Frische Ausgabe Nr. 66 / Jun 16

Cover Nr. 66  Juni 2016

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Heft 66 der hastuzeit ist am 17. Juni erschienen und wird an Instituten, Bibliotheken und Mensen verteilt.

Aug 2016 hastuUNI Heft Nr. 66 0

Eine Frage des Gewissens?

Zu wenige Menschen spenden regelmäßig Blut, Krankenhäuser können ihren Bedarf nicht decken. Warum ist das so? Ein Besuch beim Blutspendedienst des Universitätsklinikums Halle.

Photo: Julia Plagentz

Photo: Julia Plagentz

Krankenhausflure sind keine ästhetischen Orte. Auch im vierten Stock des Universitätsklinikums (UKH) Halle riecht es typisch nach Desinfektionsmittel, alles wirkt gewollt kühl und steril. Rund um die Uhr versorgt das Klinikum Patienten, insgesamt mehr als 150 000 im Jahr. 2000 Medizinstudierende werden hier ausgebildet.
»Einrichtung für Transfusionsmedizin« steht auf einem Schild links neben einer Glastür auf halber Strecke des Korridors. Beim Eintreten ändert sich die Atmosphäre leicht. Noch immer steril, aber in warmen Gelbtönen gehalten und mit frühlingshafter Dekoration wirken Eingangs- und Wartebereich einladender. Rund 50 MitarbeiterInnen arbeiten für die Transfusionsmedizin, die eine Hälfte davon für den Blutspendedienst und die andere für die anschließende Verarbeitung der Blutkonserven. Täglich werden zur Versorgung der Patienten des UKH etwa 80 Blutkonserven eingesetzt. An guten Tagen, besonders während der langen Öffnungszeiten am Dienstag und Donnerstag, kann dieser Bedarf gedeckt werden. Mehr, mehr, mehr

Aug 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 66 0

Integration? Läuft

Nach wie vor wird in Deutschland viel über Möglichkeiten zur Integration von Geflüchteten gesprochen. Eine Familie aus Halle hat Ende 2015 die Gründung einer regelmäßigen Laufgemeinschaft beschlossen, in der sich Geflüchtete, Studierende oder andere Interessierte kennenlernen und austauschen können – und sich nebenbei fit halten.

Photo: Alexander Kullick

Photo: Laufen verbindet

Alles begann im November letzten Jahres. Familie Schlereth saß gemeinsam beim Abendessen, als sich eine dieser in Deutschland wohl inzwischen jedem bekannten Diskussionen über das Thema »Flüchtlinge« entwickelte. Man machte sich Gedanken darüber, wie man den erst kurz in Halle lebenden Menschen einen Ausgleich zum manchmal tristen Alltag bieten könnte und wie eine schnelle und vor allem lockere Integration der Geflüchteten zu realisieren wäre. Dabei kam die Familie recht schnell auf einen gemeinsamen Nenner: Der Vater ist ein begeisterter Läufer, daher kam zügig die Idee einer Laufgruppe auf. Teilnehmen können soll jeder, der möchte, ganz gleich ob geflüchtet, studierend oder einfach nur interessiert an Sport und dem Kennenlernen neuer Leute.
Fehlten nur noch die Teilnehmer: In der »Goldenen Rose« ist jeden Montag ein Treff für Geflüchtete möglich, dort fand die Idee für das Projekt schnell Zustimmung, und die ersten Läufer konnten für die Sache gewonnen werden. Nur kurze Zeit später erklang für »Laufen verbindet« erstmals der Startschuss. Mehr, mehr, mehr

Aug 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 66 0

Angekommen in Halle

Kareem ist aus Syrien geflohen und zieht bald in eine WG, um der deutschen Kultur und Sprache im Alltag schneller näher zu kommen. Gleichzeitig werden ihm von der deutschen Bürokratie viele Steine in den Weg gelegt.

