Texte mit Tags ‘Halle Saale’

Okt 2017 hastuPAUSE Heft Nr. 74 0

Westfälische Verwandtschaft

Wer sich schon immer einmal gefragt hat, weshalb dem Namen unserer Stadt noch ein »Saale« angefügt wird, der findet die Antwort darauf am Rande des Teutoburger Waldes. Zu Besuch in der westfälischen Kleinstadt Halle.

Foto: Alexander Kullick

Es ist nicht hinreichend belegt, ob sich die Geschichte wirklich so zugetragen hat. Dennoch kann man wohl davon ausgehen, dass sich der Ablauf dieser Anekdote eines schönen Sommertages vor wenigen Jahren mit dem Inhalt der Erzählung deckt. Eine Gruppe Touristen erkundigt sich bei einem ortskundigen Passanten nach dem Weg zum Gerry-Weber-Stadion, in dem wie in jedem Sommer die gleichnamigen Tennis-Open ausgetragen werden, ein Turnier in der Vorbereitung auf die renommierten Wimbledon-Championships einige Tage später. Der Fußgänger, den die Touristen fragen, kennt seine Stadt eigentlich sehr gut. Jedoch kann auch er den ratlosen Gästen aus dem Ausland keine Antwort auf ihre Frage liefern. Das Problem bei der Sache: die Touristen haben sich nicht in der Stadt verlaufen – sie haben sich in der Stadt vertan. Mehr, mehr, mehr

Aug 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 65 0

Zwischen Verfall und Chancen

Kaum ein hallischer Stadtteil hat mehr mit Vorurteilen zu kämpfen als Halle-Neustadt. Plattenbauten, verfallene Gebäude, wenig Kultur und eine rapide alternde Gesellschaft. Andererseits ziehen vermehrt auch Studenten nach »Ha-Neu«. Was ist das Besondere an dieser ehemals eigenständigen Stadt ?

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Photo: Alexander Kullick

Ellen Bär lebt gerne in Neustadt, und das seit inzwischen fast 50 Jahren. Die Rentnerin muss nicht lange überlegen, warum. »Man hat hier alles, was man zum Leben braucht. Die Mieten sind nach wie vor bezahlbar, die Lebensqualität ist in Ordnung. Man darf aber auch keine allzu hohen Ansprüche haben.« Man spürt, dass sie den letzten Satz ernst meint. »Die Menschen waren froh, eine Arbeitsstelle und noch dazu bezahlbaren Wohnraum zu finden, man hat bei so einem Angebot nicht zweimal überlegt.«
Wie Ellen Bär ging es vielen Menschen, oft jungen Familien, die in den 1960er-Jahren nach Neustadt kamen. »Ha-Neu«, so die im Alltag oft verwendete Bezeichnung, wurde zu Beginn der 60er-Jahre innerhalb von Monaten künstlich von Stadtplanern und Architekten der DDR am Reißbrett entworfen und aus dem Boden gestampft. Vor allem für die Arbeiter der gut 25 Kilometer entfernten Chemiestandorte Leuna und Schkopau wurde viel Wohnraum benötigt, in dem sich die Mitarbeiter aber auch zuhause fühlen sollten. Dutzende Mehrfamilienhäuser, überwiegend Plattenbauten, entstanden binnen weniger Jahre für Zehntausende von Menschen. Zwischen den einzelnen Wohnblöcken wurden viele Grünanlagen angelegt, die die Attraktivität der neuen Stadt steigern sollten. Tatsächlich war Halle-Neustadt, damals auch als »Halle-West« bekannt, bis kurz nach der Wende eine eigene Kommune und damit Schwesterstadt von Halle. Zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung Deutschlands lebten fast 90 000 Menschen in der Stadt. Mehr, mehr, mehr