Aug 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 65 0

Sonne für alle

Eine der emotionalsten und gefährlichsten Krankheiten des 20. Jahrhunderts könnte bald ausgerottet sein – und vielleicht sogar Anlass zur Hoffnung geben.

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Illustration: gemenfrei Link: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Poliovirus_binding_receptor_ 1DGI.png

Eine amerikanische Kleinstadt in den 40er-Jahren. Es ist Sommer, der Himmel blau und die Luft angenehm warm, eigentlich perfekt, um die Zeit im Freien zu verbringen. Doch das Schwimmbad ist geschlossen, die Spielplätze verwaist, man sieht kaum jemanden im Freien. Ein Wort macht die Runde, das so manchen in Angst und Schrecken versetzt: Kinderlähmung. Die Menschheit hat in ihrer Geschichte mit vielen Krankheiten Bekanntschaft gemacht, seien es Pest, Cholera, Pocken, Spanische Grippe, Malaria, Ebola oder AIDS. Diese Namen stehen auch heute noch für Leiden und Tod. Doch es gibt auch Krankheiten, die besonders heutzutage weniger bekannt sind. »Kinderlähmung« sagt heute kaum noch jemandem etwas. Noch vor 60 Jahren allerdings war sie der Albtraum aller Eltern. Jährlich wurden tausende Menschen, vor allem Kinder, geschädigt. Mehr, mehr, mehr

Aug 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 65 0

»Lauf doch weg, Bitch.«

Der Jugendliche Steve liebt seine Mutter so sehr, dass er sie fast schon töten möchte. Der Film »Mommy« des frankokanadischen Regisseurs Xavier Dolan fasziniert durch Emotionen, Alltagsbezug und starke Charaktere.

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Photo: Film „Mommy»

Der sechzehnjährige Steve (Antoine-Olivier Pilon) wird aus einem Heim für schwer erziehbare Jugendliche entlassen und lebt fortan mit seiner Mutter (Anne Dorval). Er hat ADHS und eine gewalttätige Vergangenheit hinter sich, womit seine Mutter nun umgehen muss. Als Steve mal wieder Schwierigkeiten macht und seine Medikamente nicht nehmen will, kommt die Nachbarin Kyla (Suzanne Clément) zur Hilfe, und zusammen versuchen sie, den Jungen zu bändigen und ihm ein normales Leben zu ermöglichen.
Der Film zieht den Zuschauer sofort in seinen Bann. Obwohl alle Szenen in alltäglichen Situationen stattfinden – auf der Straße, im Haus, vor dem Einkaufszentrum – lassen die Aufrichtigkeit und Emotionalität eines jeden Moments die zwei Stunden wie im Flug vergehen. Schon das erste Treffen von Mutter und Sohn zeigt einen eindringlichen Blick in die Beziehung der beiden: Er in Trainingsanzug, sie in High Heels und eng anliegenden Jeans. Steve fängt an, von seinem Leben im Heim zu erzählen: »Wenn ich ehrlich bin, konnte ich es mit diesen Idioten nicht länger ertragen.« Die Mutter zündet sich darauf eine Zigarette an. Steve quengelt: »Darf ich auch ? Ich hab dort auch geraucht!« Sie verweigert, denn sie will alles richtig machen. Dann aber gibt sie ihm die Zigarette: »Hier, kannst du zu Ende rauchen. Sind noch ein paar Züge.« Mehr, mehr, mehr

Aug 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 65 0

Es lebe die Zeitung!

Das Internet ist allgegenwärtig und hat uns schon seit langer Zeit in seinen Bann gezogen. Es wird prophezeit, dass es Zeitungen deswegen in einigen Jahrzehnten nicht mehr geben könnte. Doch kann das World Wide Web wirklich eine gedruckte Zeitung in Papierform ersetzen ?

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Illustration: Katja Elena Karras

Zeitungen und Zeitschriften, die von vielen so geliebten Printmedien zum Anfassen, erschienen im Jahr 1605 erstmalig in Straßburg. Das von Johannes Gutenberg erfundene Druckverfahren ebnete den Weg zur ersten Zeitung, die das politische Geschehen zusammenfasste und regelmäßig erschien. Bis heute vertrauen viele Menschen auf das Printmedium. Ob zu Informations- oder Unterhaltungszwecken, in vielen Haushalten findet man die jeweilige Lokalzeitung und diverse Zeitschriften – noch. Mehr, mehr, mehr

Aug 2016 Allgemein hastuPAUSE Heft Nr. 65 0

Generation Beziehungsunfähig ?

Selbstoptimierung, Perfektionsstreben, Narzissmus – wenn es nach dem Schriftsteller Michael Nast ginge, würden diese Schlagworte das Ideal des gegenwärtigen Deutschen präzise umschreiben.

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Grafik: Buchcover

Folgt man dem Spiegel-Bestseller-Autor in seinem aktuellen Werk »Generation Beziehungsunfähig«, nimmt man eine recht beängstigende Entwicklung wahr. Die Lebensführung eines modernen Durchschnittsdeutschen scheint der von vor 20 Jahren kaum noch zu ähneln. Die damals angestrebten und profanen Ziele des frühen Heiratens und Kinderkriegens werden von immer mehr Menschen immer weiter in die Zukunft verschoben. Stattdessen stehen die individuelle Karriere und die tägliche Modellierung des eigenen Selbstbildes im Vordergrund. Nast erkennt hier ein erschreckendes Ausmaß an Selbstinszenierung. Das klingt zugegebenermaßen reichlich plakativ, doch kann wohl kaum jemand diese Anmaßungen komplett abschmettern.

