Apr 2015 hastuUNI Nr. 59 0

Chance vertan

Der Senat der Universität verhindert, dass man sich in Sachsen-Anhalt einmal grundsätzlich über Kürzungen streitet.

Illustration:  Anne Walther

Illustration: Anne Walther

Es ist ruhig geworden um die Studierendenproteste und Universitätskürzungen. Zuletzt sind eher Lehrerstreiks und Polizeiprobleme Anlass für Sachsen-Anhalts Politiker, sich in den Medien zu Wort zu melden. Das ist nicht weiter erstaunlich, wurde doch mit dem Hochschulstrukturplan ein ziemlich dünnes Dokument aufgesetzt, das die Universitäten zum Sparen aufruft. Zwar sind noch immer die alten Pläne enthalten, vor allem bei Sport-, Geowissenschaften, MuK, Informatik und Psychologie zu kürzen beziehungsweise sogar zu streichen, doch in der Formulierung liest sich vieles seichter und teils äußerst unkonkret. Mehr, mehr, mehr

Apr 2015 hastuUNI Nr. 59 0

Zielvereinbarungen unterzeichnet

Mit gut einjähriger Verspätung konnten sich Sachsen-Anhalts Hochschulen mit dem Wissenschaftsministerium auf Zielvereinbarungen einigen. Was steht drin – und ist das alles?

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

Am 29. Januar 2015 setzten die Rektorin und Rektoren der Landeshochschulen, die Dekane und Ärztlichen Direktoren der medizinischen Fakultäten und Wissenschaftsminister Hartmut Möllring ihre Unterschriften unter Zielvereinbarungen mit einer Laufzeit bis 2019. Darin versprechen die Hochschulen eine Reihe von Aufgaben zu erfüllen, beispielsweise Kooperationen untereinander und mit der Wirtschaft, Maßnahmen zur Internationalisierung, Gleichstellung und Barrierefreiheit sowie mehr Abschlüsse in der Regelstudienzeit. Im Gegenzug sichert das Land den Hochschulen eine Finanzierung in Höhe der »Bernburger Erklärung« von 2013 zu. Für die Martin-Luther-Universität sind das jährlich gleichbleibend knapp 135,6 Millionen Euro, etwa 1,7 Millionen weniger als 2014. Kostensteigerungen will das Land nur beim nach Tarif oder Besoldung bezahlten Personal übernehmen, und auch da nur zu 90 Prozent. Mehr, mehr, mehr

Apr 2015 hastuUNI Nr. 59 0

Mitmischen an der Uni

Am 27. Mai habt Ihr wieder die (Hochschul-) Wahl. hastuzeit versorgt Euch schon einmal mit ersten Informationen – vielleicht bekommt Ihr ja Lust, auf die andere Seite zu wechseln.

Illustration: Eva Feuchter

Illustration: Eva Feuchter

Ihr spielt mit dem Gedanken zu kandidieren, aber Wahlbekanntmachungen im XXL-Format, Formulare und Fristen schrecken Euch ab? Keine Bange, der Weg auf den Wahlzettel ist gar nicht so schwer. Mitmachen könnt Ihr im Senat und Studierendenrat (Stura) auf der Ebene der gesamten Universität und im jeweiligen Fakultätsrat und Fachschaftsrat auf der Ebene des eigenen Fachbereichs. Mehr, mehr, mehr

Apr 2015 hastuUNI Nr. 59 0

Vom Bauschutt befreit sind Räume und Gänge

Anfang März wagte die hastuzeit einen ersten vorsichtigen Blick auf den neuen, noch unfertigen Campus am Steintor.

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

Was viel Geld, genauer 50 Millionen, gekostet hat, muss nicht immer schön sein. Aber Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters, auch wenn dieser hier teilweise etwas länger suchen muss. Der Steintor-Campus ist da.

