Apr 2014 hastuINTERESSE Nr. 53 0

»Vertraue nicht blind«

Ein Interview mit Melanie Grießer von der Initiative »Sendeschluss – Projekte und Gesichter eines bedrohten Studiengangs« der Medien- und Kommunikationswissenschaften

Foto: Melanie Grießer

Foto: Melanie Grießer

Was ist die Initiative »Sendeschluss«?

Wir sind eine Gruppe von Studierenden der Medien- und Kommunikationswissenschaften, die sich wegen der drohenden Schließung unseres Departments zusammengefunden hat. Die ersten Treffen begannen schon im Sommer 2013, als unser Fach auf dem umstrittenen, inoffiziell geklaut-geleakten Möllring-Papier als möglicher Streichkandidat auftauchte. Uns war auch schon länger bewusst, dass die altersbedingt frei werdenden Professuren am Department gefährlich sind und leicht als willkommener Anlass zum Geldsparen missbraucht werden können. Wir haben damals angefangen, uns zu organisieren und erste Aktionen zu planen. Hier entstand auch die Idee zu unserer Protest-Website. Richtig aktiv sind wir geworden – und konnten wir erst werden –, als das Rektorat Anfang Februar dann tatsächlich einen Immatrikulationsstopp ins Gespräch gebracht hat.

Was wollt ihr mit der Initiative erreichen?

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Apr 2014 hastuINTERESSE 0

Der Aluhut gegen die Verschwörung

Die »Montagsdemo« ist nun auch in Halle angekommen. Ein breites Bündnis der Hochschulgruppen organisierte am Montag eine Gegendemo, linke Jugendliche störten den Protest.

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Linke Gegendemonstranten drängten in die Menge der Montagsdemo.

Die Protestwelle aus Berlin, die »Montagsdemo«, ist in Halle angekommen. Besorgte Bürger demonstrierten am Montagabend auf dem Marktplatz für Frieden, eine ehrliche Presse und soziale Gerechtigkeit. Bereits in anderen Städten, darunter zuletzt Leipzig, hatten die Montagsdemos für kontroverse Diskussionen gesorgt. Der Grund dafür ist die Annahme, dass rechtsradikale Gruppen die friedlichen Proteste instrumentalisierten und damit einen strukturellen Antisemitismus verbreiteten.

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Fotos: Markus Kowalski

Nachdem die Facebook-Seite der Montagsdemo mit über 1000 Likes die Veranstaltung angekündigt hatte, rief ein breites Bündnis kurzerhand zur Gegendemo auf. Die fünf Hochschulgruppen RCDS, Jusos, Liberale, GHG und SDS sowie die hallischen Jugend-Parteiorganisationen Junge Union, Jusos, Grüne Jugend, Junge Liberale und solid-Linksjugend waren mit ca. 50 Personen an der Gegendemo beteiligt. Unter dem Motto »Frieden ohne Aluhut« trugen einige Studenten aus Alufolie gebastelte Hüte auf dem Kopf. Der Aluhut steht laut dem Bündnis symbolisch für Verschwörungstheorien. Inhaltlich mahnten die Studierenden die rund 200 Montagsdemonstranten mit Flugblättern, nicht »mit vereinfachten Lösungen nach Sündenböcken« zu suchen. Mehr, mehr, mehr

Apr 2014 hastuUNI Heft Nr. 53 0

»Schon lange vermutet, dass was im Busch ist«

Stell dir vor, drei Professoren gehen in den Ruhestand, und kein Nachfolger kommt! Für die Medien- und Kommunikationswissenschaften wird das ab kommendem Wintersemester bittere Wahrheit. Gerhard Lampe, Professor im Department für Medien und Kommunikation, spricht im Interview über die verwaisten Stellen seines Instituts und bemerkenswerte historische Parallelen zu 1933.

Es bedurfte keiner Einstiegsfrage, um den Gesprächstrieb von Professor Lampe zu entfachen:

Möglicherweise wird es das zweite Mal sein, dass ein Rektorat ein Institut für Medienwissenschaft schließt, denn 1933 ist das Institut für Zeitungswissenschaft, gegründet in den zwanziger Jahren, im Zuge der sogenannten Wiederherstellung des Berufsbeamtentums abgeschafft worden.

Kann man dann sagen, dass Sie zur heutigen Zeit Parallelen sehen?

Es ist sicher keine historische Parallele, aber man muss sich das einfach mal auf der Zunge zergehen lassen, dass die zweite Gründung eines medienwissenschaftlichen Instituts, aus anderen Gründen als 1933, eliminiert werden soll. Und das allein ist bemerkenswert. Der Rektor hat geäußert, man könne uns abschaffen, weil wir ja nicht so in die Universität inte­griert seien wie vielleicht andere Fächer. Die alte Tradition, die wir hätten haben können, die ist durch die Nazis unterbunden worden. Mehr, mehr, mehr

Apr 2014 hastuUNI 0

Schon wieder Kürzungen?

Die nächste Demo steht vor der Tür, der Hochschulprotest geht weiter. Aber welche Studiengänge genau stehen jetzt auf der Streichliste? Ein kleiner Überblick über die Kürzungsdebatte in Vorbereitung der Demo am Dienstag

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Aufruf zum Bildungsstreik: Der Flyer zur Demo am kommenden Dienstag.

