Nr. 39
Ausgabe Nr. 39 vom Dezember 2011
Ohne dich ist alles doof?
Soziale Netzwerke sind mittlerweile ein fester Bestandteil des Alltags. hastuzeit-Autorin Julia hat eine Woche darauf verzichtet.

Montag: Ich habe mein Wochenende noch mal vollends ausgenutzt. Habe einen sinnlosen Facebook-Status gepostet. Ein paar »Likes« kassiert. Habe Nachrichten beantwortet. Bin ein paar interessanten Links gefolgt. Und schon an meinem ersten Abend fehlt etwas. Mehr, mehr, mehr
Visitenkartenspiel
Die Senator-Lounge eines deutschen Flughafens. Wer hier sitzt, ist – mit Verlaub – Mensch von Welt.
Schließlich legt nicht jeder langfristig über 150 000 Meilen im Jahr als Fluggast zurück. Wer das schafft, darf sich entsprechend wichtig fühlen. Und hat Zugang zu den Senator-Lounges. Hier gibt es bequeme Sessel, Fernsehen, WLAN, Zeitungen, Kaffeespezialitäten, andere alkoholische und nichtalkoholische Getränke, Müsli, Joghurt, Backwaren, Nüsse etc. Alles gratis, versteht sich. VIP-Bonus gewissermaßen. Mehr, mehr, mehr
Networks – I like!
Ein Comic von Susanne Wohlfahrt. Mehr, mehr, mehr
»Lediglich ein positiver Nebeneffekt«
Umweltschutz muss sich rechnen. Die Universität hat bei stromsparenden Maßnahmen vor allem die wirtschaftlichen Aspekte im Blick.
»Wir können die Wissenschaften in ihrem Strombedarf nicht beschneiden. Deswegen haben wir da wenig Einfluss. Vor allem die Naturwissenschaften sind auf eine umfassende Stromversorgung angewiesen.« Klaus-Dieter Schubert, Mitarbeiter der Abteilung Bau, Liegenschaften und Gebäudemanagement an der MLU, spricht damit ein großes Problem des Energiesparens an.
Circa 3,5 Millionen Euro gibt die Universität im Jahr für Strom aus. Ungefähr im gleichen Bereich belaufen sich die Heizkosten. Die Uni verbraucht an Strom ungefähr 19,4 Millionen Kilowattstunden jährlich. Zum Vergleich: Im durchschnittlichen Familienhaushalt werden circa 3600 verbraucht. Die Hausverwaltung versucht an einigen Ecken zu sparen. Mehr, mehr, mehr
Kulturbegabtes Halle
Matthias Brenner ist seit August Intendant des Neuen Theaters und wünscht sich von den Hallensern mehr kulturelles Bewusstsein.
Sie sind seit August in Halle, wie gefällt es Ihnen hier?
Ich bin im Grunde genommen schon seit Januar dieses Jahres hier, zur Vorbereitung. Ich habe in der alten Spielzeit schon zwei Inszenierungen gemacht: »Zscherben – Ein Dorf nimmt ab!« und die »Oper Dracula«. Insofern habe ich mich schon ganz gut eingelebt. Dennoch kenne ich Halle noch nicht sehr gut. Auch wenn die Stadt nicht sehr groß ist, dauert es eine Weile, sie zu erschließen, darauf freue ich mich. Die Stadt ist für mich eine sehr große Entdeckung.
Was hat Sie dazu bewegt, am Neuen Theater zu arbeiten?
Das war nicht vorhersehbar. Ich hatte die Information, dass in Halle diese Position frei wird, und mich zwar darauf beworben, aber ohne mir besondere Gedanken darüber zu machen. Ich habe dann die Gelegenheit genutzt, um das Ensemble kennenzulernen und mich vorzustellen. Das waren sehr spannende Stunden, und daraufhin konnte ich mir vorstellen hier zu arbeiten. Aber auch das Gebäude, dieser eigentümlich tolle Theaterbau hat mich überzeugt. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal.
Was haben Sie sich für Ihren neuen Job vorgenommen?
Neue Akzente zu setzen natürlich – das ist ein Naturvorgang. Es gibt ein Problem in Halle. Es ist eine kulturell unglaublich reiche Stadt. Leute, die von außen kommen, merken das sofort, nur die Hallenser nicht, sie meckern und nörgeln über ihre Stadt. Was hier nötig schien, war eine neue Brücke, einen neuen Kontakt zwischen Theater und Publikum zu schaffen. Also ein direkteres kommunikatives Aufeinanderzugehen einerseits – und andererseits innerhalb des Ensembles eine neue Transparenz und Offenheit in Gang zu setzen und zu pflegen. Wir haben zum Beispiel das Stück »Zscherben – Ein Dorf nimmt ab!« inszeniert, das mit dieser Region zu tun hat. In der Theaterfachwelt wurde das zum Teil befremdlich aufgenommen und als Volksstück abgetan. Wir versuchen Neues zu machen und haben zum Beispiel »Die Weber« von Hauptmann mit Jo Fabians Tanztheater gekreuzt. Wir hätten nicht gedacht, dass diese Kombination so gut ankommt und das Stück so gut besucht wird.
Wie kulturell ist Halle?
In Halle gibt es so viele Leute aus den unterschiedlichsten Kunst- und Kulturrichtungen. Das ist den Menschen hier leider kaum bewusst, und dieses Image wird auch nicht unbedingt nach außen transportiert. Ob eine Stadt kulturbegabt ist oder nicht, merke ich immer an den Taxifahrern. Als ich neulich in Magdeburg in ein Taxi stieg und zum Schauspielhaus wollte, stammelte der Fahrer und wusste gar nicht genau, wohin ich will. In Halle weiß jeder Taxifahrer genau, wo das Neue Theater ist, alle antworten das gleiche: »Wollen Sie unten in die Ulrichstraße oder an den Uniplatz?« Ich kenne auch viele Künstler, die sich in Halle bewusst angesiedelt haben. Sie sind der Meinung, dass hier der Windschatten noch groß genug ist, um Fehler machen zu können. Die Hallenser sind aber auch sehr bodenständig. Das muss man mögen lernen. Ich gehe sehr viel spazieren, um die Stadt kennenzulernen und in die Gesichter gucken zu können. Es ist angenehm zu erleben, dass die Menschen so unüberheblich sind. Aber auf der anderen Seite wünsche ich mir ein bisschen mehr Stolz der Bürger auf ihre Stadt.
Inspirierendes Bratislava
In seinem Auslandssemester in der Slowakei entdeckte Karl die Leidenschaft zur Fotografie. Heute ist er der »beste Fotograf Deutschlands«.
»Ich weiß zwar nicht, ob ich fotografieren kann, aber ich weiß, dass ich einfach nicht aufhören kann.« Das ist nicht unbedingt die Aussage, die man sich von »Deutschlands bestem Fotografen« erwarten würde. Karl Wagner, Student im Masterstudiengang Internationales Finanzmanagement an der MLU, versichert, er habe auch gar nicht damit gerechnet, bei dem Fotowettbewerb der Computerbild zu gewinnen. Mehr, mehr, mehr
Auf die Menschen kommt es an
Sozialwissenschaftler untersuchen die Netze, die wir selbst weben.

