Dez 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 69 0

Welcome to Hallewood

Dass Halle das »einzige salzproduzierende Museum Deutschlands« beherbergt, wissen alle, die regelmäßig Straßenbahn fahren. Doch unsere Saalestadt hat noch viel mehr zu bieten als Salz, den Roten Turm und den Bergzoo: Sie ist nicht nur eine Medienstadt, sondern auch Drehort einiger bekannter Filme. Der Stadtrundgang »Von Zorn bis Hallewood« gibt eine kleine Kostprobe davon, wie viel Potenzial in Halle steckt.

Illustration: Katja Elena Karras

Es ist ein später Nachmittag Ende Oktober, draußen ist es dunkel, und es regnet in Strömen. Ein Tag, an dem die meisten wahrscheinlich zu Hause auf der Couch sitzen, ein gutes Buch lesen oder einen Film schauen. Auch ich sehne mich in diesem Moment sehr nach meiner Wohnung und einer heißen Tasse Tee, doch das Gefühl verschwindet schnell, als ich am Stadtbad ankomme. Ich habe mich für die Stadtführung »Von Zorn bis Hallewood« angemeldet und bin nun sehr gespannt, was ich heute alles über die berühmten Zorn-Verfilmungen und auch über andere Filme, die in Halle entstanden sind, erfahren werde. Im Durchgang zum Stadtbad, geschützt vom Regen, stehen bereits die Stadtführerin und ungefähr zehn weitere interessierte Zuhörer. Es herrscht eine angenehme, freundliche Stimmung, trotz des Wetters. Denn es gibt schließlich gar kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung, betont unsere fröhliche Stadtführerin gleich zu Beginn. Sie hat ein großes Tablet dabei, mit dem sie uns während der Führung ab und zu Filmausschnitte oder kleine Beiträge zeigt, die das Erklärte noch anschaulicher gestalten. Mehr, mehr, mehr

Dez 2016 hastuUNI Heft Nr. 69 0

Fukushima ist nicht tot

Mitte November besuchte eine Delegation von der Universität Fukushima im Rahmen einer Deutschlandreise für drei Tage die Stadt Halle. Dabei hielten sie an der Martin-LutherUniversität Halle-Wittenberg einen Vortrag. Tarō Daikoku, Professor für Politikwissenschaft, und 23 japanische Studierende erzählten vom dortigen Unglück 2011, dem heutigen Alltag, den gesellschaftlichen Problemen und ihrem Traum: einer Zukunft ohne Kernenergie.

Foto: Tom Klotzsche

Als die atomare Kernschmelze bekannt wurde, ordnete die japanische Regierung die Evakuierung von etwa 470 000 Menschen aus der Region an. In provisorischen Wohnungen versuchten die Menschen eine Art Alltag wiederzufinden. Da vor allem der älteren Bevölkerung in der Region die Arbeit fehlte, organisierten Studenten und staatliche Unterstützer für sie die Möglichkeit, weiter in der Landwirtschaft aktiv zu sein. Auch die traditionellen Bräuche wurden weiterhin gefeiert, erzählten die japanischen Gäste und zeigten Fotos, auf denen fröhlich getanzt und gesungen wurde. Mehr, mehr, mehr

Dez 2016 hastuUNI Heft Nr. 69 0

»Unterwassersteine« umschiffen

Medienberichterstattung in Russland – ein heikles Thema. Wie sich dort die Arbeit von Hochschuljournalisten gestaltet, durfte die hastuzeit-Redaktion im Oktober durch den Besuch einer Studierenden-Delegation aus Kasan erfahren. Bei einer gemeinsamen Redaktionssitzung erhielten auch wir spannende Einblicke in die Arbeit unserer Gäste.

Foto: Nadja Hagen

»So ist das immer in Russland – kein Geld da, man muss für die Idee arbeiten!« Es ist dieser Idealismus, der uns an den russischen Studierenden beeindruckt und überrascht. Neugierig sitzen sie der hastuzeit-Redaktion in einem großen Kreis gegenüber und werden nicht müde, Fragen zu stellen. Mehr, mehr, mehr

Dez 2016 hastuUNI Heft Nr. 69 0

Zwischen den Polen

Zwei Studentinnen wollen mit folgendem Plädoyer ein für allemal klären, warum sie tun, was sie eben tun, sich nämlich mit Polen beschäftigen – besser gesagt: Polenstudien studieren.

Das alternative Viertel Krakaus befindet sich im ehemaligen jüdischen Viertel und wird immer beliebter. Foto: Lena Schraml

Für alle, die sich jetzt denken, dass dieser Text bestimmt nur da ist, um Seiten zu füllen, da der Grund für eine Beschäftigung mit Polen ja ganz logisch sei – tja, falsch gedacht. Dafür müssen wir uns zu oft verteidigen, wenn wir das Objekt unseres Studiums nennen. Natürlich sind wir nicht die Einzigen, die sich für ihre Studienwahl erklären müssen. Das geht vermutlich den meisten so, die sich mit etwas Exotischerem, vor allem aus dem Bereich der Geisteswissenschaften, beschäftigen. Aber Polen ist unser direkter Nachbar! Sollte es nicht langsam selbstverständlich sein, sich auch mit diesem auseinanderzusetzen, ihm die Gartentür zu öffnen und ihn auf einen kawka czy herbatka (»Kaffeechen oder Teechen«) einzuladen? Mehr, mehr, mehr

Dez 2016 hastuUNI Heft Nr. 69 0

Im Regen stehen gelassen

Die Medizinstudenten demonstrieren wieder. Der Erhalt des Universitätsklinikums und der Universitätsmedizin Halle gilt zwar als gesichert, allerdings stellt die unzulängliche Finanzierung des Klinikums durch das Land Sachsen-Anhalt die Leistungsfähigkeit infrage. Dies gefährdet Lehre, Ausbildung und Patientenwohl.

