Texte mit Tags ‘Geschichte’

123

Mai 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 78 0

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Chefredakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt besonders geprägt haben. In dieser Ausgabe geht es um den zu seiner Zeit »reichsten Mann Halles«, Carl Adolph Riebeck.

Illustration: Gregor Borkowski

Wer am Hauptbahnhof von Halle ankommt und sich auf den Weg in die Innenstadt macht, kommt zwangsläufig am Riebeckplatz vorbei. Hochstraßen auf Betonpfeilern, Schienen und Straßenpflaster kreuzen sich in geradezu chaotischer Weise auf jenem Areal, das sich mit dem Superlativ »verkehrsreichster Platz Ostdeutschlands« schmückt. Trotz aller Umbau- und Sanierungsmaßnahmen regiert hier im Grunde immer noch der Geist der Sechziger Jahre, deren Stadtplanung das Automobil in luftige Höhen erhob und den Fußgänger unter die Erde verbannte. Nichts, nicht einmal der Name sollte an den alten Vorkriegsplatz erinnern; die Ruinen der einstmals prachtvollen Hotels »Europa« und »Goldene Kugel« wurden durch Plattenbauten ersetzt, den bourgeoisen Großkapitalisten Riebeck ersetzte als Namenspatron der Erzkommunist Ernst Thälmann. Doch auch nach der Rückbenennung im Jahr 1991 überdecken noch immer Beton und Verkehrslärm die Erinnerung an jenen Unternehmer, der es vom einfachen Bergarbeiter bis zum Millionär brachte. Mehr, mehr, mehr

Okt 2015 hastuPAUSE Heft Nr. 62 Rubrik 0

Unter Beobachtung

Eine halb-fiktionale Geschichte von Terrortoten, Aufklebern und einer Erfahrung.

Foto: Tobias Hoffmann

Foto: Tobias Hoffmann

»Komm, erzähl mir eine Geschichte«, bat er sie. Er liebte ihre Geschichten. Nicht dass sie besonders lustig gewesen wären oder gar besonders liebevoll. Im Gegenteil, meistens waren sie ernst, und manchmal konnte er noch Stunden oder sogar Tage über sie nachdenken. Aber ihre Erzählungen mochte er nicht allein deshalb. Sicherlich war das auch ein Grund, aber am meisten mochte er, dass die Geschichten von ihr kamen. Mehr, mehr, mehr

Apr 2015 hastuPAUSE Nr. 59 0

Ein Leben beschreiben

Namensfindung damals und heute

Ein Leben beschreiben Robert_web Genervte Rufe nach »Justin«, »Elias« und »Jacqueline« … Das hört man in Halles großen Supermärkten und überall, wo sich Eltern und kleine Kinder finden lassen. Namen sind heutzutage eng mit Trendsetting verbunden, und wer als Studierende/r selber an Kinder denkt oder vielleicht schon welche hat, der wird sich mit dem großen Thema auch näher auseinandergesetzt haben. Gebannt durchforsten werdende Eltern das Internet nach den beliebtesten Namen des aktuellen Jahres, orientieren sich an Ideen von Stars und Berühmtheiten, die ihre Kinder »Petal Blossom Rainbow« oder »Moroccan« nennen.

Ob über Vornamensseiten, bunte Ratgeber, Fernsehserien, Romane, den eigenen Stammbaum, historische Werke oder auch religiöse Texte: Die Möglichkeiten einen passenden Namen zu finden, sind heutzutage vielfältiger denn je. Auch kreativen Namensfindungen steht, außer den gesetzlichen Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches, nichts im Wege. So sind Einfach-, Doppel- und Mehrfachnamen in Deutschland erlaubt, die auf ein Geschlecht hinweisen und weder beleidigend, noch lächerlich wirken und somit nicht das Persönlichkeitsrecht des Kindes verletzen. Doch ob man sich Gedanken über Herkunft und Bedeutung der infrage kommenden Namen gemacht hat, bleibt offen. Mehr, mehr, mehr

