Texte mit Tags ‘Neues Theater’

Mai 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 78 0

Distanz auf engem Raum

In dem Film »Kriegerin« stellte Regisseur und Drehbuchautor David Wnendt im Jahr 2011 Rechtsradikale als saufende und »Heil Hitler« brüllende Prolls dar, die nichts mit der bürgerlichen Mitte zu tun haben. Nun hat Intendant Matthias Brenner den Stoff für das Thalia-Theater in Halle inszeniert – mit einigen neuen Ideen.

Foto: Anna Kolata/ Theater, Oper und Orchester GmbH Halle

»Demokratie ist das Beste, was wir je auf deutschem Boden hatten. In einer Demokratie kann jeder mitbestimmen. Du, ich, Alkoholiker, Junkies, Kinderschänder, Neger, Leute, die zu blöd sind, ihren Hauptschulabschluss zu schaffen, Leute, denen ihr Land einfach scheißegal ist, denen egal ist, ob hier alles den Bach runtergeht. Aber mir ist es nicht egal. Ich liebe mein Land.« Mehr, mehr, mehr

Dez 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 69 0

Wut in Heterotopia!

Warum ermorden zwei junge Männer elf Redaktionsmitglieder eines französischen Satiremagazins? Was treibt einen anderen dazu, in einem Supermarkt Kunden zu erschießen? Woher kommt diese Wut? Und überhaupt – solche Ereignisse sind grausam genug, muss man die jetzt auch noch inszenieren?

Foto: Falk Wenzel/ Bühnen Halle

Foto: Falk Wenzel/ Bühnen Halle

Die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek befasste sich intensiv mit den Terroranschlägen, die Paris im Januar 2015 erschütterten. Dabei produzierte sie eine gewaltige Textfläche. Im Rahmen einer Coproduktion bespielt das Ensemble des Neuen Theater die Räumlichkeiten der Oper Halle. Die Zusammenarbeit der besonderen Art bemerkt man bereits bei der Suche nach seinem Sitzplatz. Dieser befindet sich nicht, wie üblicherweise, im Zuschauerrang, sondern im Zentrum der Opernbühne.
Von Beginn an rasen die Spieler über die ersten Seiten ihres Manuskripts hinweg. Hauptsache laut, schnell und enervierend. Ein Publikum, das sich nach ruhigen Tönen sehnt, wird enttäuscht. Wer etwas vom Text verstehen will, kann ihn ohnehin online nachlesen. Aber man muss eben erst mal Energie erzeugen und die Zuschauer mitreißen. Denn packst du die Leute nicht mit deinem ersten Satz, packst du sie nie. Mehr, mehr, mehr

Dez 2014 hastuPAUSE Nr. 57 0

Rammstein trifft Michael Ende

Warum die Inszenierung von »Der Spiegel im Spiegel« im Neuen Theater sowohl modern als auch anregend daherkommt

Foto: Falk Wenzel / Theater, Oper und Orchester GmbH Halle

Foto: Falk Wenzel / Theater, Oper und Orchester GmbH Halle

Am Ende also noch Rammstein. Zum Song »Mutter« tanzen alle Schauspieler entrückt und zugleich rhythmisch, die Szenerie wird abgedunkelt, es raucht und ist laut. Ein Richter verspeist blutverschmiert eine Leiche. Die bleich geschminkten Gesichter der Darsteller wirken jetzt noch einmal besonders unwirklich. Werden nun auch noch die beiden Engel, die bisher nahezu bewegungslos das Bühnenbild rahmten, aktiv? Mehr, mehr, mehr

Feb 2014 hastuPAUSE Nr. 52 0

Zwischen Liebe und Verblendung

Molières »Tartuffe« ist so modern wie nie

Foto: Falk Wenzel

Foto: Falk Wenzel

Die Tochter in pinken Glitzer-Shorts, die sich in den Lebemann Valère verliebt. Der Schwager, der im ganzen Haus ungefragt raucht. Eine Dienerin, die so dreist ihre Meinung preisgibt, dass man meint, sie stünde unter Kündigungsschutz. Der Sohn, der zwar viel Liebe in seinem Herzen trägt, dafür umso weniger Verstand in seinem Kopf, und eine Ehefrau, die am helllichten Tag im Negligé herumläuft: Willkommen in der Welt von Orgon. Das Familienoberhaupt hat es nicht leicht sich durchzusetzen. Mehr, mehr, mehr

Feb 2014 hastuPAUSE Nr. 53 0

Verzweifelte Schicksale und ein Kind

Im Neuen Theater läuft zurzeit „Die Ratten“ von Gerhart Hauptmann. In dieser Tragikomödie sind zwei Handlungsstränge vereint, im ersten die Tragödie um die Arbeiterin Frau John und im zweiten die Komödie um Theaterdirektor Hassenreuther.

Im Neuen Theater läuft zurzeit »Die Ratten« von Gerhart Hauptmann. In dieser Tragikomödie sind zwei Handlungsstränge vereint, im ersten die Tragödie um die Arbeiterin Frau John und im zweiten die Komödie um Theaterdirektor Hassenreuther. Diese Doppelrezension betrachtet jeweils einen Handlungsstrang der neuen Inszenierung.

Fotos: Pressebilder Neues Theater

Fotos: Neues Theater

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Dez 2011 hastuPAUSE Nr. 39 0

Kulturbegabtes Halle

Matthias Brenner ist seit August Intendant des Neuen Theaters und wünscht sich von den Hallensern mehr kulturelles Bewusstsein.

Sie sind seit August in Halle, wie gefällt es Ihnen hier?

Ich bin im Grunde genommen schon seit Januar dieses Jahres hier, zur Vorbereitung. Ich habe in der alten Spielzeit schon zwei Inszenierungen gemacht: »Zscherben – Ein Dorf nimmt ab!« und die »Oper Dracula«. Insofern habe ich mich schon ganz gut eingelebt. Dennoch kenne ich Halle noch nicht sehr gut. Auch wenn die Stadt nicht sehr groß ist, dauert es eine Weile, sie zu erschließen, darauf freue ich mich. Die Stadt ist für mich eine sehr große Entdeckung.

Was hat Sie dazu bewegt, am Neuen Theater zu arbeiten?

Das war nicht vorhersehbar. Ich hatte die Information, dass in Halle diese Position frei wird, und mich zwar darauf beworben, aber ohne mir besondere Gedanken darüber zu machen. Ich habe dann die Gelegenheit genutzt, um das Ensemble kennenzulernen und mich vorzustellen. Das waren sehr spannende Stunden, und daraufhin konnte ich mir vorstellen hier zu arbeiten. Aber auch das Gebäude, dieser eigentümlich tolle Theaterbau hat mich überzeugt. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal.

Was haben Sie sich für Ihren neuen Job vorgenommen?

Neue Akzente zu setzen natürlich – das ist ein Naturvorgang. Es gibt ein Problem in Halle. Es ist eine kulturell unglaublich reiche Stadt. Leute, die von außen kommen, merken das sofort, nur die Hallenser nicht, sie meckern und nörgeln über ihre Stadt. Mehr, mehr, mehr