Texte mit Tags ‘Kultur’

Mai 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 78 0

Distanz auf engem Raum

In dem Film »Kriegerin« stellte Regisseur und Drehbuchautor David Wnendt im Jahr 2011 Rechtsradikale als saufende und »Heil Hitler« brüllende Prolls dar, die nichts mit der bürgerlichen Mitte zu tun haben. Nun hat Intendant Matthias Brenner den Stoff für das Thalia-Theater in Halle inszeniert – mit einigen neuen Ideen.

Foto: Anna Kolata/ Theater, Oper und Orchester GmbH Halle

»Demokratie ist das Beste, was wir je auf deutschem Boden hatten. In einer Demokratie kann jeder mitbestimmen. Du, ich, Alkoholiker, Junkies, Kinderschänder, Neger, Leute, die zu blöd sind, ihren Hauptschulabschluss zu schaffen, Leute, denen ihr Land einfach scheißegal ist, denen egal ist, ob hier alles den Bach runtergeht. Aber mir ist es nicht egal. Ich liebe mein Land.« Mehr, mehr, mehr

Mai 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 78 0

Ballett – nein, danke?

Seit Jahren altert das Publikum in diversen Kulturbereichen – in Museen, Theater- und Opernhäusern bleiben immer häufiger die jungen Zuschauer aus. Mit dieser Problematik kämpft auch das von Ralf Rossa geleitete Ballett-Ensemble in Halle. Auf der Suche nach den Ursachen hat die hastuzeit mit dem stellvertretenden Ballettdirektor Michal Sedláček und dem vermissten Publikum gesprochen: mit Euch!

Foto: Anna Kolata/ Theater, Oper und Orchester GmbH Halle

Es ist Samstagabend. Die heutige Vorstellung von »Groovin« Bodies« ist nahezu ausverkauft, und das Haus voll. Im Foyer wird vereinzelt noch das Programmheft studiert, an der Garderobenabgabe gewartet oder ein letzter Drink genommen. Doch anstelle der erwarteten Ansammlung von älteren Herrschaften wimmelt es nur so von Turnschuhen, Stoffbeuteln und Club-Mate. Natürlich entdeckt man hier und da zurecht gemachte ältere Damen, Ehepaare und Familien mit Kindern, doch die Mehrzahl der Besucher sind junge Paare und vor allem kleinere und größere Freundesgruppen, die sich auf die bald beginnende Inszenierung einstimmen. Mehr, mehr, mehr

Jun 2014 hastuPAUSE 0

„Zur Schönen Aussicht» im Theater Mandroschke

Am 6.6. fand die Premiere der studentischen Theatergruppe AbundZUspiel mit ihrem neuen Stück im Theater Mandroschke statt. Warum man sowohl von diesem Stück und ABundZUspiel als auch vom Theater Mandroschke gehört haben kann, wurde Janik Straub, derzeitiger Regisseur, gefragt.

Janik Straub ist Regisseur des Theaterstücks „Zur Schönen Aussicht».

Wie bist du zur Theatergruppe ABundZUspiel gestoßen?

Ich bin durch meinen Mitbewohner Ende 2012 dazugekommen. Er war bereits Mitglied bei ABundZUspiel und kam wohl auch über jemand Drittes dazu. Meistens läuft es so, dass wenn eine neue Produktion aufgelegt wird, man schaut ob neue Schauspieler gebraucht werden oder man fragt rum, ob jemand wen kennt, der darauf Lust hat. Und dann kommen ein paar Leute zusammen, die Interesse haben.

Wie ist das Spielen beim ABundZUspiel – zuerst warst du selbst Schauspieler und nun wechselst du zur Regie. Wird dem, der nach der Leitung fragt, die Chance gegeben?

Ja, das ist ganz wichtig. Das ist ja auch das was Studenten- oder Laientheater vom professionellem Schauspiel unterscheidet. Jeder der Lust hat und es sich zutraut kann Regie machen, aber nur so dass der Regisseur nicht der Alleinbestimmer ist. Du kannst ihnen z. B. nicht wie beim professionellen Theater sagen, was sie zu tun haben. Meistens hast du als Regisseur auch nicht den Plan, das heißt, du entwickelst die Szenen mit den Schauspielern und hast weniger eine konkrete Vorstellung, worauf es hinauslaufen soll. Oder zumindest war das bei mir so. Eine Hierarchie in dem Sinne ist da eher wenig ausgeprägt. Mehr, mehr, mehr

Apr 2014 hastuPAUSE Nr. 53 0

»Dezentrale, unorganisierte Rapcrew«

Eine hallesche Hiphop-Crew, die sich gerne montagabends zum Rappen trifft.

