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Apr 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 77 0

Wenn das Ziel im Weg ist…

Wir schicken unseren rasenden Reporter (welcher sich an die Straßenverkehrsordnung hält), um der Leipziger Buchmesse eine entzückende Geschichte zu entlocken. Ob ihm dies trotz des Schneechaos gelungen ist, verrät dieser Bericht.

Foto: Jonas Leonhardt

Es ist Sonntag, der 18. März 2018, 12.58 Uhr. Mit eisigen Fingern schreibe ich meine Notizen im Zug nieder. Es ist der letzte Tag der Leipziger Buchmesse. Ich sitze in der S3, welche sich auf dem Weg zum Leipziger Hauptbahnhof befindet. Von dort wird hoffentlich eine Bahn zur Messe fahren. Ein Kompromiss, den ich angesichts des Schnees und der Kälte in Kauf nehmen muss. Mein Körper beginnt sich langsam zu erwärmen. Er ist nicht ausgekühlt, weil ich unpassende Kleidung trage oder einen Hang zum Erfrieren habe. Nein. Es liegt eher daran, dass meine Reise um 11.58 Uhr am Reileck begann und nach meinem Ausstieg am – nicht gerade wohltemperierten – Hauptbahnhof ihr vorübergehendes Ende nahm. Dort gab mir die Anzeigetafel häufiger Hoffnung, nur um diese dann wenig später zu zerstören. Eine große Menschenmasse tummelte sich vor der Information, der Rest wuselte in den Läden herum. Ich frage mich, ob dieser Tag ein Glücksfall für den Buchladen im Bahnhof sei. Die vielen gestrandeten Messebesucher könnten dort versucht haben, ihren Frust zu entladen, indem sie einfach dort ihr Buchmesseerlebnis wahrnahmen und einen Verzweiflungskauf begingen. Gut gefüllt war er auf jeden Fall, könnte aber auch daran liegen, dass es dort wärmer als in der Haupthalle war. Mittlerweile hat mein Körper auch fast wieder Normaltemperatur erreicht, nur in meine Zehenspitzen ist das warme Blut noch nicht geflossen. Die Bahn, in der ich sitze, fuhr von Gleis 1a ab. Gleis 1a: Meine Rettung. Eigentlich sollte ich mich freuen, endlich eine fahrende Bahn erwischt zu haben. Jedoch macht mich die Abwesenheit der Fahrgäste misstrauisch. Egal, darüber will ich nun nicht nachdenken, auch wenn der sich ständig verändernde Bildschirm im Zug mein Unwohlsein verstärkt. Sei«s drum, ich genieße die Ruhe und Wärme der Fahrt, eine Story wird sich sicherlich schon finden. Mehr, mehr, mehr