Okt 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 67 0

Teller um Teller, Kelle für Kelle

Jeder kennt sie: die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mensen in Halle. Sie stellen für viele die wichtigste Mahlzeit des Tages bereit. Aber was müssen sie eigentlich alles leisten und aushalten?

mensa1

Illustration: Katja Elena Karras

Wenn man in der Mensa die Mimik und Gestik der Menschen beobachtet, kann man viele Emotionen ablesen: genervt, gestresst, glücklich oder freundlich. Für die Damen und Herren hinter der Ausgabe beginnt spätestens mit dem ersten Teller der Stress. Jedem »Mahlzeit« sagen, auf das Piepen der Karte warten und dann noch die Extrawünsche einzelner Personen berücksichtigen. Dabei bleibt oft die Freundlichkeit auf der Strecke. Zwischendurch noch in die Küche rennen und neues Essen holen. Dann wieder neue Teller zu den einzelnen Theken rausbringen. Oh, vorne sind die Tabletts und das Besteck schon wieder leer? Also dort auch noch hin.

Austeilen ist nicht alles
Oft übersieht man die viele Arbeit, die die MitarbeiterInnen der Mensen haben. Diese fängt nicht erst Punkt halb zwölf an, sondern beginnt schon viel früher mit dem Kochen und Herrichten. Auch wenn wir als Studenten endlich unser Essen bekommen haben und satt wieder gehen, hört die Arbeit der MitarbeiterInnen noch nicht auf. Einer sammelt alle Gewürze von den Tischen ein und der nächste räumt alle Flyer und Servietten weg. Dann werden die Tische abgewischt. Die Müllbeutel an den Tablettrückgaben werden ausgetauscht, alle Theken ausgeräumt und sauber gemacht. Das große Chaos in der Küche muss nebenbei auch noch erledigt werden.

Mehr, mehr, mehr

Okt 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 67 0

Schläft ein Lied in allen Dingen …

Joseph von Eichendorff und Halle verbindet nur die fade Schwelgerei vom Giebichenstein? Weit gefehlt! Zwischen 1805 und 1806 studierte er an der hiesigen Universität und machte dabei Erfahrungen, die in seinem Werk noch lange nachklingen sollten.

eichendorff_bild__500x773_

Illustration: Emil Krupa-Krupinski (1899, gemeinfrei)

Die hallischen Jahre Joseph von Eichendorffs mögen auf den ersten Blick als wenig bedeutsames Intermezzo in der Biographie des geradezu protoromantischen Dichters erscheinen, als Jahre des poetischen Schlummers, aus dem wach zu küssen ihn – so man seinen autobiographischen Zeugnissen denn Glauben schenken darf – erst die »prächtige Romantik« Heidelbergs vermochte. An der hallischen Friedrichsuniversität, die in den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts knapp 1000 Studierende fasst und an der er sich im Sommersemester 1805 für ein Studium der Rechtswissenschaften immatrikuliert, verbringt er nur drei Semester; aus den Ferien in der schlesischen Heimat im Sommer 1806 kehrt er nicht mehr nach Halle zurück: Nach dem Sieg der napoleonischen Truppen auf den Schlachtfeldern von Jena und Auerstedt langt die Grande Armée noch im Frühwinter 1806 in Halle an, wo Napoleon auf die Unruhen der Studentenschaft mit deren Verbannung aus der Stadt und der Schließung der Universität reagiert. Eichendorff und mit ihm viele andere verschlägt es zur Fortsetzung des Studiums nach Heidelberg – die Saalestadt wird er erst im hohen Alter wieder erblicken. Die literarischen Zeugnisse der hallischen Zeit sind rar gesät, liegt sie doch noch Jahre vor der Erweckung Eichendorffs zu einem der meistvertonten deutschsprachigen Lyriker. Mehr, mehr, mehr

Okt 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 67 0

»Ich bin eher für Lücken im Lebenslauf«

Katja Hofmann studiert zwar nicht mehr in Halle, ist aber durch ihre Beiträge in Poetry Slams eine Person, die man als Student sehr wohl kennen kann. An einem Montagmittag bei Kaffee und Kuchen im Fräulein August kommen wir ins Gespräch.

foto-von-lukas-klose

Foto: Lukas Klose

Wie fing das eigentlich damals an mit dir und dem Poetry Slam?
Ich hab mit einem Date bei einem Poetry Slam zugeguckt, im Turm damals. Also, kleiner Tipp: Zu Poetry Slams kann man ein Date mitnehmen!
Und dann waren wir da, und, ich glaube, Pauline Füg war auf der Bühne, die hat mich tief beeindruckt. Da hab ich gedacht: »Cool, das probier ich auch mal!« Und dann kam ich mit dem Date zusammen, und er hat mich verlassen, nach zwei Monaten. Ich war ein bisschen gekränkt und hab darüber einen Text geschrieben. Ich bin mit dem dann aufgetreten und ins Finale gekommen, aber nur weil ich so viele Freunde im Publikum hatte. Die haben einfach wahnsinnig applaudiert. Dann war ich im Finale, hatte aber keinen anderen Text, ich musste also improvisieren, und das lief schlecht, und ich bin Letzte geworden. Aber das war nicht schlimm. Naja, und dann hatte ich das immer wieder probiert. Später habe ich dann im Turm angefangen und war in dem Verein mit tätig und hab den Slam auch mit moderiert. Und irgendwann musste ich was Eigenes machen, und das muss ich immer noch.

