Texte mit Tags ‘Studium’

Apr 2017 hastuUNI Heft Nr. 71 0

Endstation Studium?

Handwerk statt Hörsaal: Ausbildende Betriebe werben um Studierende, die sich an der Uni nicht mehr wohlfühlen. Ein Zimmermann-Azubi und eine Studierendenpfarrerin über die vielen möglichen Wege nach einem Studienabbruch.

Illustration: Katja Elena Karras

Illustration: Katja Elena Karras

Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung aus dem Jahr 2014 kam heraus, dass 33 % der Bachelorstudierenden an Universitäten ihr Studium abbrechen. Auch dem Bundesministerium für Bildung und Forschung sind diese Zahlen bekannt. Im aktuellen Bildungsbericht von 2016 ist zu lesen, dass die »Bundesregierung und andere Akteure« Studienabbrecherinnen und Studien abbrecher für eine duale Ausbildung gewinnen wollen. Dabei hat das Ministerium nicht allein das Wohl der Studierenden im Blick, sondern auch für die Betriebe hat dies Vorteile: Es gäbe wieder mehr Bewerber, Stellen würden besetzt, und die neuen Auszubildenden könnten »in vielen Fällen leistungsstark, motiviert und vorgebildet sein.« Weiterhin ist zu erfahren, dass Studienabbrecher ihre Vorqualifizierung anrechnen können, wodurch die Ausbildung kürzer sein könnte. Außerdem würden sie »mit Blick auf die anstehenden Unternehmensnachfolgen interessante Fach- und Führungsaufgaben« erhalten. Dieses Projekt verfolgt das Ministerium bereits seit 2014. Nächstes Jahr wird es beendet werden. In den vier Jahren sind dann insgesamt 15 Millionen Euro investiert worden. Mehr, mehr, mehr

Okt 2016 hastuUNI Heft Nr. 67 0

Lebe, um zu lernen; lerne, um zu leben

Dieses Motto beschreibt die Einstellung von Achim H. zum Lernen ganz gut. Er hat mit über fünfzig Jahren mit dem Beginn eines Studiums einen neuen Lebensweg eingeschlagen. Bei einem gemütlichen Plausch auf der Wiese beim Löwencampus erzählt er von seiner Geschichte und seinen Ansichten.

Foto: Paula Götze

Foto: Paula Götze

Ein leichter Schritt war es nicht für Achim, die Heimat und den gewohnten Alltag zu verlassen, um ein Studium an der MLU zu beginnen. Gewollt hat er es jedoch unbedingt: »Es war, als wäre ich ein Leben lang mit einem falschen Schuh herumgelaufen.« So hatte er immer das Gefühl, ihm fehle etwas Wichtiges im Leben. Als er im gewöhnlichen Alter eines Studenten war, arbeitete er bereits, um seiner Familie eine gute Bildung und auch das Studieren zu ermöglichen. Er übte 35 Jahre einen technischen Beruf aus, bevor er sich entschied, die »tief eingefahrenen beruflichen Gleise [zu] verlassen« und einen Bachelor in Geschichte und Kunstgeschichte zu machen. Um sich diesen Traum ermöglichen zu können, musste er jedoch erst noch sein Abitur auf einer Abendschule nachmachen. Achim erzählte, das wäre eine »ganz schön haarige Angelegenheit« gewesen. Von den anfänglich siebzehn Leuten hätten es lediglich sieben geschafft. Diesen Weg gewählt zu haben bereut Achim jedoch kein bisschen. Der Wissenszuwachs mache ihm großen Spaß. Er habe sich zwar immer schon für vieles interessiert, aber »vor dem Studium war alles nur wie ein Kratzen an der Oberfläche«. Bei Themen derart in die Tiefe zu gehen, wie man es beim Studieren zwangsläufig tut, sei sehr befriedigend.

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Okt 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 67 0

»Ich bin schon ein Politik-Junkie«

Dr. Michael Kolkmann ist Dozent der Politikwissenschaft. Als Lehrkraft für besondere Aufgaben hält er Vorlesungen und bietet Übungen und Seminare in den Lehrbereichen »Regierungslehre und Policyforschung« und »Systemanalyse und vergleichende Politikwissenschaften« an. Von vielen Studierenden wird er wegen seines erfrischenden Lehrstils geschätzt.

