Jan 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 64 0

Dezent verzaubert

Das MDV-Gebiet ist mehr als Leipzig und Halle. Auch die meist verkannten mittelgroßen Städte lohnen einen Besuch. Diesmal ging es ins winterliche Merseburg.

Die Orangerie im Schlossgarten_960

Foto: Julia Plagentz

Nur zehn Minuten sind es mit der Bahn von Halle ins siebzehn Kilometer südlich gelegene Merseburg. Kaum in den Zug eingestiegen, ist man schon da. Merseburg hat gut 36 000 Einwohner, von denen sich allerdings heute circa 35 900 in ihre Häuser zurückgezogen haben; die Straßen sind ausgestorben an diesem Samstag Anfang Januar. Nur eine Clique Halbstarker zieht vorbei.
Sie verkörpern die eine Seite des harten Kontrasts, den die Stadt bietet: Plattensiedlungen, Tristesse und Verwahrlosung. Auf der anderen Seite stehen die noch immer vorzeigbare Geschichte, die viele Spuren hinterlassen hat und Touristen zu locken vermag, zahlreiche kleine Trödelläden und die spürbaren Bemühungen der Stadt, sich in gutem Licht zu präsentieren. Zudem haucht die Hochschule Merseburg der Stadt mit ihren knapp 3000 Studenten etwas frisches Leben ein. Gleich gegenüber der Stadtkirche St. Maximi am Markt befindet sich in der Burgstraße eine kleine Touristen-Information. Hier gibt es neben den zu erwartenden Flyern und Broschüren eine für Merseburg überraschend vielfältige Auswahl an Souvenir-Artikeln.

Mehr, mehr, mehr

Jan 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 64 0

Mit dem Professor auf der Couch

Elektronische Vorlesungen und Online-Kurse sind für Studierende in den USA nichts Neues. Auch die MLU setzt auf moderne Technologien und multimediale Projekte. Ein Pilotprojekt der pädagogischen Psychologie.

hastuzeit-64_druck_40s_Seite_960couch

Illustration: Tetyana Gryniva

Besonders an den heiß begehrten Universitäten wie Princeton oder Stanford haben sich die digitalen Aufzeichnungen und virtuellen Seminare bereits etabliert. Mit den neuen technischen Möglichkeiten kann die Lehre endlich über die begrenzten Kapazitäten der Hörsäle gehen und ein breiteres Publikum erreichen. Lernen wie auf dem Campus kann man nun überall und jederzeit.
Die E-Vorlesung in der pädagogischen Psychologie an der MLU ist sowohl für die Studierenden als auch für den Professor Pablo Pirnay-Dummer und sein junges Team eine neue Erfahrung. Das digitale Format ist nicht nur eine innovative Alternative im Vergleich zur klassischen Präsenzveranstaltung, sondern bietet auch viele weitere Vorteile.

Mehr, mehr, mehr

Jan 2016 hastuUNI Heft Nr. 64 0

Kontinent von übermorgen

Afrika ist ein Kontinent voller Vielfalt und Schönheit, aber auch geprägt von radikalen Gegensätzen und großen Problemen. Der Versuch einer Analyse.

Afrika_Joschua_960

Illustration: Joshua Stepputat

Der »Schwarze Kontinent« besitzt viele Gesichter. Nicht nur reicht die Fülle seiner Landschaften von den Dünen der Sahara und den Korallenriffen des Roten Meeres bis zu den feuchten Regenwäldern des Kongo-Beckens und dem gewaltigen Victoria-See, auch seine Menschen sind äußerst verschieden. Besonders die Unterschiede zwischen dem von den Mittelmeerkulturen geprägten, muslimischen Norden und dem auch als »Schwarzafrika« bekannten Süden sind oft größer als die zwischen den Ländern Europas. Gemeinsam sind den meisten der 54 Staaten nur ihre koloniale Vergangenheit und der mühsame Kampf um politische Stabilität. In den Politikwissenschaften rückt der Kontinent zunehmend in den Blick, an der Martin-Luther-Universität zum Beispiel im Seminar »Politische Systeme und Demokratisierungsprozesse in Afrika«.