Wie viele Auftritte hattest du letztes Jahr?
Um die 70. Und das, obwohl ich 40 Stunden die Woche arbeite. Ich habe schon immer viel neben dem Studium gearbeitet, und so findet das meistens am Wochenende statt, oder ich habe abends meine eigenen Veranstaltungen. Aber es war mir auch nicht bewusst, dass es so viele sind.
Hast du dein Studium eigentlich beendet?
Ne, das hab ich abgebrochen.

Mehr, mehr, mehr

Okt 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 67 0

Zwischen Halle und Kiew

Der ukrainische Student Kirill studiert seit einem halben Jahr Betriebswirtschaft an der Martin-Luther-Universität. Er hat viel zu erzählen von seinem Studium in der Ukraine und in Deutschland und natürlich über den Majdan.

majdan-im-sommer-2015-foto-von-kirill

Foto: Bert Kaufmann (CC BY-NC 2.0)

Als er nach Halle gekommen ist, war die Sprache für ihn das größte Problem. Alltägliche Dinge, die für hallische Studierende selbstverständlich sind, musste ein Ukrainer erst einmal verstehen, so wie beispielsweise die Ansagen in den Straßenbahnen. Oder dass am Sonntag die Geschäfte geschlossen haben. In der Ukraine ist das nämlich der Tag, an dem am meisten eingekauft wird. Er selbst bezeichnet Russisch als seine Muttersprache, spricht Ukrainisch aber genauso fließend und will mit seinen Kindern Ukrainisch reden. »Ich hatte das Glück, in einer unabhängigen Ukraine geboren zu sein«, sagt er.

Immer mehr Majdans
Kirill erzählt, dass auch er auf dem Majdan war. Dies ist der zentrale Platz in Kiew, auf dem 2014 hunderttausende Ukrainer demonstrierten, als der damalige Präsident Janukowitsch die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der EU verweigert hatte. Kirill schildert seine Erfahrungen am Anfang des Protests: »Ich stand mit den anderen da, wir tranken Tee und redeten. Plötzlich stürmten auf uns die Polizisten. Wenn du siehst, wie diese Masse auf dich losgeht, kriegst du wirklich Angst. Mein ganzer Rücken war danach blau.« Seiner Einschätzung nach wird es in der Ukraine regelmäßig zu solchen Majdans kommen. »Sie werden immer härter sein«, fügt er hinzu. Mehr, mehr, mehr

Okt 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 66 0

Zur Genealogie der Propheten

Mit der Erinnerung ist es wie mit dem Eisessen: Bevor es den Magen erreicht hat, ist es bereits geschmolzen. Und was als Nachgeschmack auf der Zunge zurückbleibt, die Künstlergruppierungen der Nabis und der Fauves, sie gossen es am Scheitelpunkt von 18. und 19. Jahrhundert in Farbe. Konkreter? Abstraktion!

11

Malerei: Odilon Redon

Zugegeben, sie schimmert etwas widerspenstig durch den mauvegedeckten Schleier der erleuchteten Post-Impressionisten, die irisierende Farbgewalt der satten Bouquets und der erträumten Horizonte: Die enigmatische Bildwelt des endlich Kolorist gewordenen Odilon Redon, an deren Rändern sich die Wirklichkeit zum Phantasma verklärt, sie will sich nicht recht fügen zwischen die Flüchtigkeit der Bonnard«schen Augenblicke und die kompositorische Strenge eines Félix Vallotton. Im Clair-obscur von Omen und Ekstase nimmt sie Reißaus von den Fesseln der bloßen Gegenständlichkeit und flüchtet sich in Mythen und Symbole – daneben noch Matisse und seine Odaliske? Ein Mund zwischen zwei Ohren!
Und doch: den Kreis der Nabis, die frühen Fauvisten und den Symbolisten katexochen, sie alle eint mehr als ihre Sammler. Am Ausgang des 19. Jahrhunderts formen ihre unterschiedlichen Stile grosso modo die gemäßigte Opposition zu einem Impressionismus, dessen Kampf gegen die Dominanz der Linie um die Jahrhundertwende längst in Formalismus erstarrt ist. Mehr, mehr, mehr

