Frische Ausgabe Nr. 79 / Jul 18

Cover Nr. 79 Juni 2018

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Heft 78 der hastuzeit ist am 18. Mai erschienen und wird an Instituten, Bibliotheken und Mensen verteilt.

Jul 2018 hastuINTERESSE Heft Nr. 79 0

SOS – Helft den Bienen!

Sie sind klein, sie summen, und sie produzieren das flüssige Gold. Schon unsere Vorfahren haben sich die Bienen zu Nutze gemacht und den Honig in luftiger Höhe aus Felsspalten geerntet. Unser gemeinsamer Weg ist lang. Doch nun scheint er in Gefahr zu sein, denn die Bienen werden zunehmend weniger. Woran liegt das, und wie können wir helfen?

Honigbiene
Foto: Anne Ost

Es ist kein Geheimnis, dass die Zahl der Insekten in Deutschland in den letzten Jahrzehnten rapide gesunken ist. Der Entomologische Verein Krefeld hat in einer Langzeitstudie nachgewiesen, dass innerhalb von 27 Jahren über 75 Prozent der Fluginsekten verlorengegangen sind. Insbesondere über das Bienensterben und die damit verbundenen Konsequenzen für uns Menschen gab es in den vergangenen Jahren vermehrt Meldungen. Immerhin sind 80 Prozent unserer heimischen Pflanzenarten auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen, und gerade die Bienen spielen dabei eine große Rolle. Es gibt jedoch nicht die eine Biene. In erster Linie muss zwischen den Honigbienen, welche von Imkern und Imkerinnen gehalten werden, und den Wildbienen unterschieden werden. Tatsächlich sind es die Wildbienen, von denen etwa die Hälfte der rund 550 in Deutschland lebenden Arten auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten steht. Der Bienenexperte Professor Dr. Robert Paxton von der MLU spricht von einem Artenverlust um die 15 Prozent in den letzten 25 Jahren allein in Sachsen-Anhalt. Mehr, mehr, mehr

Jul 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 79 0

Mit Strich und Sternchen zur Gleichberechtigung?

»Frauenbeauftragte will Nationalhymne ändern«, schrie(b) die BILD Anfang März. Daraufhin wurde auch bei mir im Freundeskreis wieder einmal die Diskussion über eine geschlechtergerechte Sprache angefacht.

Illustration: Emilia Peters

Um jetzt die allbekannte Polemik der BILD etwas zu relativieren: Worum geht es? Am 8. März – dem Internationalen Frauentag – äußerte die Gleichstellungsbeauftragte des Familienministeriums Kristin Rose-Möhring in einem Rundbrief an ebendieses Ministerium den Vorschlag, einige Textpassagen der Nationalhymne zu ändern. Dies ist keine völlig neue Idee: In Österreich wurden Formulierungen wie »Heimat bist du großer Söhne« durch »Heimat großer Töchter und Söhne« ersetzt, und auch in Kanada wurde kürzlich eine Änderung der Nationalhymne beschlossen. Dort wurde die zweite Zeile der Hymne »O Canada« von »True patriot love in all thy sons command« zu »in all of us command« umgeschrieben. Nun findet die Debatte über eine Textänderung der Nationalhymne also auch in Deutschland statt. Aus »Vaterland« könnte »Heimatland« werden, die Zeile »brüderlich mit Herz und Hand« soll durch »couragiert mit Herz und Hand« ersetzt werden. Mehr, mehr, mehr

Jul 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 79 1

Wenn Selfies in den Tod führen

In ihrer Novelle »Das pathologische Leiden der Bella Jolie« beschreibt Ramona Raabe den Tod der jungen Janina Ast, die sich selbst Bella Jolie nennt. Sie ist süchtig nach Selfies, süchtig nach sich selbst, süchtig nach dem Moment. Am Ende bleiben nur ihre Bilder zurück. Und Paul Wachter.

Ramona Raabe: Das pathologische Leiden der Bella Jolie. Novelle. 2018 im Dittrich Verlag. 14,95€.

