Okt 2013 hastuUNI Nr. 50 0

Von den Spreewäldlern lernen

Am Ende helfen die Politiker doch, aber erst, wenn sie in der Klemme stecken.

Das Wasser war mal klar. Foto: Johanna Sommer

Das Wasser war mal klar.
Foto: Johanna Sommer

Im Monat Mai ging durch die Presse, dass dem Spreewald eine Umweltkatastrophe drohe. Wie kam das? Damals in der DDR wurde in der Lausitz Braunkohle abgebaut, und damit die Gruben nicht überflutet wurden, wurde das Grundwasser abgesenkt. Seit der Wende stieg das Grundwasser, und in regelmäßigen Abständen floss Eisenhydroxid in die Flüsse. Natürlich haben die Anwohner das schon früher kommen sehen. Sie dachten, mit dem Aktionsbündnis »Klare Spree«, welches sie im Dezember 2012 gegründet hatten, höre ihnen endlich jemand zu. Aber auch da stellten die Politiker sich taub. Dabei ist der Spreewald seit 1991 ein Biosphärenreservat, unter dem Logo der UNESCO. Aber Anfang dieses Jahres konnte das Eisenhydroxid nicht mehr im Wasserkreislauf fortgetragen werden, es war zu viel. Das ganze Wasser im Spreewald war rot. Den Fischen verklebte es die Kiemen, die Bäume sahen aus, als ob sie bluteten, und Waldtiere verendeten. Die Anwohner gingen mit dem Thema an die Öffentlichkeit, auch wenn dann kaum noch Touristen herkommen würden. Dann wurde endlich geholfen. Bagger schaufelten aus einem Meter breiten Nebenflüssen der Spree den Eisenschlamm heraus. Damit kein neues Dreckwasser von der Lausitz in die Spree fließt, wurde Kalk ins Wasser geschüttet. Die alte Wasserreinigungsanlage in Vetschau macht wieder ihre Arbeit.

Wer jetzt im Herbst mal wieder in den Spreewald fährt, trifft zufriedene Gesichter an, als ob nie etwas gewesen wäre. Flora und Fauna gedeihen, erholen sich. Mal abgesehen von einigen verwirrten Ortsansässigen, die Besucher fragen, warum sie sich mit so viel Autan gegen Mücken einsprühen. Wenn der Ortsansässige dann erklärt, dass es hier kaum welche gibt, meint der Tourist natürlich, dass die noch kommen würden, »ganz bestimmt auf der Kahnfahrt«. Hier fährt man statt mit einem Liniennetz für die Straßenbahn, mit der Kahnlinie von a nach b. Als Tourist kann man hier eine schöne Ortsführung mit dem Kahn machen. Angefangen mit Spreewälder Schnaps werden die Gemüter immer fröhlicher. Leicht Angedudelte verwechseln dann gerne mal einen Schäferhund mit einem Wolf oder springen auch ins Wasser. Das Wasser ist fast so klar geworden, dass man wieder bis auf den Grund gucken kann. Doch der Tourist sieht dank der Schlammschicht nach dem Bad halb verdreckt aus. Lustig zu beobachten ist auch, wenn die Besucher eifrig versuchen die Paddelboote zu lenken. Nach zwei Stunden Fahrt sind die Sitzkissen nass, und überschüssiges Wasser wird aus dem Boot mit dem Lappen rausgewrungen. Der Tourismus ist immer noch Haupteinnahmequelle. Bei all den Festen kommen sie gerne herbeigeströmt: Trachtenfest, Osterfest, Dorffest oder Schützenfest. Es ist immer was los.

Wir aus Sachsen-Anhalt haben die Politiker mit Anträgen und Demonstrationen auf ihre Fehler aufmerksam gemacht und sind genau wie die Spreewäldler auf taube Ohren gestoßen. Wenn die Kürzungen in Sachsen-Anhalt durchgesetzt werden, dann sollten die Medien ebenfalls das Verenden der Kultur filmen, die Ausblutung im Sozialwesen fotografieren und den langsamen Erstickungstod der Wirtschaft per Tonband aufnehmen. Wenn die Politiker dann sehen, was sie für ein Elend hier angerichtet haben, können sie nicht anders als ihre Fehler gutzumachen. Nachsicht ist besser als gar nichts.

