Texte mit Tags ‘Kolumne’

Mai 2017 hastuPAUSE Online 0

Der gehobene Zeigefinger

Bunt und quirlig wie ein gut gepflegter Gemischtwarenladen legt sich diese Kolumne ihrem erprobten Leserauge zu Füßen. Frei von den zwängenden Fesseln einer thematischen Beständigkeit, eines übergeordneten Gesamtkonzepts, wird hier nüchtern allerhand Gedachtes geteilt. Thema heute: Klimaschutz.

United Nations Development Programme, Mr. Rohan Chakravarty (CC BY-NC-ND 2.0) https://www.flickr.com/photos/unitednationsdevelopmentprogramme/7090419453/

United Nations Development Programme, Mr. Rohan Chakravarty (CC BY-NC-ND 2.0) https://www.flickr.com/photos/unitednationsdevelopmentprogramme/7090419453/

Vor einigen Tagen, liebe Leserinnen und Leser, da stieg mir Zornesröte ins Gesicht. Genau vor mir lief eine Frau mit brauner Papiertüte an der Hand über die Straße. »Der Natur zuliebe«, stand da drauf. Der Natur zuliebe. Das ich nicht lache!
Niemand tut freiwillig irgendwem irgendwas zuliebe. – Ich übertreibe: So ist der Mensch. Erst recht tut keiner nix für die Natur oder »zukünftige Generationen«. Diese blumige Zwei-Wort Phrase ist schon der nächste Grund laut loszulachen. »zukünftige Generationen«, Ha! An der Kasse gab’s keine Plastetüten mehr. So sieht’s doch aus. Diese Frau wurde zum Rechten gezwungen. Mehr, mehr, mehr

Apr 2017 hastuPAUSE Heft Nr. 71 0

Das Wort zum Wort

Eine vielleicht etwas ambivalente Kolumne über Kommunikation und den Eindruck, dass Gesagtes und Gemeintes nicht immer dasselbe sind. Sie beobachtet und kommentiert. Und vielleicht will sie auch manchmal irgendwie eingreifen. Diesmal geht es um ein kleines Wort mit großer Bedeutung.

Foto(collage): Katja Elena Karras

Foto(collage): Katja Elena Karras

»Always« hallt es noch lange in meinen Ohren nach, auch als das Lied im Radio längst verstummt ist, und dieses eine Wort bleibt in meinem Kopf hängen. 1994 haben Bon Jovi das Lied veröffentlicht, und das Wort »always« klingt in meinen Ohren so viel schöner und kraftvoller als das heute inflationär gebrauchte »forever«. Mehr, mehr, mehr

Jan 2017 hastuPAUSE Nr. 70 0

Das Wort zum Wort

Eine vielleicht etwas ambivalente Kolumne über Kommunikation und den Eindruck, dass Menschen immer weniger miteinander reden. Sie beobachtet und kommentiert. Und vielleicht will sie auch manchmal irgendwie eingreifen. Dieses Mal geht es um die Wichtigkeit von Namen.

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Foto: Caroline Bünning

»Would you know my name, if I saw you in heaven?«, fragt aus dem Radio Eric Clapton. Das Lied »Tears in Heaven« schrieb er 1991 für seinen mit nur vier Jahren verstorbenen Sohn Conor. Und während Clapton fragt, ob Conor seinen Namen wüsste, frage ich mich, warum gerade der Name so wichtig wäre. Warum nicht »Would you know who I am?« oder »Do you remember our visit to the circus?« Warum wäre es wichtiger, ob Conor Eric Clapton, den Sänger, erkennen würde als seinen Papa, mit dem er am Abend, bevor er aus dem Fenster im 53. Stock fiel und starb, im Zirkus war? Mehr, mehr, mehr

Dez 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 69 0

Das Wort zum Wort

Eine vielleicht etwas ambivalente Kolumne über Kommunikation und den Eindruck, dass Menschen immer weniger miteinander reden. Sie beobachtet und kommentiert. Und vielleicht will sie auch manchmal irgendwie eingreifen.

