Texte mit Tags ‘hallische Persönlichkeiten’

Okt 2017 hastuUNI Heft Nr. 74 0

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Redakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. Diesmal geht es um den Mathematiker Georg Cantor.

Illustration: Katja Elena Karras

Widerlegt! Dieser ungarische Aufschneider hat ihn tatsächlich widerlegt! Man schreibt das Jahr 1904, und auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Heidelberg beginnt ein Mann an Gott zu zweifeln. Da hat es doch Professor Juli

us König aus Budapest tatsächlich gewagt, die von ihm, dem berühmten Georg Cantor aufgestellte These von den »transfiniten Zahlen« zu widerlegen. Für ihn ist es nicht weniger als ein Skandal, für seine Kollegen jedoch offenbar nur eine interessante Diskussionsfrage. Der leicht exzentrische Professor, dessen Familie ebenfalls bei diesem bedeutenden wissenschaftlichen Ereignis anwesend ist, fühlt sich öffentlich gedemütigt und, noch schlimmer, verunsichert. War er bisher nicht der festen Überzeugung, dass er seine theoretischen Geistesblitze direkt von Gott erhielte? Hat er das nicht sogar öffentlich kundgetan? Da nützt es auch nichts, dass der Kollege Ernst Zemelo am nächsten Tag Königs Beweisführung entkräftet; Cantor, der sich immer für den internationalen Wissenschaftsaustausch stark gemacht hat, für den Mathematik und Theologie untrennbar verbunden sind, steckt in einer Krise. Wieder einmal. Mehr, mehr, mehr

Jul 2017 hastuINTERESSE Heft Nr. 73 0

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Redakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. Heute geht es um den Agrarwissenschaftler Julius Kühn.

Illustration: Katja Elena Karras

Das flache Ziegelgebäude am Steintor Campus dient in diesen Tagen vor allem als Schattenspender. Nur wenige Studierende wissen vermutlich, dass sich im Inneren des »Julius-Kühn-Museums für Haustierkunde« eine bedeutende Tierskelettsammlung verbirgt. Die vom Bisonskelett bis zum präparierten Ferkel reichende Menagerie zeugt noch heute von der Tatkraft und den Leistungen eines Mannes, der die landwirtschaftliche Forschung wie kaum ein anderer prägte.

In der sächsischen Oberlausitz gelegen, ist die Stadt Pulsnitz vor allem für ihre Pfefferkuchen bekannt. Hier kommt Julius Kühn am 23. Oktober 1825 als Sohn eines Gutsinspektors zur Welt. Nach der Grundschulausbildung strebt auch er in die Landwirtschaft. Obwohl die Familie aufgrund einer Krankheit des Vaters in finanziellen Schwierigkeiten steckt, ermöglicht sie dem Jungen ab 1839 eine Ausbildung an der Technischen Bildungsanstalt in Dresden, der Vorläuferin der heutigen TU. Im Jahre 1841 beginnt er seine berufliche Laufbahn in der Landwirtschaft; von »grün hinter den Ohren« zum sprichwörtlichen grünen Daumen ist es jedoch noch ein langer Weg. Schnell arbeitet sich Kühn vom einfachen Lehrling zum Gutsverwalter hoch und leitet schließlich von 1848 bis 1855 das Gut Groß Krauschen nahe dem niederschlesischen Bunzlau. Hier studiert er erstmals Pflanzenkrankheiten; ein Thema, das ihn sein ganzes Leben lang beschäftigen wird. Mehr, mehr, mehr

Jun 2017 hastuINTERESSE Heft Nr. 72 0

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Redakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. Diesmal steht der umstrittene Philosoph Christian Wolff im Mittelpunkt.

Illustration: Katja Elena Karras

Illustration: Katja Elena Karras

Chinesen, ausgerechnet die Chinesen! Das ist zu viel. Eigentlich gibt es eine Menge Gründe, den unliebsamen Denker und Universitätsprofessor Wolff beim Landesherrn anzuschwärzen, doch was er da bei seiner Rede am 12. Juli 1721 in aller Öffentlichkeit sagt, bringt das Fass zum Überlaufen. Schon seit einer ganzen Weile sehen die halleschen Pietisten, allen voran der berühmte August Hermann Francke, mit Besorgnis, wie der umtriebige Professor seine Ideen verbreitet. Alle Menschen seien von Natur aus gleich, so hat es Wolff verkündet, und hätten daher auch qua Geburt die gleichen Rechte. Das würde sich vielleicht noch verschmerzen lassen, doch dieser Hallunke von einem Philosophen geht tatsächlich noch weiter und behauptet, die Vernunft allein und nicht Gott würde die Begründung für moralische Prinzipien liefern. Nicht nur für die pietistischen Theologen klingt das gefährlich; die Vertreter der religiösen Orthodoxie warnen nicht ohne Grund, dass, wer nach Halle ginge, entweder als Pietist oder Atheist zurückkehren werde. Und nun auch noch das: Da verkündet dieser Plagegeist Wolff doch tatsächlich, dass die chinesische Philosophie des Konfuzius sich unabhängig von der christlichen Lehre, ja eben gerade ohne sie entwickelt habe, und ihrem abendländischen Pendant durchaus ebenbürtig sei! Nicht nur Francke, sondern auch dem pietistischen Theologieprofessor Joachim Lange platzt daraufhin endgültig die Hutschnur. Schließlich ist für sie die christliche Frömmigkeit die Hauptsache, und dass die Chinesen ohne sie zu einer reichhaltigen Philosophie gelangt sind, rüttelt an den Grundfesten des christlichen Weltbildes. Mehr, mehr, mehr

