Texte mit Tags ‘Hallische Köpfe’

Apr 2018 Heft Nr. 77 0

Hallische Köpfte

In dieser Reihe stellt unser Chefredakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. Dieses Mal steht der Komponist Wilhelm Friedemann Bach im Mittelpunkt.

Illustration: Gregor Borkowski

Wer den Namen Bach hört, denkt normalerweise nicht an Halle. Diese vier Buchstaben, B-A-C-H, sind als Tonfolge selbst schon zum musikalischen Klassiker geworden. Sie stehen für eine ganze Dynastie von außergewöhnlich begabten Musikern und Komponisten, die nichts Geringeres als Musikgeschichte geschrieben haben; der bekannteste und wohl auch genialste, Johann Sebastian, ragt unter ihnen geradezu titanisch hervor. Sein Name wird in einem Atemzug mit Beethoven, Mozart oder Wagner ausgesprochen, für nicht wenige ist er sogar der größte aller Komponisten – ein Architekt ganzer Klangwelten. Kein Musikschüler, der nicht schon einmal etwas von ihm gespielt, kaum ein Mensch, der nicht zumindest einmal etwas von ihm gehört hat. Doch um diesen Bach geht es an dieser Stelle nicht. Was folgt, ist die Geschichte eines Mannes, der, vom Glanz des Vaters und des Bruders überstrahlt, von hohen Erwartungen und Misserfolgen geplagt wurde. B-A-C-H, das steht auch für den übermächtigen Schatten, dem der sogenannte »Hallische Bach« nie ganz entkommen konnte. Er war unabhängiger als viele seiner Zeitgenossen, aber niemals frei. Mehr, mehr, mehr

Jan 2018 hastuINTERESSE Heft Nr. 76 0

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Redakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. Heute geht es um Johann Christian Reil, den Begründer der modernen Psychiatrie.

Illustration: Gregor Borkowski

Den Namen Reil hat wohl jeder in Halle schon einmal gehört; sei es, dass man am Reileck umsteigt, einen wichtigen Termin in der Reilstraße hat oder an der Reilschule vorbeigeht. Auch der Reilsberg dürfte den meisten bekannt sein – allerdings unter anderem Namen: Seit 1901 beherbergt das ehemalige Parkgelände nahe Giebichenstein den halleschen Bergzoo. Doch wer war dieser Mann, dem zu Ehren die Stadt Halle Büste und Gedenktafel hat aufstellen lassen, der nicht nur als innovativer Mediziner, sondern auch als Wissenschaftler und Philosoph gilt?

Johann Christian Reil wird am 20. Februar 1759 im ostfriesischen Dorf Rhaude als Sohn eines aus Braunschweig stammenden Pfarrers geboren. Nachdem die Familie in die nahe Stadt Norden gezogen ist, erhält er am dortigen Gymnasium eine umfassende humanistische Bildung. Dass Reil schon früh großes Interesse an medizinischen Dingen hat, zeigt sich unter anderem in der Abschiedsrede, die er anlässlich seines Abschlusses hält: Sie ist ein aus Alexandrinern bestehendes »Lob an die Medizin«. Im Alter von 20 Jahren verlässt der Pfarrerssohn das heimische Ostfriesland und schreibt sich für ein Studium – natürlich – der Medizin an der renommierten Georg-August-Universität im kurhannoverschen Göttingen ein, die damals als eine der besten und modernsten Bildungsstätten Deutschlands gilt. Mehr, mehr, mehr

Dez 2017 hastuINTERESSE Heft Nr. 75 2

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Chefredakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. In dieser Ausgabe steht der zu seiner Zeit ebenso schillernde wie umstrittene Kardinal Albrecht im Mittelpunkt.