Illustration: Katja Elena Karras

Illustration: Katja Elena Karras

Als Student der Politikwissenschaft kommt man an Kolkmann nicht vorbei. Die meisten Politikstudierenden sehen ihn das erste Mal im Wintersemester zu den Vorlesungen der Regierungslehre und Policy-forschung. Diese beginnen für Studierende zur unangenehmsten Zeit, Freitagvormittag, und werden auch noch auf Video aufgezeichnet. Sind Studierende da noch motiviert zu kommen? »Die Vorlesungen werden, glaube ich, schon ganz gut besucht. Der Raum wird schon seit Jahren für diese Vorlesung um dieselbe Zeit reserviert, und die Videoaufzeichnung soll als Service für die Studierenden dienen, was meinem Gefühl nach auch gut angenommen wird.« entgegnet Kolkmann. Die Teilnehmerzahlen sprechen für ihn.
Kolkmann kommt ohne großes Fachkauderwelsch aus und bringt gerne auch mal ein paar humorvolle Folien in die Vorlesung hinein, wie beispielsweise kurios platzierte Wahlwerbung von Parteien. Ebenso wird es von vielen Studierenden geschätzt, dass sie nicht nur reine Zuhörer sind, sondern jederzeit Fragen stellen können und interaktiv eingebunden werden. Beispielsweise durften sich einmal alle während einer Vorlesung über eine Online-Umfrage in das politische Links-Rechts-Schema einordnen. Mehr, mehr, mehr

Okt 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 66 0

Die Dinge, die wir hassen

Es sind diese Tage, in denen Melancholie ein unaufhaltsamer Begleiter ist. Ein Einblick in den unverhofft deprimierenden Alltag eines Studierenden, der ab und an in schwarzen Farben malt.

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Illustration: Katja Elena Karras

Acht Uhr. Der unausstehliche Ton des Weckers reißt einen aus dem Traum, an den man sich schon nicht mehr erinnert. Doch egal welcher Albtraum einen gefangen hielt, er war immer noch erträglicher als das traurige Abwerfen der warmen Decke. Kurz aufs Handy geschaut und sich dabei ertappt, gar nicht wirklich zu wissen, was man eigentlich erfahren wollte. Irgendwas mit Terrorismus und tobenden Kriegsschauplätzen. Kurz Trübsal geblasen und gedanklich schon wieder bei der Morgenroutine. Die Songs im Radio dutzende Male gehört. Die Milch ist leer – dabei war man doch gestern erst einkaufen und hat viel zu viel Geld für die falschen Dinge ausgegeben. Das heiße Wasser aus der Duschbrause lässt einen kurzen Augenblick der Entspannung erhoffen. Doch man muss sich beeilen. Am Abend zuvor wollte man doch früher ins Bett gehen und eine halbe Stunde eher aufstehen. Am Morgen herrschen andere Prioritäten. Es ist, als würde man einem besseren Ich nachjagen; einem Ideal, welches man nicht erreicht und in vielen kleinen Handlungen hintergeht. Mehr, mehr, mehr

Aug 2016 hastuUNI Heft Nr. 66 0

ATP zum Frühstück

261 Studiengänge an 10 Fakultäten bietet die MLU, eine beinahe unübersichtliche Anzahl. In unserer Rubrik »Studiengeflüster« stellen unsere Autoren kurz und knapp interessante Aspekte ihres eigenen Studiums vor. Teil 9: Eine biochemische Reise durch den Alltag.

Illustration: Katja Elena Karras

Illustration: Katja Elena Karras

Morgens um 6.30 Uhr. Der Wecker klingelt. »Los! Los! Wir müssen die Lider öffnen! Auf drei: Hau ruck! Hau ruck!«, schreien sich Actin und Myosin zu.
Diese beiden Proteine sind Hauptbestandteile unserer Muskeln und sorgen dafür, dass aus einem chemischen Impuls mechanische Bewegung wird. Dabei ziehen sich Myosinfilamente, die wie Golfschläger aussehen, über die Actinstränge, und der Muskel wird gespannt, die Augen werden geöffnet.
Während Max seinen täglichen Aufgaben nachgeht und mal mehr, mal weniger gestresst ist, vollführt sein Körper immer wieder Wunder. Und Max merkt es nicht mal … Es fängt schon beim Aufstehen an: Er quält sich aus dem Bett, schafft es gerade so, sich anzuziehen, und trinkt noch schnell einen Kaffee. Auf dem Weg zum Fahrrad schlingt er noch einen Marmeladentoast herunter. Dann geht«s los zur Uni. Um diese Aktivität zu meistern, muss sein Körper Energie in Form von Adenosintriphosphat (ATP) bereitstellen. Diese Energie wird durch den Abbau von Kohlenhydraten bereitgestellt, die in seinem Frühstück enthalten waren.

