Mai 2018 hastuPAUSE Online 0

Sie morden im Schatten

Der Mai hat mit mörderisch guter Unterhaltung begonnen. Die CRIMINALE war zu Gast in Halle und hatte über 250 KrimiautorInnen im Gepäck. Neben vielen Lesungen und anderen Veranstaltungen konnten interessierte LeserInnen auch an einigen Vorträgen des Autorenkongresses teilnehmen. Den Anfang machten drei Drehbuchautoren und eine Drehbuchautorin. Sie stellten sich im Kongresszentrum des Dormero Hotels der Frage, wie schwer es ist, den perfekten Mord auf die Leinwand zu bringen.

Foto: Anne Ost

Im Jahr laufen allein im ZDF um die 450 Kriminalfilme und auch wer den ARD-Tatort nicht schaut, hat auf alle Fälle wenigstens davon gehört. Die Namen von großen Serien und deren Hauptcharakteren sind bekannt und auch die RegisseurInnen werden bei besonders gelungenen Filmen lobend erwähnt. Die eigentlichen ErfinderInnen der Figuren und Handlungen führen hingegen ein Schattendasein.

Die Autorin Dina El-Nawab ist eine von ihnen. Seit 2001 schreibt sie für die ARD-Serien Großstadtrevier und Morden im Norden sowie für die ZDF-Serie Notruf Hafenkante. Ihr Co-Autor für das Großstadtrevier, Markus Stromiedel, schreibt auch für Serien wie SOKO und Tatort. Er hat den Kieler Tatort-Kommissar Klaus Borowski, der von Axel Milberg gespielt wird, erfunden. Andreas Izquierdo behauptet von sich selbst, er sei käuflich, da seine Schreibtätigkeit von Serien wie Cobra 11 bis hin zum Bergdoktor reicht. Matthias Herbert ist schon seit 30 Jahren im Geschäft. Angefangen hat alles mit seinem ersten Drehbuch für die Serie Ein Fall für zwei, seitdem hat er über 300 Drehbücher geschrieben. Mehr, mehr, mehr

Mai 2018 hastuUNI Online 0

Zwischen Überraschung und Enttäuschung

Lautes Stimmengewirr, Gejohle, Gepfeife, Buhrufe und Gesänge – das war die diesjährige Wahlparty

Ohne große Reden oder blumige Worte präsentiert der Stura am Donnerstag, um 22 Uhr, einen Tag nach der Wahl, die vorläufigen Ergebnisse der Hochschulwahl in der Drushba. Der vordere Barraum ist mit circa 50 Leuten so gut gefüllt, dass die meisten kaum etwas von den Ergebnissen sehen. Viele stehen auf, recken ihre Hälse, kämpfen sich nach vorne oder wechseln die Stehpositionen, um zwischen den vielen Köpfen einen Blick auf die Ergebnisse zu erhaschen. Hinzu kommt, dass der Beamer nicht sonderlich viel taugt, sodass die meisten Zahlen unscharf sind, besonders gegen Ende hin, wenn es um die Sitzverteilung im neuen Stura geht. Dennoch entdecken sich einige gewählte Kandidaten und verleihen ihrer Freude mit Gejohle Ausdruck. Andere erhalten Unterstützung durch ihre Fans, beispielsweise skandiert ein Sprechchor mehrmals »Imke, Imke, Imke«. Manche Anwesende kommentieren erstmal die Situation um sich herum: »Ganz schön viele Leute hier.« Ein anderer Kandidat hat sich eine erhöhte Position für eine bessere Sicht erkämpft und bedankt sich ebenfalls für den Sprechchor seiner Fans. Aber nicht alle sind zufrieden, sodass es auch Zwischenrufe gibt, wie: »Man sieht ja gar nichts«, »letztes Jahr war die Präsentation aber besser« und »warum steht die LHG so weit unten?«. Eine Kandidatin freut sich zwar gewählt worden zu sein, wird zur Gratulation umarmt, stellt dann aber fest: »Hä, ich heiße doch Christine und nicht Christian«, da scheint wohl ein Rechtschreibfehler passiert zu sein. Mehr, mehr, mehr

Mai 2018 hastuUNI Online 0

Die leere Höhle der Löwen

Die Hochschulwahlen stehen wieder an. Auch dieses Jahr standen die Kandidat*innen in der „Löwenrunde“ potentiellen Wähler*innen Rede und Antwort. Die Ziele der einzelnen Hochschulgruppen, Streitereien um eine adäquate Nutzung von Sturageldern und der neue Hype um Trinkwasserspender zum Nachlesen.