Illustration: Katja Elena Karras

»Mein Lebtag hat mich kein Mensch so beschissen wie dieser Pfaff!« Die Worte, welche da aus dem kurfürstlichen Munde kommen, sprechen Bände – Friedrich III., Kurfürst von Sachsen, den die Nachwelt als »den Weisen« kennt, ist außer sich. Mehr als zwanzig Jahre der Mühen, Intrigen und Machtspiele, große Geldsummen und einen Berg von Baumaterial hat er geopfert, nur um jetzt mit leeren Händen dazustehen. Seine Dynastie, das Haus Wettin, hat vieles unternommen, um sich in Gestalt von Friedrichs jüngerem Bruder Ernst zwei der wichtigsten Kirchenämter Mitteldeutschlands zu sichern. Die sächsischen Kurfürsten haben die reiche Salzstadt Halle militärisch unterworfen und sogar eine moderne Festung, die Moritzburg, bauen lassen, um die unbotmäßigen Bürger in Schach zu halten. Doch nach Ernsts plötzlichem Tod im Jahre 1513 erntet nun überraschend ein Anderer die Früchte dieser Arbeit: niemand geringeres als Albrecht von Brandenburg, Hohenzoller und damit Erzfeind der Wettiner. Kein Wunder, dass der nicht gerade zart besaitete Friedrich III. sich ob dieser Schmach zu solch derben Äußerungen hinreißen lässt. Doch das letzte Wort in dieser Angelegenheit, so beschließt es der wütende Kurfürst, ist noch nicht gesprochen. Seine Rache wird er bekommen – und nebenbei die Welt für immer verändern. Mehr, mehr, mehr

Okt 2017 hastuUNI Heft Nr. 74 0

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Redakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. Diesmal geht es um den Mathematiker Georg Cantor.

Illustration: Katja Elena Karras

Widerlegt! Dieser ungarische Aufschneider hat ihn tatsächlich widerlegt! Man schreibt das Jahr 1904, und auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Heidelberg beginnt ein Mann an Gott zu zweifeln. Da hat es doch Professor Juli

us König aus Budapest tatsächlich gewagt, die von ihm, dem berühmten Georg Cantor aufgestellte These von den »transfiniten Zahlen« zu widerlegen. Für ihn ist es nicht weniger als ein Skandal, für seine Kollegen jedoch offenbar nur eine interessante Diskussionsfrage. Der leicht exzentrische Professor, dessen Familie ebenfalls bei diesem bedeutenden wissenschaftlichen Ereignis anwesend ist, fühlt sich öffentlich gedemütigt und, noch schlimmer, verunsichert. War er bisher nicht der festen Überzeugung, dass er seine theoretischen Geistesblitze direkt von Gott erhielte? Hat er das nicht sogar öffentlich kundgetan? Da nützt es auch nichts, dass der Kollege Ernst Zemelo am nächsten Tag Königs Beweisführung entkräftet; Cantor, der sich immer für den internationalen Wissenschaftsaustausch stark gemacht hat, für den Mathematik und Theologie untrennbar verbunden sind, steckt in einer Krise. Wieder einmal. Mehr, mehr, mehr

Jul 2017 hastuINTERESSE Heft Nr. 73 0

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Redakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. Heute geht es um den Agrarwissenschaftler Julius Kühn.

Illustration: Katja Elena Karras

Das flache Ziegelgebäude am Steintor Campus dient in diesen Tagen vor allem als Schattenspender. Nur wenige Studierende wissen vermutlich, dass sich im Inneren des »Julius-Kühn-Museums für Haustierkunde« eine bedeutende Tierskelettsammlung verbirgt. Die vom Bisonskelett bis zum präparierten Ferkel reichende Menagerie zeugt noch heute von der Tatkraft und den Leistungen eines Mannes, der die landwirtschaftliche Forschung wie kaum ein anderer prägte.

In der sächsischen Oberlausitz gelegen, ist die Stadt Pulsnitz vor allem für ihre Pfefferkuchen bekannt. Hier kommt Julius Kühn am 23. Oktober 1825 als Sohn eines Gutsinspektors zur Welt. Nach der Grundschulausbildung strebt auch er in die Landwirtschaft. Obwohl die Familie aufgrund einer Krankheit des Vaters in finanziellen Schwierigkeiten steckt, ermöglicht sie dem Jungen ab 1839 eine Ausbildung an der Technischen Bildungsanstalt in Dresden, der Vorläuferin der heutigen TU. Im Jahre 1841 beginnt er seine berufliche Laufbahn in der Landwirtschaft; von »grün hinter den Ohren« zum sprichwörtlichen grünen Daumen ist es jedoch noch ein langer Weg. Schnell arbeitet sich Kühn vom einfachen Lehrling zum Gutsverwalter hoch und leitet schließlich von 1848 bis 1855 das Gut Groß Krauschen nahe dem niederschlesischen Bunzlau. Hier studiert er erstmals Pflanzenkrankheiten; ein Thema, das ihn sein ganzes Leben lang beschäftigen wird. Mehr, mehr, mehr

Jun 2017 hastuINTERESSE Heft Nr. 72 0

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Redakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. Diesmal steht der umstrittene Philosoph Christian Wolff im Mittelpunkt.

