Jul 2017 hastuUNI Heft Nr. 73 0

Langsames Studieren kostet Geld

Die Universität Leipzig plant Gebühren für Langzeit- und Zweitstudium

Foto: Lernfabriken … meutern!

Die mit rotem Teppich überspannten altehrwürdigen Stufen des Rektorats der Uni Leipzig boten zur letzten Senatssitzung am 16. Mai Trillerpfeifenkonzerten und gebrüllten Sprechchören eine Bühne. Die Senatorinnen und Senatoren zogen unter dem lautstarken Protest vieler Studierender zur monatlichen Sitzung ein, wo sich »die Gefühlswelten normalerweise zwischen gelangweilt und leicht erregt bewegen«, wie es der studentische Senator Maximilian König ausdrückte. Zu Beginn der letzten Sitzung kam es zu Zwischenrufen und Störungen von Seiten der Protestierenden. Die Demonstration wurde vom Bündnis »Lernfabriken … meutern« organisiert, das sich unter anderem zum Ziel gesetzt hat, gegen »die von Leistungsdruck geprägte Situation für Studierende« zu kämpfen. Mehr, mehr, mehr

Jun 2017 hastuUNI Heft Nr. 73 Online 0

Anwesenheitsproblem im Stura? – Die Fortsetzung

Panisches Zählen, angespanntes Lachen, unterdrückte Aufregung: Die Stura-Sitzung am 12. Juni startet alles andere als reibungslos. Für ungefähr zehn Minuten steht nicht einmal fest, ob die Sitzung überhaupt stattfinden kann – für die Beschlussfähigkeit fehlt genau ein Mitglied.

Ein Bild von der vorletzten Sitzung am 29. Mai. Foto: Alexander Kullick

Hektisch werden die Anwesenden wieder und wieder gezählt und durch den Raum ruft Kai Krause (LHG) von der Sitzungsleitung: »Habt ihr euch auch alle in die Liste eingetragen?« Handys werden gezückt, verzweifelt nicht-anwesenden Mitgliedern hinterhertelefoniert. Anscheinend sind die Abmeldungen zu kurzfristig und nicht gesammelt eingegangen, so dass auch keine Stellvertreter ernannt wurden. Mehr, mehr, mehr

Jun 2017 hastuUNI Online 0

So lasset sie wählen

Man kann sich Schöneres vorstellen, als bei knapp 30 Grad auf eine Stura-Sitzung zu gehen. Das dachten sich am 29. Mai vermutlich auch die Mitglieder, zumindest sollte die Sitzung an diesem Tag zu einer der kürzesten des Jahres werden. Trotzdem gab es genug zu diskutieren: Dieses Mal zum Beispiel über die AfD, Madrid und leere Trinkflaschen. Und was ist eigentlich ein Awareness-Team?

Tagesordnung aus der Tischvorlage

Tagesordnung aus der Tischvorlage

So leidenschaftlich wie an dieser Stelle sollte es an diesem Abend nicht mehr werden. Um kurz nach 19 Uhr erhebt sie sich aus ihrem Stuhl und setzt an zu einem leidenschaftlichen Plädoyer. Es war kein gewähltes Stura-Mitglied, das sich zu diesem Schritt gedrängt fühlt – es ist Büroleiterin Elke Lopens, die der Sitzung wie immer für einige Zeit beiwohnt. Sie sieht sich genötigt, eine fast schon als banal anmutende Praxis seitens des Sturas öffentlich zu machen: Viel zu wenige Sturamitglieder brächten die von ihnen genutzten Getränkeflaschen, die allen offen zugänglich sind, wieder leer zurück – so entstehen mancherorts Haushaltsdefizite. Aus einigen Gesichtern der zunächst 19 stimmberechtigten Anwesenden sprechen eine Mischung aus Scham und peinlicher Betroffenheit, anschließend kann die Versammlung aber ihren gewohnten Gang gehen. Mehr, mehr, mehr

Jun 2017 hastuINTERESSE Heft Nr. 72 0

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Redakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. Diesmal steht der umstrittene Philosoph Christian Wolff im Mittelpunkt.

Illustration: Katja Elena Karras

Illustration: Katja Elena Karras

Chinesen, ausgerechnet die Chinesen! Das ist zu viel. Eigentlich gibt es eine Menge Gründe, den unliebsamen Denker und Universitätsprofessor Wolff beim Landesherrn anzuschwärzen, doch was er da bei seiner Rede am 12. Juli 1721 in aller Öffentlichkeit sagt, bringt das Fass zum Überlaufen. Schon seit einer ganzen Weile sehen die halleschen Pietisten, allen voran der berühmte August Hermann Francke, mit Besorgnis, wie der umtriebige Professor seine Ideen verbreitet. Alle Menschen seien von Natur aus gleich, so hat es Wolff verkündet, und hätten daher auch qua Geburt die gleichen Rechte. Das würde sich vielleicht noch verschmerzen lassen, doch dieser Hallunke von einem Philosophen geht tatsächlich noch weiter und behauptet, die Vernunft allein und nicht Gott würde die Begründung für moralische Prinzipien liefern. Nicht nur für die pietistischen Theologen klingt das gefährlich; die Vertreter der religiösen Orthodoxie warnen nicht ohne Grund, dass, wer nach Halle ginge, entweder als Pietist oder Atheist zurückkehren werde. Und nun auch noch das: Da verkündet dieser Plagegeist Wolff doch tatsächlich, dass die chinesische Philosophie des Konfuzius sich unabhängig von der christlichen Lehre, ja eben gerade ohne sie entwickelt habe, und ihrem abendländischen Pendant durchaus ebenbürtig sei! Nicht nur Francke, sondern auch dem pietistischen Theologieprofessor Joachim Lange platzt daraufhin endgültig die Hutschnur. Schließlich ist für sie die christliche Frömmigkeit die Hauptsache, und dass die Chinesen ohne sie zu einer reichhaltigen Philosophie gelangt sind, rüttelt an den Grundfesten des christlichen Weltbildes. Mehr, mehr, mehr

Jun 2017 hastuINTERESSE Online 0

Am besten testen

Schwanger – und dann auch noch vegan? Wie das für Mutter und Kind gut gehen kann, erzählte die Ökotrophologin Laura Gerhardt im Anschluss an den veganen Kaffeeklatsch zwischen Kindergebrabbel und Kuchenduft in der Goldenen Rose.

