Texte mit Tags ‘Rezension’

Dez 2017 hastuPAUSE Heft Nr. 75 0

Jenseits von Google – Die dunkle Seite des Internets

Rezension: »Darknet – Waffen, Drogen, Whistleblower« von Stefan Mey

Verlag C.H.Beck, München 2017, 237 Seiten, 15 Euro

Im derzeitigen Internet ist faktisch niemand anonym.

Was ursprünglich der Schritt in ein neues Zeitalter der digitalen Kommunikation war, Personen quer über den Globus kommunizieren ließ und die Gesellschaft ähnlich stark beeinflusste wie die Erfndung des Buchdrucks, ermöglicht heute eine flächendeckende Überwachung, die an düstere Utopien wie »1984« von George Orwell erinnert. Jede Übermittlung von Daten kann aufgrund der IP-Adresse zu ihrem Ursprungsort zurückverfolgt werden. Dass dieses Potenzial der Überwachung nicht nur in der Theorie vorhanden ist, sondern auch praktisch von Regierungen und Geheimdiensten genutzt wird, dürfte jedem seit den Enthüllungen von Edward Snowden bekannt sein. Mehr, mehr, mehr

Nov 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 68 1

Und über allem schwebt die Mir

»Baikonur mon amie«, ein Comic, der auf leichte Art und Weise das erzählt, was in der Vergangenheit liegt und doch in den Köpfen weiterlebt. Eine Rezension.

Grafik: Baikonur mon amie

Grafik: Baikonur mon amie

1989, irgendwo im Norden der Deutschen Demokratischen Republik: Zwischen Plattenbauten und Rinderweiden erleben die drei Freunde Katrin, Hannes und Basti eine recht unbeschwerte Kindheit. Die drei tragen Pionierhalstücher, machen sich aber auch schon mal über Friedrich Engels und matschige Kuba-Apfelsinen lustig. Bastis Familie sieht oft verbotenes Westfernsehen und ist eher unpolitisch; im krassen Gegensatz dazu sind Hannes» Eltern bis ins Mark von der sozialistischen Idee überzeugte, offizielle Stasi-Mitarbeiter.
Katrins Vater ist ein scheuer, aber liebevoller Mensch, der die SED verachtet und Mitglied der heimlichen Opposition ist. Katrin selbst aber hat nur einen Traum, sie will Kosmonautin werden, koste es was es wolle. Mehr, mehr, mehr

Aug 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 65 0

»Lauf doch weg, Bitch.«

Der Jugendliche Steve liebt seine Mutter so sehr, dass er sie fast schon töten möchte. Der Film »Mommy« des frankokanadischen Regisseurs Xavier Dolan fasziniert durch Emotionen, Alltagsbezug und starke Charaktere.

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Photo: Film „Mommy»

Der sechzehnjährige Steve (Antoine-Olivier Pilon) wird aus einem Heim für schwer erziehbare Jugendliche entlassen und lebt fortan mit seiner Mutter (Anne Dorval). Er hat ADHS und eine gewalttätige Vergangenheit hinter sich, womit seine Mutter nun umgehen muss. Als Steve mal wieder Schwierigkeiten macht und seine Medikamente nicht nehmen will, kommt die Nachbarin Kyla (Suzanne Clément) zur Hilfe, und zusammen versuchen sie, den Jungen zu bändigen und ihm ein normales Leben zu ermöglichen.
Der Film zieht den Zuschauer sofort in seinen Bann. Obwohl alle Szenen in alltäglichen Situationen stattfinden – auf der Straße, im Haus, vor dem Einkaufszentrum – lassen die Aufrichtigkeit und Emotionalität eines jeden Moments die zwei Stunden wie im Flug vergehen. Schon das erste Treffen von Mutter und Sohn zeigt einen eindringlichen Blick in die Beziehung der beiden: Er in Trainingsanzug, sie in High Heels und eng anliegenden Jeans. Steve fängt an, von seinem Leben im Heim zu erzählen: »Wenn ich ehrlich bin, konnte ich es mit diesen Idioten nicht länger ertragen.« Die Mutter zündet sich darauf eine Zigarette an. Steve quengelt: »Darf ich auch ? Ich hab dort auch geraucht!« Sie verweigert, denn sie will alles richtig machen. Dann aber gibt sie ihm die Zigarette: »Hier, kannst du zu Ende rauchen. Sind noch ein paar Züge.« Mehr, mehr, mehr

Aug 2016 Allgemein hastuPAUSE Heft Nr. 65 0

Generation Beziehungsunfähig ?

Selbstoptimierung, Perfektionsstreben, Narzissmus – wenn es nach dem Schriftsteller Michael Nast ginge, würden diese Schlagworte das Ideal des gegenwärtigen Deutschen präzise umschreiben.