Mit ihm ist für 3000 Studierende der MLU und 350 Dozenten eine neue Ära angebrochen. Vorbei die Zeit der kleinen, dezentralen, über die ganze Innenstadt verstreuten Institute. Das Geistes- und Sozialwissenschaftliche Zentrum am Steintor ist nach knapp drei Jahren Bauzeit fertiggestellt und wird im Sommersemester 2015 Stück für Stück bezogen. Den Anfang machen bereits im April das Orientalische Institut, die Neuphilologien und die Germanistik. Im Juni und Juli folgen dann die Institute für Altertumswissenschaften, Geschichte, Politikwissenschaften und der Rest. Mehr, mehr, mehr

Apr 2015 hastuPAUSE Nr. 59 0

Ein Student probiert sich als Pfarrer

Einmal im Jahr findet der »Gottesdienst International« in der hallischen Heilandsgemeinde statt. Dieses Mal kam am 8. März der Student Zoltán Kovács zu Besuch und hielt für die Gemeinde eine Predigt.

Foto: Johanna Sommer

Foto: Johanna Sommer

Zoltán stammt aus Brasov (dt. Kronstadt), welches in Rumänien liegt, einem Vielvölkerstaat mit Rumänen, Ukrainern, Türken, Serben, Tataren, Slowaken, Bulgaren und Deutschen. So ist es nicht verwunderlich, dass es auch verschiedene religiöse Gruppen gibt. Die Mehrheit (86,8 %) ist rumänisch-orthodox. Die restlichen Prozent der Gläubigen sind evangelisch-reformiert, muslimisch, jüdisch oder römisch-katholisch.

Im Herzen von Rumänien liegt das Gebiet Siebenbürgen, wo viele Menschen neben Rumänisch auch Deutsch sprechen, genauso wie Zoltán. Er selbst ist Mitglied der evangelisch-reformierten Kirche, welcher 4,7 Prozent der Bevölkerung in Siebenbürgen angehören.

Mit einem Stipendium des Gustav-Adolf-Werkes kam er erst nach Halle, um im Studienkolleg sein Deutsch zu verbessern. Als er das erfolgreich abgeschlossen hatte, studierte er Theologie auf Pfarramt in Leipzig, da das Gustav-Adolf-Werk nur Plätze für die Uni in Heidelberg oder die Uni Leipzig vergab. Momentan macht er in den Ferien ein Gemeindepraktikum in Erfurt. Mehr, mehr, mehr

Apr 2015 hastuPAUSE 0

Wütendes Trauern

Über 200 Menschen, darunter zahlreiche Studierende, gedachten auf dem hallischen Marktplatz den im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlingen.

Kann man die Trauer über den Tod von mehr als 1000 Flüchtlingen, die vergangene Woche auf dem Mittelmeer ertrunken sind, überhaupt noch in Worte fassen? Für die über 200 Menschen, die sich am Mittwochabend auf dem hallischen Marktplatz versammelten, stellte sich diese Frage nicht. Sie waren zusammengekommen, um den Geflüchteten zu gedenken, und bildeten einen großen Kreis. Dann schwiegen sie. Eine Minute lang.

Flashmob_Gedenken_an Flüchtlinge

Foto: Tobias Heller

Unter dem Motto »Wir schämen uns!« veranstaltete das Bündnis »NO Halgida – Für ein weltoffenes Halle« angesichts der verheerenden Katastrophe einen Flashmob. »Nicht erst seit gestern sterben Menschen aufgrund der restriktiven Flüchtlingspolitik seitens der Europäischen Union und ihrer Mitgliedsstaaten auf der Suche nach einem besseren Leben. In letzter Zeit jedoch hat die Abschottungspolitik der EU und die entsprechenden Folgen ein völlig neues Level erreicht«, schrieb das Bündnis auf Facebook. Und forderte: »Das muss aufhören! Schluss mit dieser von Rassismen durchsetzten Abschottungspolitik!« Mehr, mehr, mehr

Mrz 2015 Allgemein hastuPAUSE 0

Gruppenarbeit leicht gemacht

Eine kleine Auflistung hilfreicher Links für Planung, Organisation und Präsentation.