Foto: Sophie Ritter

Foto: Sophie Ritter

Beinahe alle Plätze im Spiegelsaal in der Goldenen Rose sind am Sonntag, dem 14. Mai, besetzt. Der ein oder andere Zuschauer hat noch ein Stück Kuchen oder Torte auf seinem Teller – das Besondere hierbei: Es handelt sich um veganes Backwerk. Genau darum geht es in dem Vortrag, den die Ökotrophologin Laura Gerhardt hält: Um vegane Ernährung, allerdings mit dem Fokus auf Schwangerschaft, Stillzeit und Kinderernährung. So ist es auch nicht verwunderlich, dass überwiegend junge Familien im Publikum sitzen und konzentriert zuhören, während draußen ab und zu die Straßenbahn vorbei fährt oder einer der Knirpse vor sich hin brabbelt. Mehr, mehr, mehr

Jun 2017 hastuUNI Online 2

Von sinkenden Schiffen und überraschenden Wendungen

Am Mittwochvormittag trafen sich einige Studierende beim Löwengebäude, um vor und während der Personalversammlung der MLU gegen die Personalsituation am Germanistischen Institut zu demonstrieren. Die Überraschung kam in Form des Vorsitzenden vom Personalrat, der kurzerhand die Studierenden in die Aula zur Personalversammlung bat.

Foto: Paula Götze

Foto: Paula Götze

Gestern riefen der Fachschaftsrat der Neuphilologien und die IG Germanistik zum »Protest gegen die Personalsituation am Germanistischen Institut« auf. Auch der Stura veröffentlichte vorgestern den Appell: »Für eine gute Lehre! Solidarität mit den Germanist*innen!«.

Anlass des Protests war das Ablaufen der befristeten Arbeitsverträge einiger Lehrkräfte des Germanistischen Instituts, was zu essenziellen Problemen bei der Lehre in den jeweiligen Bereichen führen könnte (genauere Informationen dazu in der Veranstaltung, im Stura-Text und auf noch folgenden PowerPoint-Folien). Man protestierte aber auch ganz allgemein gegen die vielen Kürzungen, welche die Lehre an den Universitäten bedrohen. Mehr, mehr, mehr

Mai 2017 English hastuPAUSE Heft Nr. 72 0

Disney’s Gay Closet – Out or In?

Disney movies are often viewed as a stronghold of fairy tales and classical romance. But a closer view shows signs of queerness beneath heteronormativity even before the recent adaptation of Beauty and the Beast.

Illustration: Tom Simpson (CC BY-NC-ND 2.0) www.flickr.com/photos/randar/20442878708/

Illustration: Tom Simpson (CC BY-NC-ND 2.0)
www.flickr.com/photos/randar/20442878708/

In the last couple of years, the Walt Disney Company has not only significantly broadened its repertoire by buying into the Star Wars and Marvel franchise, but also by offering real-life versions of beloved animated fairy tale movies, some more, and some less faithful to their Disney original. The most recent adaptation, after Cinderella, Alice in Wonderland, The Jungle Book and Maleficent is Beauty and the Beast, which is almost eerily similar to the animated version, sometimes offering the same scenes shot by shot. And yet, voices all around the world have been speaking up, asking the movie to be banned, like a cinema in Alabama, USA decided to do on its own. In Russia, the beloved children«s classic received only a PG-16 rating, while in Kuwait, the movie was prohibited altogether. Why all the fuss about a story that has been told and re-told countless times, even by Disney itself? Mehr, mehr, mehr

Mai 2017 hastuPAUSE Heft Nr. 72 0

Das Wort zum Wort

Eine vielleicht etwas ambivalente Kolumne über Kommunikation und den Eindruck, dass Gesagtes und Gemeintes nicht immer dasselbe sind. Sie beobachtet und kommentiert. Und vielleicht will sie auch manchmal irgendwie eingreifen. Diesmal wird geflucht.

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Illustration: Katja Elena Karras

Das Radio ist unschuldig; eine hitzige, aber dennoch sachliche Diskussion während einer Redaktionssitzung endete mit dem Vorschlag, mal übers Fluchen zu schreiben. Nun sitze ich hier und lasse mich von einem Lied inspirieren, das ich tatsächlich schon sehr lange nicht mehr im Radio gehört und auch nicht wirklich vermisst habe: Mitte der 1990er hatte es das Rap-Trio Tic Tac Toe mit dem Lied »Ich find dich scheiße«, dessen Refrain aus wenig anderem als ebendiesem »bösen sch-Wort« bestand, in die Charts geschafft. Ältere Kinder liefen singend – oder schreiend – durch die Straßen, während andere Generationen dieses Lied skandalös fanden und meine Eltern mir vermittelten, dass dieses sch-Wort zu vermeiden sei. Mehr, mehr, mehr