»Er weiß, dass sie schön ist, bevor er ihr Gesicht zu sehen bekommt. Beinahe ist es so, als könne er es ihrem Kopf ansehen. Oder den blassen Armen, die leblos von ihren Schultern hängen. Die fragilen Finger, von denen manche noch sanft das Gerät berühren, das sie in der Hand hält.« Mehr, mehr, mehr

Jul 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 79 0

Peißnitz kann jeder

Wir alle kennen es: 30 Grad im Schatten, man kommt verschwitzt aus der Uni, und die Freunde fragen, was man heute machen will. Grillen auf der Ziegelwiese scheint, gemessen an den Menschenmassen, die dort bei Sonnenschein vorzufinden sind, die häufigste Antwort zu sein. Doch gibt es durchaus noch andere Plätze, die entweder unbekannt sind oder von den hitzegeplagten Studierenden unterschätzt werden. Hier eine Auswahl.

Heidesee
Foto: Bastian Raabe

Schon direkt im Stadtgebiet kann man so einiges entdecken: Möchte man zum Beispiel einmal von einer anderen Perspektive das Gedränge unten am Saale­ufer beobachten, eignet sich der Heine-Park über den steilen Felswänden. Dort kann man auf der großen Wiese zwischen alten Bäumen Frisbee spielen, Yoga üben oder von den terrassenartigen Aussparungen die Aussicht genießen. Mit der Straßenbahnhaltestelle Volkspark gibt es sogar eine gute Verkehrsanbindung. Mehr, mehr, mehr

Jul 2018 hastuINTERESSE Heft Nr. 79 0

Lokal global denken: Plastikfreies Jena?

Insbesondere in der Lebensmittelindustrie steht die Umweltfreundlichkeit der Verpackung immer stärker im Fokus. Wie wird das Plastikproblem in Jena gehandhabt?

Redaktion Unique

Im Pazifischen Ozean schwimmt eine Plastik-Insel von der Größe Frankreichs. Ein offizielles Land sind die sogenannten »Trash Isles« noch nicht, doch 2017 starteten Umweltschützer das Projekt, sie als unabhängiges Land von der UN anerkennen zu lassen. Als offizielles Mitglied würden sie von der UN-Umweltsatzung beschützt werden – andere Länder wären also verpflichtet, dort aufzuräumen. Um den öffentlichen Druck zu verstärken, unterzeichnen Menschen in aller Welt, dass sie offiziell Bürger dieses Landes werden wollen. Und tatsächlich ist dieses Projekt gar nicht so unrealistisch. Denn die »Trash Isles« erfüllen bereits die meisten Bedingungen für eine Staatsgründung: die Insel hat ein definiertes Staatsgebiet, eine Regierung und die Möglichkeit, mit anderen Staaten zu kommunizieren. An der permanenten Bevölkerung wird noch gearbeitet. Forschern ist dieser Müllberg bereits seit 20 Jahren bekannt und nun beginnen langsam ernstzunehmende Aktionen – längst überfällig, denn Experten glauben, dass es bis 2050 mehr Plastik in unseren Ozeanen geben wird als Fische. Mehr, mehr, mehr

Jul 2018 hastuINTERESSE Heft Nr. 79 0

Gegrillte Grillen

Ob die noch nach Heuschrecken schmecken? Für alle, die von den immer gleichen drei Fleischsorten gelangweilt sind. Ein Selbstversuch.

Foto: Emilia Peters

Asiatisch essen war doch eigentlich jeder schon einmal, Reisnudeln, halbwegs scharfes Curry oder Sushi sind auf deutschen Abendbrotstafeln gewiss keine Seltenheit mehr. Doch obwohl wir uns fröhlich Frühlingsrollen auftauen oder auch mal Tofu anbraten, sind wir doch, zumindest was das Fleisch angeht, der regionalen Tierwelt ziemlich treu geblieben. Dabei vergessen wir zusehens gleich eine gesamte Gruppe von Organismen, die zwar als exotisch gilt, aber eigentlich auch in unseren Breitengraden beheimatet ist: die Insekten. Denn während die westliche Welt ihr Bestes tut, dem Großteil der Tierchen aus dem Weg zu gehen, stehen sie in vielen Kulturen traditionell auf der Speisekarte.