Apr 2015 hastuPAUSE Nr. 59 0

Mausefalle

Ein Comic verbindet menschliche Körper mit einem unmenschlichen Antlitz

Fischer Taschenbuch Verlag, 294 Seiten, 14,95 Euro

Fischer Taschenbuch Verlag, 294 Seiten, 14,95 Euro

Der Himmel öffnet seine Schleusen. Regentropfen fallen auf den Drahtzaun, den Boden und die Dächer der Baracken. Auf die Lastwagen, die in einer langen Kolonne durch das schmiedeeiserne Tor fahren. Der Regen durchnässt alles, verwandelt den Boden in schlammigen Morast, trifft sowohl Wärter als auch Gefangene. Auf den Seiten der Lastwagen ist ein Hakenkreuz zu sehen. Auf dem Torbogen steht, gleichsam eine letzte zynische Demütigung, in großen Lettern »ARBEIT MACHT FREI«. Rundherum Gestalten mit Uniformen und Schlagstöcken. Es ist März 1944. Das Tor von Auschwitz schließt sich.

Was sich liest wie der grausame Traum eines Hollywoodregisseurs, ist in Wirklichkeit ein Comic. Einer, der der »Graphic Novel«, der ernsthaften narrativen Bildergeschichte, eine weiterreichende Bedeutung brachte als wohl jeder andere. Die Rede ist von »Maus – Die Geschichte eines Überlebenden« des amerikanischen Comiczeichners Art Spiegelman, Jahrgang 1948. Mehr, mehr, mehr

Jan 2015 hastuUNI Nr. 58 1

Das Rätsel in Rosa

Polnische und deutsche Studierende entdecken auf einer Exkursion, wie Architektur die Identität einer Stadt bestimmt

Foto: Patrick Ulm

Foto: Patrick Ulm

Ein Schloss wird gebaut, hoch über der Stadt, mit Wehrtürmen und Zinnen, Schlosstor und Balustraden. Im 21. Jahrhundert. Die Farbe: Bonbonrosa. Wer macht denn so was? Und vor allem: Warum bloß? Zwanzig Studierende aus Halle begeben sich auf die Suche nach Antworten und reisen in die westpolnische Stadt Posen.

Karsten Holste steht auf dem Marktplatz von Posen und spricht gegen den Wind an, der durch die Stadt pfeift. Er zeigt auf die schmalen, hohen Häuser, die den Platz umschließen. Hübsch sind sie, mit ihren farbigen Fassaden, den Giebel­dächern und Holzfenstern. In den Erdgeschossen der Häuser befinden sich kleine Läden und Cafés, Piroggen-Bars und Kneipen, darüber Privatwohnungen und Büros. Auf den ersten Blick stehen hier renovierte Krämerhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert. »Aber«, sagt Holste und hält inne. Die Studierenden aus Halle halten die Luft an. Sie wissen: Jetzt kommt der Holste-Tricoire-Moment. Mehr, mehr, mehr

Dez 2013 hastuPAUSE Nr. 51 0

»Sehr vielfältige Gegenwart«

Vom 30. September bis zum 10. Oktober 2013 fanden die ersten »Hallenser Jüdischen Kulturtage« statt. Eine Fortsetzung ist bereits geplant.

Illustration: Han Le

Illustration: Han Le

Anlass der Kulturtage war der 60. Jahrestag der Einweihung der hallischen Synagoge in der Humboldtstraße und der Einzug der neuen Tora-Rolle, die erste seit vor dem Zweiten Weltkrieg. Den Besuchern der Woche wurde ein buntes und sehr vielfältiges Programm aus Konzerten, Vorträgen, Rundgängen, einem Workshop und einem Tanzabend mit Künstlern aus den USA, Israel, Deutschland und der Ukraine an verschiedenen Veranstaltungsorten in Halle geboten.