Man kann ihn gut verstehen, trotz der vielen grammatischen Fehler ist sein Wortschatz groß. »Englisch habe ich aus dem Fernsehen gelernt, in der Schule hatten wir das nicht.« Kareem sitzt in der kleinen Küche, die ihm eigentlich zu einem Drittel gehört. Zum April sollte er in die Dreier-WG im Paulusviertel ziehen, die zwei Minuten vom 24-Stunden-Edeka entfernt liegt. Jetzt ist es Mitte Mai, und Kareem ist noch nicht umgezogen. In seinem Zimmer stehen momentan die Wäscheständer seiner Mitbewohner und ein alter, völlig beklebter Kühlschrank, mittig im größten Raum der WG platziert, den Kareem vor einigen Wochen mit einem Freund dort abgeladen hat.
Kareem hat heute eine Einladung zu seinem ersten Geburtstag in Deutschland mitgebracht. »Bring your own beer« heißt es da, und es ist ein Foto von ihm mit drauf, auf dem er breit lächelt. Kareem wird 19 und ist seit Oktober in Deutschland, nachdem er allein aus Syrien geflohen ist.

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Aug 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 66 0

Der Hallische Zufall

Der »Hallische Zufall« ist die Kolumne der hastuzeit. Darin schildert Tobias regelmäßig Momente und Begebenheiten der hallischen Ab- und Besonderlichkeiten. Im Sommer gibt es nichts, was es mit der Saale aufnehmen könnte, findet zumindest der Hallische Zufall.

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

Wenig, da ist sich der Hallische Zufall sicher, kann so schnell eine magische, beruhigende und positive Stimmung erzeugen, wie eine sommerliche, langsam vor sich hin fließende, nicht zu schma­le, aber auch nicht zu breite – man muss das Ufer noch deutlich sehen können – Flussbiegung mit braunblauem Wasser. Spiegeln müssen sich darin Felsen und belaubte, grüne Bäume. Die Saaleschleife, nicht weit der Peißnitz flussabwärts, ist so ein Fleckchen Erde, an dem die Welt am besten in Adjektiven beschrieben wird. Die Kinder, die hier toben, würden wohl noch Wie-Wörter dazu sagen, während die Eltern erkannt haben, dass es eben Momente im Leben gibt, wo Thüringer Roster und Pils sich perfekt in die Szenerie einfügen und einfach genossen werden sollen. Es ist ein großes Glück, findet der Hallische Zufall, dass auch die Besitzer der Kioske am Rive-Ufer dies bemerkt haben. Nebenan kann sogar geklettert werden, traditionelle Spaziergänger und Jogger treffen hier auf neue Trendsportler. All das direkt am Fluss, an der Saale. Mehr, mehr, mehr

Aug 2016 hastuUNI Heft Nr. 66 0

Leidenschaftlich, aber fair

Ein Besuch beim hallischen Debattierclub »Klartext e. V.« gibt Einblicke.

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Photo: Elisa Schwarz (VDHC)

Einst war sie der Schauplatz von NS-Massenversammlungen und von Propagandareden Adolf Hitlers. Heute ist sie einem stetigen Verfall ausgesetzt: die Zeppelintribüne, Bestandteil des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes im Südosten Nürnbergs. Ein Bauwerk, das den Größenwahn der Nationalsozialisten widerspiegelt. Heute stellt sich die Frage, wie mit einem solchen geschichtlich relevanten, aber auch deprimierenden Bauwerk umgegangen werden sollte. Wäre es den Opfern der NS-Zeit gegenüber gerecht, das seit 2009 teilweise wegen Einsturz gesperrte Gebäude als Mahnmal verfallen zu lassen? Sollte man es gleich ganz abreißen, oder wäre es besser, die Zeppelintribüne – in der immerhin beeindruckenderweise zwölf Fußballfelder Platz hätten – zu sanieren und der Nachwelt zu erhalten, eventuell sogar ein Museum daraus zu machen?

