Aug 2016 hastuUNI Heft Nr. 66 0

ATP zum Frühstück

261 Studiengänge an 10 Fakultäten bietet die MLU, eine beinahe unübersichtliche Anzahl. In unserer Rubrik »Studiengeflüster« stellen unsere Autoren kurz und knapp interessante Aspekte ihres eigenen Studiums vor. Teil 9: Eine biochemische Reise durch den Alltag.

Illustration: Katja Elena Karras

Illustration: Katja Elena Karras

Morgens um 6.30 Uhr. Der Wecker klingelt. »Los! Los! Wir müssen die Lider öffnen! Auf drei: Hau ruck! Hau ruck!«, schreien sich Actin und Myosin zu.
Diese beiden Proteine sind Hauptbestandteile unserer Muskeln und sorgen dafür, dass aus einem chemischen Impuls mechanische Bewegung wird. Dabei ziehen sich Myosinfilamente, die wie Golfschläger aussehen, über die Actinstränge, und der Muskel wird gespannt, die Augen werden geöffnet.
Während Max seinen täglichen Aufgaben nachgeht und mal mehr, mal weniger gestresst ist, vollführt sein Körper immer wieder Wunder. Und Max merkt es nicht mal … Es fängt schon beim Aufstehen an: Er quält sich aus dem Bett, schafft es gerade so, sich anzuziehen, und trinkt noch schnell einen Kaffee. Auf dem Weg zum Fahrrad schlingt er noch einen Marmeladentoast herunter. Dann geht«s los zur Uni. Um diese Aktivität zu meistern, muss sein Körper Energie in Form von Adenosintriphosphat (ATP) bereitstellen. Diese Energie wird durch den Abbau von Kohlenhydraten bereitgestellt, die in seinem Frühstück enthalten waren.

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Aug 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 66 0

Hunting out the Hausarbeit

Studierende schreiben Hausarbeiten, die nach der Abgabe beim Professor nicht weiter verwendet werden. Eine studentisch organisierte Zeitschrift kämpft dagegen an, indem sie die besten Seminarschriften ihrer KommilitonInnen regelmäßig abdruckt.

Illustration: Katja Elena Karras

Illustration: Katja Elena Karras

Ihre Geschichte beginnt im Jahr 2010. Zu dieser Zeit wissen die Studierenden noch nicht, ob ihr Projekt – in einer eigens dafür gegründeten Zeitschrift Hausarbeiten zu veröffentlichen – ankommt und ob es überhaupt weiterexistieren wird. Dabei kam es dem Dilemma vieler Studierender entgegen. Denn wer hat sich nicht schon einmal beschwert, eine Hausarbeit schreiben oder sich wieder an die schon angefangene Arbeit dransetzen zu müssen. Wer hat sich nicht gefragt: »Wieso liest meine gelungene Arbeit eigentlich nur der Professor, und danach verschwindet das gute Stück im Uniarchiv?« Martin Lhotzky, Theaterstudent an der Freien Universität in Berlin, und seine Freunde aus den Bereichen Germanistik, Komparatistik und Theaterwissenschaft wollten das ändern. In »Anwesenheitsnotiz« – so der symbolhafte Titel der Zeitschrift – publizieren sie die Seminarschriften ihrer KommilitonInnen aus Kultur- und Geisteswissenschaften. »Unser Ziel ist es, interessierten Autorinnen und Autoren ein Podium zu geben, das berücksichtigt, dass sie Studierende sind. Es geht nicht darum, bereits seine Linie gefunden oder alle Forschungsaspekte berücksichtigt zu haben, sondern darum, abseits der einschlägigen fachwissenschaftlichen Zeitschriften, den zukünftigen Autoren und Autorinnen ein Medium und ein Redaktionsteam anzubieten.« schreiben sie in der ersten Ausgabe.

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Aug 2016 hastuUNI Heft Nr. 66 0

Hochschulpolitisches Fehdewesen

Auf dem Steintorcampus steht ein Denkmal und erinnert an im preußisch-französischen Krieg gefallene Landwirte. Der SDS.DieLinke wollte mit der Abrissbirne anrücken. Dem RCDS taugte es daraufhin als Kulisse für ein Gruppenfoto. Alles beim Alten belassen oder totaler Kahlschlag – dazwischen liegen unendlich viele Alternativen. Eine Überlegung.