Ordnung ist das halbe Leben. Vor allem wenn es darum geht, den Überblick zu behalten, wenn viele Hände und Ideen im Spiel sind. Gruppen- und Projektarbeiten sollen den Teamgeist wecken und das Miteinander fördern. Viele Köpfe heißt viele kreative Ideen. Und eine angemessene Arbeitsaufteilung bedeutet bessere Kontrolle über einzelne Faktoren. Soweit die Theorie. Leider lässt oftmals das Wort Gruppenarbeit den gestressten Studenten zitternd zusammenzucken. Denn getreu dem Spruch, viele Köche verderben den Brei, kann auch die so hoch geschätzte Teamarbeit schnell nach hinten losgehen und im schlimmsten Fall im Gegeneinander statt im Miteinander enden. Dabei kann die anfängliche Motivation schon bei der Aufteilung des Themas, der Organisation von Treffen und des Brainstormings ins Wanken geraten.

Natürlich wissen sich Studenten via Social Networks à la Facebook und Co. miteinander zu verständigen und zu organisieren. Doch unser Freund und Helfer Internet hält noch viele weitere nützliche und unbekannte Websites bereit, die einem Projekt von der Planung zur Entstehung auf die Beine helfen.

Gruppenarbeit Illu-Anne

Illustration: Anne Walther

Am Anfang steht das Wort. Oder sehr viele. Durcheinander. Viele Mitglieder haben viele Ideen, die erst einmal zusammengeworfen und ausgewertet werden müssen. Das geht am besten mit der amerikanischen Website bubbl.us. Hier kann nach freier Vorgehensweise eine übersichtliche Mindmap erstellet, bearbeitet und geteilt werden. Nutzen kann man diesen Service kostenlos und ohne Anmeldung für 30 Tage.

Sind die ersten gedanklichen Fäden gesponnen, kann man mit der richtigen Arbeitsphase beginnen. Leider nur ist es oft sehr schwer, einen gemeinsamen Termin zu finden. Die sicherlich schon bekannte Seite doodle.com hilft, Termine festzulegen, an denen wirklich alle dabei sein können. Alternativ existiert der Webservice whichdateworks.com, welches nach kostenloser Anmeldungdie letzten Termine, Einladungen und Kontakte speichert.

Wenn die Terminkalender aber voll sind oder die virtuelle Absprache doch effektiver erscheint, kann die Kommunikation auch ganz online durchgeführt werden. Nicht jeder aus der Gruppe ist bei Facebook? Merkwürdig, aber kein Problem. Der Dienst imo.im widmet sich ausschließlich der Kommunikation via Chat, SMS, Telefon und Videochat. Es können Gruppen erstellt und Fotos und Videos geteilt werden. Diese kostenfreien Angebote können auch mobil via Smartphone und Tablet genutzt werden, ohne dass man Gefahr läuft, auf einer weiteren Social Network Site gefangen zu sein.

Die Phase der Einzelarbeit hat begonnen. Man verlässt den Computer nur noch, um dringende Bedürfnisse zu erfüllen. Aber plötzlich geht die geistige Schranke herunter, die Ideen gehen aus oder man hat sich vollkommen verrannt. Die Hilfe eines Gruppenmitgliedes wird benötigt. Und das bestenfalls, ohne die Wohnung verlassen zu müssen. Über Join.me kann ähnlich dem Teamviewer die Kontrolle des eigenen Bildschirms von einem anderen übernommen werden. Dabei muss man auch nicht nur stumm dem eigenen Mauszeiger zuschauen, wie er über den Bildschirm huscht, via Chats und Konferenztelefonaten können sich alle Gruppenmitglieder beraten. Der Dozent hat doch die meiste Ahnung? Einfach eine Einladung schicken und ihm den Screen weiterreichen. Die Vollversion dieses Dienstes gibt es auch hier kostenlos für 30 Tage.

