Jun 2014 hastuUNI Nr. 55 0

Wieso bloß?

Nach unzähligen Protesten schwebt immer noch eine Frage im Raum: Warum will Möllring kürzen? Eine Analyse zur aktuellen politischen Situation der Hochschulpolitik.

Foto: Markus Kowalski

Foto: Markus Kowalski

Die Nerven liegen blank. Seit Monaten jagt eine Demo die andere. Der Protest gegen die Kürzungspläne der Landesregierung soll in diesem Jahr als »Bildungsstreik 2014« die ganze Republik erfassen. Die Empörung über die Sparvorhaben ist bei einigen Studierenden ungebrochen, scheint aber nur wenig Eindruck zu machen. Inhaltlich liegen alle Argumente auf dem Tisch. In Stellungnahmen, offenen Briefen und Petitionen unterstützen bereits Professoren, Firmen und Oppositionspolitiker argumentativ die bedrohten Institute: Die Uni habe eine enorme Wirtschaftskraft, man brauche Vielfalt in der Bildung, ein Fachkräftemangel erwarte uns in Zukunft. Die Landesregierung müsste bei diesem dicken Katalog an guten Gründen endlich aufhören, Geld sparen zu wollen, wundern sich einige. Doch Möllring lässt kein Einlenken erkennen. Wieso rückt die Landesregierung von ihrer Position nicht ab? Mehr, mehr, mehr

Jun 2014 hastuUNI Nr. 55 0

Ein zweischneidiges Schwert

Rektor Prof. Dr. Udo Sträter sprach nach der Festaktveranstaltung des Studierendenrates am 3. Juni im Löwengebäude darüber, wie er den Sturageburtstag empfunden hat und wie es nun mit den Kürzungen an unserer Uni weitergeht.

Foto: Johanna Sommer

Foto: Johanna Sommer

Auf die Frage hin, wie er denn darauf reagiert habe, dass Wissenschafts- und Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) nur eine Stunde beim Festakt anwesend war, um danach sehr schnell wieder zu gehen, meinte Prof. Dr. Udo Sträter nur, dass Möllring »einen vollen Terminplaner habe«. Außerdem habe dieser kurzfristig zugesagt, somit »war eine Rede nicht eingeplant«. Dennoch hat er die Anwesenheit von Möllring als positiv empfunden. Er fand es gut, »dass er den Kontakt sucht« und sich »über die Diskussionen bewusst« ist.

Den Geburtstagsauftakt für das 25-jährige Jubiläum des Stura empfand Sträter als »sehr gelungen«. Gerade die unterschiedlichen »Aspekte von den Reden« fand er gut und dass sich jeder kurzgehalten hat, war für Sträter wichtig. »Der Zeitablauf wurde eingehalten. Bei vielen Reden werden aus fünf Minuten sehr schnell auch fünfzehn und mehr, aber das war nicht der Fall.«

Er stimmte der These des Oberbürgermeisters von Halle Dr. Bernd Wiegand zu, dass es noch keine Maßnahmen zur Durchführung der Kürzungspläne gibt, »aber das Kürzungsvorhaben ist noch nicht vom Tisch«. Mehr, mehr, mehr

Jun 2014 hastuUNI Nr. 55 0

Häkelkurse und Sprintmenüs

Der Geschäftsführer des Studentenwerkes Dr. Volkmar Thom erklärte nach der Festaktveranstaltung am 3. Juni, was die 60 Euro unseres Semesterbeitrages beinhalten und wie wir Studenten das Bio-Mensaessen annehmen.

Foto: Johanna Sommer

Foto: Johanna Sommer

Auf der Internetseite finden Studierende die wichtigsten Informationen, da »kann man alles nachlesen«, wie Thom meint. Dort steht folgendes: Das Studentenwerk bietet unter anderem Beratungen bei Geldsorgen an: Kann ich BAföG beziehen und nebenbei jobben gehen? Wie sieht das mit Kindergeld, Wohngeld oder dem Rundfunkbeitrag aus? Neben Kindertagesstätten werden auch eigene Wohnheime angeboten. Hier wird dafür gesorgt, dass die Mieten »kostendeckend sind«, sagte Thom. Das bedeutet, dass der Mietpreis immer gleich bleibt.

