Texte mit Tags ‘pendeln’

Dez 2017 hastuPAUSE Heft Nr. 75 0

Daheeme ist, wo das Sterni auf dich wartet

Andauernd dieses Rumgeningel. Wir Leipziger Pendlerstudenten haben immer etwas, worüber wir lamentieren. Und weil uns die berühmte Frage »Warum ziehst du dann nicht nach Halle?« schon aus den Ohren rauskommt, folgt hier ein kleiner Einblick in unser alltägliches Ringen mit dem Wahnsinn.

Illustration: Katja Elena Karras

Die Augenlider hängen tief, die Mundwinkel auch. Schon wieder nur fünf Stunden geschlafen und dann noch nicht mal was gefrühstückt. Ach, wie schwer doch unser Leben als Leipziger sein kann. Doch es wird uns auch wahrlich nicht leichtgemacht. Sei es der megamäßig miese Bahnverkehr im Winter, die Tatsache, dass unser Wecker um 5.30 Uhr klingelt, wenn wir zur ersten Vorlesung müssen, oder einfach nur, dass wir jeden Tag fast drei Stunden unseres wertvollen Lebens in den öffentlichen Verkehrsmitteln verbringen.

Aber wir sind ja auch verrückt – würde man zumindest vorerst behaupten, wenn man unsereins in den Fluren der Uni über den Weg läuft. Ein eigenartiges Wesen, asylsuchend an der MLU, stets auf dem Sprung und immer die Uhrzeit im Hinterkopf. Mehr, mehr, mehr

Mai 2014 hastuPAUSE Nr. 54 0

Neulich im Zug

Auf der Fahrt in der S-Bahn zwischen Halle und Leipzig lässt sich einiges beobachten. Erlebnisse aus dem Pendleralltag.

Illustration: Eva Feuchter

Illustration: Eva Feuchter

Derselbe Weg wie jeden Morgen: zum Bahnhof, hinunter in den neuen Leipziger City-Tunnel. Etwas verschlafen erreiche ich das Ende der Rolltreppe. Dort schaut mich ein Mann am Fahrkartenautomaten fragend an, neben uns fährt ein Zug ein. Er wirkt sehr unruhig und spricht nur gebrochen Deutsch. Ich sage ihm, dass er ruhig seinem Zug hinterherrennen und auch beim Schaffner ein Ticket lösen kann. Erst dann bemerke ich, dass er schon Geld in den Automaten gesteckt hat. Ich drücke auf Abbrechen und renne ihm mit seinem 20-Euro-Schein hinterher, erreiche ihn noch, bevor er in den Zug steigt. Dankbar nimmt er sein Geld, doch Zeit, mich zu erklären, bleibt mir nicht. Außer Atem bleibe ich am Bahnsteig zurück, warte auf den Zug nach Halle.

Solche kleinen Episoden im Pendleralltag durchbrechen den üblichen Trott. Im Zug oder bereits am Bahnsteig trifft man auf alle möglichen Menschen. Man verbringt zusammen eine Fahrt lang auf beschränktem Raum. Das läuft nicht immer harmonisch ab. Wie neulich, als jemand das Zugpublikum die gesamte Fahrt von Halle nach Leipzig beglückte, indem er die Lieder von seinem MP3-Player voller Freude laut mitsang. Etwas verwundert war er über die Reaktionen seiner Mitreisenden. Mehr, mehr, mehr