Sinnvoller Umgang mit kriegerischer Vergangenheit? Plakat der MLU- Hochschulgruppe SDS.Die Linke

Sinnvoller Umgang mit kriegerischer Vergangenheit? Plakat der MLU-
Hochschulgruppe SDS.Die Linke

Hinter friedlich grinsenden christlich-demokratischen Gesichtern blickt Germania auf die konservativen Kräfte der Hochschulpolitik. Aber ist es überhaupt Germania, als Inbegriff des Deutschen? Natürlich, wer Germania sucht, wird sie finden. Schaut man aber genauer hin, erkennt man Griffel und Papyrusrolle als Kennzeichen der Klio, Muse der Heldendichtung, Geschichtsschreibung und obendrein Schutzpatronin der Historiker.
Diese Statue nun, einst 1872 zum Gedenken an die in den Kriegen mit Frankreich gefallenen Landwirte aus Halle geschaffen, ist also Zentrum einer hochschulpolitischen Fehde. Der Versuch, Geschichte auszulöschen (Abrissbirne), unkommentiert zu lassen oder sich gar zu eigen zu machen (Facebook-Gruppenfoto), mag als Provokation funktionieren. In Zeiten eines Studiums, das zu Kreativität und Reflexion anregen sollte, denken kluge Köpfe aber weiter. Als Symbol für Frieden und Harmonie scheint eine intensive Bepflanzung das Denkmal bei gleichzeitigem Erhalt positiv umzuwerten: Das lebende Grün gegen kalten, toten Stein. Mehr, mehr, mehr

Aug 2016 hastuUNI Heft Nr. 66 0

Erdrutsch-Sieg oder Erdrutsch-Niederlage

Am 18. Mai 2016 war es wieder so weit: Die Hochschulwahl rief zum politischen Aktivismus auf. Der Senat, die Fakultätsräte, der Fachschafts- und der Studierendenrat suchten nach neuen Leitlinien, Vertretern und Gesichtern. Eine neue Hochschulgruppe war auch dabei …

Da eine Auflistung der Ergebnisse online abrufbar ist, wird die Wahl an dieser Stelle aus der Sicht einer viel diskutierten und womöglich leicht prekären Perspektive beleuchtet: Gemeint ist die der angetretenen Personen von »Die Liste«.
Als Person mit journalistischer Absicht sieht man sich mit dem Ideal der Neutralität konfrontiert. Den Lesern soll eine rein objektive und sachliche Meinungsbildung ermöglicht werden. Beim Interview mit den Mitgliedern von »Die Liste« wähnt sich dieses Gebot in Gefahr. Entweder man solidarisiert sich mit den »Sackträgern« (Steven Sundermann hat keinen Platz im Stura erlangen können) oder man baut von Anfang an eine hohe Mauer aus Unverständnis und Missachtung auf. Wo soll man die fünf frech-frivolen, aber doch friedvollen Freidenker interviewen? Natürlich in einer Bar. Nach wenigen gewechselten Worten wird klar: Es besteht ein schmaler Grat zwischen Seriosität und Nihilismus, zwischen waschechter Politik und Plattitüden. Mehr, mehr, mehr

Aug 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 65 0

Zwischen Verfall und Chancen

Kaum ein hallischer Stadtteil hat mehr mit Vorurteilen zu kämpfen als Halle-Neustadt. Plattenbauten, verfallene Gebäude, wenig Kultur und eine rapide alternde Gesellschaft. Andererseits ziehen vermehrt auch Studenten nach »Ha-Neu«. Was ist das Besondere an dieser ehemals eigenständigen Stadt ?

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Photo: Alexander Kullick

Ellen Bär lebt gerne in Neustadt, und das seit inzwischen fast 50 Jahren. Die Rentnerin muss nicht lange überlegen, warum. »Man hat hier alles, was man zum Leben braucht. Die Mieten sind nach wie vor bezahlbar, die Lebensqualität ist in Ordnung. Man darf aber auch keine allzu hohen Ansprüche haben.« Man spürt, dass sie den letzten Satz ernst meint. »Die Menschen waren froh, eine Arbeitsstelle und noch dazu bezahlbaren Wohnraum zu finden, man hat bei so einem Angebot nicht zweimal überlegt.«
Wie Ellen Bär ging es vielen Menschen, oft jungen Familien, die in den 1960er-Jahren nach Neustadt kamen. »Ha-Neu«, so die im Alltag oft verwendete Bezeichnung, wurde zu Beginn der 60er-Jahre innerhalb von Monaten künstlich von Stadtplanern und Architekten der DDR am Reißbrett entworfen und aus dem Boden gestampft. Vor allem für die Arbeiter der gut 25 Kilometer entfernten Chemiestandorte Leuna und Schkopau wurde viel Wohnraum benötigt, in dem sich die Mitarbeiter aber auch zuhause fühlen sollten. Dutzende Mehrfamilienhäuser, überwiegend Plattenbauten, entstanden binnen weniger Jahre für Zehntausende von Menschen. Zwischen den einzelnen Wohnblöcken wurden viele Grünanlagen angelegt, die die Attraktivität der neuen Stadt steigern sollten. Tatsächlich war Halle-Neustadt, damals auch als »Halle-West« bekannt, bis kurz nach der Wende eine eigene Kommune und damit Schwesterstadt von Halle. Zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung Deutschlands lebten fast 90 000 Menschen in der Stadt. Mehr, mehr, mehr

Aug 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 65 0

Der Hallische Zufall

Der »Hallische Zufall« ist die Kolumne der hastuzeit. Darin schildert Tobias regelmäßig Momente und Begebenheiten der hallischen Ab- und Besonderlichkeiten. Dieses Mal ist der Zufall voller Frühlingsgefühle.

