Okt 2018 hastuINTERESSE Heft Nr. 80 0

Das Stipendium – eine sinnvolle Alternative zum BAföG

Spätestens wenn man sich für ein Studium entschieden hat, stellt sich die Frage, wie das Ganze finanziert werden soll. Eine erste Anlaufstelle ist das BAföG-Amt. Dort gibt es jedoch nur ein Darlehen, das nach dem Studium teilweise zurückgezahlt werden muss. Hier stellen wir Euch eine Alternative vor: Das Stipendium.

Illustration: Lisa Kollien

Die im Folgenden beschriebenen dreizehn Stiftungen und Förderungswerke werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt.

Alle Organisationen vereint, dass sie Studierende mit großem gesellschaftlichen Engagement, sicherem Auftreten und überdurchschnittlichen Leistungen auszeichnen und fördern.

Möglich ist es, sich bei mehreren Werken zu bewerben – allerdings sollten diese den individuellen Neigungen entsprechen. Wird man zum Beispiel in zwei Werken aufgenommen, darf nur von einem eine finanzielle Unterstützung angenommen werden. Auch eine Doppelförderung mit dem BAföG ist rechtswidrig und führt zu Sanktionen und Rückzahlungen.

Finanziell orientieren sich alle Stiftungen an den aktuellen BAföG-Richtlinien. Das bedeutet, dass auch bei dem Stipendium Angaben zu der finanziellen Lage der Eltern oder des Ehepartners in die Berechnung einfließen. Unabhängig davon erhalten alle StipendiatInnen eine Studienkostenpauschale von 300 € zusätzlich. So kann der Höchstsatz schon einmal folgendermaßen berechnet werden: 735 € nach BAföG plus 300 € Pauschale ergeben 1035 € monatliche Förderung.

Neben dieser finanziellen Unterstützung bieten alle Werke auch eine ideelle Förderung an. Dazu zählen Sprachkurse, wissenschaftliche Kollegs, Akademien, Auslandssemester und -praktika und Weiterbildungen.

Zusammengefasst werden die dreizehn Werke unter dem Namen stipendiumplus. Auf www.stipendiumplus.de findet Ihr noch weitere Informationen, Kontaktdaten sowie Erfahrungsberichte von StipendiatInnen und Alumni.

Die Partei- und Konfessionsunabhängigen

Hans-Böckler-Stiftung (HBS)
Die Hans-Böckler-Stiftung, gegründet 1977, ist das Förderungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Sie fördert rund 2000 Studierende und Promovierende jeder Fachrichtung, Konfession oder politischer Motivation, wenn sie durch die Gewerkschaften vorgeschlagen werden. Für die Auswahl sind materielle Bedürftigkeit, hohe Leistungsbereitschaft und gesellschaftliches Engagement relevant. Eine Selbstbewerbung
ist auch dann möglich, wenn Studierende und deren Eltern das Studium nicht selbst finanzieren können.
Im Gegensatz zu anderen Werken werden auch der Besuch eines Kollegs und Abendgymnasiums sowie Studierende, welche auf dem dritten Bildungsweg (»Studieren ohne Abitur«) die Hochschule besuchen, von der Stiftung gefördert.
Getreu dem Motto: »Die Hans-Böckler-Stiftung fördert das Studium von jungen Menschen, die in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen möchten und sehr gute bis gute Leistungen erbringen.«

  • Die Bewerbung erfolgt online über das Bewerbungsportal, im Anschluss folgt ein Gutachten vom Vertrauensdozenten und ein Auswahlseminar. Zwischen der Bewerbung und der Aufnahme können bis zu sechs Monate vergehen, weshalb eine frühzeitige Bewerbung angeraten ist.
  • Bewerbungsfrist: 1. November für das kommende Wintersemester / 1. August für das kommende Sommersemester
    Infos und Bewerbung unter: www.boeckler.de

Stiftung der Deutschen Wirtschaft (SDW)
Unter dem Motto »Wir stiften Chancen« fördert die SDW junge Menschen, »die etwas erreichen wollen« und setzt sich für Chancengleichheit ein.
Diese Stiftung sieht sich wirtschaftsnah und wurde 1994 durch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeber­verbände gegründet. Circa 1800 Studierende und Promovierende werden durch die SDW gefördert. Auch hier sind alle Fachrichtungen vertreten, die an Universitäten und (Fach-)Hochschulen angeboten werden.
Die SDW legt besonderen Wert auf gesellschaftliches Engagement, Zielstrebigkeit, Teamfähigkeit, eine sehr gute Allgemeinbildung sowie Kritik- und Kommunikationsfähigkeit.

