Dez 2017 hastuPAUSE Heft Nr. 75 0

Alles eine Frage der Zeit…

Jeden Tag und auch schon in diesem Heft ordnen wir alles ganz banal, zeitlich getaktet und chronologisch ein. Der Mensch muss in allem eine erklärbare Logik sehen und wenn nicht, dann erfindet er ein System. So auch die Zeit. Zeit ist allgegenwärtig. Wir planen unser Leben nach der Uhr und unsere Zeit nach unserem Leben und haben anscheinend nie genug. Das noch umso mehr in der Weihnachtszeit: Gerade jetzt, wo die Tage kürzer werden, die Nächte dunkler und die Wochen immer schneller vorbeiziehen, scheinen wir alle noch weniger Zeit zu haben: der Jahresendstress, die ewige Suche nach dem richtigen Geschenk, die gezwungene Entspanntheit und Harmoniesucht in dieser besonderen Zeit der Besinnung… Beschwipst eilen wir von Feier mit Plätzchenbacken zu Feier mit Glühweintrinken und – schwupps – so schwebt auch der Dezember an uns vorbei. Das letzte Jahr ist wie im Flug vergangen, Weihnachten steht vor der Tür und ein neues Jahr gleich mit – Ticktack, wieder eine Ziffer weiter. Aber ist das wirklich so oder muss das so sein? Die hastuzeit hat nachgeforscht. Deshalb diesmal die gleichnamige Frage an Dich: Mehr, mehr, mehr

Dez 2017 hastuPAUSE Heft Nr. 75 0

Jenseits von Google – Die dunkle Seite des Internets

Rezension: »Darknet – Waffen, Drogen, Whistleblower« von Stefan Mey

Verlag C.H.Beck, München 2017, 237 Seiten, 15 Euro

Im derzeitigen Internet ist faktisch niemand anonym.

Was ursprünglich der Schritt in ein neues Zeitalter der digitalen Kommunikation war, Personen quer über den Globus kommunizieren ließ und die Gesellschaft ähnlich stark beeinflusste wie die Erfndung des Buchdrucks, ermöglicht heute eine flächendeckende Überwachung, die an düstere Utopien wie »1984« von George Orwell erinnert. Jede Übermittlung von Daten kann aufgrund der IP-Adresse zu ihrem Ursprungsort zurückverfolgt werden. Dass dieses Potenzial der Überwachung nicht nur in der Theorie vorhanden ist, sondern auch praktisch von Regierungen und Geheimdiensten genutzt wird, dürfte jedem seit den Enthüllungen von Edward Snowden bekannt sein. Mehr, mehr, mehr

Dez 2017 hastuUNI Online 0

Noch ’ne Runde Schnaps?

Die dritte Sitzung des 28. Studierendenrates zog sich ermüdend in die Länge, da es viel Diskussionsbedarf, Streitpunkte und „Fragezeichen“ gab, die über den Köpfen der Sturamitglieder schwebten. Insbesondere der Haushaltsplan für 2018 erhitzte die Gemüter, weil eine Art Haushaltslücke von 60000 Euro ermittelt wurde.

Foto: Sophie Ritter

Sitzungsleiter Kai Krause (LHG) eröffnete die Sitzung am Montag, den 27.11.2017 (fast) pünktlich um 19:07 Uhr. Gleich zu Beginn war die volle Aufmerksamkeit gefordert: zusammen mit dem AK Uni im Kontext beantragte der AK-Protest einen Nachtragshaushalt für 2017 und stellte dann noch einen Antrag auf Mittelfreigabe. Danach wurde noch ein Antrag auf Förderung von selbstorganisiertem Sport besprochen, für den sich auch schnell zwei Sturamitglieder von der OLLi fanden (Lukas Wanke und Caroline Banasiewcz), die ihn offiziell stellten. Danach belief sich die Diskussion allerdings vor allem auf die Frage, ob dies nun als externer oder interner Antrag zu behandeln sei und wer überhaupt Anträge stellen dürfe, bis dieser von der Tagesordnung genommen wurde. Nach den üblichen Tagespunkten, wie den Angestelltenbelangen, folgten die Anliegen der Referenten. Mimi Fischer (OLLi), Referentin für Sport, stellte etwas ausführlicher vor, was eigentlich ihre Aufgaben sind und erzählte, warum sie manchmal meckere. Mehr, mehr, mehr

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Kasperle war gestern

Der Hamlet modernisiert? Mit Puppen? Geht das überhaupt? Natürlich geht es, wie das Puppentheater Halle unter Beweis stellt

von links: Christian Sengewald, Lars Frank, Nils Dreschke, Ines Heinrich-Frank
Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH, Falk Wenzel

Mitten auf der Bühne thront ein dunkler Kubus. Mit schwärzlichem Stoff bespannt gibt dieses Bühnenbild, gefertigt von Angela Baumgart, Einblicke in die Gefängniszelle innerhalb – besser gesagt in das Gemach des Prinzen Hamlet, welches völlig in Schwarz gehalten und spärlich mit futuristischen Möbeln eingerichtet ist. Hier steht eine nackte Pritsche, dort ein Tisch – es wirkt klinisch rein, und so bewegen sich die weißgekleideten Figuren auch wie Fremdkörper im Raum. Man merkt sofort, es wird eine düstere, ja bedrückende Hamlet-Inszenierung, die Regisseur Christoph Werner in dieser Spielzeit am Puppentheater Halle darbietet. Mehr, mehr, mehr

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LGBT-Aktivismus in Halle

Die Ehe für alle findet nach jahrzehntelangem Ringen endlich ihren rechtmäßigen Platz im deutschen Grundgesetz. Was das für Auswirkungen mit sich trägt und welche weiteren Neuigkeiten es in der deutschen LGBT-Community gibt, wurde beim alljährlichen interdisziplinären Fachaustausch »Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt – Update 2017« thematisiert. Dieser wurde vom Begegnungs- und Beratungs-Zentrum »lebensart« e. V. geplant und durchgeführt.