Foto: Katja Elena Karras

Foto: Katja Elena Karras

»It’s so funny how we don’t talk anymore« – Erst kürzlich überraschte mich diese Perle der Musikgeschichte aus dem Radio. Bekanntermaßen ein Liebeslied, in dem das lyrische Ich (beziehungsweise Sänger Cliff Richard) einer Verflossenen oder gerade Verfließenden nachweint und -singt. 1979 veröffentlicht. Meine Hörweise schlappe 37 Jahre später war zugegebenermaßen eine andere. Und am liebsten hätte ich dagegen angeschrien, dass ich es überhaupt nicht lustig finde, dass wir, rein subjektiv, immer weniger miteinander reden. Nicht bloß im Kontext der Liebe. Sondern generell. Wissenschaftlich belegen oder begründen will ich das an dieser Stelle nicht. Nur mich darüber aufregen. Wir, im Jahr 2016, haben mehr Möglichkeiten, miteinander zu kommunizieren, als irgendeine Generation vor uns. Wir können einander schreiben, ob das nun über die Vorlesungstische geschobene Zettelchen, verschickte Briefe, Postkarten oder elektronische, telekommunikative Nachrichten sind. Was wir dabei schreiben, muss noch nicht einmal zwingend Buchstaben enthalten, nein, im 21. Jahrhundert kann man durchaus komplette Nachrichten in Form von Emojis gestalten. Wir können uns Sprach- und Video-Nachrichten schicken. Ganz simpel, reden, aufnehmen und verschicken. Fertig. Oder telefonieren. Oder wir sprechen einfach miteinander. Mehr, mehr, mehr

Aug 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 66 0

Der Hallische Zufall

Der »Hallische Zufall« ist die Kolumne der hastuzeit. Darin schildert Tobias regelmäßig Momente und Begebenheiten der hallischen Ab- und Besonderlichkeiten. Im Sommer gibt es nichts, was es mit der Saale aufnehmen könnte, findet zumindest der Hallische Zufall.

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

Wenig, da ist sich der Hallische Zufall sicher, kann so schnell eine magische, beruhigende und positive Stimmung erzeugen, wie eine sommerliche, langsam vor sich hin fließende, nicht zu schma­le, aber auch nicht zu breite – man muss das Ufer noch deutlich sehen können – Flussbiegung mit braunblauem Wasser. Spiegeln müssen sich darin Felsen und belaubte, grüne Bäume. Die Saaleschleife, nicht weit der Peißnitz flussabwärts, ist so ein Fleckchen Erde, an dem die Welt am besten in Adjektiven beschrieben wird. Die Kinder, die hier toben, würden wohl noch Wie-Wörter dazu sagen, während die Eltern erkannt haben, dass es eben Momente im Leben gibt, wo Thüringer Roster und Pils sich perfekt in die Szenerie einfügen und einfach genossen werden sollen. Es ist ein großes Glück, findet der Hallische Zufall, dass auch die Besitzer der Kioske am Rive-Ufer dies bemerkt haben. Nebenan kann sogar geklettert werden, traditionelle Spaziergänger und Jogger treffen hier auf neue Trendsportler. All das direkt am Fluss, an der Saale. Mehr, mehr, mehr

Jan 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 63 0

Der Hallische Zufall

Der »Hallische Zufall« ist die Kolumne der hastuzeit. Darin schildert Tobias regelmäßig Momente und Begebenheiten der hallischen Ab- und Besonderlichkeiten. Diesmal geht’s um die Gusche.

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

»Wollmer uns losmachen?«
als Frage for­muliert oder das knappe und vor allem sehr bestimmte »Ich mach mich los!« hört man in Halle häufig und quer durch alle Alters- und Sozialstufen. »Losmachen«, das ist ein schönes Beispiel für die Saalestädter Mundart. Sind »Hallunken« und »Halloren« mehr durch Schokolade und Marketing im Sprachgebrauch verankert, so steht »losmachen« für mehr. Einfach und kurz gehalten, ohne viel drum herum beschreibt es, was nun passieren wird. Dennoch bleibt die Formulierung etwas umständlich, droht gar ins Stumpfe abzudriften und integriert plump das schwache Verb »machen« in den Satz. Hallenserinnen und Hallenser könnten auch den einfachen Weg wählen und »gehen« oder gar das viel stärkere Verb »verschwinden« verwenden. Doch Saalestädter ziehen die sanfte, etwas unpraktisch erscheinende Variante über den Umweg des »Machen« vor. Es mag Leute geben, für die diese Formulierung gar leicht proletarisch wirkt, doch im Grunde ist es Ausdruck des herzlich-bestimmten Einschlags, den das Hallische und wohl auch jeder Hallenser in sich trägt. Niemand würde die Hallenser wohl als besonders freundlich charakterisieren. Eher als derb und direkt, ohne dabei jedoch das Herzliche zu vergessen. Und so werden nicht viele Umstände gemacht und auch nicht über Gebühr Wert auf schönen Klang oder aufreizende Grammatik gelegt. Entsprechend klingt denn auch die Mundart.