  • Bewerbung: 2. Januar bis 26. April 2019
  • Mehr Informationen unter: www.sdw.org

Studienstiftung des deutschen Volkes e.V. (SDV)
Als größtes und ältestes Begabtenförderungswerk in Deutschland wurde die SDV 1925 in Dresden gegründet, 1934 aufgelöst und 1948 in Köln als eingetragener Verein wieder ins Leben gerufen. Sie fördert Studierende jeder Fachrichtung, »deren hohe wissenschaftliche oder künstlerische Begabung und deren Persönlichkeit besondere Leistungen im Dienste der Allgemeinheit erwarten lassen.« Dabei wählt sie die Studierenden unabhängig von ihren weltanschaulichen, politischen oder religiösen Einstellungen aus. Rund 13 000 Studierende und Promovierende werden von der SDV gefördert, jährlich werden etwa 2900 neue StipendiatInnen aufgenommen.
Die meisten Studierenden werden durch den Schulvorschlag ihres vorher besuchten Gymnasiums zum Auswahlseminar eingeladen. Allerdings dürfen Schulen nur eine Person pro 50 SchülerInnen vorschlagen. Daher ist die Selbstbewerbung junger Studierender, die nach dem Abitur nicht
vorgeschlagen werden konnten, ausdrücklich von der Stiftung erwünscht. Daneben kann man auch durch den Vorschlag eines Dozierenden oder des Prüfungsamtes zur Stiftung gelangen und sollte sich nicht scheuen, seinen Lehrenden darauf anzusprechen. Allerdings ist zu beachten, dass der Vor­schlag spätestens nach dem zweiten Semester eingereicht wird beziehungsweise in der Regelstudienzeit liegt.

  • Die Selbstbewerbung beginnt im Januar 2019 / Vorschläge der Dozierenden zum Ende des Semesters
  • Mehr Informationen gibt es unter www.studienstiftung.de.

Die Parteinahen

Die parteinahen Stiftungen unterscheiden sich von den oben genannten genau durch das, was ihr Name sagt – sie sehen sich in ihren Grundsätzen nahe an den verschiedenen Parteien. Von ihren StipendiatInnen erwarten sie eine inhaltliche Identifikation mit den politischen und gesellschaftlichen Grundsätzen. Allerdings ist es nicht nötig, in der Partei oder deren Jugendorganisation Mitglied zu sein, um in diese Stiftungen aufgenommen zu werden. Gefördert werden alle Studiengänge aller Hochschulen und Universitäten.

Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. (FES)
Gegründet 1925 ist die FES von allen parteinahen Stiftungen das älteste und größte Förderungswerk. Aktuell betreut sie circa 21 000 StipendiatInnen. Inhaltlich steht sie der SPD nahe. Das heißt: Einsatz für die Gesellschaft als höchstes Gut, Identifikation mit dem Grund­gesetz und dem Interesse an Politik.
Ein besonderes Augenmerk legt die Stiftung auf Bewerbungen von Frauen, BewerberInnen aus nicht akademischen Haushalten und Studierende mit Migrationshintergrund.

  • Weitere Informationen unter: www.fes.de
    Bewerbung: Wintersemester: 31. Oktober
    Sommersemester: 30. April

Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
»Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit fördert Begabte. Unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten sind Botschafter der Freiheit, die sich aktiv in gesellschaftliche Belange einbringen. Materielle und ideelle Förderung haben dabei denselben Stellenwert. Stipendium, Studienkostenpauschale, Auslandszuschläge etc. sichern die materiellen Rahmenbedingungen.«
Dieses Begabtenförderungswerk lehnt sich an die Grundsätze und Inhalte der FDP an und wurde 1958 gegründet. Derzeit betreut die Stiftung etwa 800 StipendiatInnen.

Hanns-Seidel-Stiftung e.V. (HSS)
»Fundamental sind für uns als HSS die demokratischen Wertorientierungen und die politischen Wirkungsmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger im modernen Sozialstaat«, heißt es auf der Seite der 1966 gegründeten CSU-nahen Stiftung. »Leistungsfähigkeit, staatsbürgerliches Verantwortungsbewusstsein, politische Aufgeschlossenheit sowie aktive Mitarbeit in sozialen, studentischen, kirchlichen oder politischen Organisationen sind notwendige Voraussetzungen für die Aufnahme.«
Zu beachten ist, dass man sich bis zur Altersgrenze von 32 Jahren bei der Hanns-Seidel-Stiftung bewerben kann und noch mindestens vier Semester Regelstudienzeit vor sich hat. Zudem muss ein Gutachten eingereicht werden, das von einem Dozierenden des Vertrauens erstellt wurde.

