Texte mit Tags ‘Philosophie’

Jan 2017 hastuUNI Heft Nr. 70 0

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Redakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. Diesmal steht Christian Thomasius im Mittelpunkt, ein genialer Denker und Querkopf, der nicht nur die deutsche Philosophie entscheidend beeinflusste, sondern auch maßgeblich zur Gründung der hallischen Friedrichs-Universität beitrug.

Foto: Paul Thiemicke

Foto: Paul Thiemicke

Wenn die ersten Studierenden des Tages müde oder verkatert mit einem großen Kaffeebecher in der Hand die Treppen des Löwengebäudes erklimmen, werden sie schon erwartet. Mit halb strengem, halb belustigtem Blick sieht er auf sie hinab, wie sie sich die Stufen heraufschleppen. Kaum jemand beachtet ihn, Aufmerksamkeit bekommt er höchstens von kleinen Touristengruppen und den Reinigungskräften. Doch das scheint ihn nicht besonders zu stören, den Mann, der da in Bronze auf dem Treppenabsatz im Herzen des Löwengebäudes steht, in seiner Universität. Doch wer ist dieser Christian Thomasius, dessen Büste noch vor der Luthers und Melanchthons, vor Schleiermachers und Philippis Abbild diesen Ehrenplatz erhält? Mehr, mehr, mehr

Okt 2016 hastuUNI Heft Nr. 66 0

Im Elfenbeinturm?

Einige bezeichnen sie als weltfremd, andere als »Laberfach«. Von allen Geisteswissenschaften ist die Philosophie wohl die älteste – und komplizierteste. Wieso studiert man so etwas?

5.1

Illustration: Joshua Stepputat

Wenn man sich einen Philosophen vorstellt, kommen einem meist altehrwürdige griechische Gelehrte in den Sinn, die über den Marktplatz von Athen wandeln und mit gerunzelter Stirn in Gespräche vertieft sind; oder aber man denkt an einen Nietzsche, der mit wirrem Bart und unstetem Blick in seinem Zimmer auf und ab geht, in Gedanken versunken, die wohl niemand außer ihm selbst verstehen kann. Allgemein scheint die griechische philosophía, die Liebe zur Weisheit, von der Welt entrückt zu sein, sich mit Problemen beschäftigend, die sonst eigentlich niemanden interessieren. Doch  was steckt  wirklich  hinterdiesen eher wenig schmeichelhaften Auffassungen? Erzählt man jemandem aus seinem Umfeld davon, dass man Philosophie studiert, erntet man ein breites Spektrum von Blicken; von kaum verschleierter Verständnislosigkeit bis hin zu mitleidiger Belustigung ist alles dabei. Besonders Naturwissenschaftler scheinen sich nicht ganz sicher zu sein, ob es sich bei der Philosophie nicht mehr um einen Freizeitvertreib als um eine Wissenschaft handelt.

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Jan 2016 hastuUNI Heft Nr. 63 0

Der Unbequeme

Bei seinen Zeitgenossen umstritten, ist der Philosoph Anton Wilhelm Amo heute weitgehend unbekannt. Dabei zählt seine Lebensgeschichte zu den wohl erstaunlichsten des 18. Jahrhunderts. Besonders die MLU ist eng mit dem Namen von Europas erstem afrikanischem Akademiker verbunden.

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Illustration: Katja Elena Karras

Der Mann, der 1747 an Bord eines Schiffes Richtung Ghana geht, ist kein gewöhnlicher Reisender. Seine Schriften und Äußerungen verursachen bei Gelehrten und Philosophen in ganz Europa manch besorgtes Stirnrunzeln, seine weitere Anwesenheit auf dem fortschrittlichsten aller Kontinente ist unerwünscht. Denn allein schon seine bloße Existenz droht das von Überlegenheitsgefühl und Rassismus dominierte Weltbild der Europäer aus den Angeln zu heben.
Geboren um das Jahr 1703 im ghanaischen Dorf Nkubeam wird der junge Amo von Niederländern versklavt und an den Adeligen Anton Ulrich von Braunschweig und Lüneburg-Wolfenbüttel verschenkt. Unter seinem neuen, eingedeutschten Taufnamen dient »Anton Wilhelm« dem welfischen Herzog und seinem Sohn August Wilhelm als »Kammermohr«, damals eine übliche Dienstbotenposition an den meisten Fürstenhöfen. Dank der modernen Einstellung des Fürsten erhält er Zugang zu humanistischer Bildung und erlernt insgesamt sechs Sprachen, darunter Altgriechisch, Althebräisch und Latein.
Weiterhin von Fürst August Wilhelm gefördert, absolviert er schließlich ab 1727 in Halle ein Jura- und Philosophiestudium, später wechselt er nach Wittenberg, wo er 1734 auch promoviert.

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Feb 2011 hastuINTERESSE Nr. 35 0

Wir alle spielen Theater

Durch die Etablierung der neuen Medien wie Internet und Fernsehen sind Millionen Menschen weltweit miteinander verbunden. Durch die Vernetzung bietet sich uns ein weiter Raum zur Selbstinszenierung.

Foto: Bruno Cordioli (Creative Commons)

Foto: Bruno Cordioli (Creative Commons)

Niemand besitzt eine einheitliche Identität, denn jeder von uns nimmt täglich die verschiedensten Rollen ein. Man ist Student, Freund, Pauschalkraft, um das Studium zu finanzieren, Fan von etwas. Die Rollen wählen wir uns zum Teil selbst, zum Teil werden sie uns zugeschrieben. »In diesen Rollen erkennen wir einander; in diesen Rollen erkennen wir uns selbst«, schrieb der amerikanische Soziologe Erving Goffman 1959 in seinem Werk Wir alle spielen Theater. Nach Goffman wird die Vorstellung von unserer Rolle zu einer Art zweiter Natur und einem wesentlichen Bestandteil unserer Persönlichkeit. Mehr, mehr, mehr

Feb 2011 hastuINTERESSE Nr. 35 0

Die Frage nach dem Ich

Nur wenige würden von sich behaupten zu wissen, wer sie sind. Für den Großteil scheint das Problem der Selbsterkenntnis unlösbar.

Kevin Jones (Creative Commons)

»Erkenne dich selbst«, forderte bereits der Gott Apollon die Menschen zur Vergegenwärtigung der eigenen Person auf. Die Frage nach dem Ich scheint einen festen Platz in der Geschichte der Menschheit einzunehmen. Eine befriedigende und vor allem einheitliche Antwort gibt es allerdings bis heute nicht. Wer bin ich? Der deutsche Soziologe Heinz Abels differenzierte die Frage in »Wie bin ich geworden, was ich bin?«, »Wer will ich sein?«, »Was tue ich?« und »Wie sehen mich die anderen?«. Mehr, mehr, mehr

Nov 2009 hastuINTERESSE 6

Zum Töten brauche ich keine Waffen, nur Wörter

Kann man einen Menschen einfach so mit Worten töten? Wenn es nach Steffen Kitty Herrmann geht, sind Wörter (tödliche) Waffen, besonders gefährlich ist aber das Schweigen.

Kann man einen Menschen einfach so mit Worten töten? Wenn es nach Steffen Kitty Herrmann geht, sind Wörter (tödliche) Waffen, besonders gefährlich ist aber das Schweigen. Im Rahmen der interdisziplinären Ringvorlesung que(e)r einsteigen hat er am 5. November darüber gesprochen, wie Wörter verletzen und in ihrer letzten Folge sogar töten können. Mehr, mehr, mehr