Und was bezahlen wir mit unseren 60 Euro davon? »90 Prozent des Semesterbeitrages gehen ins Essen und 10 Prozent in die Sozialberatung sowie in die Kultur«, erläuterte er. Mehr, mehr, mehr

Jun 2014 hastuUNI Nr. 55 0

Wer ist eigentlich betroffen? – Informatik

Eine kleine Vorstellung der von den Kürzungen betroffenen Institute und Studienfächern. Die hastuzeit hat alle besucht und stellt hier in regelmäßigen Abständen jeweils die Situation an einem Institut da.

Foto: Johanna Sommer

Foto: Johanna Sommer

Was droht der Informatik?

Der Informatik droht eine Teilschließung. Gestrichen werden sollen all jene Bereiche, die nicht direkt mit der Bioinformatik zusammenhängen. Diese wurde im Bericht des Wissenschaftsrats sehr gelobt und ist auch in der Uni gut vernetzt, beispielsweise kooperiert sie mit der Molekularen. Konkret droht die Informatik also ihren Unterbau zu verlieren.

Warum soll gekürzt werden?

Grundproblematik ist auch in der Informatik, dass Professoren nahe an der Pensionierung stehen. Hier wird bereits seit zwei Jahren ein Mangel aufgefangen. Bis 2025 wird sich die Situation weiter verschärfen. Die Kürzung sähe so aus, dass Personalkosten eingespart werden, indem kein neuer Professor berufen wird. Mehr, mehr, mehr

Jun 2014 hastuUNI Nr. 55 0

Geburtstagsfete offiziell

Am 3. Juni 2014 feierte der Stura sein 25-jähriges Bestehen mit Film, Musik und Sektempfang.

Foto: Ronny Grütze (Stura MLU)

Geladen und gemischt: Das Festakt-Publikum

Foto: Ronny Grütze (Stura MLU)

Eigentlich hätte das Geburtstagskind sich noch bis Dezember gedulden müssen, denn der Stura an der Martin-Luther-Universität wurde natürlich erst nach der Wende ins Leben gerufen. Doch zum Feiern eignet sich der Sommer besser, und das Wetter spielte an diesem Dienstag mit. Bevor am Nachmittag die Geburtstagsparty auf dem Uniplatz startete, fand um 11.00 Uhr im kleineren Kreis ein offizieller Festakt zum 25-jährigen Gründungsjubiläum des Studierendenrats an der MLU statt. Neben universitärer und politischer Prominenz waren auch ehemalige Stura-Angehörige eingeladen. Das Publikum in der Aula des Löwengebäudes war – dank bewusst gestalteter Sitzordnung – im wahrsten Wortsinn gemischt, das abwechslungsreiche Programm ließ keine steife Grußwortatmosphäre aufkommen. Mehr, mehr, mehr

Jun 2014 hastuUNI Nr. 55 0

Wer ist eigentlich betroffen? – Psychologie

Eine kleine Vorstellung der von den Kürzungen betroffenen Institute und Studienfächern. Die hastuzeit hat alle besucht und stellt hier in regelmäßigen Abständen jeweils die Situation an einem Institut da.

Foto: Konrad Dieterich

Foto: Konrad Dieterich

Was droht der Psychologie?