  • Bewerbungsfristen: 30. November /31. Mai
  • Weitere Infos unter www.hss.de

Heinrich-Böll-Stiftung (HBS)
Das Motto der HBS lautet »Rückenwind für Talente«. Jährlich profitieren etwa 1000 Studierende und Promovierende aller Fachrichtungen im In- und Ausland. Die Stiftung steht politisch dem Bündnis 90 / Den Grünen nahe, und dementsprechend sind auch ihre Erwartungen an die BewerberInnen ausgelegt. Neben guten bis sehr guten Leistungen und gesellschaftlichem Einsatz zählt auch das politische Interesse und Kompetenzen wie Kreativität, Selbstkritik, Gendersensibilität, Lernbereitschaft und Zielorientierung.
Bewerber*innen können sich bis zum dritten Fachsemester online für ein Stipendium bewerben.

  • Informationen gibt es unter: www.boell.de
  • Bewerbungsfrist Sommersemester: 1. März
  • Wintersemester 1. September

Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS)
Die KAS gehört zu den größten Stiftungen in Deutschland und fördert derzeit circa 2700 Studierende und 500 Promovierende. Inhaltlich steht sie der CDU nahe und setzt sich zum Ziel, »künftige Leistungseliten und Führungskräfte zu fördern, die in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien, Kultur und Gesellschaft Verantwortung übernehmen. Die Stiftung orientiert sich dabei an einem Menschenbild, das durch christlich-demokratische Wert- und Ordnungsvorstellungen geprägt ist.«
Nach der Online-Bewerbung gibt es einen Test mit zehn Fragen, der die Allgemeinbildung prüft. Anschließend folgt ein Auswahlseminar mit Gruppendiskussionen und Einzelgesprächen.

  • Bewerbungsfrist: zum 15. Januar / zum 15. Juni
  • Mehr Informationen gibt es unter: www.kas.de

Rosa-Luxemburg-Stiftung (rosalux)
1992 gegründet steht die rosalux der Partei »Die Linke« nahe und orientiert sich an deren politischen und gesellschaftlichen Zielen. Sie fördert seit 1999 circa 1400 Studierende und Promovierende aller Fachrichtungen an Hochschulen und Universitäten im In- und Ausland. Pro Jahr werden etwa 190 neue Stipendiaten aufgenommen. Sie setzt sich zum Ziel, durch politische und gesellschaftliche Bildung Studierende zur politischen Willensbildung, sozialen Gerechtigkeit und Solidarität zu erziehen und möchte zur »Überwindung patriarchaler, ethnischer und nationaler Unterdrückung beitragen«.

  • Bewerbungsfrist Wintersemester: 1. April
  • Sommersemester: 1. Oktober
  • Bewerbungsunterlagen und Informationen: www.rosalux.de

Die Konfessionsnahen

Wie die Überschrift es andeutet, wird bei den konfessionsnahen Stiftungen eine religiöse Zugehörigkeit oder mindestens ein Studium in der entsprechenden Fachrichtung vorausgesetzt.

Avicenna-Studienwerk
Das Avicenna-Studienwerk ist das jüngste der dreizehn großen Begabtenförderungswerke. Gegründet wurde es im März 2012 und hatte anfangs nur 13 Gründungsmitglieder. Seit 2013 gehört es zu den Werken, die vom BMBF unterstützt werden, und richtet sich an begabte und gesellschaftlich engagierte muslimische Studierende und Promovierende deutscher Hochschulen und Universitäten.
BewerberInnen müssen noch mindestens fünf Semester Regelstudienzeit vor sich haben, die Bewerbung für den Masterstudiengang erfolgt mindestens ein Jahr vor dessen Antritt.