Apr 2017 hastuUNI Heft Nr. 71 0

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Redakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. In der vorliegenden Ausgabe geht es um August Hermann Francke, einen vielseitigen Mann, der gleichzeitig Theologe und Unternehmer, Pfarrer und Pädagoge war.

Illustration: Katja Elena Karras

Illustration: Katja Elena Karras

Vier Taler und sechzehn Groschen. Etwas ungläubig starrt der Pfarrer der kleinen Kirchengemeinde auf den Inhalt seiner Spendenbüchse. An diesem Ostertag im Jahre 1691 scheint es jemand gut mit dem Siebenundzwanzigjährigen gemeint zu haben. Doch was soll er jetzt mit diesem ansehnlichen Geldbetrag anfangen? Sicherlich denkt er an die Armut und Verelendung, die Krieg und Pest über das kleine Amtsstädtchen Glaucha gebracht haben, an die düsteren Aussichten für die vielen Waisen und Armen, an die schreckliche Unbildung und Verrohung der Gesellschaft – und plötzlich kommt ihm die entscheidende Idee. Er ruft aus: »Das ist ein ehrlich Kapital! Davon muß man etwas rechtes stiften! Ich will eine Armenschule damit anfangen!« Gesagt, getan, schon wenig später beginnt der junge Pfarrer damit, die armen Kinder der Umgebung in seinem Pfarrhaus zu unterrichten. Bald spricht sich die Qualität seines Unterrichts herum, und steigende Schülerzahlen erfordern die Anmietung von zusätzlichen Gebäuden. Im Laufe der Zeit entsteht nicht nur ein eigenes Gebäude für die Waisenkinder, sondern eine ganze Schulstadt mit Tausenden von Bewohnern. Aus dem unscheinbaren Dorfpfarrer wird eine der einflussreichsten Persönlichkeiten ihrer Zeit, Briefpartner von Leibniz und Friedrich Wilhelm I. von Preußen und Herr über einen straff organisierten Wirtschaftsbetrieb. Mehr, mehr, mehr

Jan 2017 hastuUNI Heft Nr. 70 0

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Redakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. Diesmal steht Christian Thomasius im Mittelpunkt, ein genialer Denker und Querkopf, der nicht nur die deutsche Philosophie entscheidend beeinflusste, sondern auch maßgeblich zur Gründung der hallischen Friedrichs-Universität beitrug.

Foto: Paul Thiemicke

Foto: Paul Thiemicke

Wenn die ersten Studierenden des Tages müde oder verkatert mit einem großen Kaffeebecher in der Hand die Treppen des Löwengebäudes erklimmen, werden sie schon erwartet. Mit halb strengem, halb belustigtem Blick sieht er auf sie hinab, wie sie sich die Stufen heraufschleppen. Kaum jemand beachtet ihn, Aufmerksamkeit bekommt er höchstens von kleinen Touristengruppen und den Reinigungskräften. Doch das scheint ihn nicht besonders zu stören, den Mann, der da in Bronze auf dem Treppenabsatz im Herzen des Löwengebäudes steht, in seiner Universität. Doch wer ist dieser Christian Thomasius, dessen Büste noch vor der Luthers und Melanchthons, vor Schleiermachers und Philippis Abbild diesen Ehrenplatz erhält? Mehr, mehr, mehr

Dez 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 69 0

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. Nachdem wir in den letzten Ausgaben schon Anton Wilhelm Amo und Dorothea Erxleben präsentiert haben, geht es heute um den langjährigen Leopoldina-Präsidenten Kurt Mothes.

Illustration: Katja Elena Karras

Die Position des Wissenschaftlers ist schwierig, denn zu allen Zeiten ist er Einflüssen von Politik, Militär und Wirtschaft ausgesetzt, immerzu muss er fremde und persönliche Interessen und Ansichten gegen die wissenschaftliche Wahrheit abwägen. Eine erfolgreiche Karriere als Forscher ist immer auch eine Gratwanderung zwischen verschiedenen Welten, ein stetiges Ringen um Anerkennung, Zustimmung und Verständnis. So mancher ist dabei schon gestolpert, und allzu oft erlag die Wissenschaft dem Einfluss von Macht und Geld. Doch gerade in schwierigen Zeiten sind diejenigen, die mit Beharrlichkeit und Einsatz ans Werk gehen, oft erfolgreicher als Mitmacher und Zögerliche. Mögen sie vielleicht manche Fehler und Verfehlungen haben, so haben sie jedoch die unschätzbare Fähigkeit, zur richtigen Zeit das Richtige zu tun. Mehr, mehr, mehr