Mehr, mehr, mehr

Jan 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 63 0

Der Hallische Zufall

Der »Hallische Zufall« ist die Kolumne der hastuzeit. Darin schildert Tobias regelmäßig Momente und Begebenheiten der hallischen Ab- und Besonderlichkeiten. Diesmal geht’s um die Gusche.

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

»Wollmer uns losmachen?«
als Frage for­muliert oder das knappe und vor allem sehr bestimmte »Ich mach mich los!« hört man in Halle häufig und quer durch alle Alters- und Sozialstufen. »Losmachen«, das ist ein schönes Beispiel für die Saalestädter Mundart. Sind »Hallunken« und »Halloren« mehr durch Schokolade und Marketing im Sprachgebrauch verankert, so steht »losmachen« für mehr. Einfach und kurz gehalten, ohne viel drum herum beschreibt es, was nun passieren wird. Dennoch bleibt die Formulierung etwas umständlich, droht gar ins Stumpfe abzudriften und integriert plump das schwache Verb »machen« in den Satz. Hallenserinnen und Hallenser könnten auch den einfachen Weg wählen und »gehen« oder gar das viel stärkere Verb »verschwinden« verwenden. Doch Saalestädter ziehen die sanfte, etwas unpraktisch erscheinende Variante über den Umweg des »Machen« vor. Es mag Leute geben, für die diese Formulierung gar leicht proletarisch wirkt, doch im Grunde ist es Ausdruck des herzlich-bestimmten Einschlags, den das Hallische und wohl auch jeder Hallenser in sich trägt. Niemand würde die Hallenser wohl als besonders freundlich charakterisieren. Eher als derb und direkt, ohne dabei jedoch das Herzliche zu vergessen. Und so werden nicht viele Umstände gemacht und auch nicht über Gebühr Wert auf schönen Klang oder aufreizende Grammatik gelegt. Entsprechend klingt denn auch die Mundart.

Mehr, mehr, mehr

Jan 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 63 0

»I heart you, Germany«, nachträglich

Unbemerkt von der hastuzeit-Redaktion gab’s im Oktober ein Jubiläum zu feiern. Ein Nachtrag. Und was Lena Meyer-Landrut damit zu tun hat.

heart_Notiz LINKS UNTEN_keks copy_960

Illustration: Katja Elena Karras

Ach ja, da war ja was. 25 Jahre deutsche Einheit. »Verdammte Axt!« würde Lena Meyer-Landrut nun ausrufen. Ein Vierteljahrhundert schon, und wir von der hastuzeit haben«s reichlich verpeilt. Wir waren damit aber nicht ganz allein. Dieses Jahr hatte der Feiertag nämlich noch das Pech, auf einen Samstag zu fallen, sodass er manch einem erst beim vergeblichen Ruckeln an der Ladentür bewusst wurde.
Ja, das Datum ist wichtig und wurde auch deutschlandweit groß gefeiert, besonders in Berlin, wo Lena vor einer Million Menschen auftrat. Ansonsten ist es dennoch etwas vorbeigehuscht.
Womöglich hat sich der 3. Oktober auch in den letzten Jahrzehnten etwas zu sehr in den Vordergrund gedrängt, der Gute. Wir haben«s mittlerweile verstanden, Deutschland ist wieder eins, seit mittlerweile 25 Jahren. Nicht nötig, uns mit Lena zu ködern. In unzähligen Rückblicken, alten Bildern wiederholt, hat uns der Tag bisher reichlich eingelullt, einige Reden waren ähnlich relevant wie Lenas Liebeserklärung »I heart you, Germany!« beim Eurovision Song Contest.

Mehr, mehr, mehr

Jan 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 63 0

Mal wieder durchatmen

Millionen auf der Flucht. Tausende gegen Überfremdung auf den Straßen. Dutzende offene Fragen. Die Situation der Geflüchteten überfordert. Ein Eingeständnis.

