Jul 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 79 0

Geldlos, Mittellos, Wert(e)los?

Wie mittellos sind wir? Ist mittellos gleich arm? Woran sind wir mittellos, und wie geht unsere Gesellschaft damit um? All diese Fragen werden in der Produktion »Die Mittellosen« des Studierendentheaters der MLU vielleicht nicht beantwortet, aber ganz sicher gestellt. Am 29. Juni spielt das 24-köpfige Ensemble unter der Leitung von Tom Wolter das erste Mal seine eigene Produktion »Die Mittellosen« – wir durften vorher schon einmal vorbeischauen.

Foto: Susanne Eger

Die Probe findet im WUK-Theater-Quartier am Holzplatz statt, wo auch am 29. Juni die Premiere gespielt wird. Als eines der wenigen Gebäude in der abseitsliegenden Straße nahe der Saaleaue fällt es sofort ins Auge. Geschmückt von Spiegeln und einem großen Torbogen mit der Aufschrift »#3 Kapitalismus« ist man gleich im Thema. Das Stück »Die Mittellosen« wird in Kooperation mit dem WUK-Theater-Quartier produziert und unter der Thematik der Spielzeit »Kapitalismus« aufgeführt. Es ist der verbindende Teil einer Trilogie, zu der »Die Schuldigen« (2015) und »Die Glücklichen« (2017) gehören. Eigentlich sollte »Die Glücklichen« das Finale der Trilogie werden, doch das jetzige Stück passe so gut in die aktuelle Spielzeit des WUK Theaters, erzählt Tom Wolter, der das Studierendentheater seit 2013 leitet.

Das Ensemble des Studierenden­theaters ist bunt gemischt, viele sind schon länger dabei, andere erst seit diesem Semester. Alle zusammen produzieren sie das Stück als Gemeinschaftsprojekt. Durch viel Improvisation, Intuition und Bauchgefühl bringt jede Probe neue Impulse. Unter der Anleitung Tom Wolters probieren sich alle aus und bringen sich ein, lassen ihren Ideen freien Lauf. Beim Zuschauen merkt man das ganz deutlich – jeder Einzelne gibt seinen eigenen Input, es wird viel gelacht. Beim zweiten, dritten, vierten Spielen einer Szene sieht man, was berührt und was vertieft werden kann. Dabei wird Spaß und Ernst vereint, mit Witz auf der Bühne lassen sich kontroverse Themen leichter zur Sprache bringen und werden so greifbarer.

»Wir beschäftigen uns tiefer mit dem Thema und lassen dadurch Dinge entstehen; am Ende haben wir dann ganz viel gesammelt, müssen schauen, was wir verwerten und womit wir an unsere Themen wieder andocken können«, erklärt Elsa Weise, Leiterin des Figuren- und Objekttheaters. Zur Thematik der Mittellosigkeit kann jeder etwas beitragen, auch in Bezug auf immaterielle Dinge wird sich mit dem Thema auseinandergesetzt. Der immerwährende Gedanke, ob man am Ende mehr davon hat, weniger zu haben, steht im Raum, aber auch Fragen, die jeder nur für sich selbst beantworten kann, zum Beispiel inwiefern jeder selber Teil des Systems oder vielleicht sogar das Mittel für jemand anderen ist. Jede Probe ist eine Entdeckung, so ist das Stück letztendlich eine Gruppenerfindung von einem über 30-köpfigen Team.

Plakat: Thomas Schult, WUK-Theater

Das erste Mal präsentiert sich das Uni-Ensemble auf dreierlei Arten: Es wird natürlich Schauspiel, aber auch Choreographien und Musik unter der Leitung von Ellen Brix und Niklas Stellbrink geben. Außerdem wird wohl auch die Darbietung des Ganzen beim Zuschauer Eindruck machen, denn die Studierenden werden nicht nur auf einer konventionellen Bühne spielen, sondern das ganze Haus und den Garten des WUK-Theaters nutzen. »Wir sind gespannt, brauchen aber keine Angst zu haben«, sagt Anton, der schon seit 2013 beim Studierendentheater dabei ist und auch in den letzten Stücken mitgewirkt hat.

Es soll um existenzielle Themen und Werte gehen, um das, was junge Menschen heute beschäftigt. Mittellosigkeit ist nicht nur eine Frage des Materiellen, sondern auch der Abwesenheit von Fähigkeiten oder Personen. Dieses Thema, das unter dem Blickwinkel des Kapitalismus noch mehr Fragen aufwirft, kann auf vielen Ebenen untersucht werden. Beim Blick in die Spiegel am WUK-Theatergebäude können wir uns selbst diese Fragen stellen, vielleicht hilft uns das Studierendentheater der MLU am 29. Juni, sie zu beantworten.

  • »Die Mittellosen«
    Premiere: 29.6.2018, 20.00 Uhr
    WUK-Theater-Quartier am Holzplatz 7a
    Eintritt: 10 €, ermäßigt 6 €
    Weitere Termine und Tickets:
    http://wuk-theater.de

Über Susanne Eger

Erstellt: 05.07. 2018 | Bearbeitet: 18.10. 2018 11:46