Nr. 45

Ausgabe Nr. 45 vom Dezember 2012

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Ein Buch alleine auf Reisen

Was bringt jemanden dazu, einfach ihre geliebten Bücher draußen in der Kälte alleine zu lassen? Was geschieht mit ihnen, wenn sie dann von jemanden gefunden werden? Was ist der Sinn von Bookcrossing?

Ein Buch liegt alleine und verlassen da. Langsam ist es dunkel geworden. Sein ehemaliger Besitzer ist schon lange nicht mehr da. Und nun wartet es. Wartet darauf, dass es gefunden wird. Wieder in ein Bücherregal in eine warme Wohnung kommt. Von seinem Besitzer gelesen wird. Und dann auch wieder auf Reisen geht. Neue Orte entdeckt, die den meisten Büchern verschlossen bleiben.

Bei der Idee des Bookcrossing geht es darum, eine weltweite Bibliothek zu schaffen. Das Projekt entstand 2001 im Internet. Hat man ein Buch, welches man nicht mehr haben möchte, weil man es schon oft gelesen hat oder noch nie wirklich mochte, dann kann man es in die Wildbahn schicken, damit es einen neuen Besitzer findet. Zuvor registriert man das Buch mit einem Code, der auf der Internetseite erzeugt wird. Dieser wird mit einer kurzen Erklärung, was der Finder mit dem Buch zu machen hat, in das Buch hineingeschrieben. Derjenige, der das Buch freilässt, lässt es in der Stadt liegen. Am besten an Orten, an denen dem Buch nichts geschieht oder wo es nicht Reinigungskräften zum Opfer fallen kann. Mehr, mehr, mehr

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»Lichterglanz«: Beschäftigung für lange Winterabende

Bis Ende Februar lässt die EVH die Ziegelwiese im Weihnachtslook erstrahlen.

Foto: Christian Schoen

Es ist Nacht, und die Tiere sind noch wach. Schuld sind die Studenten, die mit Glühwein in der Hand vor fünf leuchtenden Bäumen stehen und die Lämpchen zählen. »44, 45, 46 … hmm, bei welcher Zahl war ich noch gleich?« Ein Schwan schnattert wütend zurück, dass es die 46 war. Für die zehn besten Schätzungen, so erklärt mir ein Passant, verschenkt die EVH GmbH zehn wärmende Kuscheleisbären. Deswegen stehen nun nachts Studenten um die Lämpchen und zählen. Mehr, mehr, mehr

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Freundschaft, Kulturschock und Kühe

Markus, 25, studiert International Area Studies an der MLU und ist seit 2008 Mitglied bei AIESEC. Im Sommer 2011 hat er für anderthalb Monate in Ahmedabad, der viertgrößten Stadt Indiens, ein Praktikum absolviert.

Wie bist du darauf gekommen, in Indien ein Praktikum zu machen?

Mit AIESEC haben wir einige Praktikanten aus Ahmedabad betreut. Mit zwei von ihnen habe ich mich sehr gut verstanden. Wir sind zusammen durch Europa gereist, und sie haben mir sehr viel über Indien, ihre Kultur und Religion erzählt. Das hat mich neugierig gemacht. Da hat es sich angeboten, nach Indien zu gehen.

Hat sich dein Bild von Indien während des Aufenthalts verändert?

Mein Bild hat sich vor allem aus dem zusammengesetzt, was mir meine Freunde berichtet haben. Ich erwartete eine reiche Kultur, in der der Hinduismus eine große Rolle spielt und in der viele Feste gefeiert werden. Auch auf viel Armut und dreckige Städte machte ich mich gefasst.

Vieles hat sich bestätigt: ich kam zur Monsunzeit an. Ganz stereotypisch herrschte total viel Verkehr, und überall waren Kühe auf den Straßen. Mehr, mehr, mehr

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AIESEC?!

Die größte internationale Studentenorganisation vermittelt betreute Auslandspraktika in mehr als 100 Ländern. Seit rund 60 Jahren sind sie in Deutschland tätig und haben mittlerweile 47 Standorte; der in Halle existiert seit 2005.

Foto: privat

Ziel von AIESEC ist es, Studierenden zu ermöglichen, fremde Kulturen kennenzulernen und ihr interkulturelles Verständnis zu fördern. Für diesen Zweck bietet die Organisation zwei Arten von Praktika an.

»Global Internship«-Programme sind fachbezogene Praktika, die bezahlt werden und eine Zeitspanne von drei Monaten bis zu anderthalb Jahren umfassen. Die Aufgabenfelder konzentrieren sich auf den IT-Bereich, BWL/VWL, Ingenieurwesen und Marketing.

Darüber hinaus gibt es die »Global Community Development«-Programme. Diese sozial ausgerichteten Praktika sind bis auf ein Taschengeld meist unbezahlt, dauern in der Regel aber auch nur sechs bis acht Wochen. Sie dienen der Sozialentwicklung im jeweiligen Land und sind darauf ausgerichtet, die Kultur kennenzulernen. Mehr, mehr, mehr

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Wenn der Freund und Helfer überreagiert

»Halle gegen rechts« fordert eine Kennzeichnungspflicht für Polizisten, die Gewerkschaft der Polizei sieht keinen Handlungsbedarf.