Vor einem Monat hatte Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) das neue Konzept der Landesregierung für die Hochschulen, den Hochschulstrukturplan, vorgestellt. Darin erläutert die Regierung, wie sie mit den Hochschulen im Land in den nächsten Jahren verfahren will. Dabei sollen vor allem Schwerpunkte an jedem Standort gesetzt werden. An der MLU will Möllring „die Profilierung in den Natur- und Geisteswissenschaften, bei der Lehrerbildung und in der Hochschulmedizin». Diese Forschungsschwerpunkte haben aber zur Folge, dass jede Uni bestimmte Studiengänge verliert.

Auf der Streichliste

In Halle sollen konkret die Medien- und Kommunikationswissenschaften, der Bereich der Psychologie und die Informatik wegfallen. Ebenso steht das Studienkolleg vor dem Aus, welches bisher die internationalen Studierenden in Halle betreut. Bei den Musikwissenschaften ist die Lehre schon jetzt im Bereich des Instrumentalunterrichts ausgesetzt.

Gleichzeitig sollen die Unis in Leipzig, Jena, Magdeburg und Halle stärker miteinander kooperieren. Die Idee dahinter ist, dass an der einen Uni Studiengänge geschlossen werden und diese Studenten dann an der anderen Uni weiter studieren. Mit dieser fragwürdigen Begründung sollen die Geo- und Sportwissenschaften in Halle geschlossen werden. Diese Studenten könnten nach Möllrings Vorstellung dann in Leipzig weiter studieren. Mehr, mehr, mehr

Apr 2014 hastuPAUSE Nr. 53 0

»Als wäre Albanien ein Urlaubsort«

Internationale Studierende berichten, wie sie Halle kennenlernten und welche Erfahrungen sie hier gesammelt haben.

Jessica Hartanto, 23, aus Jakarta, studiert Medizin

Jessica Hartanto, 23, aus Jakarta, studiert Medizin

Bevor ich hierher kam, hatte ich bereits ein Jahr lang die deutsche Sprache gelernt, aber nur die Theorie der Sprache. Während meiner Zeit im Studienkolleg habe ich mich mit dem deutschen Lebensstil angefreundet. Ich habe seitdem auch in einer WG mit zwei Deutschen gewohnt. Mehr, mehr, mehr

Apr 2014 hastuPAUSE Nr. 53 0

Erasmus 2.14 à la française

Eine ordentliche Portion Social Media gehört heute zu einem Auslandssemester dazu, durfte hastuzeit-Auslandskorrespondentin Julia in Frankreich feststellen.

Foto: Julia Plagnetz

Foto: Julia Plagentz

Wenn ich etwas liebe, dann sind es gestellte Fotos. Wer erwägt, ein Erasmussemester zu absolvieren, sollte sich schon mal vorsichtshalber die Mundwinkel knapp unter die Augen tackern. Mehr, mehr, mehr

Apr 2014 hastuPAUSE Nr. 53 0

»Blue Buff for Diabetes«

Was haben »Zocken« und »Diabetes« miteinander zu tun?

Foto: Chris Schön

Foto: Chris Schön

Ersteres steht für Freizeitspaß und Ausdauer am PC, Diabetes hingegen gilt als eine unheilbare Erkrankung, die mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland betrifft.

Auch die 24-jährige Katarina Braune, Medizinstudentin aus Halle, leidet seit ihrem zwölften Lebensjahr an Diabetes Typ 1 und engagiert sich aus diesem Grund ehrenamtlich für mehrere Diabetesorganisationen und andere Diabeteserkrankte. Gleichzeitig spielt sie seit Jahren leidenschaftlich gern Computerspiele und hat nun diese beiden für sie wichtigen Komponenten in einer Gamer-Veranstaltung namens »Blue Buff for Diabetes« vereint. Mehr, mehr, mehr

Apr 2014 Termine 0

Deutschland und der 1. Weltkrieg

Dienstag, 29. Apri, 18.00 Uhr c.t., HS XIV a/b, Löwengebäude, Universitätsplatz

Deutschland und der 1. Weltkrieg – Einfach hineingeschlittert?

Vortrag von Gerd Fesser

Veranstaltet vom Fachschaftsrat der Philosophischen Fakultät I

Aus dem Veranstaltertext:

Das Jahr 2014 ist ein Gedenkjahr, das besonders mit dem Thema Krieg und Frieden verbunden ist. 100 Jahre nach Beginn des Ersten und 75 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges will sich der Fachschaftsrat der Philosophischen Fakultät I der MLU kritisch mit Vergangenheit und Gegenwart von Kriegen auseinandersetzen.

Am 29. April, 18 Uhr c.t. spricht Gerd Fesser über sein neues Buch »Deutschland und der Erste Weltkrieg«. Dabei geht es um die Schuldfrage, die mit C. Clarks »Die Schlafwandler« seit einigen Monaten die mediale Debatte um die Verursacher des Ersten Weltkrieges befeuert hat. Fesser wird die von vielen Historikern infrage gestellte These der Alleinschuld Deutschlands verteidigen.

Zum Referenten:

Geb. 1941 in Sömmerda, Historiker; 1973-91 wiss. Mitarbeiter an der Akademie der Wissenschaften der DDR, 1993-96 am Historischen Institut der Universität Jena; Autor zahlreicher Bücher zur deutschen Geschichte von 1789-1917; aktuell: »Deutschland und der Erste Weltkrieg«, Köln: PapyRossa Verlag, 2014.