Nicht zu vergessen ist natürlich auch die Recherchearbeit. Man arbeitet von zu Hause aus, benötigt aber doch hin und wieder Anregungen und Informationen? Folgenden Seiten stellen kostenfreie E-Books zum Download bereit. Auf gutenberg.org findet man hauptsächlich historische und belletristische Werke, http://openstaxcollege.org/students hingegen bietet eine große Sammlung an fakultätsbezogenen Textbüchern.

Es ist fast vollbracht. Alle Gruppenmitglieder haben gemeinsam gebrainstormt, es wurde recherchiert, getroffen, beraten und sortiert. Fehlt nur noch eine angemessene Darstellung der gewonnen Ergebnisse. Kein Problem mit folgenden kostenfreien und nützlichen Links. Der Webservice Google hält unbekanntermaßen neben seiner Such- und Mailfunktion auch viele Möglichkeiten bereit, Textdokumente, Tabellen, Formulare und Präsentationen zu online zu erstellen und zu teilen. http://www.google.de/intl/de/sheets/about/ präsentiert diese Funktionen in einer übersichtlichen Aufbereitung für Inhaber eines Google-Accounts. Die Features erinnern in ihrem Äußeren und der Handhabung stark an Word, Excel und PowerPoint. Vorschläge und Entwürfe können schnell und einfach an alle Mitglieder verteilt und von ihnen bearbeitet werden.

Wem die herkömmliche PowerPoint Präsentation allerdings zu lamgweilig erscheint, kann auf prezi.com lebhafte und interaktive Präsentation erstellen. Anstelle des statischen Folien-weiter-klickens, hat man bei Prezi die Möglichkeit, seiner Kreativität auf einer unendlichen weisen Fläche freien Lauf zu lassen und ähnlich einem Wanderweg den Verlauf der Präsentation nachzuvollziehen. Dieser Webservice ist für Studenten kostenlos und kann auch offline präsentiert werden.

Damit steht zumindest technisch einer erfolgreichen Gruppenarbeit nichts mehr im Wege.

 

Jan 2015 hastuUNI Nr. 58 0

»Die Systemfrage stellen«

Andreas Petrik, Professor für Politikdidaktik, plädiert dafür, nicht nur aus persönlicher Motivation für gute Bildungspolitik auf die Straße zu gehen, sondern langfristig zu denken.

Andreas Petrik als Student im Jahr 1990 – damals demonstrierte er gegen Rassismus. Foto: Andreas Petrik

Andreas Petrik als Student im Jahr 1990 – damals demonstrierte er gegen Rassismus.
Foto: Andreas Petrik

Anfang Dezember gingen wieder einmal Tausende Studierende auf die Straße, um gegen die geplanten Kürzungsmaßnahmen der Landesregierung zu protestieren. Trotz klirrender Kälte hat es das Aktionsbündnis MLU – Perspektiven gestalten geschafft, die Massen zu mobilisieren. Die inhaltlichen Forderungen des Bündnisses waren dabei sehr konkret: Es ging unter anderem um die Verhinderung von Institutsschließungen und die Ausfinanzierung der Bildungslandschaft. Man kann aber auch noch weitergehen und zum Beispiel den Zusammenhang mit der Wirtschafts- und Finanzkrise in den Blick nehmen.

Andreas Petrik wurde 1968 in Aachen geboren. Er studierte 1990 bis 1997 Politikwissenschaften, Germanistik und Pädagogik an der Universität Marburg. Nach dem Referendariat arbeitete er als Lehrer und wissenschaftlicher Mitarbeiter in Hamburg. Seit 2008 ist er Professor für Didaktik der Sozialkunde an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Sie waren als Student selbst politisch aktiv und auch an einer Hörsaal-Besetzung beteiligt. Wie lief das damals ab?

Das war Anfang der 90er-Jahre in Marburg. Es ging damals nicht um Studiengebühren, die gab es noch gar nicht. Es ging neben Studienbedingungen primär um eine antirassistische Initiative anlässlich der rassistischen Übergriffe von Hoyerswerda und Rostock 1991. Wir waren eine breite Bewegung, die sich einen Spaß daraus machte, tatsächlich auch in den Hörsälen zu übernachten. Mehr, mehr, mehr