Der Probenraum für Graffiti und zum Proben.

Der Probenraum für Graffiti und zum Proben.

An diesem Freitagabend (21. März) ist die Spontanität der Montagsmaler gefragt, da bei ihrem Auftritt auf der 7. Jubiläumsfeier des Postkult-Vereins zunächst die Technik noch nicht aufgebaut ist. Kein Problem für die Jungs – sie überbrücken die Wartezeit auf der Bühne einfach mit einer zwanzigminütigen Freestyle-Einlage, bis der »Beatmacher« und seine Technik schließlich bereit sind, die einstudierten Tracks musikalisch zu begleiten. Die Jungs der Hip-Hop-Gruppe aus der Landsberger Straße 16 bezeichnen sich selbst als »dezentrale, unorganisierte Rapcrew« und meinen damit ihre spontane, oft chaotische Art zu musizieren. Doch nicht nur Rappen, Freestylen und Beatboxen gehören zum Programm der Montagsmaler. Mehr, mehr, mehr

Dez 2013 hastuPAUSE 0

Vor dem Abriss

Das denkmalgeschützte »Künstlerhaus 188« soll dem Stadtbahn-Ausbau des Böllberger Wegs weichen.

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Schon ab 1731/32 stand an dieser Stelle ein Schulgebäude. August Hermann Francke nutzte die »Weingärtenschule« eine Zeitlang zum Unterrichten der Kinder und Jugendlichen seiner Stiftungen, 1785 wurde sie von der damals noch eigenständigen Amtsstadt Glaucha als Bürgerschule weitergeführt, aber bald darauf abgerissen.

1817 wurde Glaucha als Stadtteil in Halle eingegliedert. Ab 1870 stellte Halle fest, dass wieder neue Schulen gebraucht wurden, und errichtete auf demselben Fleck wieder eine »Weingärtenschule«. Seit 1893 gingen dort Schüler ein und aus, Jungs und Mädchen damals noch durch getrennte Eingänge und in getrennten Klassenzimmern. Die Turnhalle dahinter existiert heute immer noch. Später wurde die Volksschule zur Grundschule, dann zur polytechnischen Oberschule und 1986 zum Kino. Die Straßeneingänge wurden zu Fenstern umfunktioniert und an die Turnhalle ein Mehrzweckraum mit Kinoeinrichtung angebaut. Heute wird das Gebäude auch als »Club 188« bezeichnet.

1994 sollte das Haus wieder abgerissen werden. Passiert ist jedoch nichts. Im Gegenteil, die Künstler durften bleiben und haben die Räume ausgebessert, aber auch in Ateliers zum Mieten umfunktioniert, eine Keramikwerkstatt und die Druckwerkstatt geschaffen. Seit letztem Jahr aber gab es Gespräche zwischen der Stadtverwaltung und den Künstlern, ob sie sich nicht vorstellen könnten, dort auszuziehen. Zur selben Zeit stellte die Stadtverwaltung den Antrag an den Stadtrat, die oberen Etagen des Stadtmuseums auszubauen, unter der Bedingung, dass dort nur Ausstellungsstücke Platz finden. Der Stadtrat stimmte zu. Vom Plan, den Club 188 abzureißen, wussten damals weder die Künstler noch der Stadtrat. Mehr, mehr, mehr

Dez 2013 hastuPAUSE Nr. 51 0

»Sehr vielfältige Gegenwart«

Vom 30. September bis zum 10. Oktober 2013 fanden die ersten »Hallenser Jüdischen Kulturtage« statt. Eine Fortsetzung ist bereits geplant.

Illustration: Han Le

Illustration: Han Le

Anlass der Kulturtage war der 60. Jahrestag der Einweihung der hallischen Synagoge in der Humboldtstraße und der Einzug der neuen Tora-Rolle, die erste seit vor dem Zweiten Weltkrieg. Den Besuchern der Woche wurde ein buntes und sehr vielfältiges Programm aus Konzerten, Vorträgen, Rundgängen, einem Workshop und einem Tanzabend mit Künstlern aus den USA, Israel, Deutschland und der Ukraine an verschiedenen Veranstaltungsorten in Halle geboten.