Okt 2013 Termine 0

Unikino: »Kokowääh 2«

Donnerstag, 17. Oktober 2013, 20.15 Uhr, Audimax, Universitätsplatz

Kokowääh 2

D 2013

Mit »Kokowääh 2« startet das Unikino ins Winterprogramm. Immer donnerstags könnt Ihr für 1,99 plus 0,51 EUR einmaligen Semesterbeitrag Filme im Audimax am Uniplatz gucken. Preiswerte Snacks sind ebenfalls vor Ort erhältlich.
www.unikino.uni-halle.de

Sep 2013 Termine 0

Denkbewegungen

Zum dritten Mal bekommt in Halle die Philosophie ihr eigenes Bühnenfestival, vom 24. bis 27. Oktober 2013. Die Veranstaltungen sind teilweise kostenpflichtig, ein Festivalpass für alles kostet 20 Euro.

Das Festival „Soundcheck Philosophie» wird gefördert vom Studierendenrat der Martin-Luther-Universität.

Sep 2013 hastuPAUSE Nr. 50 0

Ein Leben zählt nichts, ein Pass alles

Erich Maria Remarques »Die Nacht von Lissabon« erweitert den Horizont und ist ein großes Lesevergnügen. Die Langfassung der Rezension aus hastuzeit 50

Illustration: Han Le

Illustration: Han Le

Portugal, und speziell Lissabon, war stets ein Punkt des Exodus aus Europa. Von hier aus gingen die ersten Entdecker auf der Suche nach neuem Land und Wohlstand auf große Fahrt. Zu Zeiten des Nationalsozialismus aber flohen fast 100 000 Menschen vor der Gestapo über Lissabon aus Europa. Nach gehetzter Flucht durch Europa im Krieg versprach Portugal ein Stück weit Normalität und vor allem: Sicherheit. Keine verdunkelten Städte, wie im Rest Europas, sondern, wie es im Roman heißt, »sorgloses Licht«, an das sich der Fliehende aus dem Europa des 20. Jahrhunderts kaum gewöhnen kann. Ergatterte man ein Überfahrtticket für einen Dampfer, konnte man über Lissabon, das »prachtvolle Theater der Emigration« und »Tor zur Welt«, wie es der Kulturwissenschaftler Joachim Schlör nennt, Europa verlassen. Mehr, mehr, mehr

Sep 2013 Termine 0

Film und Diskussion: Roma … in Deutschland

Dienstag, 24. September 2013, 18.00 bis 21.00 Uhr, Goldene Rose, Rannische Straße 19, Straßenbahn: Franckeplatz

Roma auf dem Balkan und in Deutschland

Dokumentarfilmvorführung und anschließende Diskussion mit Elvira Ajvazi

Veranstaltet vom Psychosozialen Zentrum für Migrantinnen und Migranten in Sachsen-Anhalt in Trägerschaft der St. Johannis GmbH, Gemeinnützige Gesellschaft für soziale Dienstleistungen

Aus dem Veranstaltertext:

Freiwillige Rückkehr? Im Rahmen der Interkulturellen Woche 2013 wird die Reisedokumentation „Von Belgrad bis Skopje» von Katrin Schnieders und Elvira Ajvazi gezeigt. Sie gibt Einblick in die politische und soziale Situation von Roma in ihren Herkunftsländern.

Anfang März 2012 reisten Katrin Schnieders und Elvira Ajvazi, Aktivistinnen für das Bleiberecht von Roma, in die Herkunftsregionen vieler Münsteraner Roma. Das dort entstandene Video und Interviewmaterial prägt die kurze Reisedokumentation, die einen Einblick in die Lage vieler Roma in Serbien und Mazedonien gibt. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Situation der aus Deutschland und Westeuropa zurückgekehrten Roma geworfen.

