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Artikel aus dem Heft

Feb 2019 hastuPAUSE Heft 0

Geschichten aus dem HAVAG-Land

Schienengebunden, mit elektrischer Energie betrieben, dient als öffentliches Personennahverkehrsmittel – die Rede ist von der Straßenbahn. In Halle gestalten sich Fahrten mit dieser regelmäßig als modernes Reiseabenteuer. Eine Kolumne über Fahrten rot-weiß. Diesmal geht es um Straßenbahngespräche und deren Folgen.

Illustration: Sophie Ritter

Aufgrund meiner guten Erziehung ist mir bewusst, dass es sich nicht ziemt, andere Menschen (zufällig) zu belauschen. Doch wie jeder von uns im Laufe seines Lebens herausfindet, besteht zwischen dem Wissen um Regeln und ihrer tatsächlichen Befolgung in manchen Situationen eine nicht zu überbrückende Diskrepanz. Ebenjene ließ mich vor nicht allzu langer Zeit mit sämtlichen Konventionen rücksichtsvollen Benehmens brechen – zu schade wäre es gewesen, dem Gespräch nicht zu lauschen, Jahre der Reue und voller Selbstvorwürfe hätten gedroht!

Ich saß also in einer Straßenbahn, welche die Merseburger Straße geduldiger entlang kroch als das Kondenswasser an den Fensterscheiben, wenn ich Nudeln koche. Da begann vor meinen Augen und Ohren ein Gespräch zwischen zwei Damen im besten Alter, welches sich genau so und nicht anders zugetragen hat: Die brünette Dame beschwerte sich im schönsten hallischen Dialekt über die Hitze in der Bahn. »Ach, mit meine Wechseljahren, das ist so furchtbar, nur fünf Minuten in einer Bahn lassen dich schwitzen wie so ne Sau!« Hierzu sei gesagt, dass es bereits Winter und die Bahn an jenem Tag tatsächlich sehr stark beheizt war. »Ja, das kannste laut saren, Meine! Im Sommer Hitze, weil se hier keine Klimaanlage haben, und jetze im Winter drehen se die Heizung auf! Na kein Wunder, dass man da ins Schwitzen gommt!«, setzte die zweite Dame mit blondgefärbten Haaren nach. Mehr, mehr, mehr

Feb 2019 hastuPAUSE Heft 0

Spenden statt Verschwenden

Es ist das Perpetuum Mobile, das den Kapitalismus aufrecht erhält: Kaufen und Wegschmeißen, Kaufen und Wegschmeißen und so weiter. In einem immer schnellerem Rhythmus scheinen wir uns auf Kosten der Umwelt der Verlockung nach neuen Besitztümern hinzugeben, während Gebrauchtes getrost aussortiert wird. Doch dass Konsum weder teuer noch zulasten der Umwelt sein muss, beweisen neue Initiativen wie Umsonstläden.

Foto: Sophie Ritter

Dick eingepackt in eine grüne Regenjacke, mit überdimensionaler Mütze und robusten Stiefeln steht Karoline Schönhardt bestens ausgerüstet hinter der Theke ihres Umsonstlädchens, welches sie im Mai letzten Jahres in ihrer hauseigenen Garage eröffnete. Es ist kurz nach 9 Uhr und die ersten Kunden falten bereits Kleidungsstücke auseinander, durchstöbern das Bücherregal oder wägen verschiedene Paar Schuhe gegeneinander ab. Bei all dem Treiben herrscht eine lockere, herzliche Atmosphäre; Schönhardt und ihre Kundschaft unterhalten sich angeregt. Derweil bringt ein älteres Ehepaar Sachen vorbei, die es nicht mehr braucht – es ist ein reges Geben und Nehmen. Über einen Artikel in der MZ seien sie auf das Umsonstlädchen gestoßen, seitdem kommen sie regelmäßig, um Gegenstände abzugeben oder Schönhardts Lädchen nach kleinen Schätzen zu durchsuchen. Ein junger Vater auf der Suche nach Lesestoff betrachtet einen alten Atlas. »Nehmen Sie den ruhig mit, mit Atlanten könnte ich meinen Weg pflastern!«, ruft Schönhardt mit ihrem österreichischen Akzent. Mehr, mehr, mehr

Dez 2018 English hastuUNI Heft Nr. 81 0

Grievance Studies

A critical look at the current state of academia in light of the increasing rates of controversy and gender-related turmoil at Western universities. Guest Commentary

Illustration: Lisa Kollien

«God is dead.« What is often miscon­strued about this most unfortunate quotation is the assumption that its originator basked in his finding. A fierce critic of religion, Nietzsche how­ever never meant for this statement to have any comforting qualities. What he described was a world left in shambles, with people yearning for meaning in the void. This is not meant to be a pamphlet for the values of religiosity, either. Yet, religious vigor rears its head. In a public announcement released in November 2018, the MLU proudly announced satisfaction with its efforts concerning equality and diversity goals.