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Okt 2015 hastuPAUSE Heft Nr. 62 Rubrik 0

Der Hallische Zufall

Der »Hallische Zufall« ist die Kolumne der hastuzeit. Darin schildert Tobias regelmäßig Momente und Begebenheiten der hallischen Ab- und Besonderlichkeiten. Diesmal geht es um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse – oder einfach um die HAVAG.

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

Es gibt diese Momente, in denen der Hallische Zufall die gelegentlich durchbrechenden Hassgefühle der Saalestädter auf ihren Nahverkehr sehr gut nachvollziehen kann. An sich mag der Hallische Zufall Tramfahren. Bleibt das Smartphone in der Tasche, kann man Gespräche belauschen, Leute beobachten oder einfach mal durchschnaufen. Wobei es da ja schon anfängt mit der zweifelhaften Beziehung: Die Sommerhitze im Innenraum lässt sich eigentlich nur mit dem weit schlimmeren Gedanken an die schrecklich trockene, grippeviren-geschwängerte Heizungsluft im Winter ertragen.

Aber das sind Kleinigkeiten im Vergleich zu den Hassgefühlen, die aufkommen, wenn an der Endhaltestelle Kröllwitz zwischen der Linie 4 und 7 gewechselt werden muss. Dem Fahrplan sei Dank fährt die 7 dort nämlich eine halbe Drehung. Dies ist insofern von Bedeutung, als dass während dieser Drehung die Linie 4 abfahrbereit in den Blick des Fahrgastes kommt. Auf der Abfahrtsanzeige leuchtet das ebenso drohende wie gefürchtete »Sofort«. Entgegen besseren Wissens keimt ein Gedanke auf: Vielleicht wartet sie ja diesmal. Doch kurz bevor die 7 gänzlich zum Stehen kommt, wird die naive Hoffnung zerschlagen. Die 4 setzt sich in Bewegung. Der Hallenser wartet nun 15 Minuten auf die nächste Bahn. Schon immer hat sich der Hallische Zufall gefragt, ob Tram-Fahrer in solchen Momenten Schadenfreude, Gleichgültigkeit oder Mitgefühl empfinden. Fragt man die Händelstädter solcherart Fragen, erklingen mehrheitlich Klagen über diese Fahrer aus der Hölle ohne Empathie und Freundlichkeit. Doch der Hallische Zufall kennt auch die Anderen, die Aufrechten, fast Engelhaften: Besonders gut zu beobachten sind diese an solchen Straßenecken, wo gleich hinter der Haltestelle eine Ampel auf Rot zeigt. Die Tram muss dann direkt wieder halten, und wenn dann noch ein hoffnungslos verspäteter Studierender angerannt kommt, passiert zuweilen das Unglaubliche: Der Fahrer öffnet, ohne dazu verpflichtet zu sein, die Türen erneut, und der Gehetzte darf mitfahren. Es gibt sie also, die freundlichen Fahrer. Mehr, mehr, mehr

Apr 2015 hastuPAUSE Nr. 59 0

Der Hallische Zufall

»Der Hallische Zufall« ist die neue Kolumne der hastuzeit. Darin schildert unser Redakteur Tobias regelmäßig Momente und Begebenheiten der hallischen Ab- und Besonderlichkeiten. Im ersten Teil lernen wir den Hallischen Zufall kennen.

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

Der Hallische Zufall ist ein Lokalpatriot. Nur in der Saalestadt fühlt er sich wohl. Es mag noch hier und da den ein oder anderen Verwandten geben, aber für die interessiert sich der Hallische Zufall nicht sonderlich. Er ist ganz heimisch in der Stadt des Salzes und der Halloren mit ihren Bars und Kneipen, mit ihren Hörsälen und Clubs und ihren Trams und Radwegen. Von Zeit zu Zeit besucht er Partys, Poetry Slams und auch mal Softskill-Veranstaltungen. Besonders aber liebt er Kreuzungen und Ampeln. Er liebt es auf dem Fahrrad vorbei zufliegen und nur kurz zu winken. Solche Momente sind es, in denen er uns am häufigsten begegnet. Unerwartet, überraschend und oft genug zu kurz und viel zu unvorbereitet. Mehr, mehr, mehr