Texte mit Tags ‘Puppentheater’

Dez 2017 hastuPAUSE Heft Nr. 75 0

Kasperle war gestern

Der Hamlet modernisiert? Mit Puppen? Geht das überhaupt? Natürlich geht es, wie das Puppentheater Halle unter Beweis stellt

von links: Christian Sengewald, Lars Frank, Nils Dreschke, Ines Heinrich-Frank
Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH, Falk Wenzel

Mitten auf der Bühne thront ein dunkler Kubus. Mit schwärzlichem Stoff bespannt gibt dieses Bühnenbild, gefertigt von Angela Baumgart, Einblicke in die Gefängniszelle innerhalb – besser gesagt in das Gemach des Prinzen Hamlet, welches völlig in Schwarz gehalten und spärlich mit futuristischen Möbeln eingerichtet ist. Hier steht eine nackte Pritsche, dort ein Tisch – es wirkt klinisch rein, und so bewegen sich die weißgekleideten Figuren auch wie Fremdkörper im Raum. Man merkt sofort, es wird eine düstere, ja bedrückende Hamlet-Inszenierung, die Regisseur Christoph Werner in dieser Spielzeit am Puppentheater Halle darbietet. Mehr, mehr, mehr

Dez 2013 hastuPAUSE Nr. 51 0

Verzauberte Welt, optimierte Wälder

»Der seltsamste Fall des Doktor E. T. A. Hoffmann« konfrontiert die Zuschauer mit der eigenen Identität

Eigentlich wissen wir es ja: Die Puppen handeln nicht selber, sie werden nur gesteuert.

Foto: Falk Wenzel

In einem leeren, kahlen Arbeitszimmer beginnt es. Zwischen den Büchern und dem wuchtigen Schreibtisch und der eigenen Selbstverliebtheit schwadroniert der Rechtsanwalt Theo H. über das herrliche Anwaltsleben. Plötzlich kommt eine neue Mandantin herein und verwickelt ihn in eine Geschichte zwischen Zauber und Wirklichkeit. Sein neuester ist zugleich sein seltsamster Fall.

Denn seine Mandantin ist eigentlich die Fee Rosalverde, die ihn auf eine Reise in die Zeit der Aufklärung entführt. Dort, in dieser wundersamen Welt, ist Studiosus Balthasar in die hübsche Tochter des Hofes Candida verliebt, doch das ist eigentlich Nebensache. Denn der Staatssekretär Dollinger will unbedingt zum neuen »Generaloptimierer« ernannt werden, um die fürstlichen Wälder zu optimieren. Klingt verrückt? Noch bizarrer wird es, als der Rechtsanwalt Theo H. plötzlich von allen Beteiligten für Herrn Zinnober gehalten und heldenhaft verehrt wird. Kurz darauf verliebt er sich dann noch in Candida. Und schon ist das Chaos vorprogrammiert: Theo H., der absolut rationale Rechtsanwalt, der nie heiraten wollte, plant plötzlich seine Hochzeit.

Zunächst kommt man wegen den Rechtsanwalts-Witzen, den lakonischen Bemerkungen und der grotesken Situation nicht aus dem Lachen heraus. Doch dann wird klar, dass bei diesem Feen-Zauber nur der Schein zählt, denn: »Wahr ist, was alle glauben.« Denn auf einmal wird Theo H. auch noch vom Fürsten zum Intendanten des neuen fürstlichen Theaters ernannt, ohne das überhaupt zu wollen. Er protestiert: »Ich bin doch gar kein Künstler!« – »Das ist doch egal, solange es alle denken.« Mehr, mehr, mehr