Texte mit Tags ‘Halle’

Mai 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 78 0

Nicht nur die eigenen Rechte zählen

»Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.« So heißt es bei den Vereinten Nationen. Für die weltweite Einhaltung der Menschenrechte tritt Amnesty International ein. Ein Besuch bei der lokalen Hochschulgruppe.

Foto: Bastian Raabe

Als ich an dem lauen Dienstagabend die Treppe des Reformhauses in der Großen Klausstraße, auf halber Strecke zwischen Hallmarkt und dem hallischen Dom, emporsteige, bin ich schon gespannt, was mich heute hier erwartet. Im dritten Stock angekommen, prangt an der Tür die Aufschrift »Versammlungsraum Reformhaus e. V.«, mehrere kleine Plakate kleben daneben, unter anderem eines der Amnesty-International-Hochschulgruppe Halle. Mehr, mehr, mehr

Mai 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 78 0

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Chefredakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt besonders geprägt haben. In dieser Ausgabe geht es um den zu seiner Zeit »reichsten Mann Halles«, Carl Adolph Riebeck.

Illustration: Gregor Borkowski

Wer am Hauptbahnhof von Halle ankommt und sich auf den Weg in die Innenstadt macht, kommt zwangsläufig am Riebeckplatz vorbei. Hochstraßen auf Betonpfeilern, Schienen und Straßenpflaster kreuzen sich in geradezu chaotischer Weise auf jenem Areal, das sich mit dem Superlativ »verkehrsreichster Platz Ostdeutschlands« schmückt. Trotz aller Umbau- und Sanierungsmaßnahmen regiert hier im Grunde immer noch der Geist der Sechziger Jahre, deren Stadtplanung das Automobil in luftige Höhen erhob und den Fußgänger unter die Erde verbannte. Nichts, nicht einmal der Name sollte an den alten Vorkriegsplatz erinnern; die Ruinen der einstmals prachtvollen Hotels »Europa« und »Goldene Kugel« wurden durch Plattenbauten ersetzt, den bourgeoisen Großkapitalisten Riebeck ersetzte als Namenspatron der Erzkommunist Ernst Thälmann. Doch auch nach der Rückbenennung im Jahr 1991 überdecken noch immer Beton und Verkehrslärm die Erinnerung an jenen Unternehmer, der es vom einfachen Bergarbeiter bis zum Millionär brachte. Mehr, mehr, mehr

Mai 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 78 0

Den Füßen folgen

Stress und Trott bestimmen oft unseren Alltag. Die Wege, die man Tag für Tag zurücklegt, sind fast immer die gleichen. Wer mal frei hat, fährt meist weg – in der Regel so weit, wie Zeit und Geld es zulassen. Dabei verpasst man so viel in der eigenen Stadt.

Foto: Alexander Kullick

Dieser Artikel wird nicht mit bahnbrechenden Erkenntnissen aufwarten. Doch wird er auf etwas hinweisen, das von den meisten Menschen schlichtweg ignoriert wird: die Schönheit des Banalen, der Reiz des Alltäglichen. Die meisten Leute, die in Halle wohnen, werden sich darauf einigen können, dass die Saalestadt schön ist – aber worauf beziehen sie sich? Auf das Paulusviertel? Auf den Marktplatz? Auf die Raben- oder die Peißnitzinsel? Ohne Frage, die genannten Orte verdienen es alle für sich, als »Sehenswürdigkeit« Halles aufgeführt zu werden. Doch bilden sie nur einen mikroskopisch kleinen Teil von der Schönheit ab, die Halle insgesamt zu bieten hat. Mehr, mehr, mehr

Apr 2018 Heft Nr. 77 0

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Chefredakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. Dieses Mal steht der Komponist Wilhelm Friedemann Bach im Mittelpunkt.

Illustration: Gregor Borkowski

Wer den Namen Bach hört, denkt normalerweise nicht an Halle. Diese vier Buchstaben, B-A-C-H, sind als Tonfolge selbst schon zum musikalischen Klassiker geworden. Sie stehen für eine ganze Dynastie von außergewöhnlich begabten Musikern und Komponisten, die nichts Geringeres als Musikgeschichte geschrieben haben; der bekannteste und wohl auch genialste, Johann Sebastian, ragt unter ihnen geradezu titanisch hervor. Sein Name wird in einem Atemzug mit Beethoven, Mozart oder Wagner ausgesprochen, für nicht wenige ist er sogar der größte aller Komponisten – ein Architekt ganzer Klangwelten. Kein Musikschüler, der nicht schon einmal etwas von ihm gespielt, kaum ein Mensch, der nicht zumindest einmal etwas von ihm gehört hat. Doch um diesen Bach geht es an dieser Stelle nicht. Was folgt, ist die Geschichte eines Mannes, der, vom Glanz des Vaters und des Bruders überstrahlt, von hohen Erwartungen und Misserfolgen geplagt wurde. B-A-C-H, das steht auch für den übermächtigen Schatten, dem der sogenannte »Hallische Bach« nie ganz entkommen konnte. Er war unabhängiger als viele seiner Zeitgenossen, aber niemals frei. Mehr, mehr, mehr

Okt 2017 hastuPAUSE Heft Nr. 74 0

Westfälische Verwandtschaft

Wer sich schon immer einmal gefragt hat, weshalb dem Namen unserer Stadt noch ein »Saale« angefügt wird, der findet die Antwort darauf am Rande des Teutoburger Waldes. Zu Besuch in der westfälischen Kleinstadt Halle.