Foto: Sophie Ritter

Wie jedes Jahr veranstaltete der Stura anlässlich der Hochschulwahlen am 16. Mai 2018 die »Löwenrunde«, den »Polittalk zur Hochschulwahl 2018«: »Was wähle ich eigentlich bei der Hochschulwahl, wer vertritt meine Interessen, welche Gremien machen welche Arbeit und wen kann ich überhaupt in den Senat, Fakultätsrat, Studierendenrat und Fachschaftsrat wählen?« Diese Fragen versprach der Stura laut Facebookveranstaltung am Abend des 8. Mai 2018 zu beantworten. Mehr, mehr, mehr

Mai 2018 hastuUNI Online 0

Die Bürde der Demokratie

Jedes Jahr wieder stehen sie an und sind dabei ähnlich beliebt wie der Besuch beim Zahnarzt – die Hochschulwahlen. Man weiß, sie sind da, aber verdrängt sie lieber. Dabei wissen wir doch alle von klein auf: regelmäßige Zahnarztbesuche erhalten die Gesundheit. Ein Plädoyer für die Hochschulwahl.

Illustration: Eva Feuchter

Ich habe die Wahl. Nicht nur zwischen vegetarisch oder mit Fleisch in der Mensa, zwischen dem früheren oder dem späteren Seminar, zwischen Unisport oder Unichor – nein, ich habe die Wahl zwischen sechs Hochschulgruppen und diversen unabhängigen Wahlvorschlägen. Am 16. Mai werde ich, genau wie letztes Jahr, in den Aufenthaltsraum am Steintor gehen und meinen Studierendenausweis vorzeigen. Ich muss mich hoffentlich anstellen, für mich ein gutes Zeichen. In der improvisierten Wahlkabine werde ich die bunten, überdimensionierten Zettel auseinanderfalten und dann mit dem Kuli ein Kreuz nach dem anderen setzen. Bestimmt habe ich auch in diesem Jahr nicht zu jedem Namen ein Gesicht oder eine politische Gesinnung vor Augen, die spezifischer ist als der Name der Hochschulgruppe und ihr Anliegen selbst. Aber ich werde zumindest dabei sein; ich werde gewählt haben und damit ein Stück Verantwortung dafür tragen, wer ab Oktober dieses Jahres im Stura sitzen wird beziehungsweise wer nicht. Natürlich, auch die Studierenden, die nicht ihr Kreuzchen setzen, tragen dazu bei. Zumindest werde ich das Gefühl haben, aktiv über die Zusammensetzung unserer neuen Studierendenvertretung mitbestimmt zu haben, statt passiv ein Gremium vor die Nase gesetzt zu bekommen. Sich in letzterem Falle dann über Tierpatenschaften, vegane Kondome oder squatty pottys aufzuregen, erscheint mir leicht – aber entbehrt in meinen Augen einer gewissen Grundlage. Nämlich der eines Kreuzes auf dem Wahlzettel. Mehr, mehr, mehr

Apr 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 77 0

Alles eine Frage der Zeit…

Es ist wieder Zeit. Semesteranfang. Sommerzeit. Eine neue hastuzeit und ein paar neue Fragen zur Zeit. Zeitmanagement, Zeitstress, Zeiteinteilung, Zeitlosigkeit, Zeitgefühl, Zeitbegrenzung, Zeitempfinden …

Okay, wann sind wir denn nun diese ganze Diskussion um die Zeit los? Es ist doch offensichtlich: Wir haben nicht genug Zeit, brauchen mehr Zeit, wollen mehr Zeit. Aber was fangen wir mit der gewonnenen Zeit an? Mehr Lernen, mehr Freunde treffen, mehr … Also das, was wir jetzt schon machen. Aber was hält uns jetzt davon ab?! Gleichzeitig scheint die Zeit uns in manchen Momenten nur so durch die Finger zu rinnen, während uns dagegen in anderen Situationen nichts übrig bleiben mag, als sie tot zu schlagen. Die Zeit gibt den Takt für unseren Alltag vor und scheint so fast schwebend auf unser universelles Dasein einzuwirken. Wir drehen uns immerzu im Kreise und bleiben schließlich still stehen, wie gefangen, zwischen Stunden, Minuten, Sekunden … Mehr, mehr, mehr

Apr 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 77 0

Epilog des Todes

Der Verlust einer nahestehenden Person ist wohl eine der gravierendsten und prägendsten Situationen, die ein Mensch erleben kann. Nach einer solchen Hiobsbotschaft stehen bürokratische Verpflichtungen nicht ganz oben auf der Prioritätenliste. Einige Bemerkungen zum Umgang mit der schlimmsten aller Erfahrungen.

Illustration: Gregor Borkowski

Ob man sich lang darauf vorbereiten konnte, beispielsweise durch eine andauernde Pflegephase, oder aber unerwartet von diesem Schicksalsschlag getroffen wird – Trauer, Verlust und seelischer Schmerz sind niemals ohne Weiteres zu verkraften. Denn obwohl der Tod zum Leben gehört und man sich dessen normalerweise auch bewusst ist, scheint dieser Gedanke eine völlig neue Bedeutung zu gewinnen, sobald man persönlich von der Erfahrung betroffen ist und sich mit den Konsequenzen auseinandersetzen muss. Für diese Art von Schmerz ist man vermutlich niemals bereit.