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Aug 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 66 0

Ein Himmel auf Erden

Das MDV-Gebiet ist mehr als Leipzig und Halle. Auch die meist verkannten mittelgroßen Städte lohnen einen Besuch. Diesmal ging es südöstlich von Halle in das kleine Städtchen Nebra.

Nebra. Wenn man als Hallenser den Namen dieser Kleinstadt im Westen des Burgenlandkreises hört, denkt man sofort an die berühmte Himmelsscheibe, die am 4. Juli 1999 von zwei Raubgräbern in einer Steinkammer auf dem nahe gelegenen Winterberg gefunden wurde. Sie gilt als die früheste bekannte Himmelsdarstellung der Menschheitsgeschichte und als einer der wichtigsten archäologischen Funde aus der Bronzezeit. Die Himmelsscheibe wird seit 2009 im Landesmuseum für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt in der Saalestadt ausgestellt. Außerdem gehört sie seit Juni 2013 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe in Deutschland. Diese Darstellung des Himmels wurde um 1600 v. Chr. vergraben, Schätzungen bezüglich der Herstellung reichen bis zu weiteren 500 Jahren zurück.

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Aug 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 66 0

Aufklärer der Pressefreiheit?

Nahezu täglich hört man in Medien von Verstößen gegen die Pressefreiheit. In dutzenden Regionen dieser Erde färbt sich die jährliche Weltkarte von »Reporter ohne Grenzen« zusehends orange, rot oder gar schwarz. Doch wie genau kommt die Bewertung der einzelnen Länder eigentlich zustande, und als wie repräsentativ ist diese zu beurteilen?

Grafik: Reporter ohne Grenzen

Grafik: Reporter ohne Grenzen

Am 3. Mai eines jeden Jahres wird traditionell der »Tag der internationalen Pressefreiheit« begangen. Bereits einige Wochen zuvor präsentierte die weltweit agierende Organisation »Reporter ohne Grenzen« (ROG) in diesem Jahr ihre in Journalistenkreisen anerkannte Weltkarte, die 180 Staaten einen hellen bzw. dunklen Farbton zuordnet, an welchem man grob die gegenwärtige Lage erkennen kann.

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Aug 2016 hastuUNI Heft Nr. 66 0

ATP zum Frühstück

261 Studiengänge an 10 Fakultäten bietet die MLU, eine beinahe unübersichtliche Anzahl. In unserer Rubrik »Studiengeflüster« stellen unsere Autoren kurz und knapp interessante Aspekte ihres eigenen Studiums vor. Teil 9: Eine biochemische Reise durch den Alltag.

Illustration: Katja Elena Karras

Illustration: Katja Elena Karras

Morgens um 6.30 Uhr. Der Wecker klingelt. »Los! Los! Wir müssen die Lider öffnen! Auf drei: Hau ruck! Hau ruck!«, schreien sich Actin und Myosin zu.
Diese beiden Proteine sind Hauptbestandteile unserer Muskeln und sorgen dafür, dass aus einem chemischen Impuls mechanische Bewegung wird. Dabei ziehen sich Myosinfilamente, die wie Golfschläger aussehen, über die Actinstränge, und der Muskel wird gespannt, die Augen werden geöffnet.
Während Max seinen täglichen Aufgaben nachgeht und mal mehr, mal weniger gestresst ist, vollführt sein Körper immer wieder Wunder. Und Max merkt es nicht mal … Es fängt schon beim Aufstehen an: Er quält sich aus dem Bett, schafft es gerade so, sich anzuziehen, und trinkt noch schnell einen Kaffee. Auf dem Weg zum Fahrrad schlingt er noch einen Marmeladentoast herunter. Dann geht«s los zur Uni. Um diese Aktivität zu meistern, muss sein Körper Energie in Form von Adenosintriphosphat (ATP) bereitstellen. Diese Energie wird durch den Abbau von Kohlenhydraten bereitgestellt, die in seinem Frühstück enthalten waren.

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