Illustration: Katja Elena Karras

Illustration: Katja Elena Karras

Chinesen, ausgerechnet die Chinesen! Das ist zu viel. Eigentlich gibt es eine Menge Gründe, den unliebsamen Denker und Universitätsprofessor Wolff beim Landesherrn anzuschwärzen, doch was er da bei seiner Rede am 12. Juli 1721 in aller Öffentlichkeit sagt, bringt das Fass zum Überlaufen. Schon seit einer ganzen Weile sehen die halleschen Pietisten, allen voran der berühmte August Hermann Francke, mit Besorgnis, wie der umtriebige Professor seine Ideen verbreitet. Alle Menschen seien von Natur aus gleich, so hat es Wolff verkündet, und hätten daher auch qua Geburt die gleichen Rechte. Das würde sich vielleicht noch verschmerzen lassen, doch dieser Hallunke von einem Philosophen geht tatsächlich noch weiter und behauptet, die Vernunft allein und nicht Gott würde die Begründung für moralische Prinzipien liefern. Nicht nur für die pietistischen Theologen klingt das gefährlich; die Vertreter der religiösen Orthodoxie warnen nicht ohne Grund, dass, wer nach Halle ginge, entweder als Pietist oder Atheist zurückkehren werde. Und nun auch noch das: Da verkündet dieser Plagegeist Wolff doch tatsächlich, dass die chinesische Philosophie des Konfuzius sich unabhängig von der christlichen Lehre, ja eben gerade ohne sie entwickelt habe, und ihrem abendländischen Pendant durchaus ebenbürtig sei! Nicht nur Francke, sondern auch dem pietistischen Theologieprofessor Joachim Lange platzt daraufhin endgültig die Hutschnur. Schließlich ist für sie die christliche Frömmigkeit die Hauptsache, und dass die Chinesen ohne sie zu einer reichhaltigen Philosophie gelangt sind, rüttelt an den Grundfesten des christlichen Weltbildes. Mehr, mehr, mehr

Apr 2017 hastuUNI Heft Nr. 71 0

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Redakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. In der vorliegenden Ausgabe geht es um August Hermann Francke, einen vielseitigen Mann, der gleichzeitig Theologe und Unternehmer, Pfarrer und Pädagoge war.

Illustration: Katja Elena Karras

Illustration: Katja Elena Karras

Vier Taler und sechzehn Groschen. Etwas ungläubig starrt der Pfarrer der kleinen Kirchengemeinde auf den Inhalt seiner Spendenbüchse. An diesem Ostertag im Jahre 1691 scheint es jemand gut mit dem Siebenundzwanzigjährigen gemeint zu haben. Doch was soll er jetzt mit diesem ansehnlichen Geldbetrag anfangen? Sicherlich denkt er an die Armut und Verelendung, die Krieg und Pest über das kleine Amtsstädtchen Glaucha gebracht haben, an die düsteren Aussichten für die vielen Waisen und Armen, an die schreckliche Unbildung und Verrohung der Gesellschaft – und plötzlich kommt ihm die entscheidende Idee. Er ruft aus: »Das ist ein ehrlich Kapital! Davon muß man etwas rechtes stiften! Ich will eine Armenschule damit anfangen!« Gesagt, getan, schon wenig später beginnt der junge Pfarrer damit, die armen Kinder der Umgebung in seinem Pfarrhaus zu unterrichten. Bald spricht sich die Qualität seines Unterrichts herum, und steigende Schülerzahlen erfordern die Anmietung von zusätzlichen Gebäuden. Im Laufe der Zeit entsteht nicht nur ein eigenes Gebäude für die Waisenkinder, sondern eine ganze Schulstadt mit Tausenden von Bewohnern. Aus dem unscheinbaren Dorfpfarrer wird eine der einflussreichsten Persönlichkeiten ihrer Zeit, Briefpartner von Leibniz und Friedrich Wilhelm I. von Preußen und Herr über einen straff organisierten Wirtschaftsbetrieb. Mehr, mehr, mehr