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Aug 2016 hastuUNI Heft Nr. 65 0

Studium ohne Leidenschaft

»Studierst du noch – oder arbeitest du schon ?« – Die Tendenzen von Verwertung und Vereinheitlichung greifen um sich. Auch die Universität, deren Idee eigentlich einmal darin bestand, die Autonomie des Geistes zu wahren, ordnet den Geist zunehmend diesen Strukturen unter. Infolgedessen orientiert sich das Studium der Geisteswissenschaften nicht primär am Erkenntnisgewinn, sondern an der Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt.

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Photo: Katja Elena Karras

Was kann an der Universität demotivierender sein als die Teilnahme an einer Statistik-Vorlesung ? Der Besuch bei einem Dozenten oder Professor höchstpersönlich. Wer schon einmal hochmotiviert – das muss sich nicht zwingend von hochverwirrt unterscheiden – mit einem Kopf voller Ideen und dem Ziel der Absprache einer Studienarbeit, zu seinem Dozenten gegangen ist, kennt vermutlich folgende Situation:
Die Studierende sitzt nach mehrstündiger oder mehrtägiger Vorbereitung aufgeregt auf dem Platz vor dem Sprechstundenzimmer. Schnell werden noch einmal die letzten Notizen durchgeschaut, damit das vorbereitete Thema auch möglichst souverän und interessant vorgestellt werden kann. Die Tür öffnet sich, die Studierende betritt den Raum. Die Aufregung steigt: Wie kommt das Thema wohl an ? Wird der Dozent meine Fragen beantworten können ? Kann er mir weiterhelfen ?

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Apr 2015 hastuUNI Nr. 59 0

Drei Mal durch die Hölle gehen

Eine weitere tote Sprache lernen. Das große Latinum hatte ich zum Glück in der Schule erworben, sonst hätte ich mir das für mein Theologiestudium auch noch aneignen müssen. Nun musste ich Althebräisch lernen, was ich für das »Basismodul Altes Testament« brauchte, und für Musikwissenschaften musste ich Musiktheorie 1 endlich bestehen.

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

Mit diesen Gedanken habe ich mich im Wintersemester 2012 von Montag bis Donnerstag jeden Tag von 10 bis 12 Uhr zur Vorlesung Althebräisch begeben. Ich habe natürlich noch andere Module belegt und ein ASQ absolviert. Wer lernt schon ein Semester lang nur eine Sprache? Es muss doch wohl möglich sein, diese Sprache zu erlernen und nebenbei noch weiter zu studieren. Für Althebräisch erhalte ich schließlich keine Leistungspunkte.

Letzten Endes habe ich jeden Tag neben dem Studium stundenlang, nächtelang für diese tote Sprache gelernt, einschließlich der Hausaufgaben und des zu besuchenden Tutoriums. Ich war mir also sicher, dass ich die Prüfung im März 2013 bestehen würde, ich hatte schließlich bis jetzt jede Prüfung bestanden. Falsch gedacht. Von circa 60 teilnehmenden Prüflingen haben nicht mal 10 bestanden. Es blieb aber nicht nur bei dieser einen Prüfung, bei der ich durchfiel. In meinem zweiten Fach scheiterte ich in Musiktheorie 1, obwohl ich doch dachte, dass ich alles könne. Auch hier war ich immer fleißig bei der Vorlesung und im Tutorium, gebracht hat es mir und dem Großteil der Studierenden nichts. Mehr, mehr, mehr

Jan 2015 hastuUNI Nr. 58 0

Kein Student. Studentin …

… so heißt es auf der frisch gedruckten magentafarbenen Infokarte des Studentinnennetzwerks der MLU. Von den Zielen und der Notwendigkeit eines solchen Netzwerks für Frauen und warum das Ganze mit Feminismus nur am Rande zu tun hat.

Grafik: Studentinnennetzwerk

Grafik: Studentinnennetzwerk

Frauenquote, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau, sexuelle Belästigung an der Uni: alles mediale Dauerbrenner der letzten Monate. Diese und weitere Themen sind Bestandteil der lebhaften Unterhaltungen am großen Tisch im vierten Stock des Musikinstituts. Auch wenn augenzwinkernd bemerkt wird, dass die Mitglieder des Studentinnennetzwerks an diesem Freitag knapp zwei Wochen vor Weihnachten in erster Linie zusammengekommen sind, um den Abend in gemütlicher Runde bei Glühwein und Lebkuchen zu begehen. Früher am Tag hat das Netzwerk einen Workshop zum Thema »Gezielt Netzwerken und Karriereplanung« durchgeführt, natürlich werden auch einige Inhalte und Ideen der vergangenen Stunden besprochen. Mehr, mehr, mehr