Und dafür gibt es tatsächlich eine ganze Bandbreite an guten Gründen. Wer einmal den Fleischatlas 2018 von der Heinrich-Böll-Stiftung in der Hand hält, wird einen spannenden Artikel über die zahlreichen Vorteile von Insektenfleisch finden. Zur artgerechten Aufzucht benötigen sie weniger Platz, Futter und Wasser, sie stoßen gerade mal ein Hundertstel CO₂ aus und enthalten zudem auch noch mehr Eiweiß. Eigentlich gleich mehrere gute Argumente, um einmal die Proteinquelle zu wechseln. Mehr, mehr, mehr

Jul 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 79 0

Geschichten aus dem HAVAG-Land

Schienengebunden, mit elektrischer Energie betrieben, dient als öffentliches Personennahverkehrsmittel – die Rede ist von der Straßenbahn. In Halle gestalten sich Fahrten mit dieser regelmäßig als modernes Reiseabenteuer. Eine Kolumne über Fahrten rot-weiß.

Illustration: Sophie Ritter

Alle reden heutzutage davon, dass sie mal entschleunigen wollen, mal runterkommen vom Alltag. Was es dafür nicht alles gibt – das Angebot reicht von Yoga über Meditation bis hin zu autogenem Training. Kann teuer werden. Dabei gibt es eine kostengünstige Alternative: den Franckeplatz. Oder besser gesagt: eine Fahrt mit der Straßenbahn über diesen. Wobei Fahrt vermutlich das falsche Wort ist, die Straßenbahn steht an dieser Stelle nämlich mehr, als dass sie fährt. Und dabei ist es ganz egal, aus welcher Himmelsrichtung man kommt oder wohin man will. Früher oder später wird die Bahn immer langsamer, der eben noch einströmende Fahrtwind wird zu einer kaum wahrnehmbaren Brise, und schließlich: Halt auf freier Strecke. Das, Freunde der Entspannungstechniken, nenne ich mal gelebte Entschleunigung. Mehr, mehr, mehr

Jul 2018 hastuUNI Heft Nr. 79 0

Studiengeflüster

261 Studiengänge an 10 Fakultäten bietet die MLU; eine beinahe unübersichtliche Anzahl. In unserer Rubrik »Studiengeflüster« stellen unsere Autoren kurz und knapp interessante Aspekte ihres eigenen Studiums vor. Teil 13: Von Charles, dem absolutistischen Herrscher seines Herzogtums, und der Zwangsdeportation eines Inselvolkes.

Kartengrundlage: commons.wikimedia.org/wiki/File:Indian_Ocean_
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Viele werden folgendes Szenario wiedererkennen: Ein Seminar nach dem anderen, eine endlos wirkende Aneinanderreihung von oft halbherzig vorbereiteten Referaten, gelangweilte Gesichter und die gleichen drei Personen, die etwas zur Diskussion beitragen. Doch natürlich gibt es auch Ausnahmen: die Seminare, die einen nachdenklich, geschockt, wissbegierig und mit dem Drang, in der Freizeit selbst nachzuforschen, zurücklassen. Solch ein Seminar durfte ich letztes Semester besuchen, und immer noch beschäftigen mich einige der Inhalte.

»Little England – Great Britain: Nationalism, British Identity (and the Brexit)« lautete der Titel der Veranstaltung im Rahmen des Aufbaumoduls Kulturwissenschaft, welches für einen Bachelor oder im Lehramtsstudium der Anglistik/Amerikanistik absolviert werden muss. Vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart reichten die von Dr. Therese-Marie Meyer ausgewählten Themen des Seminars, wobei der Fokus von Religion über territoriale Ausweitung bis zu Identitätsproblemen reichte. Mehr, mehr, mehr