Foto: Alexander Kullick

Es ist nicht hinreichend belegt, ob sich die Geschichte wirklich so zugetragen hat. Dennoch kann man wohl davon ausgehen, dass sich der Ablauf dieser Anekdote eines schönen Sommertages vor wenigen Jahren mit dem Inhalt der Erzählung deckt. Eine Gruppe Touristen erkundigt sich bei einem ortskundigen Passanten nach dem Weg zum Gerry-Weber-Stadion, in dem wie in jedem Sommer die gleichnamigen Tennis-Open ausgetragen werden, ein Turnier in der Vorbereitung auf die renommierten Wimbledon-Championships einige Tage später. Der Fußgänger, den die Touristen fragen, kennt seine Stadt eigentlich sehr gut. Jedoch kann auch er den ratlosen Gästen aus dem Ausland keine Antwort auf ihre Frage liefern. Das Problem bei der Sache: die Touristen haben sich nicht in der Stadt verlaufen – sie haben sich in der Stadt vertan. Mehr, mehr, mehr

Okt 2017 hastuUNI Heft Nr. 74 0

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Redakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. Diesmal geht es um den Mathematiker Georg Cantor.

Illustration: Katja Elena Karras

Widerlegt! Dieser ungarische Aufschneider hat ihn tatsächlich widerlegt! Man schreibt das Jahr 1904, und auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Heidelberg beginnt ein Mann an Gott zu zweifeln. Da hat es doch Professor Juli

us König aus Budapest tatsächlich gewagt, die von ihm, dem berühmten Georg Cantor aufgestellte These von den »transfiniten Zahlen« zu widerlegen. Für ihn ist es nicht weniger als ein Skandal, für seine Kollegen jedoch offenbar nur eine interessante Diskussionsfrage. Der leicht exzentrische Professor, dessen Familie ebenfalls bei diesem bedeutenden wissenschaftlichen Ereignis anwesend ist, fühlt sich öffentlich gedemütigt und, noch schlimmer, verunsichert. War er bisher nicht der festen Überzeugung, dass er seine theoretischen Geistesblitze direkt von Gott erhielte? Hat er das nicht sogar öffentlich kundgetan? Da nützt es auch nichts, dass der Kollege Ernst Zemelo am nächsten Tag Königs Beweisführung entkräftet; Cantor, der sich immer für den internationalen Wissenschaftsaustausch stark gemacht hat, für den Mathematik und Theologie untrennbar verbunden sind, steckt in einer Krise. Wieder einmal. Mehr, mehr, mehr

Jul 2017 hastuINTERESSE Heft Nr. 73 0

In Abneigung geeint

In Magdeburg ist man stolz, Landeshauptstadt zu sein. In Halle ist man stolz, nicht Magdeburg zu sein. Die Geschichte zweier Städte, die sich einfach nicht mögen wollen.

Foto: Alexander Kullick

Nun also auch noch Google Earth. Die Software, die ein gutes Jahrzehnt nach ihrer Bereitstellung von niemandem mehr genutzt wird, soll eine Mitschuld tragen am schier ewig schwelenden Konflikt zweier mitteldeutscher Städte. Sicher, die Streitigkeiten zwischen Halle und der 100 Kilometer nordwestlich befindlichen Landeshauptstadt Magdeburg haben die Grenze ins Lächerliche schon so manches Mal touchiert, wenn nicht gar überschritten. In diesem Fall aber kann man konkret die Minderwertigkeitskomplexe erkennen, die viele Hallenser zu plagen scheinen. Grund für den Ärger, der schon einige Jahre zurückreicht, sind Satellitenfotos, welche Google für Magdeburg einerseits und für die Saalestadt andererseits nutzte. Einem Gerücht zufolge seien die Bilder von Halle im Frühjahr gemacht worden, die Magdeburgs hingegen im grünen Sommer. Halle wirke dadurch kahl und unattraktiv, während die Bördestadt schon alleine wegen der vielen grünen Flächen einen Charme ausstrahle, den Halle aufgrund der jahreszeitlichen Benachteiligung gar nicht erwecken könne. Mehr, mehr, mehr

Jul 2017 hastuINTERESSE Heft Nr. 73 0

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Redakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. Heute geht es um den Agrarwissenschaftler Julius Kühn.

Illustration: Katja Elena Karras

Das flache Ziegelgebäude am Steintor Campus dient in diesen Tagen vor allem als Schattenspender. Nur wenige Studierende wissen vermutlich, dass sich im Inneren des »Julius-Kühn-Museums für Haustierkunde« eine bedeutende Tierskelettsammlung verbirgt. Die vom Bisonskelett bis zum präparierten Ferkel reichende Menagerie zeugt noch heute von der Tatkraft und den Leistungen eines Mannes, der die landwirtschaftliche Forschung wie kaum ein anderer prägte.

In der sächsischen Oberlausitz gelegen, ist die Stadt Pulsnitz vor allem für ihre Pfefferkuchen bekannt. Hier kommt Julius Kühn am 23. Oktober 1825 als Sohn eines Gutsinspektors zur Welt. Nach der Grundschulausbildung strebt auch er in die Landwirtschaft. Obwohl die Familie aufgrund einer Krankheit des Vaters in finanziellen Schwierigkeiten steckt, ermöglicht sie dem Jungen ab 1839 eine Ausbildung an der Technischen Bildungsanstalt in Dresden, der Vorläuferin der heutigen TU. Im Jahre 1841 beginnt er seine berufliche Laufbahn in der Landwirtschaft; von »grün hinter den Ohren« zum sprichwörtlichen grünen Daumen ist es jedoch noch ein langer Weg. Schnell arbeitet sich Kühn vom einfachen Lehrling zum Gutsverwalter hoch und leitet schließlich von 1848 bis 1855 das Gut Groß Krauschen nahe dem niederschlesischen Bunzlau. Hier studiert er erstmals Pflanzenkrankheiten; ein Thema, das ihn sein ganzes Leben lang beschäftigen wird. Mehr, mehr, mehr