Im Prinzip droht der Psychologie die Schließung. Der klassische Studiengang soll sowohl für Hauptfach, als auch Nebenfach wegfallen. Jene Vorlesungen, die für Lehramtsausbildung oder weitere Bildungswissenschaften benötigt werden, sollen zwar durch Versetzung von Dozenten an andere Fakultäten erhalten werden, dennoch droht hier ein Abfall des Lehrniveaus. Mehr, mehr, mehr

Jun 2014 hastuUNI 0

Rektor Sträter ist brüskiert und muss nun Farbe bekennen

Ein Kommentar zu Möllrings neuen Plänen

akut

Akut ist die Sparkrankheit wie nie – chronisch dagegen die Bildungsfeindlichkeit der Landesregierung.

Foto: Tobias Grasse (CC BY-NC-SA)

Vor ein paar Monaten haben die Uni-Rektoren und die Regierung von Sachsen-Anhalt Frieden geschlossen. Zugegeben, die Formulierung „Bernburger Frieden» kam damals aus den Medien, dennoch erschien es damals, als seien die Rektoren sehr zufrieden mit dem erzielten Kompromiss. Der Rektor der Universität Prof. Dr. Sträter sagte damals im hastuzeit-Interview, das Ergebnis sei die „Eröffnung neuer Verhandlungen».

Diese Verhandlungen scheinen nun grandios gescheitert zu sein. Wie sonst ist der Vorstoß von Wissenschaftsminister Möllring, der nun öffentlich wurde, zu erklären? Da soll nun der Landtag über Strukturen an den Universitäten entscheiden können. Der Senat der Universität soll nicht mehr gefragt werden. Wo gekürzt würde, entschiede dann das Land bzw. der Minister, nicht mehr die Universität selbst. Rektor Sträter und sein Magdeburger Kollege sind brüskiert. Sie werden entmachtet, das Land möchte nicht mehr auf universitäre Strukturen Rücksicht nehmen. Dies zeigt einerseits, dass der Druck auf die Landesregierung zunimmt, man möchte endlich kürzen. Dafür ist man sogar bereit das Gesetz zu ändern. Es zeigt aber auch, dass Möllring und die Landesregierung die Universitäten und Rektoren nicht als Verhandlungspartner ernst zu nehmen scheinen. Dies kann den Rektoren nicht gefallen. Möllring scheint zu glauben, dass er die Rektoren nicht mehr braucht.
Aber der Vorgang zeigt noch etwas: Mehr, mehr, mehr

Jun 2014 hastuUNI Nr. 55 0

Das ist unser Geld! – Aufruf zur Demo

Durch die BAföG-Reform im Bund stehen Sachsen-Anhalt 30 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Dieses Geld muss komplett an Universitäten investiert werden.

Illustration: Han Le (modifiziert)

Illustration: Han Le (modifiziert)

Nun also doch. Die Rufe aus ganz Deutschland aus den verschiedensten Institutionen scheinen in Berlin Gehör gefunden zu haben. Es fließt so – zumindest indirekt – Geld an die Länder zurück. Ab nächstem Jahr übernimmt der Bund die Ausgaben für das komplette BAföG. Bisher hatten auch die Länder 35 % davon aufbringen müssen. Berlin sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass damit die Aufhebung des Kooperationsverbots zwischen Bund und Ländern in der Hochschulfinanzierung vom Tisch ist, dennoch ist diese Reform ein erster Schritt.

Für Sachsen-Anhalt bedeutet die Änderung, dass mit einem Mal 30 Millionen Euro jährlich für die Universitäten frei werden. Aus Berlin heißt es die Länder seien aufgerufen dieses Geld in die Bildung und speziell die Hochschulen zu investieren. Wer nun aber die sachsen-anhaltinische Landesregierung im letzten Jahr erlebt hat, kann leicht auf den Gedanken kommen, dass man dieses Geld lieber einbehalten würde. Das aber darf keinesfalls passieren. Die Magdeburger Große Koalition hat mehrfach bewiesen, dass Zukunft und Hochschulen bei Bullerjahn und Haseloff nicht hoch im Kurs stehen, trotzdem und gerade deswegen:

Dieses Geld gehört uns! Mehr, mehr, mehr