Foto: BBZ »lebensart« e.V.

Angefangen hat die Veranstaltung mit einer stürmischen These des an der Hochschule Merseburg tätigen Sexualwissenschaftlers Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß: »Durch rechte Normierungen gerät geschlechtlichsexuelle Vielfalt unter Druck und unterliegt neuen Restriktionen.« Dies bleibt nicht unbegründet. Mit dem Positionspapier »Magdeburger Erklärung zur Frühsexualisierung« der AfD von 2016 werde für das Land Sachsen-Anhalt eine frühe Aufklärung über geschlechtliche Identitäten und alternative Familienformen bei Kindern von der Partei strikt abgelehnt. Diese Forderungen wiegen besonders schwer, da das Dokument ein enormes Medienecho erhalten hat und die Partei zweitstärkste Kraft in Sachsen-Anhalt ist – somit einen entsprechend starken Einfluss auf die landeseignen Bildungsstädte besitze. Mehr, mehr, mehr

Dez 2017 hastuPAUSE Heft Nr. 75 0

Daheeme ist, wo das Sterni auf dich wartet

Andauernd dieses Rumgeningel. Wir Leipziger Pendlerstudenten haben immer etwas, worüber wir lamentieren. Und weil uns die berühmte Frage »Warum ziehst du dann nicht nach Halle?« schon aus den Ohren rauskommt, folgt hier ein kleiner Einblick in unser alltägliches Ringen mit dem Wahnsinn.

Illustration: Katja Elena Karras

Die Augenlider hängen tief, die Mundwinkel auch. Schon wieder nur fünf Stunden geschlafen und dann noch nicht mal was gefrühstückt. Ach, wie schwer doch unser Leben als Leipziger sein kann. Doch es wird uns auch wahrlich nicht leichtgemacht. Sei es der megamäßig miese Bahnverkehr im Winter, die Tatsache, dass unser Wecker um 5.30 Uhr klingelt, wenn wir zur ersten Vorlesung müssen, oder einfach nur, dass wir jeden Tag fast drei Stunden unseres wertvollen Lebens in den öffentlichen Verkehrsmitteln verbringen.

Aber wir sind ja auch verrückt – würde man zumindest vorerst behaupten, wenn man unsereins in den Fluren der Uni über den Weg läuft. Ein eigenartiges Wesen, asylsuchend an der MLU, stets auf dem Sprung und immer die Uhrzeit im Hinterkopf. Mehr, mehr, mehr

Dez 2017 hastuPAUSE Heft Nr. 75 0

Das Wort zum Wort

Eine vielleicht etwas ambivalente Kolumne über Kommunikation zwischen und mit Menschen. Sie beobachtet und kommentiert. Und vielleicht will sie auch manchmal irgendwie etwas bewegen. Diesmal geht es um Reisen und Abenteuer in Realität und virtuell

Illustration: Katja Elena Karras

»I’m leaving on a jet plane, don’t know when I’ll be back again …«, spielt mein Autoradio den über 50 Jahre alten Klassiker von John Denver in der Version von Peter, Paul and Mary. Passenderweise bin ich auf dem Weg zum Flughafen, und ich denke mir, es ist ein riesiger Luxus, einfach die Zeit und Flexibilität zu haben zu verreisen, ohne genau zu wissen, wann man zurückkommt. Zugegeben werden einem hierbei auch oftmals Steine in den Weg gelegt; so erlauben einige Länder die Einreise nur, wenn man auch im Besitz eines Rück- oder Weiterreisetickets ist. Schon daran kann das verträumte Nichtwissen »when I’ll be back again« schnell scheitern. Mehr, mehr, mehr

Dez 2017 hastuINTERESSE Heft Nr. 75 2

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Chefredakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. In dieser Ausgabe steht der zu seiner Zeit ebenso schillernde wie umstrittene Kardinal Albrecht im Mittelpunkt.

Illustration: Katja Elena Karras

»Mein Lebtag hat mich kein Mensch so beschissen wie dieser Pfaff!« Die Worte, welche da aus dem kurfürstlichen Munde kommen, sprechen Bände – Friedrich III., Kurfürst von Sachsen, den die Nachwelt als »den Weisen« kennt, ist außer sich. Mehr als zwanzig Jahre der Mühen, Intrigen und Machtspiele, große Geldsummen und einen Berg von Baumaterial hat er geopfert, nur um jetzt mit leeren Händen dazustehen. Seine Dynastie, das Haus Wettin, hat vieles unternommen, um sich in Gestalt von Friedrichs jüngerem Bruder Ernst zwei der wichtigsten Kirchenämter Mitteldeutschlands zu sichern. Die sächsischen Kurfürsten haben die reiche Salzstadt Halle militärisch unterworfen und sogar eine moderne Festung, die Moritzburg, bauen lassen, um die unbotmäßigen Bürger in Schach zu halten. Doch nach Ernsts plötzlichem Tod im Jahre 1513 erntet nun überraschend ein Anderer die Früchte dieser Arbeit: niemand geringeres als Albrecht von Brandenburg, Hohenzoller und damit Erzfeind der Wettiner. Kein Wunder, dass der nicht gerade zart besaitete Friedrich III. sich ob dieser Schmach zu solch derben Äußerungen hinreißen lässt. Doch das letzte Wort in dieser Angelegenheit, so beschließt es der wütende Kurfürst, ist noch nicht gesprochen. Seine Rache wird er bekommen – und nebenbei die Welt für immer verändern. Mehr, mehr, mehr