Auf Grundlage der im Film dokumentierten aktuellen politischen und sozialen Diskriminierung der Roma und vor dem Hintergrund der deutschen historischen Verantwortung sowie der sehr populistisch geführten Debatte über Asylmissbrauch sollen die Besucher gemeinsam mit der anwesenden Elvira Ajvazi diskutieren. Elvira Ajvazi ist tätig bei der Gemeinnützigen Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender GGUA Münster und wird einen wertvollen Einblick in eine ganz unbekannte, da sehr verschlossene Community geben. Die derzeitige Lebenssituation der Rom aauf dem Balkan sowie ihre bleiberechtlichen Perspektiven in Deutschland sind auch Themen, mit denen sich das psychosoziale Zentrum für Migrantinnen und Migranten PSZ Halle in seiner Arbeit auseinandersetzt.

Die Veranstaltung wird gefördert durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die GLS-Treuhand-Stiftung.

Sep 2013 hastuUNI Nr. 50 0

Fritzchen versteht nur BAföG …

Die BAföG-Beratung des Studierendenrates erhellt so manchen Ahnungslosen

Illustration: Han Le

Illustration: Han Le

Fritzchen schämt sich. Er studiert nun seit zwei Semestern in Halle. Irgendwie sind die Inhalte ihm aber zu komplex und überfordernd. Am liebsten würde er wechseln. Allerdings hat er die letzten beiden Semester ein bisschen getrödelt, zwei Prüfungen nicht mitgeschrieben. Jetzt hat Fritzchen Angst: Er ist auf die BAföG-Zahlungen angewiesen, doch wie wirkt sich da ein Wechsel des Studienfaches aus? Was, wenn das Amt merkt, dass seine Motivation seit dem letzten Semester Urlaub macht? Was soll er nur tun? Also beliest sich Fritzchen im Netz, die 68 Paragraphen des Bundesausbildungsförderungsgesetzes sind dort problemlos einzusehen. Fritzchen versteht leider nur jedes dritte Wort. Ein Kumpel gibt ihm einen Tipp: »Geh doch mal zur BAföG-Beratung des SturaMehr, mehr, mehr

Sep 2013 Termine 0

Schwetschkestraßenfest 2013

Samstag, 14. September, ab 14.00 Uhr, westliches Ende der Schwetschkestraße
Haltestelle: Rannischer Platz

Ein nichtkommerzielles Straßenfest für Menschen jeden Alters mit einem bunten Programm, unter anderem:

Flohmarkt, Feuerwehrautobesichtigung, Dosenwerfen, Riesenseifenblasen, Zuckerwatte, Kartonmalerei, Geschicklichkeitsspiele, Kinderschminken, Portraitzeichnen, Lehmhausbau, Buttongestaltung, Siebdruck, Volleyball, Tischtennis, Holz-Workshop, Infostände, Tombola, Speis und Trank, Musik und Tanz, Feuershow – das alles und noch viel mehr wird’s geben!

Musikalisches Rahmenprogramm:
14.30 Uhr Toni Geiling (Musik für Kinder)
18.00 Uhr Papadula Connection (Reggae), Gaston (deutscher und englischer Poprock), Galata (Weltmusik mit Balkaneinfluss
22.00 Uhr Belenos (Feuershow), DJ Chris Redfield

facebook.com/schwetschkestrassenfest
visionbakery.com/Schwetschkestrassenfest2013

Sep 2013 Termine 0

Sommerfest Sanitätszug Saalekreis

Samstag, 21. September, ab 10.00 Uhr, Magdeburger Chaussee 60, Halle-Trotha
Haltestelle: Trotha (Straßenbahn), Trotha (S-Bahn), Magdeburger Chaussee (Buslinie 302)

Beim Hochwasser waren sie fleißig im Einsatz, jetzt holen sie ihr Sommerfest zum 15-jährigen Bestehen nach: die Katastrophenschutzeinheit Sanitätszug Saalekreis des Deutschen Roten Kreuzes. Besonders bei großen Verkehrsunfällen und Großveranstaltungen unterstützen die 30 Mitglieder die regulären Rettungsdienste. Auf ihrem Stützpunkt im Industriegebiet Halle-Trotha stellen sie sich vor. Im Angebot sind Erste-Hilfe-Vorführungen, Übungen mit THW und Feuerwehr, Technikschau, Fragestunde zu Erster Hilfe und Katastrophenschutz, Kinderschminken, Mal- und Bastelstraße, Hüpfburg und Kuscheltierkrankenhaus. Für das leibliche Wohl ist gesorgt.