_MG_7339_z3_FertigesPhoto copy_960

Foto: Katja Elena Karras

Nach Deutschland kommen Millionen Menschen, aus Eritrea, Syrien, Albanien, Afghanistan und vielen anderen Ländern mehr. Die Gründe sind ganz verschieden, da sind wirtschaftliche Ursachen, ebenso wie Krieg oder eine menschenfeindliche Diktatur. Es flüchten Muslime, Christen, Familien, Männer, Frauen und nicht zuletzt Kinder und Jugendliche. Letztere teilweise von ihren Eltern getrennt.
Gegen diese Menschen protestieren Tausende, die angeblich besorgt sind um ihre eigenen Kinder, ihre Arbeitsplätze, ihre vermeintlich schöne heile Welt. Sie protestieren gegen Geflüchtete, Kanzlerin und »linksgrüne« Medien. Anderswo helfen Tausende, überall in ganz Deutschland und teilweise sogar an den EU-Außengrenzen. Was aber tut man selbst? Was kann man wirklich bieten? Wo muss man zugeben, dass es so nicht reicht? Wie geht man mit den Demonstranten und Hetzern im Netz um? Das Thema Geflüchtete überfordert, auf allen Ebenen. Das fängt schon beim Begriff an. Wie bezeichnet man Menschen, die aus ihren Heimatländern fliehen müssen? »Wirtschaftsflüchtlinge« ist ein Begriff mit negativem Beiklang geworden. Diesen Menschen zumindest kann Deutschland nicht helfen, so die Überzeugung.

Mehr, mehr, mehr

Jan 2016 hastuUNI Heft Nr. 63 0

Freundschaft im Hörsaal

Seit diesem Wintersemester können Flüchtlinge an der MLU als Gasthörer Veranstaltungen besuchen. Als Tandempartner helfen Studierende ihnen nicht nur durch den Uni-Alltag.

hastuzeit_63_Gasthörerschaft_960kk

Illustration: Katja Elena Karras

Die beiden Löwen auf dem Uniplatz sind in Sonnenlicht getaucht. Es ist vielleicht der letzte lauwarme Spätsommertag, ziemlich erstaunlich im November. Eine kleine Menschentraube hat sich vor dem Löwengebäude gebildet. Auf den Treppenstufen sitzen eine Frau und ein Mann, ihre Köpfe auf die Beine gelegt und die Augen geschlossen. Der 20-jährige Khaled stammt aus Syrien. Er ist einer von 51 Flüchtlingen, die sich dieses Wintersemester als Gasthörer an der Uni eingeschrieben haben. Neben ihm sitzt die Geographiestudentin Isabell Klipper, die Khaleds Tandempartnerin ist und ihn durch den Unialltag begleitet. Khaled, der vor dem Krieg in Syrien geflohen ist, hat durch einen Freund von dem Projekt erfahren und besucht jetzt Kurse in Wirtschaftsgeschichte und Medienwissenschaften.

Mehr, mehr, mehr

Jan 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 63 0

Fernseher? Brauch ich nicht.

Welche Medien nutzen Studierende in ihrer Freizeit, woher beschaffen sie sich Informationen über aktuelle Geschehnisse, und was halten sie von der medialen Gestaltung der Vorlesungen? In einer Befragung auf dem Uniplatz haben uns einige Studierende ihre Sicht erklärt.

medien_Anne copy_960

Illustration: Anne Walther

Die Medienlandschaft verändert sich stetig. Der Trend geht zu immer moderneren Techniken, mit denen man Informationen präzise und in Echtzeit an den Konsumenten bringt. Nirgendwo tauchen die Schlagzeilen der Nachrichtenportale schneller auf als in sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook. Diese Plattformen werden auch von einem Großteil aller Studierenden an der MLU genutzt. Es stellt sich die Frage: wie sieht eigentlich das Medienverhalten des durchschnittlichen Studierenden aus?
Nachrichtensendungen im Fernsehen genießen offensichtlich nach wie vor einen großen Stellenwert – und sei es in der Mediathek im Netz. »Es ist angenehmer, alle wichtigen Informationen kompakt aufgezeigt zu bekommen. Wenn ich mir die Inhalte hingegen selbst zusammensuchen muss, zum Beispiel im Internet, dauert das länger und ist aufwendiger«, meint eine Medizinstudentin. Bemängelt an »alten« Medien wie dem Fernsehen wird allerdings der festgelegte Zeitrahmen des Programms, der wenig Platz für individuelle Bedürfnisse lasse. Die Studentin weiter: »Wenn ich fünf Minuten nach Beginn der Tagesschau einschalte, habe ich die wichtigsten Ereignisse des Tages bereits versäumt.«

Mehr, mehr, mehr