, a guest lecture on the American Civil Rights Movement became a lasting experience, far beyond her studies.

Civil Rights Memorial in Montgomery Alabama // Foto: Isabel Neumerkel

„We will not be satisfied until justice rolls down like waters, and righteousness like a mighty stream.» This is what Martin Luther King Jr. said in his famous „I Have a Dream» speech in 1963, paraphrasing from the Book of Amos. But what has become of his dream of racial equality today? Has it come true?
An iconic image not only for students of American cultural studies is that of Martin Luther King standing on the steps of the Lincoln Memorial in Washington D.C., addressing over 250,000 civil rights supporters and calling for an end to racism. His speech is an example of the many powerful moments that characterize the Civil Rights Movement. But he is also one of the martyrs who lost their lives in the struggle for freedom. Their names and the major events of the movement between 1954 and 1968 are inscribed on the Civil Rights Memorial in Montgomery, Alabama. Inspired by Dr. King’s paraphrase, there is a film of water flowing over the black granite monument.

„If you look at it in terms of 50 years, we have come a long way,» says Lecia Brooks, director of the Civil Rights Memorial Center (CRMC), „but we can all agree that justice is not rolling down like waters just yet.» The memorial center was created to deepen people’s understanding of the Civil Rights Movement and to remember those who sacrificed their lives for justice, equality and human rights. But it also reminds visitors of the fact that intolerance and injustice still exist in our societies today.

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Okt 2015 hastuPAUSE Heft Nr. 62 Rubrik 0

Der Hallische Zufall

Der »Hallische Zufall« ist die Kolumne der hastuzeit. Darin schildert Tobias regelmäßig Momente und Begebenheiten der hallischen Ab- und Besonderlichkeiten. Diesmal geht es um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse – oder einfach um die HAVAG.

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

Es gibt diese Momente, in denen der Hallische Zufall die gelegentlich durchbrechenden Hassgefühle der Saalestädter auf ihren Nahverkehr sehr gut nachvollziehen kann. An sich mag der Hallische Zufall Tramfahren. Bleibt das Smartphone in der Tasche, kann man Gespräche belauschen, Leute beobachten oder einfach mal durchschnaufen. Wobei es da ja schon anfängt mit der zweifelhaften Beziehung: Die Sommerhitze im Innenraum lässt sich eigentlich nur mit dem weit schlimmeren Gedanken an die schrecklich trockene, grippeviren-geschwängerte Heizungsluft im Winter ertragen.

Aber das sind Kleinigkeiten im Vergleich zu den Hassgefühlen, die aufkommen, wenn an der Endhaltestelle Kröllwitz zwischen der Linie 4 und 7 gewechselt werden muss. Dem Fahrplan sei Dank fährt die 7 dort nämlich eine halbe Drehung. Dies ist insofern von Bedeutung, als dass während dieser Drehung die Linie 4 abfahrbereit in den Blick des Fahrgastes kommt. Auf der Abfahrtsanzeige leuchtet das ebenso drohende wie gefürchtete »Sofort«. Entgegen besseren Wissens keimt ein Gedanke auf: Vielleicht wartet sie ja diesmal. Doch kurz bevor die 7 gänzlich zum Stehen kommt, wird die naive Hoffnung zerschlagen. Die 4 setzt sich in Bewegung. Der Hallenser wartet nun 15 Minuten auf die nächste Bahn. Schon immer hat sich der Hallische Zufall gefragt, ob Tram-Fahrer in solchen Momenten Schadenfreude, Gleichgültigkeit oder Mitgefühl empfinden. Fragt man die Händelstädter solcherart Fragen, erklingen mehrheitlich Klagen über diese Fahrer aus der Hölle ohne Empathie und Freundlichkeit. Doch der Hallische Zufall kennt auch die Anderen, die Aufrechten, fast Engelhaften: Besonders gut zu beobachten sind diese an solchen Straßenecken, wo gleich hinter der Haltestelle eine Ampel auf Rot zeigt. Die Tram muss dann direkt wieder halten, und wenn dann noch ein hoffnungslos verspäteter Studierender angerannt kommt, passiert zuweilen das Unglaubliche: Der Fahrer öffnet, ohne dazu verpflichtet zu sein, die Türen erneut, und der Gehetzte darf mitfahren. Es gibt sie also, die freundlichen Fahrer. Mehr, mehr, mehr