Cusanuswerk e.V.
Das Cusanuswerk, gegründet 1956, fördert Studierende aller Fachrichtungen, welche der katholischen Konfession angehören. BewerberInnen sollten das Studium mit »hoher fachlicher Qualifikation, interdisziplinärem Interesse und mit Kreativität betreiben«, Verantwortung in der Gesellschaft und kirchlichen Gemeinde übernehmen, zielorientiert handeln und sich auch außerhalb ihres Faches engagieren.
Herausstechend ist das achtzehnmonatige Karriereförderungsprogramm »Talente sichern – Zukunft gestalten« für Stipendiatinnen. Sie erhalten eine Führungskraft als TutorIn, welche/r sie während des beruflichen Werdegangs als Nachwuchsführungskraft berät und unterstützt.
Neben der Selbstbewerbung können Studierende auch durch Dozierende, MitarbeiterInnen der Hochschulpastoral und ehemalige StipendiatInnen vorgeschlagen werden. Die Selbstbewerbung erfolgt online.

Ernst-Ludwig-Ehrlich-Studienwerk (ELES)
Das ELES ist das Förderungswerk der Jüdischen Gemeinschaft in Deutschland und zählt etwa 600 StipendiatInnen. Gegründet wurde das Werk 2009 und setzt sich für ein pluralistisches, weltoffenes und traditionsbewusstes Judentum ein. Bewerben können sich Studierende und Promovierende aller öffentlichen (Fach-) Hochschulen, Kunsthochschulen sowie Musikhochschulen in Deutschland, einem EU-Mitgliedsstaat und der Schweiz. Die BewerberInnen sollten zum Zeitpunkt ihrer Antragstellung noch mindestens fünf Semester studieren (Regelstudienzeit) und der jüdischen Konfession angehören oder ein Studium im Bereich der Jüdischen Studien absolvieren.
Ein besonderer Höhepunkt der ideellen Förderung ist die Auslandsakademie in Israel.

  • Bewerbungsfrist für das Sommer­semester 2019: 15. Dezember 2018
  • Weitere Informationen unter: www.eles-studienwerk.de

Evangelisches Studienwerk e.V.  Villigst
Das Begabtenförderungswerk der evangelischen Kirchen richtet sich an Studierende, die neben guten Leistungen auch ein Engagement in der Gesellschaft, Kirche, Umwelt und Politik vorweisen können. »Dabei geht das Evangelische Studienwerk davon aus, dass Begabung mit besonderen intellektuellen und kreativen Kompetenzen dazu verpflichtet, diese sozial, zukunftsorientiert und in offenen gemeinschaftlichen Bezügen einzusetzen.«
Die Bewerbung findet online statt, kann aber auch durch den Vorschlag eines Dozierenden des Vertrauens erfolgen. Danach folgt ein Auswahlseminar, wo Gespräche mit den Studierenden geführt werden. Wenn es zur Aufnahme ins Evangelische Studienwerk kommt, wird man bis zum Studienende gefördert.

  • Zum Zeitpunkt der Bewerbung sollten sich die Interessierten im zweiten Fachsemester befinden bzw. das dritte noch nicht beendet haben.
  • Bewerbung: 15.10. bis 1.3. für das kommende Wintersemester/ 15.4. bis 1.9. für das kommende Sommersemester
  • Mehr Informationen unter: www.evstudienwerk.de

Nur Mut

Das alles mag auf den ersten Blick etwas abschreckend wirken – aber dennoch sollte man in die eigenen Fähigkeiten Vertrauen haben und sich für ein Stipendium zu bewerben. So heißt Engagement nicht, dass man morgen die Welt retten muss. Engagement beginnt schon beispielsweise als Schülersprecher, im Tierschutzverein oder als ehrenamtlicher Helfer im Seniorenheim. Natürlich handelt es sich um Leistungsstipendien, aber auch eine verpatzte Klausur gehört dazu, und davon sollte man sich auch nicht entmutigen lassen. Denn gerade durch die finanzielle Unterstützung und die zahlreichen Aktivitäten bereichert die Förderung das Leben um viele Aspekte. Zudem lernt man eine Menge Studierende unterschiedlichster Studienrichtungen aus ganz Deutschland kennen, mit denen man nicht nur spannende Diskussionen führt, sondern auch gemeinsam lustige Abende bei monatlichen Treffen verbringen kann.

  • Natürlich gibt es noch weit mehr Stipendien als die dreizehn hier aufgezählten. Unter www.stipendienlotse.de kann man sich nach weiteren Fördermöglichkeiten erkundigen und sogar Stiftungen nach Neigungen und Hochschul­standort suchen.

Über Lisa Kollien

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Erstellt: 18.10. 2018 | Bearbeitet: 18.10. 2018 13:28