Jul 2013 hastuINTERESSE Nr. 49 0

Wohngemeinschaft des Wahnsinns

Ein Kommentar zur Kuriosität des unvermeidlichen WG-Castings

Illustration: Han Le

Illustration: Han Le

Die logische Konsequenz der offenbar allseits herrschenden studentischen Wohnungsnot ist die Zusammenrottung verschiedenster Persönlichkeiten auf engstem Raum zwecks Geldknappheit, sprich: Die gute alte Wohngemeinschaft.

Wer in eine WG zieht, bekommt von der Oma noch ein paar aufmunternde Worte mit auf den Weg: »Ach, die jungen Leute sollen sich doch ausprobieren, aber schief geht das ja meistens trotzdem immer.« Damit das Projekt Wohngemeinschaft dann auch nicht gepflegt in die Hose geht, müssen natürlich passende Mitbewohner her.

Zum Ende des Sommersemesters steigt die Zahl der zunehmend verzweifelten Wohnungssuchenden, vor allem, um dem Ersti-Ansturm zum Wintersemester zu entgehen. Nach der Suche und vor dem Einzug jedoch ist dann noch ein leidiges Hindernis zu überwinden: Das WG-Casting. Die Chance, auf Anhieb einen geeigneten Mitmenschen für das gemeinsame Domizil zu finden, ist meist in etwa so groß wie die, beim Nasebohren auf Gold zu stoßen.

Kandidat um Kandidat wird also misstrauisch beäugt, auf Anomalien getestet, ungeniert ausgefragt und muss sich selbst in rund dreißig Minuten geschickt verkaufen, um bei allen Mitbewohner gut anzukommen. Ein unbedachter Satz (»Naja, also gegen Veganer wie dich hab ich ja nichts, aber die Leute, die auch keine Eier essen oder Milch trinken, find ich echt so gestört.«) kann schnell das Aus, Tschüss, Bye-bye bedeuten. Mehr, mehr, mehr

Jul 2013 hastuUNI Nr. 49 0

Kaum sensibilisiert

Gespräch mit Klemens Ilse, einem der Leiter der ASQ Nachhaltigkeit

Frederik und du sind beide Physikstudenten, da erwartet man nicht direkt ein Engagement zur Nachhaltigkeit. Wie kam es zu der Gründung der ASQ?

Ich studiere Physik mit der Vertiefung Photovoltaik, da sind die Berührungspunkte vor allem im Bereich Energie offensichtlich. Noch dazu habe ich eine Themenwoche zur Nachhaltigkeit, organisiert von der Stiftung der Deutschen Wirtschaft, besucht. Die Referenten dort waren ausnehmend gut, und es war mir danach ein Anliegen, die Erkenntnisse, die ich gewonnen hatte, weiterzugeben. Mehr, mehr, mehr

Jul 2013 hastuUNI 1

»Genug für alle – für immer«

Ein ehrgeiziges Modell gepaart mit hohem Engagement – Zu Besuch bei der ASQ Nachhaltigkeit

Foto: Klemens Ilse

Foto: Klemens Ilse

Niko Paech nennt sich selbst VWL-BWL-Hybrid. Sein Thema ist die Postwachstumsökonomie. Wie können wir unser Leben organisieren im Hinblick auf endliche Ressourcen, im Hinblick auf die Begrenztheit unseres Planeten? Darüber möchte er in einem Workshop zusammen mit den etwa 25 Studierenden diskutieren, die an diesem Samstagmorgen ins Melanchthonianum gekommen sind.

Bei der Vorstellungsrunde wird deutlich: Hier sind alle Fachrichtungen von Lehramt über Psychologie und Biologie bis zum Management natürlicher Ressourcen vertreten. Das Thema polarisiert – und es betrifft jeden Einzelnen. Paech redet fasziniert, gestenreich, rhetorisch stark und ist sehr gut informiert. Er weiß, wovon er spricht, er ist Professor an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, die Postwachstumsökonomie ist sein Forschungsfeld. Am Tag zuvor hat er im Rahmen der ASQ Nachhaltigkeit einen öffentlichen Vortrag gehalten. Nun geht es um die Vertiefung des Themas. »Wie sieht unsere Wirtschaft 2050 aus?« Mehr, mehr, mehr

Jul 2013 hastuUNI Nr. 49 0

Keine Ahnung, was ich jetzt essen soll

In einigen Ländern der ehemaligen Sowjetunion ist Korruption noch immer weit verbreitet. So auch an ukrainischen Universitäten.