Okt 2015 hastuUNI Heft Nr. 62 Rubrik 0

Studiengeflüster

261 Studiengänge an 10 Fakultäten bietet die MLU, eine beinahe unübersichtliche Anzahl. In unserer Rubrik »Studiengeflüster« stellen unsere Autoren kurz und knapp interessante Aspekte ihres eigenen Studiums vor. Teil 6: Warum reden bald Theologen, Juristen, Biowissenschaftler und Ethiker über eine neue Gentechnik-Revolution?

Grafik: Vossman (CC BY-SA 3.0) https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pre-mRNA-1ysv-tubes.png

Grafik: Vossman (CC BY-SA 3.0)
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pre-mRNA-1ysv-tubes.png

Crispr/Cas: Mittlerweile hört man immer häufiger davon, mehrere Zeitungen fangen an, darüber zu berichten. Die Schilderungen sind wahlweise euphorisch über die neuen Behandlungsmöglichkeiten oder aber verhalten und vorsichtig, da der komplette Kontrollverlust über die Gentechnik drohe. Es geht um ein neues Verfahren, welches sich Crispr/Cas nennt. Doch was ist das und warum werden darüber zukünftig wahrscheinlich Ethiker, Juristen, Biowissenschaftler und Theologen Diskussionen führen? Der Grund ist ein bakterieller Komplex, der zur Abwehr gegen Viren genutzt wird. Denn es gibt eine unglaublich große Zahl Viren, die spezialisiert Bakterien befallen. Diese entwickeln dagegen einen Abwehrmechanismus, der sehr effizient die Nukleinsäure DNA, also den Bauplan der Viren, zerkleinert. Mehr, mehr, mehr

Okt 2015 hastuPAUSE Heft Nr. 62 Rubrik 0

Unter Beobachtung

Eine halb-fiktionale Geschichte von Terrortoten, Aufklebern und einer Erfahrung.

Foto: Tobias Hoffmann

Foto: Tobias Hoffmann

»Komm, erzähl mir eine Geschichte«, bat er sie. Er liebte ihre Geschichten. Nicht dass sie besonders lustig gewesen wären oder gar besonders liebevoll. Im Gegenteil, meistens waren sie ernst, und manchmal konnte er noch Stunden oder sogar Tage über sie nachdenken. Aber ihre Erzählungen mochte er nicht allein deshalb. Sicherlich war das auch ein Grund, aber am meisten mochte er, dass die Geschichten von ihr kamen. Mehr, mehr, mehr

Okt 2015 hastuUNI Heft Nr. 62 Rubrik 0

Gleiche Rechte und Chancen

Was machen Gleichstellungsbeauftragte an unserer Universität? Was sind ihre Aufgaben und Ziele? Der folgende Gastbeitrag bietet einen Einblick in die Arbeit und Erfahrungen einer studentischen Gleichstellungsbeauftragten.

Gleichstellungsbeauftragte und Frauenbeauftragte gibt es an jeder deutschen Universität, ebenso wie in Stadt- und Landesverwaltungen. Sie haben die Aufgabe, die Verwirklichung der Gleichstellung von Männern und Frauen in diesen Institutionen zu unterstützen. Dazu gehört es, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu thematisieren und auf die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in Stellenbesetzungsverfahren zu achten.

Dr. Kathrin Hirschinger ist im Mai 2014 für zwei Jahre als hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte der Universität Halle gewählt worden. Jedes interessierte Mitglied der Universität kann alle zwei Jahre für dieses Amt in der eigenen Fakultät kandidieren und sich wählen lassen. Nach der Wahl sind sie die Interessenvertretung, die als Ansprechpersonen Studierenden und Beschäftigten zur Verfügung stehen. Sie sollen die Mitglieder der Hochschulen in Konfliktsituationen unter­stützen. Außerdem bringen sie gleich­stellungspolitische und -rechtliche Aspekte in den Gremiensitzungen ein und können beratend tätig werden. Bisher erreichte diese Möglichkeit nur eine Handvoll Studierender. Nächste Wahl: Mai 2016! Mehr, mehr, mehr