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Okt 2017 hastuPAUSE Nr. 74 0

Der gehobene Zeigefinger

Bunt und quirlig wie ein gut gepflegter Gemischtwarenladen legt sich diese Kolumne ihrem erprobten Leserauge zu Füßen. Frei von den zwängenden Fesseln einer thematischen Beständigkeit, eines übergeordneten Gesamtkonzepts, wird hier nüchtern allerhand Gedachtes geteilt. Thema heute: Moral und Studium

Illustration: Katja Elena Karras

In uns Studenten liegt die Zukunft, daran führt kein Weg vorbei. Denn Zukunft wird heute durch multinationale Unternehmen und technische Entwicklung bestimmt. Beides Felder, die für Ausbildungsberufe in den Entscheiderebenen praktisch gesperrt sind. Menschen ohne Abschluss genießen sowieso zu wenig Anerkennung. Bleiben also nur die Akademien und ihre Zöglinge, wie auch eine 2014 vorgestellte Studie zeigt, laut der sich unter den Dax-30-Vorständen über acht Jahre gemessen zu 93 Prozent entweder Wirtschaftswissenschaftler, Ingenieure, Juristen oder Naturwissenschaftler finden. Blicken wir dann noch auf die CEOs der großen Tech-Firmen – Jeff Bezos: Princeton; Elon Musk: University of Pennsylvania; Mark Zuckerberg: Harvard – wird klar, dass wer auch immer gerade neben Ihnen im Seminar sitzt, maßgeblich die Zukunft verändern könnte und dass irgendwer aus der Vorlesung sie verändern muss. Der Auszubildende im Einzelhandel, der Ihnen heute Morgen im Edeka den Weg zur Hafermilch gewiesen hat, wird es wahrscheinlich nicht reißen. Aber schon in der Uni reicht ein kluger Kopf. Für die Zukunft im technischen Sinne braucht es schließlich nicht viele. Mehr, mehr, mehr

Jul 2017 hastuPAUSE Heft Nr. 73 0

Der gehobene Zeigefinger

Bunt und quirlig wie ein gut gepflegter Gemischtwarenladen legt sich diese Kolumne ihrem erprobten Leserauge zu Füßen. Frei von den zwängenden Fesseln einer thematischen Beständigkeit, eines übergeordneten Gesamtkonzepts, wird hier nüchtern allerhand Gedachtes geteilt. Thema heute: Vorurteile.

Illustration: Katja Elena Karras

Er hat nichts gegen Schwarze, sagt er.

Dass er mit ihnen, mit den Schwarzen, im Baucontainer sogar Bier getrunken habe, sagt er. Aber, sagt er, aber wer sich an unser Land nicht anpasst, der ist unangenehm, gehört hier nicht hin.

Vor mir steht ein Mann, der das Wort »Kanake« mit der gleichen Unschuld über die Lippen bringt, mit der er auch über »Zigeuner und Polacken« spricht. Viele meiner Mitstudenten und Freunde hätten sich deshalb vor Empörung mittlerweile selbst entzündet. Ich aber habe beschlossen, das Gespräch zum Mitbürger zu suchen. Ein Gespräch frei von blasierten Zurechtweisungen oder einer gesondert scharfen Sprache.

Wir tauschen uns aus über die DDR, Eichenholz, Kfz-Unfälle, Spielplätze und eben über Ausländer. Mehr, mehr, mehr