Einige Studenten aus der Ukraine berichten von ihren Erfahrungen mit Korruption und Willkür. Ihre Namen wurden im Folgenden geändert, so dass sie keine Nachteile von diesem Artikel davontragen.

(Anm.: Das Notensystem in der Ukraine ist dem deutschen entgegengesetzt. Somit ist 1 die schlechteste Zensur und 5 die beste.)

Veronika, 21: Ich bin die beste Studentin meiner Universität und bekomme ein speziell erhöhtes Stipendium. Ein Bild von mir hängt sogar an der Wand, wo die besten Mitarbeiter und Studenten hängen. Bezahlt habe ich noch nie für Noten. Jedoch jetzt, wo für den Masterstudiengang nur ein Drittel Plätze für uns angeboten wird und die Kinder reicher Leute da sowieso schon Vorrang vor den gut Lernenden haben, versucht man bei den Prüfungen die Fragen so zu stellen, dass, egal was man antwortet, die Note um ein bis zwei Punkte tiefer wird. Mehr, mehr, mehr

Jul 2013 hastuUNI Nr. 49 0

Master ohne Bachelorarbeit

Warum man sich vielleicht doch mal mit den Hochschulordnungen befassen sollte

In diesem Jahr fangen circa 150 000 Studenten mit einem Masterstudiengang an, und ich bin einer von denen, die das eigentlich auch machen wollen. Da steh ich jetzt da und muss eine sechsmonatige Bachelorarbeit innerhalb von vier Monaten schreiben. Na klasse. Hätte ich nur nicht ewig auf der faulen Haut gelegen. Auf der anderen Seite: Das Prokrastinieren hat sich ja schon gelohnt, die Entspannung habe ich nach fünf Semestern auch mal verdient, und jetzt kann ich wieder topfit arbeiten.
Allerdings vergeht mir wieder der Spaß, wenn ich dran denke, dass ich die ganze gesparte Energie jetzt wieder schnellschnell verbraten darf. Die Qualität der Bachelorarbeit soll ja auch nicht drunter leiden. Bei jeder Seminararbeit wäre es mir auch halbwegs egal, dann kassiere ich eben für fünf oder wievielauchimmer Leistungspunkte eine nicht ganz so gute Note, Schwamm drüber. Aber es ist ja die verdammte Bachelorarbeit, da will man schon mal ein bisschen aus sich rauskommen und zeigen, was man so drauf hat. Auch weil es die erste Chance darstellt, wissenschaftliches Neuland zu betreten – und dem sollte man Respekt zollen.

Anscheinend ist diese ganze Aufschieberei auch bei meinem Kommilitonen ein Problem. Das kommt davon, wenn man mal keine Übungsserien oder anderweitig klare Ziele hat und selbstständig (er)arbeiten muss, für die Prüfungen lernen wir ja auch bloß auf den letzten Drücker. Kann man nur leider bei einer Bachelorarbeit furchtbar schlecht machen.

Mit keinen Erwartungen, aber zumindest ein bisschen Hoffnung also ab zum Studienberater. Mehr, mehr, mehr

Jul 2013 hastuUNI Nr. 49 0

Sommer, Sonne, Strand … und Kürzungen?

Zum aktuellen Stand der Diskussionen und Proteste

Foto: Bertolt Marquardt

Foto: Bertolt Marquardt

Das Semester neigt sich dem Ende zu, die Klausuren rücken so langsam näher, wieder einmal wird schmerzhaft klar, dass keiner der Vorsätze vom Semesterbeginn die ersten Vorlesungswochen überlebt hat: Auch diesmal hat man nicht früher mit dem Lernen angefangen und auch nicht mehr mitgeschrieben. Wahrscheinlich ist der eine oder andere auch voll Vorfreude nach Klausurstress auf einen entspannten Sommer in der Heimat.

Die Kürzungsdebatte in Kultur und Hochschulen bleibt aber auch über die Sommermonate aktuell und wichtig. Nicht ausgeschlossen, dass die Politik die Abwesenheit vieler Studenten nutzen möchte, um ungeliebte Maßnahmen durchzudrücken. Gute Gründe also, Halle die kommenden Wochen nicht völlig auszublenden.