Okt 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 66 0

Die Dinge, die wir hassen

Es sind diese Tage, in denen Melancholie ein unaufhaltsamer Begleiter ist. Ein Einblick in den unverhofft deprimierenden Alltag eines Studierenden, der ab und an in schwarzen Farben malt.

dinge-hassen_hsz-66_960_l_keks

Illustration: Katja Elena Karras

Acht Uhr. Der unausstehliche Ton des Weckers reißt einen aus dem Traum, an den man sich schon nicht mehr erinnert. Doch egal welcher Albtraum einen gefangen hielt, er war immer noch erträglicher als das traurige Abwerfen der warmen Decke. Kurz aufs Handy geschaut und sich dabei ertappt, gar nicht wirklich zu wissen, was man eigentlich erfahren wollte. Irgendwas mit Terrorismus und tobenden Kriegsschauplätzen. Kurz Trübsal geblasen und gedanklich schon wieder bei der Morgenroutine. Die Songs im Radio dutzende Male gehört. Die Milch ist leer – dabei war man doch gestern erst einkaufen und hat viel zu viel Geld für die falschen Dinge ausgegeben. Das heiße Wasser aus der Duschbrause lässt einen kurzen Augenblick der Entspannung erhoffen. Doch man muss sich beeilen. Am Abend zuvor wollte man doch früher ins Bett gehen und eine halbe Stunde eher aufstehen. Am Morgen herrschen andere Prioritäten. Es ist, als würde man einem besseren Ich nachjagen; einem Ideal, welches man nicht erreicht und in vielen kleinen Handlungen hintergeht. Mehr, mehr, mehr

Okt 2016 hastuUNI Heft Nr. 66 0

Im Elfenbeinturm?

Einige bezeichnen sie als weltfremd, andere als »Laberfach«. Von allen Geisteswissenschaften ist die Philosophie wohl die älteste – und komplizierteste. Wieso studiert man so etwas?

5.1

Illustration: Joshua Stepputat

Wenn man sich einen Philosophen vorstellt, kommen einem meist altehrwürdige griechische Gelehrte in den Sinn, die über den Marktplatz von Athen wandeln und mit gerunzelter Stirn in Gespräche vertieft sind; oder aber man denkt an einen Nietzsche, der mit wirrem Bart und unstetem Blick in seinem Zimmer auf und ab geht, in Gedanken versunken, die wohl niemand außer ihm selbst verstehen kann. Allgemein scheint die griechische philosophía, die Liebe zur Weisheit, von der Welt entrückt zu sein, sich mit Problemen beschäftigend, die sonst eigentlich niemanden interessieren. Doch  was steckt  wirklich  hinterdiesen eher wenig schmeichelhaften Auffassungen? Erzählt man jemandem aus seinem Umfeld davon, dass man Philosophie studiert, erntet man ein breites Spektrum von Blicken; von kaum verschleierter Verständnislosigkeit bis hin zu mitleidiger Belustigung ist alles dabei. Besonders Naturwissenschaftler scheinen sich nicht ganz sicher zu sein, ob es sich bei der Philosophie nicht mehr um einen Freizeitvertreib als um eine Wissenschaft handelt.

Mehr, mehr, mehr

Aug 2016 hastuUNI Heft Nr. 66 0

Eine Frage des Gewissens?

Zu wenige Menschen spenden regelmäßig Blut, Krankenhäuser können ihren Bedarf nicht decken. Warum ist das so? Ein Besuch beim Blutspendedienst des Universitätsklinikums Halle.

Photo: Julia Plagentz

Photo: Julia Plagentz

Krankenhausflure sind keine ästhetischen Orte. Auch im vierten Stock des Universitätsklinikums (UKH) Halle riecht es typisch nach Desinfektionsmittel, alles wirkt gewollt kühl und steril. Rund um die Uhr versorgt das Klinikum Patienten, insgesamt mehr als 150 000 im Jahr. 2000 Medizinstudierende werden hier ausgebildet.
»Einrichtung für Transfusionsmedizin« steht auf einem Schild links neben einer Glastür auf halber Strecke des Korridors. Beim Eintreten ändert sich die Atmosphäre leicht. Noch immer steril, aber in warmen Gelbtönen gehalten und mit frühlingshafter Dekoration wirken Eingangs- und Wartebereich einladender. Rund 50 MitarbeiterInnen arbeiten für die Transfusionsmedizin, die eine Hälfte davon für den Blutspendedienst und die andere für die anschließende Verarbeitung der Blutkonserven. Täglich werden zur Versorgung der Patienten des UKH etwa 80 Blutkonserven eingesetzt. An guten Tagen, besonders während der langen Öffnungszeiten am Dienstag und Donnerstag, kann dieser Bedarf gedeckt werden. Mehr, mehr, mehr