Nach dem ersten Schock und Tagen in vollkommener Lethargie, in denen man das Gefühl hat, sich selbst zu verlieren, und sich um einen Teil der eigenen Biografie betrogen fühlt, hört das Leid nicht auf; eher nimmt es fast schon groteske Formen an: Die Bürokratie verlangt Aufmerksamkeit, und man kommt nicht umhin, sich mit den organisatorischen Aspekten eines Todesfalles zu befassen. Mehr, mehr, mehr

Apr 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 77 0

Das Wort zum Wort

Eine vielleicht etwas ambivalente Kolumne über Kommunikation zwischen und mit Menschen. Sie beobachtet und kommentiert. Und vielleicht will sie auch manchmal irgendwie eingreifen. Diesmal heißt es Abschied nehmen.

Illustration: Gregor Borkowski

»Time to say Goodbye« – ich verfluche mein Autoradio und ein kleines bisschen den Menschen, der sich diesen Klassiker von Andrea Bocelli und Sarah Brightman gerade in der Sendung mit den Hörerwünschen gewünscht hat. Ich muss an das nahende Ende meines Studiums denken und werde sentimentaler, als ich eigentlich möchte. Dann drehe ich das Radio doch lauter und lasse meine Gedanken kreisen.

Abschied scheint zunehmend negativ konnotiert. (Außer vielleicht für Politiker, für die die Verabschiedung eines Gesetzes bedeutet, dass sie sich damit erst mal nicht mehr befassen müssen. Das müssen dann eben andere tun.) Das hat sicher auch seine Berechtigung; dennoch finde ich, dass es nicht ganz so einfach ist. Abschiede sind vielfältig und irgendwie auch etwas ganz Natürliches.

Das Leben ist geprägt durch stetigen Wandel und Veränderungen; da bleiben auch Abschiede nicht aus. Mehr, mehr, mehr

Apr 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 77 0

Wenn das Ziel im Weg ist…

Wir schicken unseren rasenden Reporter (welcher sich an die Straßenverkehrsordnung hält), um der Leipziger Buchmesse eine entzückende Geschichte zu entlocken. Ob ihm dies trotz des Schneechaos gelungen ist, verrät dieser Bericht.

Foto: Jonas Leonhardt

Es ist Sonntag, der 18. März 2018, 12.58 Uhr. Mit eisigen Fingern schreibe ich meine Notizen im Zug nieder. Es ist der letzte Tag der Leipziger Buchmesse. Ich sitze in der S3, welche sich auf dem Weg zum Leipziger Hauptbahnhof befindet. Von dort wird hoffentlich eine Bahn zur Messe fahren. Ein Kompromiss, den ich angesichts des Schnees und der Kälte in Kauf nehmen muss. Mein Körper beginnt sich langsam zu erwärmen. Er ist nicht ausgekühlt, weil ich unpassende Kleidung trage oder einen Hang zum Erfrieren habe. Nein. Es liegt eher daran, dass meine Reise um 11.58 Uhr am Reileck begann und nach meinem Ausstieg am – nicht gerade wohltemperierten – Hauptbahnhof ihr vorübergehendes Ende nahm. Dort gab mir die Anzeigetafel häufiger Hoffnung, nur um diese dann wenig später zu zerstören. Eine große Menschenmasse tummelte sich vor der Information, der Rest wuselte in den Läden herum. Ich frage mich, ob dieser Tag ein Glücksfall für den Buchladen im Bahnhof sei. Die vielen gestrandeten Messebesucher könnten dort versucht haben, ihren Frust zu entladen, indem sie einfach dort ihr Buchmesseerlebnis wahrnahmen und einen Verzweiflungskauf begingen. Gut gefüllt war er auf jeden Fall, könnte aber auch daran liegen, dass es dort wärmer als in der Haupthalle war. Mittlerweile hat mein Körper auch fast wieder Normaltemperatur erreicht, nur in meine Zehenspitzen ist das warme Blut noch nicht geflossen. Die Bahn, in der ich sitze, fuhr von Gleis 1a ab. Gleis 1a: Meine Rettung. Eigentlich sollte ich mich freuen, endlich eine fahrende Bahn erwischt zu haben. Jedoch macht mich die Abwesenheit der Fahrgäste misstrauisch. Egal, darüber will ich nun nicht nachdenken, auch wenn der sich ständig verändernde Bildschirm im Zug mein Unwohlsein verstärkt. Sei«s drum, ich genieße die Ruhe und Wärme der Fahrt, eine Story wird sich sicherlich schon finden. Mehr, mehr, mehr