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Grafik: Buchcover

Folgt man dem Spiegel-Bestseller-Autor in seinem aktuellen Werk »Generation Beziehungsunfähig«, nimmt man eine recht beängstigende Entwicklung wahr. Die Lebensführung eines modernen Durchschnittsdeutschen scheint der von vor 20 Jahren kaum noch zu ähneln. Die damals angestrebten und profanen Ziele des frühen Heiratens und Kinderkriegens werden von immer mehr Menschen immer weiter in die Zukunft verschoben. Stattdessen stehen die individuelle Karriere und die tägliche Modellierung des eigenen Selbstbildes im Vordergrund. Nast erkennt hier ein erschreckendes Ausmaß an Selbstinszenierung. Das klingt zugegebenermaßen reichlich plakativ, doch kann wohl kaum jemand diese Anmaßungen komplett abschmettern.

Aktuell sind allein in Deutschland auf der Internetplattform Facebook 28 Millionen User angemeldet. 21 Millionen besuchen die Seite täglich. Bei Instagram beläuft sich die Nutzerzahl auf 9 Millionen – Tendenz steigend. Mehr, mehr, mehr

Apr 2015 hastuPAUSE Nr. 59 0

Mausefalle

Ein Comic verbindet menschliche Körper mit einem unmenschlichen Antlitz

Fischer Taschenbuch Verlag, 294 Seiten, 14,95 Euro

Fischer Taschenbuch Verlag, 294 Seiten, 14,95 Euro

Der Himmel öffnet seine Schleusen. Regentropfen fallen auf den Drahtzaun, den Boden und die Dächer der Baracken. Auf die Lastwagen, die in einer langen Kolonne durch das schmiedeeiserne Tor fahren. Der Regen durchnässt alles, verwandelt den Boden in schlammigen Morast, trifft sowohl Wärter als auch Gefangene. Auf den Seiten der Lastwagen ist ein Hakenkreuz zu sehen. Auf dem Torbogen steht, gleichsam eine letzte zynische Demütigung, in großen Lettern »ARBEIT MACHT FREI«. Rundherum Gestalten mit Uniformen und Schlagstöcken. Es ist März 1944. Das Tor von Auschwitz schließt sich.

Was sich liest wie der grausame Traum eines Hollywoodregisseurs, ist in Wirklichkeit ein Comic. Einer, der der »Graphic Novel«, der ernsthaften narrativen Bildergeschichte, eine weiterreichende Bedeutung brachte als wohl jeder andere. Die Rede ist von »Maus – Die Geschichte eines Überlebenden« des amerikanischen Comiczeichners Art Spiegelman, Jahrgang 1948. Mehr, mehr, mehr

Jan 2015 hastuPAUSE Nr. 58 0

In den Straßen von Hiroshima

Eine Rezension zu einem erschreckend anderen Comic

Band 1: Carlsen Verlag, 304 Seiten, 12.00 EUR

Band 1: Carlsen Verlag, 304 Seiten, 12.00 EUR

Sie mögen aussehen wie gewöhnliche Zeichnungen, sind es aber nicht. Sie schreien. Ein lautloser Schrei, einer, der einem nichtsdestotrotz durch Mark und Bein geht. Ein kollektiver Ausdruck des Entsetzens und der Qual. Menschen, die Minuten zuvor noch voller Leben und Hoffnung waren – aus ihren Gesichtern spricht nichts mehr davon.

Sie haben keine mehr. Wortwörtlich.

Das ist »Barfuß durch Hiroshima«. Mehr, mehr, mehr

Jan 2015 hastuPAUSE Nr. 58 0

»Verliebt, verlobt … verrückt?«

Warum alles gegen die Ehe spricht und noch mehr dafür

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

In ihrem gleichnamigen Buch gehen Amelie Fried und Peter Probst, die eigentlich nie heiraten wollten, der Frage nach, ob man verheiratet und trotzdem glücklich bleiben kann.

Die Moderatorin und erfolgreiche Autorin, Amelie, verfasste bereits zahlreiche Bestseller und wurde unter anderem mit dem Bambi-Preis (TV-Moderation) und dem Deutschen-Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Ihre Romane »Traumfrau mit Nebenwirkungen«, »Am Anfang war der Seitensprung«, »Der Mann von Nebenan« und »Rosannas Töchter« wurden verfilmt. Die Drehbücher zur Verfilmung schrieb meist ihr Mann, Peter. Der Grimme-Preisträger verfasste außerdem Drehbücher für »Tatort« oder »Polizeiruf 110«. Seit 1990 sind beide Autoren miteinander verheiratet und haben zwei Kinder. Mehr, mehr, mehr

Dez 2014 hastuPAUSE Nr. 57 0

Rammstein trifft Michael Ende

Warum die Inszenierung von »Der Spiegel im Spiegel« im Neuen Theater sowohl modern als auch anregend daherkommt

Foto: Falk Wenzel / Theater, Oper und Orchester GmbH Halle

Foto: Falk Wenzel / Theater, Oper und Orchester GmbH Halle

Am Ende also noch Rammstein. Zum Song »Mutter« tanzen alle Schauspieler entrückt und zugleich rhythmisch, die Szenerie wird abgedunkelt, es raucht und ist laut. Ein Richter verspeist blutverschmiert eine Leiche. Die bleich geschminkten Gesichter der Darsteller wirken jetzt noch einmal besonders unwirklich. Werden nun auch noch die beiden Engel, die bisher nahezu bewegungslos das Bühnenbild rahmten, aktiv? Mehr, mehr, mehr