Foto: Christian Schoen

Das Gewaltmonopol des Staates ist ein scharfes Schwert. Wasserwerfer, Pistolen, Schlagstöcke, Pfefferspray, die Polizeien sind dazu ausgerüstet und legitimiert, zum Wohle der Sicherheit auch einmal härter durchzugreifen. Gesetze regeln, wann und wie das Schwert zum Einsatz kommt. Doch was passiert, wenn Polizisten über die Stränge schlagen?

Zu einem solchen Vorfall kam es in diesem Jahr auch in Halle. Bis zu 150 Menschen demonstrierten am 7. August gegen die Sommertour der rechtsextremen Partei NPD. Bei der Räumung einer Straße gingen die eingesetzten Beamten so rabiat vor, dass zwei der Demonstrationsteilnehmer in der Folge des Einsatzes verletzt wurden. Einer der beiden, ein 24-jähriger Student, trug schwere innere Verletzungen davon, die in einer Notoperation behandelt werden mussten, wie Florian Weineck, Pressesprecher von »Halle gegen Rechts« berichtet. Mehr, mehr, mehr

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Die schönsten China-Klischees

Vorurteile beeinflussen viele Menschen in ihrer Meinung zu fremden Ländern. hastuzeit-Redakteurin Alisha will den Mythen zu China auf den Grund gehen.

Foto: privat

Sun Qi (25) studiert seit 2010 an der MLU Medien- und Kommunikationswissenschaften und Wirtschafts­wissenschaften. Ursprünglich stammt er aus der Provinz Shandong im Nordosten von China, gut 7800 km von Halle entfernt. Vor unserer Unterhaltung habe ich die besten Vorurteile über China aus dem Internet notiert. Diese lege ich Qi vor, mit der Bitte, diese zu verifizieren oder auch zu falsifizieren.

Alle Chinesen essen Hunde und Katzen

»Nein, das stimmt nur zum Teil«, klärt Qi mich sofort auf. Nicht alle Chinesen verspeisen süße Haustiere zum Abendbrot. Nur in Südchina gibt es eine Provinz namens Guangdong, in der Katzen und Hunde tatsächlich gegessen werden. Generell verspeist die Bevölkerung dort alle Tiere, deren Rücken zur Sonne gewandt sind. Mehr, mehr, mehr

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60 Künstler auf 1500 m²

Zwei Initiatoren wagten das Experiment, einen Kunstraum zu eröffnen, und setzen die Serie fort.

Foto: Christian Schoen

In der Großen Ulrichstraße 19–21 findet bis zum 22. Dezember 2012 die fünfte Ausstellung der Initiatoren Rebekka Rauschhardt und Björn Hermann statt. »Eine Verkaufsausstellung und Werkschau von knapp 60 Künstlern, wo wir Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Schmuck und Textilbuchkunst zeigen. Der Kunstraum wird begleitet von Kulturveranstaltungen, Lesungen und Auftritte von Musikern.«

Die Idee für die Ausstellung kam den beiden Künstlern, da sie keinen Ausstellungsraum für ihre Arbeiten gefunden hatten. Wenn man doch das Glück hat, einen zu finden, muss man Transportkosten bezahlen. Oftmals gibt es nicht genügend Platz für alle Werke, und man verkauft nicht sehr viel, wie mir Rebekka berichtet. »Da haben wir einfach gedacht: Wir machen jetzt selber eine. Es wäre aber vielleicht zu langweilig, wenn wir unsere eigenen Sachen ausstellen. Also fragen wir alle, die wir kennen, ob sie auch Lust haben mitzumachen.« Mehr, mehr, mehr

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Baked Beans und Doppeldeckerbusse

Passend zum Heftthema prüft unsere Außenreporterin Caro an der Erasmus-Partneruni in Newcastle diesmal kontinentaleuropäische Vorstellungen von »den Engländern« auf ihren Wahrheitsgehalt.

Hier steht Caro im englischen Regen.
Foto: Caroline Bünning

Bedankt man sich in Deutschland beim Busfahrer für die Fahrt, wird man bestenfalls angegrummelt und vielleicht noch angeguckt, als käme man vom Mars. Ganz so weit muss man allerdings tatsächlich nicht reisen, um dies als gängige Alltagspraxis zu erleben. Was gilt sonst noch als typisch englisch? Und was ist es wirklich?

Klischee 1: Engländer sind sehr höflich.

Stimmt. Drei Floskeln der Entschuldigung oder der Bitte innerhalb eines Satzes sind quasi Standard. Und das oft und gern. So entschuldigen sich die Engländer auch dann, wenn sie angerempelt werden. An den Dank an die Kunden hängen Kassiererinnen gern noch eine Floskel der Liebkosung wie »Darling« oder »Love«.

Darüber hinaus neigen sie zum exzessiven Relativieren, was für deutsche Ohren durchaus verwirrend sein kann. So schrieb mir meine Fußballmannschaftskapitänin am Sonntag vor unserem ersten Auswärtsspiel: »Kannst du Mittwoch in Leeds spielen? Ist nicht schlimm, wenn nicht.« Auf meine Antwort, dass ich noch mit einer Dozentin sprechen müsste und ihr das dann Montag definitiv sagen könnte, schrieb sie zurück: »Lass dir alle Zeit, die du brauchst. Ich will unbedingt, dass du spielst!« Ja, was denn nun? Mehr, mehr, mehr

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