Apr 2015 hastuPAUSE Nr. 59 0

Ein Student probiert sich als Pfarrer

Einmal im Jahr findet der »Gottesdienst International« in der hallischen Heilandsgemeinde statt. Dieses Mal kam am 8. März der Student Zoltán Kovács zu Besuch und hielt für die Gemeinde eine Predigt.

Foto: Johanna Sommer

Foto: Johanna Sommer

Zoltán stammt aus Brasov (dt. Kronstadt), welches in Rumänien liegt, einem Vielvölkerstaat mit Rumänen, Ukrainern, Türken, Serben, Tataren, Slowaken, Bulgaren und Deutschen. So ist es nicht verwunderlich, dass es auch verschiedene religiöse Gruppen gibt. Die Mehrheit (86,8 %) ist rumänisch-orthodox. Die restlichen Prozent der Gläubigen sind evangelisch-reformiert, muslimisch, jüdisch oder römisch-katholisch.

Im Herzen von Rumänien liegt das Gebiet Siebenbürgen, wo viele Menschen neben Rumänisch auch Deutsch sprechen, genauso wie Zoltán. Er selbst ist Mitglied der evangelisch-reformierten Kirche, welcher 4,7 Prozent der Bevölkerung in Siebenbürgen angehören.

Mit einem Stipendium des Gustav-Adolf-Werkes kam er erst nach Halle, um im Studienkolleg sein Deutsch zu verbessern. Als er das erfolgreich abgeschlossen hatte, studierte er Theologie auf Pfarramt in Leipzig, da das Gustav-Adolf-Werk nur Plätze für die Uni in Heidelberg oder die Uni Leipzig vergab. Momentan macht er in den Ferien ein Gemeindepraktikum in Erfurt. Mehr, mehr, mehr

Apr 2015 hastuPAUSE 0

Wütendes Trauern

Über 200 Menschen, darunter zahlreiche Studierende, gedachten auf dem hallischen Marktplatz den im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlingen.

Kann man die Trauer über den Tod von mehr als 1000 Flüchtlingen, die vergangene Woche auf dem Mittelmeer ertrunken sind, überhaupt noch in Worte fassen? Für die über 200 Menschen, die sich am Mittwochabend auf dem hallischen Marktplatz versammelten, stellte sich diese Frage nicht. Sie waren zusammengekommen, um den Geflüchteten zu gedenken, und bildeten einen großen Kreis. Dann schwiegen sie. Eine Minute lang.

Flashmob_Gedenken_an Flüchtlinge

Foto: Tobias Heller

Unter dem Motto »Wir schämen uns!« veranstaltete das Bündnis »NO Halgida – Für ein weltoffenes Halle« angesichts der verheerenden Katastrophe einen Flashmob. »Nicht erst seit gestern sterben Menschen aufgrund der restriktiven Flüchtlingspolitik seitens der Europäischen Union und ihrer Mitgliedsstaaten auf der Suche nach einem besseren Leben. In letzter Zeit jedoch hat die Abschottungspolitik der EU und die entsprechenden Folgen ein völlig neues Level erreicht«, schrieb das Bündnis auf Facebook. Und forderte: »Das muss aufhören! Schluss mit dieser von Rassismen durchsetzten Abschottungspolitik!« Mehr, mehr, mehr

Mrz 2015 Allgemein hastuPAUSE 0

Gruppenarbeit leicht gemacht

Eine kleine Auflistung hilfreicher Links für Planung, Organisation und Präsentation.

Ordnung ist das halbe Leben. Vor allem wenn es darum geht, den Überblick zu behalten, wenn viele Hände und Ideen im Spiel sind. Gruppen- und Projektarbeiten sollen den Teamgeist wecken und das Miteinander fördern. Viele Köpfe heißt viele kreative Ideen. Und eine angemessene Arbeitsaufteilung bedeutet bessere Kontrolle über einzelne Faktoren. Soweit die Theorie. Leider lässt oftmals das Wort Gruppenarbeit den gestressten Studenten zitternd zusammenzucken. Denn getreu dem Spruch, viele Köche verderben den Brei, kann auch die so hoch geschätzte Teamarbeit schnell nach hinten losgehen und im schlimmsten Fall im Gegeneinander statt im Miteinander enden. Dabei kann die anfängliche Motivation schon bei der Aufteilung des Themas, der Organisation von Treffen und des Brainstormings ins Wanken geraten.