Was gibt es vom Hochschulbündnis?

Auch wenn man im Zuge des Hochwassers nicht mehr so viel gehört hat, die Kürzungspläne liegen weiterhin auf dem Tisch. Haseloff jedenfalls hat am 21. Juni in einer Regierungserklärung seinen Willen bestärkt, massiv zu kürzen. Nach wie vor geht es um 50 Millionen Euro bis 2025. Denkt und rechnet man diese Zahlen zu Ende, könnten in Halle allein für die Uni-Klinik und MLU 46 Professuren wegfallen (von aktuell 350). Bei der Burg Giebichenstein wären es noch mal acht. Mehr, mehr, mehr

Jul 2013 hastuUNI Nr. 49 0

Mit dem Messer gestrichen

Kommentar zur hochschulpolitischen Lage im Land

Gemeinsame Demo gegen Kürzungen in den Bereichen Bildung, Kultur und Soziales am 3. Juli.  Foto: Christoph Korb

Gemeinsame Demo gegen Kürzungen in den Bereichen Bildung, Kultur und Soziales am 3. Juli.
Foto: Christoph Korb

Bei der Recherche zu diesem Überblick wurde ich (wieder einmal) wütend. Es soll gespart werden, Gründe liegen in der Schuldenbremse, die für die Bundesländer in naher Zukunft greift. Ab dann ist es verboten, weiter Schulden aufzunehmen. Der Schuldenabbau ist ja im Grunde nichts Schlechtes, aber derart kurzsichtiges Sparen (ohne auf die Überlegung zu kommen, dass man auch Einnahmen erhöhen könnte) wie in Sachsen-Anhalt ist Wahnsinn.

Sachsen-Anhalt leidet an Einwohnermangel, es sind in den vergangenen Jahren viele Menschen weggezogen. Ich bin zum Studieren in dieses Land gekommen, habe mich in den vergangenen drei Jahren oft positiv überraschen lassen. Von der Schönheit Halles, vom Kulturangebot hier, von der Universität. Freunde, die mich besuchen, äußern unisono, dass ich mir hier eine tolle Stadt ausgesucht habe. Ich denke nicht, dass ich der Einzige bin, dem es so geht. Trotz der miserablen Vermarktung Sachsen-Anhalts und Halles kommen also auch junge Menschen nach Halle. Aber ob wir nach dem Studium hier bleiben? Wie kann eine Regierung ernsthaft denken, Menschen, junge Menschen noch dazu, im Land zu halten, wenn es genau dieser Generation das wegnimmt, was für sie das Leben hier ausmacht: Bildung und Kultur? Mehr, mehr, mehr

Jul 2013 hastuUNI Nr. 49 0

Hoffnung in Sicht

Tausende Studenten haben sich per Facebook organisiert und beim Hochwasser mit angepackt.

5. Juni 2013, Design-Campus der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle am Neuwerk Foto: Studierendenrat der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

5. Juni 2013, Design-Campus der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle am Neuwerk
Foto: Studierendenrat der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle


Karl Russel, Burgstudent, hat die Flut am Neuwerk 7 miterlebt: »Am Montagmorgen (3. Juni, Anm. d. Red.) war ich schon um halb zehn an der Tonwerkstatt, um dort an einem Kurs teilzunehmen. Diese Werkstatt liegt direkt am Mühlgraben. Zu dieser Zeit war das Wasser schon fast über das Ufer getreten, und es wurden ein paar Sandsäcke hingelegt – immer zwei übereinander. Im Nachhinein frage ich mich, warum nicht schon früher etwas passiert ist.«

Dieses Jahr beschloss das Rektorat der MLU, wegen der zweihundertjährigen Flut die Lehre vom 4. bis 7. Juni auszusetzen. Koordiniert wurden die Studenten durch Facebookseiten vom Stura, MLU-Hochschulbündnis, Hochwasser Sachsen-Anhalt, Halle-Spektrum usw., aber auch durch die Helferhotlines von der Freiwilligen-Agentur und Radio Sputnik.

In dieser Zeit schufteten Studenten unter anderem am Neuwerk für den Campus Design und am Herbarium. Mehr, mehr, mehr