Bereits im April dieses Jahres hatte der Musiker und Kulturmanager Andreas Schmidtges die Idee, beide Ereignisse mit einem umfangreichen Begleitprogramm zu würdigen. Im Juni legten sich dann der Freundeskreis Leopold-Zunz-Zentrum e. V., die Jüdische Gemeinde zu Halle und das Seminar für Judaistik / Jüdische Studien der MLU fest, den Schritt »zu wagen« und die Kulturtage zu organisieren. Von Juni bis zum Beginn der jüdischen Kulturtage war die komplette Verwaltung, Finanzierung und Konzipierung abgeschlossen, verriet uns Dr. Anton Hieke, Mitorganisator und Redner. »Für eine Veranstaltung dieser Größe war es blitzschnell«. Seine persönliche Motivation war »die Aufgabe, eine neue Tradition zu schaffen« und »den Hallensern zu zeigen, dass sie eine jüdische Gemeinde, eine sehr vielfältige jüdische Geschichte, aber auch eine sehr vielfältige jüdische Gegenwart haben«. Mehr, mehr, mehr

Dez 2013 hastuUNI Nr. 51 0

Die Zeiten ändern sich

Die Initiative zur Umbenennung der Emil-Abderhalden-Straße ist im Gange. Wieso und warum sie umbenannt werden soll, wird im Folgenden geklärt.

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

Für das Jahr 2014 ist der Umzug vieler geistes- und sozialwissenschaftlicher Institute, in erster Linie der Philosophischen Fakultät I, geplant. Diese sollen in die neuen Räumlichkeiten des Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Zentrums in der Emil-Abderhalden-Straße ziehen. Doch bevor das geschehen kann, soll erst noch etwas Grundlegendes geändert werden. Die Straße des neuen Standortes trägt seit 1946 diesen Namen, doch seit dieser Zeit hat sich vieles in Hinblick auf Emil Abderhalden geändert.

Emil Abderhaldens Vergangenheit und Wirken

1915 schon gründete der gebürtige Schweizer einen »Bund zur Erhaltung und Mehrung der deutschen Volkskraft«, dazu kaufte er mehrere Morgen Land und verpachtete sie an bedürftige Arbeiterfamilien innerhalb Halles. Eine an sich lobenswerte Idee, aber der Name deutet bereits auf die Intention hin. 1934 trat er dem NS-Lehrerbund bei und unterschrieb im selben Jahr den Wahlaufruf »Deutsche Wissenschaftler hinter Adolf Hitler« im »Völkischen Beobachter«. Er war ein starker Unterstützer der eugenischen und rassenhygienischen Idee und verantwortete als Präsident der Leopoldina die Aufnahme mehrerer Rassenhygieniker in die Akademie. Mehr, mehr, mehr

Sep 2013 hastuPAUSE Nr. 50 0

Ein Leben zählt nichts, ein Pass alles

Erich Maria Remarques »Die Nacht von Lissabon« erweitert den Horizont und ist ein großes Lesevergnügen. Die Langfassung der Rezension aus hastuzeit 50

Illustration: Han Le

Illustration: Han Le

Portugal, und speziell Lissabon, war stets ein Punkt des Exodus aus Europa. Von hier aus gingen die ersten Entdecker auf der Suche nach neuem Land und Wohlstand auf große Fahrt. Zu Zeiten des Nationalsozialismus aber flohen fast 100 000 Menschen vor der Gestapo über Lissabon aus Europa. Nach gehetzter Flucht durch Europa im Krieg versprach Portugal ein Stück weit Normalität und vor allem: Sicherheit. Keine verdunkelten Städte, wie im Rest Europas, sondern, wie es im Roman heißt, »sorgloses Licht«, an das sich der Fliehende aus dem Europa des 20. Jahrhunderts kaum gewöhnen kann. Ergatterte man ein Überfahrtticket für einen Dampfer, konnte man über Lissabon, das »prachtvolle Theater der Emigration« und »Tor zur Welt«, wie es der Kulturwissenschaftler Joachim Schlör nennt, Europa verlassen. Mehr, mehr, mehr

123