Natürlich wissen sich Studenten via Social Networks à la Facebook und Co. miteinander zu verständigen und zu organisieren. Doch unser Freund und Helfer Internet hält noch viele weitere nützliche und unbekannte Websites bereit, die einem Projekt von der Planung zur Entstehung auf die Beine helfen.

Gruppenarbeit Illu-Anne

Illustration: Anne Walther

Am Anfang steht das Wort. Oder sehr viele. Durcheinander. Viele Mitglieder haben viele Ideen, die erst einmal zusammengeworfen und ausgewertet werden müssen. Das geht am besten mit der amerikanischen Website bubbl.us. Hier kann nach freier Vorgehensweise eine übersichtliche Mindmap erstellet, bearbeitet und geteilt werden. Nutzen kann man diesen Service kostenlos und ohne Anmeldung für 30 Tage.

Sind die ersten gedanklichen Fäden gesponnen, kann man mit der richtigen Arbeitsphase beginnen. Leider nur ist es oft sehr schwer, einen gemeinsamen Termin zu finden. Die sicherlich schon bekannte Seite doodle.com hilft, Termine festzulegen, an denen wirklich alle dabei sein können. Alternativ existiert der Webservice whichdateworks.com, welches nach kostenloser Anmeldungdie letzten Termine, Einladungen und Kontakte speichert.

Wenn die Terminkalender aber voll sind oder die virtuelle Absprache doch effektiver erscheint, kann die Kommunikation auch ganz online durchgeführt werden. Nicht jeder aus der Gruppe ist bei Facebook? Merkwürdig, aber kein Problem. Der Dienst imo.im widmet sich ausschließlich der Kommunikation via Chat, SMS, Telefon und Videochat. Es können Gruppen erstellt und Fotos und Videos geteilt werden. Diese kostenfreien Angebote können auch mobil via Smartphone und Tablet genutzt werden, ohne dass man Gefahr läuft, auf einer weiteren Social Network Site gefangen zu sein.

Die Phase der Einzelarbeit hat begonnen. Man verlässt den Computer nur noch, um dringende Bedürfnisse zu erfüllen. Aber plötzlich geht die geistige Schranke herunter, die Ideen gehen aus oder man hat sich vollkommen verrannt. Die Hilfe eines Gruppenmitgliedes wird benötigt. Und das bestenfalls, ohne die Wohnung verlassen zu müssen. Über Join.me kann ähnlich dem Teamviewer die Kontrolle des eigenen Bildschirms von einem anderen übernommen werden. Dabei muss man auch nicht nur stumm dem eigenen Mauszeiger zuschauen, wie er über den Bildschirm huscht, via Chats und Konferenztelefonaten können sich alle Gruppenmitglieder beraten. Der Dozent hat doch die meiste Ahnung? Einfach eine Einladung schicken und ihm den Screen weiterreichen. Die Vollversion dieses Dienstes gibt es auch hier kostenlos für 30 Tage.

Nicht zu vergessen ist natürlich auch die Recherchearbeit. Man arbeitet von zu Hause aus, benötigt aber doch hin und wieder Anregungen und Informationen? Folgenden Seiten stellen kostenfreie E-Books zum Download bereit. Auf gutenberg.org findet man hauptsächlich historische und belletristische Werke, http://openstaxcollege.org/students hingegen bietet eine große Sammlung an fakultätsbezogenen Textbüchern.

Es ist fast vollbracht. Alle Gruppenmitglieder haben gemeinsam gebrainstormt, es wurde recherchiert, getroffen, beraten und sortiert. Fehlt nur noch eine angemessene Darstellung der gewonnen Ergebnisse. Kein Problem mit folgenden kostenfreien und nützlichen Links. Der Webservice Google hält unbekanntermaßen neben seiner Such- und Mailfunktion auch viele Möglichkeiten bereit, Textdokumente, Tabellen, Formulare und Präsentationen zu online zu erstellen und zu teilen. http://www.google.de/intl/de/sheets/about/ präsentiert diese Funktionen in einer übersichtlichen Aufbereitung für Inhaber eines Google-Accounts. Die Features erinnern in ihrem Äußeren und der Handhabung stark an Word, Excel und PowerPoint. Vorschläge und Entwürfe können schnell und einfach an alle Mitglieder verteilt und von ihnen bearbeitet werden.