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Illustration: Anne Walther

Manchmal hat der Hallische Zufall wirklich das Gefühl, dass seine Lieblingsstadt im Winter in einen Schlaf fällt. Dann, wenn alles kalt, grau und dunkel ist. Nur ganz selten gibt es einmal wirklich viel Schnee, der alles erträglich macht. Zumal wenn die Menschen auch noch immer schlechtere Laune haben, dann könnte er sogar manchmal fast an seiner Stadt verzweifeln. Vor allem die laut Stereotyp typisch hallische Mürrischkeit findet der Zufall ganz grauenhaft. Ganz selten denkt in solchen Momenten sogar der Hallische Zufall mal an Urlaub.
Umso erleichterter war der Hallische Zufall, als er die ersten Sonnenstrahlen auf dem Fell spürte, die ersten Krokusse blühen sah und mehr und mehr Lächeln auf den Gesichtern der Menschen erkannte. Die Cafés haben bereits wieder ihre Terrassen und Gärten geöffnet. Nicht nur Burgstudierende verlagern ihre Projekte wieder zusehends nach draußen, und die Schüler der Reil-Sekundarschule und des Giebichenstein-Gymnasiums hängen bereits wieder bis spät in die Nacht am Landesmuseum herum und erwarten trinkend und rauchend den Sommer. Mehr, mehr, mehr

Aug 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 65 0

Sonne für alle

Eine der emotionalsten und gefährlichsten Krankheiten des 20. Jahrhunderts könnte bald ausgerottet sein – und vielleicht sogar Anlass zur Hoffnung geben.

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Illustration: gemenfrei Link: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Poliovirus_binding_receptor_ 1DGI.png

Eine amerikanische Kleinstadt in den 40er-Jahren. Es ist Sommer, der Himmel blau und die Luft angenehm warm, eigentlich perfekt, um die Zeit im Freien zu verbringen. Doch das Schwimmbad ist geschlossen, die Spielplätze verwaist, man sieht kaum jemanden im Freien. Ein Wort macht die Runde, das so manchen in Angst und Schrecken versetzt: Kinderlähmung. Die Menschheit hat in ihrer Geschichte mit vielen Krankheiten Bekanntschaft gemacht, seien es Pest, Cholera, Pocken, Spanische Grippe, Malaria, Ebola oder AIDS. Diese Namen stehen auch heute noch für Leiden und Tod. Doch es gibt auch Krankheiten, die besonders heutzutage weniger bekannt sind. »Kinderlähmung« sagt heute kaum noch jemandem etwas. Noch vor 60 Jahren allerdings war sie der Albtraum aller Eltern. Jährlich wurden tausende Menschen, vor allem Kinder, geschädigt. Mehr, mehr, mehr

Aug 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 65 0

»Lauf doch weg, Bitch.«

Der Jugendliche Steve liebt seine Mutter so sehr, dass er sie fast schon töten möchte. Der Film »Mommy« des frankokanadischen Regisseurs Xavier Dolan fasziniert durch Emotionen, Alltagsbezug und starke Charaktere.

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Photo: Film „Mommy»

Der sechzehnjährige Steve (Antoine-Olivier Pilon) wird aus einem Heim für schwer erziehbare Jugendliche entlassen und lebt fortan mit seiner Mutter (Anne Dorval). Er hat ADHS und eine gewalttätige Vergangenheit hinter sich, womit seine Mutter nun umgehen muss. Als Steve mal wieder Schwierigkeiten macht und seine Medikamente nicht nehmen will, kommt die Nachbarin Kyla (Suzanne Clément) zur Hilfe, und zusammen versuchen sie, den Jungen zu bändigen und ihm ein normales Leben zu ermöglichen.
Der Film zieht den Zuschauer sofort in seinen Bann. Obwohl alle Szenen in alltäglichen Situationen stattfinden – auf der Straße, im Haus, vor dem Einkaufszentrum – lassen die Aufrichtigkeit und Emotionalität eines jeden Moments die zwei Stunden wie im Flug vergehen. Schon das erste Treffen von Mutter und Sohn zeigt einen eindringlichen Blick in die Beziehung der beiden: Er in Trainingsanzug, sie in High Heels und eng anliegenden Jeans. Steve fängt an, von seinem Leben im Heim zu erzählen: »Wenn ich ehrlich bin, konnte ich es mit diesen Idioten nicht länger ertragen.« Die Mutter zündet sich darauf eine Zigarette an. Steve quengelt: »Darf ich auch ? Ich hab dort auch geraucht!« Sie verweigert, denn sie will alles richtig machen. Dann aber gibt sie ihm die Zigarette: »Hier, kannst du zu Ende rauchen. Sind noch ein paar Züge.« Mehr, mehr, mehr