What is more, the university announced with childlike glee that it would use enormous amounts of money to promote these efforts in the years to come. On the surface this seems noble in intent and hopeful in concept. The skeptic reader will however notice one tendency rather quickly: While the university claims that all its energy is aimed at improving equality, equity is what they really describe. Mehr, mehr, mehr

Dez 2018 English hastuUNI Nr. 81 0

What the … did I just read?

As always, our illustrator’s task was to create some graphic support for some articles. After reading our guest article “Grievance Studies” for the first time, she instead decided to draw a statement against what was written there —which we do not want to hide from you.

Read the related article here.
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Dez 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 81 0

Ein Champagnerglas voller Wünsche

Sobald die erste Kerze auf dem Adventskranz angezündet wird, ist Heiligabend nicht mehr weit. Doch die Vorkehrungen für Weihnachten beginnen nicht nur in Deutschland, auch in anderen Teilen der Welt wirft das große Fest seine Schatten voraus, wie zum Beispiel in Russland. Dort gilt allerdings: Silvester-Knaller vor Weihnachtslichtern.

Foto: Sergey Norin (CC BY 2.0), flickr.com/photos/5nap/15487502334/

Die Winterzeit in Russland ist etwas sehr Besonderes. Denn die Heilige Nacht »Рождество« (roschdeßtwo) und das Neujahrsfest »Новый год« (nowyy god) am 31.12. tauschen ihre Plätze. Das russische Weihnachtsfest wird nicht wie bei uns im Dezember gefeiert, sondern vom 6. auf den 7. Januar zelebriert – 13 Tage später. Mehr, mehr, mehr

Dez 2018 hastuUNI Heft Nr. 81 0

Abstimmung ohne Wahl

Aller Kritik an den Verhandlungen und deren Resultat zum Trotz stimmen 91,4 % der Studierenden an der MLU für das Semesterticket und somit auch für die umstrittene Preissteigerung. Weil es keine bessere Alternative gab?

Foto: Vaikoovery (CC BY 3.0), https://commons.wikimedia.org/wiki/

Unzählige Debatten, drei Infoveranstaltungen, eine Abstimmung – die Online-Befragung über die Fortführung des MDV-Tickets polarisierte die Gemüter. Dies spiegelte sich auch in der Wahlbeteiligung wider: Mit 48,3 % für eine Wahl im Hochschulkontext eine beachtliche Leistung und ein weiteres Indiz für die Bedeutsamkeit dieser Debatte. Mehr, mehr, mehr

Dez 2018 hastuINTERESSE Heft Nr. 81 0

Fair Trade oder Fair Trend?

Das Fairtrade-Siegel kennt jeder – jetzt prangt das schwarz-blau-grüne Emblem für fair gehandelte Produkte auch an immer mehr Universitäten. Aber was muss dafür geleistet werden und wie sinnvoll kann so ein Siegel sein?

Foto: Jonas Kyora

Die Unis in Trier, Köln, Saarbrücken und Leipzig haben alle eines gemeinsam, sie sind Fairtrade-Universitäten – oder wie im Kampagnenjargon mit modernem Anglizismus: Fairtrade-Universities. Mit diesem Titel dürfen sich all die Hochschulen schmücken, die vom Verein TransFair, Deutschlands bekanntester Fairtrade-Organisation, ausgezeichnet werden. Dort können sich nicht nur Unis, sondern auch Schulen und ganze Städte um das Fairtrade-Siegel bewerben. Jeweils fünf unterschiedliche Kriterien müssen dafür erfüllt werden: Natürlich gehört dazu, dass auf Marktplatz, Schulhof oder Campus fair gehandelte Produkte verkauft werden. Durch Veranstaltungen zum Thema soll aber auch die Bekanntheit von Fairtrade gesteigert werden.

Wie streng sind die Kriterien?

Bekommt man also, wenn man in Leipzig oder Trier in der Mensa zum Mittag isst nur fair gehandelten Reis auf den Teller? Und in Saarbrücken zwangsläufig fair gehandelten Kaffee in den (Mehrweg-)Becher? Nein, ganz so umfassend sind die Kriterien für das Siegel nicht. Angenommen, die Uni Halle wollte Fairtrade-Uni werden, dann könnte Kaffee theoretisch ein Produkt von vielen bleiben, das konventionell gehandelt wird. Denn an Unis mit 20 000 Studierenden müssen zehn Verkaufspunkte jeweils mindestens zwei fair gehandelte Produkte anbieten. Zehn Verkaufspunkte klingt zunächst viel – wenn man aber bedenkt, dass das Studentenwerk acht Cafébars und Mensen betreibt, wird deutlich, dass nicht mehr viele andere Geschäfte von Fairtrade überzeugt werden müssten. Und sind zwei Produkte im Sortiment eigentlich eine große Veränderung? Mehr, mehr, mehr