Wem die herkömmliche PowerPoint Präsentation allerdings zu lamgweilig erscheint, kann auf prezi.com lebhafte und interaktive Präsentation erstellen. Anstelle des statischen Folien-weiter-klickens, hat man bei Prezi die Möglichkeit, seiner Kreativität auf einer unendlichen weisen Fläche freien Lauf zu lassen und ähnlich einem Wanderweg den Verlauf der Präsentation nachzuvollziehen. Dieser Webservice ist für Studenten kostenlos und kann auch offline präsentiert werden.

Damit steht zumindest technisch einer erfolgreichen Gruppenarbeit nichts mehr im Wege.

 

Jan 2015 hastuUNI Nr. 58 0

»Die Systemfrage stellen«

Andreas Petrik, Professor für Politikdidaktik, plädiert dafür, nicht nur aus persönlicher Motivation für gute Bildungspolitik auf die Straße zu gehen, sondern langfristig zu denken.

Andreas Petrik als Student im Jahr 1990 – damals demonstrierte er gegen Rassismus. Foto: Andreas Petrik

Andreas Petrik als Student im Jahr 1990 – damals demonstrierte er gegen Rassismus.
Foto: Andreas Petrik

Anfang Dezember gingen wieder einmal Tausende Studierende auf die Straße, um gegen die geplanten Kürzungsmaßnahmen der Landesregierung zu protestieren. Trotz klirrender Kälte hat es das Aktionsbündnis MLU – Perspektiven gestalten geschafft, die Massen zu mobilisieren. Die inhaltlichen Forderungen des Bündnisses waren dabei sehr konkret: Es ging unter anderem um die Verhinderung von Institutsschließungen und die Ausfinanzierung der Bildungslandschaft. Man kann aber auch noch weitergehen und zum Beispiel den Zusammenhang mit der Wirtschafts- und Finanzkrise in den Blick nehmen.

Andreas Petrik wurde 1968 in Aachen geboren. Er studierte 1990 bis 1997 Politikwissenschaften, Germanistik und Pädagogik an der Universität Marburg. Nach dem Referendariat arbeitete er als Lehrer und wissenschaftlicher Mitarbeiter in Hamburg. Seit 2008 ist er Professor für Didaktik der Sozialkunde an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Sie waren als Student selbst politisch aktiv und auch an einer Hörsaal-Besetzung beteiligt. Wie lief das damals ab?

Das war Anfang der 90er-Jahre in Marburg. Es ging damals nicht um Studiengebühren, die gab es noch gar nicht. Es ging neben Studienbedingungen primär um eine antirassistische Initiative anlässlich der rassistischen Übergriffe von Hoyerswerda und Rostock 1991. Wir waren eine breite Bewegung, die sich einen Spaß daraus machte, tatsächlich auch in den Hörsälen zu übernachten. Mehr, mehr, mehr

Jan 2015 hastuUNI Nr. 58 0

Geldsegen für die Hochschulen?

Welche Aussichten es für die Universitäten nach der Lockerung des Kooperationsverbots und der BAföG-Reform gibt

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

Nun ist es endgültig beschlossene Sache: Der Bund kann nun wieder neben den Bundesländern in die Finanzierung der Hochschulen eingreifen. Am 19. Dezember 2014 bestätigte der Bundesrat das Gesetz zur Lockerung des Kooperationsverbots, das der Bundestag schon am 13. November verabschiedet hatte. Dafür ist Artikel 91 b im Grundgesetz geändert worden. Das Kooperationsverbot, das erst 2006 beschlossen worden war, hatte die Länder bis dahin verpflichtet, dass Bildung nur von ihnen finanziert würde und sie keine Zuschüsse vom Bund annehmen dürften. Der Bund darf nun laut Gesetzesbeschluss in Fällen überregionaler Bedeutung Projekte von Hochschulen finanzieren. Mehr, mehr, mehr

Jan 2015 hastuUNI Nr. 58 0

Kein Student. Studentin …

… so heißt es auf der frisch gedruckten magentafarbenen Infokarte des Studentinnennetzwerks der MLU. Von den Zielen und der Notwendigkeit eines solchen Netzwerks für Frauen und warum das Ganze mit Feminismus nur am Rande zu tun hat.