Unsere sozialen Netzwerke bestehen aus realen Menschen, mit denen wir täglich leben, arbeiten, die wir sehen und anfassen, lieben oder hassen können. Dr. Sören Petermann, ehemaliger Mitarbeiter des Instituts für Soziologie an der MLU, hat sich auf den Gegenstand der sozialwissenschaftlichen Netzwerkforschung spezialisiert. »Im weitesten Sinne kann man unter einem Netzwerk alle Relationen innerhalb einer Gruppe von sozialen Akteuren verstehen«, erklärt Petermann. Demnach gehören also auch unsere Dozenten und Professoren zu unserem sozialen Netzwerk. Mehr, mehr, mehr
Kontrollverlust
Unsere Gesellschaft besteht nicht nur aus Menschen, sondern auch aus Maschinen.
Sozialwissenschaftler beschäftigen sich vor allem mit einem: dem Menschen. Das klingt erst mal logisch, birgt aber auch viele Probleme. Nicht erst seit heute hat die Technik, egal ob hochentwickelt und komplex oder grundlegend und »einfach«, einen großen Einfluss auf unser Leben. Sie strukturiert unseren Tagesablauf, sagt uns, wann es Zeit zum Aufstehen, zum Essen ist. Sie unterhält, informiert uns, gibt uns Arbeit und alles andere auch. Eigentlich ist es deshalb doch nicht abwegig, Gesellschaft als ein Netzwerk zwischen Menschen und Maschinen oder Technologie zu verstehen. Allerdings sollte man sich von der überholten Vorstellung verabschieden, dass der Mensch vollkommene Kontrolle über die Technik hat und diese ausschließlich als ein Werkzeug benutzen kann. Vielmehr ist das Netzwerk Mensch-Technologie ein kompliziertes Zusammenspiel, bei dem nicht klar ist, wer wen kontrolliert. In diesem Netzwerk sind Mensch und Technik gleichberechtigt, das heißt, beide haben ihre eigene Logik, ihre eigenen Bedürfnisse und ihren eigenen »Willen«. Gerade der letzte Punkt scheint absurd. Mehr, mehr, mehr

MLU – We Burlesque!
»Wir sind für alle da«
Nicht nachlassen!
»Bis jetzt ist noch kein Cent geflossen«
Mal eben wählen und dann zur Party
Was macht der Prof auf dem Sofa?
Programme zur Hochschulwahl 2013
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