Aktuell sind allein in Deutschland auf der Internetplattform Facebook 28 Millionen User angemeldet. 21 Millionen besuchen die Seite täglich. Bei Instagram beläuft sich die Nutzerzahl auf 9 Millionen – Tendenz steigend. Mehr, mehr, mehr

Aug 2016 hastuUNI Heft Nr. 65 0

Studium ohne Leidenschaft

»Studierst du noch – oder arbeitest du schon ?« – Die Tendenzen von Verwertung und Vereinheitlichung greifen um sich. Auch die Universität, deren Idee eigentlich einmal darin bestand, die Autonomie des Geistes zu wahren, ordnet den Geist zunehmend diesen Strukturen unter. Infolgedessen orientiert sich das Studium der Geisteswissenschaften nicht primär am Erkenntnisgewinn, sondern an der Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt.

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Photo: Katja Elena Karras

Was kann an der Universität demotivierender sein als die Teilnahme an einer Statistik-Vorlesung ? Der Besuch bei einem Dozenten oder Professor höchstpersönlich. Wer schon einmal hochmotiviert – das muss sich nicht zwingend von hochverwirrt unterscheiden – mit einem Kopf voller Ideen und dem Ziel der Absprache einer Studienarbeit, zu seinem Dozenten gegangen ist, kennt vermutlich folgende Situation:
Die Studierende sitzt nach mehrstündiger oder mehrtägiger Vorbereitung aufgeregt auf dem Platz vor dem Sprechstundenzimmer. Schnell werden noch einmal die letzten Notizen durchgeschaut, damit das vorbereitete Thema auch möglichst souverän und interessant vorgestellt werden kann. Die Tür öffnet sich, die Studierende betritt den Raum. Die Aufregung steigt: Wie kommt das Thema wohl an ? Wird der Dozent meine Fragen beantworten können ? Kann er mir weiterhelfen ?

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Aug 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 65 0

In der Blase

Die vergangene Legislaturperiode und die aktuelle Landtagswahl zeigen vor allem eines: Studierende sind in Sachsen-Anhalt eine Minderheit und ihre Themen und Ideen auf Halle und Magdeburg beschränkt. Für Sachsen-Anhalt könnte das fatal enden.

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Illustration: Katja Elena Karras

Wer zur Landtagswahl 2011 nach Sachsen-Anhalt kam, konnte durchaus überrascht sein. Gängige Mehrheitsverhältnisse unterschieden und unterscheiden sich hier stets von denen anderer Bundesländer. Was unter Politikstudierenden für zahlreiche und spannende Hausarbeiten taugt, macht die Realpolitik zuweilen kompliziert und schwer vorhersehbar. Bei der Wahl 2011 hätte es für eine rot-rot-grüne Mehrheit gereicht. Es wäre damals ein bundesweit neues Experiment gewesen, doch die SPD zog eine große Koalition vor. Man entschied sich für Bekanntes und gegen das Experiment. Eine unfassbare Sparwut und scharfe finanzielle Kürzungen für die Hochschulen waren die Folge. Der große Protest und auch koalitions- und vor allem SPD-interne Streitereien wendeten die schlimmsten Kürzungen jedoch noch ab. Bis zur aktuellen Landtagswahl wurde dann eine Art Burgfrieden vereinbart (in landestypisch überhöhter Manier »Bernburger Frieden« genannt). Wer wollte, konnte das als Erfolg des Widerstands und Protests begreifen. Gegen die sich wieder politisierten Studierenden ließ sich vermeintlich keine Landespolitik machen.

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Aug 2016 hastuUNI Nr. 65 0

Porzellan statt Pappe

Der schnelle Kaffee zum Mitnehmen ist bei vielen Studierenden sehr beliebt – mit drastischen Folgen für die Umwelt. Allein in Deutschland werden pro Stunde 320 000 Einwegbecher weggeworfen. Zeit, die (eigene) Coffee-to-go-Politik zu überdenken.

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Illustration: Joshua Stepputat

»Einen Kaffee bitte … zum Mitnehmen!« Sonst schaffe ich es nicht durch das nächste Seminar. Für Freunde des schwarzen Goldes ist die neue Cafébar am Steintorcampus ein wahres Geschenk. Noch bevor ich den Seminarraum erreiche, ist der Kaffee ausgetrunken. Unter den kritischen Augen einer Kommilitonin werfe ich den Pappbecher in einen Mülleimer: »Besonders umweltfreundlich ist das nicht gerade.« Daraufhin erzählt sie mir von ihrem Mehrwegbecher aus Edelstahl, den sie meist in die Uni mitnimmt. Man könne sich auch »einfach mal auf einen ›Kaffee zum Hiertrinken‹ einlassen«. Sie hat Recht – mein Pappbecher hat nicht einmal zehn Minuten überdauert.

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Jun 2016 hastuUNI 0

Bullshit!

Die Argumente für die Einführung eines hastuzeit-Aufsichtsrats halten einer näheren Überprüfung nicht stand. Wozu dann das Ganze? Ein Kommentar.

Der neue Paragraph in der Geschäftsordnung des Studierendenrats

Der neue Paragraph in der Geschäftsordnung des Studierendenrats

Am 27. Juni 2016 hat der Studierendenrat der Martin-Luther-Universität seine Geschäftsordnung geändert. Paragraph 17 benennt die hastuzeit als »Studierendenschaftszeitung«, regelt die Wahl der Chefredakteure durch den Stura und führt vor allem einen Aufsichtsrat zur »Überwachung der Erfüllung der Aufgaben« ein. Noch ist unklar, ob der neue Paragraph der Geschäftsordnung ohne begleitende Satzungsänderung überhaupt gilt. Diese erreichte nämlich nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit. Dennoch wird dieser Kommentar erläutern, warum die auf der Sitzung genannten Argumente für den neuen Paragraphen Bullshit sind. Mehr, mehr, mehr