Grafik: Studentinnennetzwerk

Grafik: Studentinnennetzwerk

Frauenquote, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau, sexuelle Belästigung an der Uni: alles mediale Dauerbrenner der letzten Monate. Diese und weitere Themen sind Bestandteil der lebhaften Unterhaltungen am großen Tisch im vierten Stock des Musikinstituts. Auch wenn augenzwinkernd bemerkt wird, dass die Mitglieder des Studentinnennetzwerks an diesem Freitag knapp zwei Wochen vor Weihnachten in erster Linie zusammengekommen sind, um den Abend in gemütlicher Runde bei Glühwein und Lebkuchen zu begehen. Früher am Tag hat das Netzwerk einen Workshop zum Thema »Gezielt Netzwerken und Karriereplanung« durchgeführt, natürlich werden auch einige Inhalte und Ideen der vergangenen Stunden besprochen. Mehr, mehr, mehr

Jan 2015 hastuPAUSE Nr. 58 0

Was macht die Kunst?

Welcome to the next level. Im Videospielmodus hinein in Halles Kunstwelt

Werke von Karla Zipfel (Atelier Oleariusstraße) Foto: Tobias Hoffmann

Werke von Karla Zipfel (Atelier Oleariusstraße)
Foto: Tobias Hoffmann

Tausend Euro für einen Haufen zusammengeklebten Müll von der Straße – eine sozialkritische Plastik.

Ein Dreieck in roter Farbe an die Wand gemalt. Hunderte Besucher nachdenkend, begeistert davor – ein Kunstwerk gegen den Zeitgeist.

Nicht verwegen zu behaupten, dass dies beim Gedanken an Kunst gängige Überlegungen sein mögen. Die Kunst ist oft ein Außenseiter, eher geduldet als beachtet. Musik dagegen, omnipräsent, erfassbar, tanzbar, attraktiv. Ein Leben ohne Musik nicht vorstellbar. Und die Künstler, die Kunsthochschule in Halle? Was verbindet man damit? Gute Partys ja, aber sonst? Schweigen. Doch es ist kein verneinendes, eher ein ahnungsloses, unwissendes. In Halle ist mit der Kunsthochschule Burg Giebichenstein eine europaweit anerkannte Institution beheimatet, 2015 feiert sie ihr hundertjähriges Bestehen. Es gibt zahlreiche Ateliers, Ausstellungen und Künstler. Also was macht die Kunst? Mehr, mehr, mehr

Jan 2015 hastuPAUSE Nr. 58 0

Halles heimliche Einmaligkeiten

Ob alteingesessen oder neu zugezogen: Halle hält für jeden noch die eine oder andere Überraschung bereit. Eine kleine Orientierung für die eher unbekannten Juwelen der Stadt.

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

Advokatenweg

Altbau- und Villenviertel mit idyllischen Vorgärten. Für alle Hallenser und Hallunken, die das Paulusviertel schon besser kennen als ihre Westentasche, ist dies die ideale Gelegenheit ein neues schönes Fleckchen der Stadt kennenzulernen.

Burg Giebichenstein

Sie liegt malerisch am Ufer der Saale und wird nicht nur von den Studierenden der Hochschule für Kunst und Design besucht. Ein Abstecher in das burgeigene Freilichtmuseum, auf den Turm und in den Park ist ohne Zweifel empfehlenswert.

Eichendorff-Bank

Steigt man die Treppen gegenüber dem Kino Luchs hinauf, gelangt man an zu einem Kleinod der Stadt. Eine Bank und ein behauener Stein auf einer Lichtung mit einem fantastischen Ausblick auf die Burg Giebichenstein, der Joseph von Eichendorff das Gedicht »Bei Halle« gewidmet hat, nachdem der Dichter in Halle einen Teil seines Studiums absolvierte. Wer einmal fernab des Trubels die Seele baumeln lassen möchte, ist hier gut aufgehoben. Mehr, mehr, mehr