Bereits im April dieses Jahres hatte der Musiker und Kulturmanager Andreas Schmidtges die Idee, beide Ereignisse mit einem umfangreichen Begleitprogramm zu würdigen. Im Juni legten sich dann der Freundeskreis Leopold-Zunz-Zentrum e. V., die Jüdische Gemeinde zu Halle und das Seminar für Judaistik / Jüdische Studien der MLU fest, den Schritt »zu wagen« und die Kulturtage zu organisieren. Von Juni bis zum Beginn der jüdischen Kulturtage war die komplette Verwaltung, Finanzierung und Konzipierung abgeschlossen, verriet uns Dr. Anton Hieke, Mitorganisator und Redner. »Für eine Veranstaltung dieser Größe war es blitzschnell«. Seine persönliche Motivation war »die Aufgabe, eine neue Tradition zu schaffen« und »den Hallensern zu zeigen, dass sie eine jüdische Gemeinde, eine sehr vielfältige jüdische Geschichte, aber auch eine sehr vielfältige jüdische Gegenwart haben«. Mehr, mehr, mehr

Okt 2013 hastuUNI Nr. 50 0

Widersprüchliches aus Magdeburg

In Sachsen-Anhalt soll gespart werden. Eine Aufklärung.

Federführend verantwortlich für die Kürzungspläne des Landes Sachsen-Anhalt: Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) … (Foto: Christian Schoen)

Federführend verantwortlich für die Kürzungspläne des Landes Sachsen-Anhalt: Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) …
(Foto: Christian Schoen)

Wenn die Süddeutsche Zeitung unter dem durchaus genialen Titel »Spar excellence« aus Halle berichtet sowie ein großformatiges Bild vom Uniplatz abdruckt, dann weiß man: Die Spardebatte in Sachsen-Anhalt und speziell die Problematik in Halle wird auch überregional wahrgenommen (Süddeutsche Zeitung vom 18. Juli 2013, S. 6).

Zahlreich und an vielen Stellen ist über das Thema geschrieben worden, und dennoch sammelt dieser Artikel noch mal die Fakten. Gerade für die neuen Studenten an der Martin-Luther-Universität ist das alles vielleicht doch gar nicht so klar. Des Weiteren werden wir mit ziemlicher Sicherheit nach der Wahl wieder mit dem Thema in Berührung kommen.

Ausgangspunkt der ganzen Problematik ist die Schuldenbremse, die zukünftig den Ländern verbietet, Schulden zu machen. Vor dem Hintergrund, dass zudem verschiedene Bundes- und Aufbauhilfen in näherer Zukunft auslaufen, stellt sich die Frage, wie man Sachsen-Anhalt weiter finanzieren möchte. Die Landesregierung aus CDU und SPD hat entschieden, an vielen Stellen zu kürzen und so viele Etats – teils drastisch – zu verkleinern. Das betrifft in Halle vor allem die Uni und die Kulturschaffenden. Beispielsweise sollen 2,85 Millionen Euro an den städtischen Bühnen wegfallen. Die außergewöhnliche kulturelle Vielfalt mit Oper, Theater, Puppentheater und Orchester ist so nicht zu halten. Kulturelle Strahlkraft der Stadt geht verloren. Mehr, mehr, mehr

Jul 2013 hastuPAUSE Nr. 49 0

Von analog zu digital

Der Umbruch in der Kinoszene erreicht auch die hallischen Programmkinos

Im November 2012 war es soweit: Server und Projektor für die neue digitale Vorführtechnik des Puschkinos waren eingebaut. Seitdem ist es möglich, die neuen digitalen Formate abzuspielen, die gegenüber der analogen 35-mm-Kopie zahlreiche technische Verbesserungen bringen. So gehören nun Laufstreifen und Kratzer in der Tonspur der Vergangenheit an, und auch die »Haltbarkeit« der Filme verlängert sich, sprich, auch nach dem hundertsten Abspielen treten keine Altersschäden auf. Torsten Raab vom Puschkino meint sogar, dass das Bild teilweise schon etwas »zu künstlich« aussieht: »Vielleicht werden besonders sinnlich veranlagte Zuschauer das, wie die Kratzer auf einer Schallplatte, irgendwann vermissen.«

Der Umbruch scheint gerade jetzt notwendiger denn je zu sein: alle neuen Filme der letzten Jahre kommen in der Regel gleich im Digitalformat, weshalb die zeitnahe Lieferung für kleine oder auch Ein-Saal-Kinos bisher einen zeitlichen Nachteil darstellte. Durch ein von Bund und Land getragenes Förderprogramm zur finanziellen Unterstützung der Kinos ist es nun aber auch ihnen möglich, digital aufzurüsten und sich damit wettbewerbsfähig zu machen. Mehr, mehr, mehr