Foto: Christine Unsicker

Foto: Christine Unsicker

Es tröpfelt auf die Banner. Diejenigen Ärzte, Pflegekräfte und Studenten, die sich auf ihren Stationen vertreten lassen konnten oder von ihren Lehrveranstaltungen freigestellt wurden, treten ungeduldig auf der Stelle und werfen misstrauische Blicke zum Oktoberhimmel hinauf. »Qualität kostet Geld« liest man auf einem Schild, das eine Mitarbeiterin des Klinikums in die Höhe hält, »Universitätsmedizin braucht ein Fundament – jetzt« auf einem anderen.
Parallel zu der Kundgebung in Halle findet an besagtem Donnerstag, dem 27.10., auch eine größere Demonstration vor dem Magdeburger Landtag statt, zu der hallische Medizinstudenten und Klinikumsmitarbeiter in Bussen angereist sind.
Nach der großen »Halle bleibt!«-Bewegung im Jahr 2013, die die Schließung der Universitätsmedizin verhindern konnte, steht nun der nächste Kampf an. Was nach außen nur nach einer Kundgebung vor dem Universitätsklinikum aussieht, täuscht in seiner scheinbaren Nebensächlichkeit. Der Grund dieser Zusammenkunft bereitet den Verantwortlichen für Klinikum und Lehre schon länger Kopfzerbrechen. Mehr, mehr, mehr

Nov 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 68 1

Und über allem schwebt die Mir

»Baikonur mon amie«, ein Comic, der auf leichte Art und Weise das erzählt, was in der Vergangenheit liegt und doch in den Köpfen weiterlebt. Eine Rezension.

Grafik: Baikonur mon amie

Grafik: Baikonur mon amie

1989, irgendwo im Norden der Deutschen Demokratischen Republik: Zwischen Plattenbauten und Rinderweiden erleben die drei Freunde Katrin, Hannes und Basti eine recht unbeschwerte Kindheit. Die drei tragen Pionierhalstücher, machen sich aber auch schon mal über Friedrich Engels und matschige Kuba-Apfelsinen lustig. Bastis Familie sieht oft verbotenes Westfernsehen und ist eher unpolitisch; im krassen Gegensatz dazu sind Hannes» Eltern bis ins Mark von der sozialistischen Idee überzeugte, offizielle Stasi-Mitarbeiter.
Katrins Vater ist ein scheuer, aber liebevoller Mensch, der die SED verachtet und Mitglied der heimlichen Opposition ist. Katrin selbst aber hat nur einen Traum, sie will Kosmonautin werden, koste es was es wolle. Mehr, mehr, mehr

Okt 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 68 0

Der Hallische Zufall

Der »Hallische Zufall« ist die Kolumne der hastuzeit. Darin schildert Tobias regelmäßig Momente und Begebenheiten der hallischen Ab- und Besonderlichkeiten. In seiner letzten Ausgabe begegnet der Hallische Zufall jemandem, der Halle schon sehr viel länger kennt als er selbst.

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

Kommt Besuch nach Halle, das weiß der Hallische Zufall schon lange, ist immer auch die Zeit der Stadtrundgänge und Führungen. Für ihn ist das allerdings keine lästige Pflichterfüllung, denn zum einen liebt er es, seine Saalestadt von ihrer schönsten Seite zu präsentieren, und zudem lernt auch er selbst dabei immer mal etwas Neues oder macht eine bisher unerkannt gebliebene Entdeckung.
Als sich aber ein ganz besonderer Gast ankündigte, hat sich der Hallische Zufall sehr gefreut. Schließlich war seine Großmutter, lange Zeit und noch länger vor ihm, als Hallische Fügung aktiv gewesen. Irgendwann hatte sie sich aber dafür entschieden, mittlerweile zu alt für den immer schnelllebigeren Job zu sein, und das Zepter an ihren Enkel weitergereicht. Sie hatte sich auf ein altes Weingut an der Saale nahe Naumburg zurückgezogen, lauschte dem dort noch wilden, schmalen Fluss und dachte an vergangene Zeiten. Insgesamt war sie auch durchaus zufrieden mit der Arbeit ihres Enkels als Arrangeur von zufälligen Begegnungen. Freilich befremdeten sie dessen zuweilen moderne Methoden, denn wo der Hallische Zufall auch auf »Schnickschnack« wie Dating- oder Tiersammel-Apps zurückgreift, hatte sie damals noch eher klassische Methoden bevorzugt. Mehr, mehr, mehr

Okt 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 68 0

Studierende feiern 100 Jahre Dadaismus

Das studentische Theater DADAZ führte zur Langen Nacht der Wissenschaft Werke der provozierenden künstlerischen Bewegung auf. Und wer war eigentlich Dada Johann Fuchsgang Goethe?

Foto: Nataliya Gryniva

Foto: Daria Resner

Den Auftritt am ersten Juli dieses Jahres eröffnen die acht Studierenden und Dr. Sergej Birjukov, Literaturwissenschaftler und Leiter der Theatergruppe, außergewöhnlich: Sie kommen hintereinander in den Saal und stampfen auf dem Weg zur Bühne laut mit den Füßen. Unterwegs sprechen sie das Gedicht »Karawane« von Hugo Ball. Genauer gesagt sind es einzelne Laute wie »jolifanto bambla o falli bambla« und »großiga m’pfa habla horem«, die das Publikum aus Dozenten, Studierenden und Besuchern am Steintor-Campus zu hören bekommt. Die meisten von ihnen sehen überrascht aus. Mehr, mehr, mehr